Snap Aktie: Wie katastrophal sind die Quartalszahlen wirklich?

21. Oktober 2022

Snap Aktie Quartalszahlen

Snap hat es wieder geschafft, die Investoren zu schockieren und die Kurse von Ad-Tech Unternehmen und Werbeplattformen wie Meta, Alphabet, Pinterest und Co. auf Talfahrt zu schicken. Die Snap Aktie selbst gab nachbörslich 27 Prozent ab. Sind die Quartalszahlen wirklich so katastrophal? Wir gehen auf die negativen und positiven Punkte kurz ein.

Snap Aktie Quartalszahlen
Quartalszahlen von Snap. Quelle: Snap

Negativ: Umsatzblindflug und abnehmende Verweildauer mit Stories

Die Umsätze lagen leicht unter den Erwartungen der Analysten. Allerdings hatte Snap schon mehrmals die Guidance reduziert. Die niedrigen Ziele dann nicht erfüllen zu können, kommt daher sehr schlecht an bei Anlegern. In der außerordentlichen Veröffentlichung im August (8-K filing) war Snap noch von einem Umsatzwachstum in Q3 von 8 Prozent ausgegangen. Im September muss sich das Geschäft daher nochmals eingetrübt haben. Dieser Blindflug bei der Umsatzplanung ist katastrophal, und es scheint ein spezifisches Snap Problem zu sein. Die Zahlen bei den großen Werbeagenturen Omnicom und Publicis deuten auf eine leichte Erholung im Werbemarkt hin.

Makroumfeld und Apples App Tracking Transparency (ATT) setzen den Werbeplattformen zu. Das Makroumfeld belastet das Geschäft mit Brandkampagnen, ATT belastet das Direktmarketing (Direct Response, DR). Das Makroumfeld wird irgendwann drehen, doch ATT bleibt. Es zeichnet sich immer mehr heraus, dass Snap bisher kein überzeugendes Angebot für DR für die ATT-Ära entwickelt hat. Zwar arbeitet man auf Hochtouren an einer Lösung, insbesondere mit First-Party-Daten, doch eine Besserung ist frühestens 2023 in Sicht. In diesem Kontext enttäuschte auch das Engagement der Snap Kunden mit dem bisher relevantesten Produkt, nämlich Stories. Im Investorenbrief heißt es dazu:

Time spent watching Friend Stories continues to be a headwind to overall growth in time spent watching content, even as the number of Snapchatters viewing Friends Stories has grown year on year-over-year.”

Dagegen wächst “time-spent” mit Spotlight (Snaps Konkurrenzangebot zu TikTok) aktuell mit 55 Prozent. Allerdings wird Spotlight bisher nicht monetarisiert.

Snap kommuniziert auch etwas wirr. Zwar will man keine Guidance für Q4 abgeben, aber im Analystencall gab es dann doch Kommentare zu Q4. Bisher sei der Umsatz um 9 Prozent gewachsen, aber vorsichtshalber gehe man lieber von einem flachen Ergebnis aus. Nach den bisherigen Erfahrungen mit Snap setzen Anleger lieber auf die pessimistische Sicht.

Auch die Profitabilitätszahlen fielen enttäuschend aus. Der Nettoverlust stieg auf 360 Millionen Dollar. Darin sind allerdings 155 Millionen Dollar Restrukturierungskosten, nachdem man 20 Prozent der Mitarbeiter abgebaut hat. Aktuell hilft es wenig, wenn die Non-GAAP „Gewinne“ besser sind als erwartet. Anleger möchten echte Gewinne sehen.

Positiv: Hohes Nutzerwachstum, Cashflow wieder positiv

In unserem Blogartikel zur Snap Aktie vor einem Monat hatten wir dargestellt, wie stark das Nutzerwachstum bei Snap ist. Tatsächlich ist das Wachstum bei den Daily Active Users (DAU) Zahlen mit 19 Prozent beachtlich und liegt über den Erwartungen der Analysten.

Snap DAU weltweit
Snap DAU weltweit. Quelle: Snap

Kaum eine andere Socialmedia-Plattform kommt aktuell auf diese Wachstumszahlen, mit Ausnahme von neuen Anbietern wie BeReal. Aber solange Snap diese Zahlen nicht in Umsätze umwandeln kann, bleibt der Markt unbeeindruckt. Da Nutzer deutlich stärker wachsen als Umsätze, geht aktuell der durchschnittliche Umsatz pro Kunde (ARPU) zurück, nämlich von 3,49 auf 3,11 Dollar innerhalb der letzten 12 Monate. 

Snap ist es gelungen 1,5 Millionen Nutzer von dem neuen Abomodell zu überzeugen. Dennoch war man auffällig schmallippig dazu in der aktuellen Kommunikation. Bei 3,99 Dollar pro Subskription sind das ca. 6 Millionen Dollar zusätzlicher, hochmargiger Umsatz. Die Zurückhaltung mag auch daran liegen, dass man in der internen Memo vor einem Monat noch von 4 Millionen Abonnenten bis Ende 2022 ausging. Dieses Ziel wird man vermutlich verfehlen. Dennoch ist die Entwicklung bei den Abonnenten grundsätzlich sehr positiv. 

Positiv ist auch die Entwicklung beim Free-Cashflow. Zwar fiel dieser im Vorjahresvergleich von 52 Millionen auf 18 Millionen Dollar, doch in Q2 betrug der Free-Cashflow -147 Millionen Dollar. Snap kann dank der Kosteneinsparungen auch bei einem geringen Umsatzwachstum genügend freie Mittel für den operativen Betrieb erwirtschaften. Das Unternehmen ist nicht existenziell gefährdet. Goldman Sachs schätzt sogar für 2023 einen FCF-Yield von 6,7 Prozent.

Snap geht gerade durch eine harte Zeit. Das Unternehmen arbeitet an neuen Werbeangeboten, restrukturiert das Salesteam global, leidet massiv an knapperen Werbebudgets und verspürt immer mehr Konkurrenzdruck, allen voran durch TikTok. Bei Kunden wird Snap allerdings immer beliebter. Das geht in der aktuellen Berichterstattung zu den Quartalszahlen unter. Wenn es Snap gelingt, Teile dieses Wachstums in Umsatz zu konvertieren, können Aktionäre wieder Freude mit der Snap Aktie haben. Allerdings blieb Snap bisher den Beweis schuldig, dass es nach Apples ATT ein funktionierendes Direct-Response-Geschäft aufbauen kann. Ich bleibe dennoch optimistisch für die Snap Aktie. Das Snap-Management offensichtlich auch. Man hat sich einen Aktienrückkauf in Höhe von 500 Millionen Dollar genehmigen lassen.

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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Snap. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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