Square Aktie: Einstieg in den Non-Fungible Tokens Markt?

12. März 2021

Square Aktie Non-fungible tokens

Die Square Aktie haben wir zuletzt in unserem Blogartikel “Rapper und Börsianer stehen auf Cash App” im März 2020 besprochen. Der Blogartikel fiel mitten in den Corona-Crash. Die Aktie stürzte um über 40 Prozent ab, danach ging es steil nach oben. Seit den Tiefstkursen im März 2020 hat die Square Aktie knapp 600 Prozent zulegen können.

Square Aktie Kurs Chart
Square Aktie Kurs

Investoren haben zunächst befürchtet, dass mit den Lockdowns zahlreiche kleine und mittelgroße Geschäfte in den USA, die Square-Produkte nutzen, nicht überleben bzw. Umsatzeinbrüche zu verzeichnen haben. Das ist auch so eingetroffen.

Doch gleichzeitig gab es einen regelrechten Hype um die Cash App von Square, der mit dem Bitcoin-Hype und dem Ansturm der Retailanleger auf die Börsen weiter angeheizt wurde. Die Q4-2020-Zahlen belegen diese Entwicklung und zeigen, wie stark die Zukunft von Square im Ecosystem der Cash App liegt und nicht im Point-of-Sales-Geschäft (POS).

Mit diesem Beitrag betrachten wir welche Entwicklungen den Kurs der Square Aktie beeinflussen können.

Cash App steht für 45 Prozent des Bruttogewinns

Da bei Square die Umsätze aufgrund der hohen Transaktionskosten wenig Aussagekraft haben, wollen wir die Entwicklung anhand des Bruttogewinns analysieren. Im Q4 2020 stieg der Bruttogewinn 52 Prozent auf 804 Millionen Dollar. Davon entfielen 377 Millionen Dollar auf das Geschäft mit der Cash App. Das ist ein Anstieg von 162 Prozent.

Die Händler, die Square POS-Produkte nutzen, trugen 427 Millionen Dollar zum Bruttogewinn bei. Das ist ein Anstieg von 13 Prozent. Das ist wenig, aber immerhin wächst das Geschäft mit Händlern seit zwei Quartalen wieder, trotz der Einschränkungen durch die Pandemie.

Square Aktie Quartalszahlen Chart
Square Aktie Quartalszahlen. Quelle: Square

Im Q4 2019 war die Cash App noch für 27 Prozent der Bruttogewinne verantwortlich. In dem abgelaufenen Quartal stieg der Anteil auf 47 Prozent.

Im Gesamtjahr 2020 stieg der Bruttogewinn auf 2,73 Millionen Dollar und damit um 48 Prozent. Auch im Gesamtjahr entfielen schon beachtliche 45 Prozent auf die Cash App.

Das Gross Payment Volume (GPV), also der Wert aller Transaktionen über angeschlossene Händler, stieg 12 Prozent auf 32 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum konnte Paypal diesen Wert um 36 Prozent auf 277 Milliarden Dollar steigern (das Transaktionsvolumen bei Paypal kommt zu 94 Prozent von Händlern).

Der Lockdown spielte Paypal in die Karten, da es in den USA und auch in vielen anderen Länder die dominante Bezahlart für Online Payment ist. Square hingegen ist im Händlergeschäft mit wenigen Ausnahmen nur in den USA und dort bisher hauptsächlich offline am Point of Sales, also an der Kasse, als Payment-Anbieter relevant. 2020 konnte Square offensichtlich Geschäftskunden stärker für den Onlinehandel gewinnen. Mehr als 50 Prozent des GPV fand über Onlinekanäle statt. Insgesamt ist die Entwicklung des GPV aber eher enttäuschend.

Sollte allerdings Präsident Biden recht behalten und Amerika bis Ende Mai durchgeimpft sein, wird das Bezahlen am POS wieder zunehmen, was im direkten Vergleich gut für Square und weniger gut für Paypal sein sollte. Das könnte Auswirkungen auf die Square Aktie und auch die Paypal Aktie haben.

36 Millionen aktive Cash-App-Kunden

In unserem Artikel vor einem Jahr hatten wir dem Management bei der Jahresprognose sehr viel „Sandbagging“ unterstellt. Wir hatten folgende Prognose für die Cash App gewagt: „Wenn der aktuelle Wachstumstrend anhält, dann steigen die Nutzerzahlen bis zum Jahresende auf 40 Millionen und der Umsatz pro Kunde auf über 40 Dollar. Annualisiert sind das margenstarke 1,6 Milliarden Dollar Umsatz.“

Damit lagen wir recht gut. Tatsächlich sind es 36 Millionen „monthly transacting customers“ geworden, also Kunden, die mindestens eine Transaktion im Monat tätigen. Der Bruttogewinn pro Kunde ist mit 41 Dollar sogar höher ausgefallen als von uns prognostiziert.

Cash App monatlich aktive Nutzer Chart
Cash App monatlich aktive Nutzer

Auf ein Jahr hochgerechnet, wenn also keine weiteren Kunden dazukommen sollten und das Kunden-Engagement stabil bleibt, wären das knapp 1,5 Milliarden Dollar Bruttogewinn nur durch die Cash App, somit 23 Prozent Wachstum gegenüber 2020. Tatsächlich geht das Kundenwachstum bei Square in den ersten Monaten 2021 munter weiter. Hauptgrund ist der Bitcoin-Hype.

Der Bitcoin-Siegeszug

Square-CEO Jack Dorsey gehört zu den prominentesten Fürsprechern von Bitcoin. Er hat früh erkannt, wie groß die Fangemeinde von Bitcoin ist und den Handel mit Bitcoin über die Cash App einfach zugänglich gemacht.

Viel Geld hat man damit lange nicht verdient, aber für die Kundenakquisition war es ein genialer Schachzug. 2020 haben mehr als 3 Millionen Kunden über die Cash App Bitcoin gehandelt. Im Q4 ist das gehandelte Bitcoin-Volumen um Faktor 2,5 gestiegen. Allein im Januar haben nach Unternehmensangaben 1 Millionen Cash-App Kunden erstmals Bitcoin gekauft. In Q4 hat sich der Bitcoin-Umsatz verzehnfacht auf 1,76 Milliarden Dollar.

Square behauptet, dass man hier nur eine minimale Marge berechnet, aber immerhin resultierte daraus ein Bruttogewinn von 41 Millionen Dollar. Dorsey weist aber unermüdlich darauf hin, dass Bitcoin-Kunden im Schnitt aktiver sind und somit vergleichsweise mehr zum Bruttogewinn beitragen. Allerdings hätte Square durchaus die Option, die Margen beim Bitcoin-Handel deutlich auszuweiten. Spätestens mit dem Börsengang von Coinbase könnte der Druck auf Square steigen, das Bitcoin-Geschäft stärker zu monetarisieren.

Square ist bei Bitcoin einen Schritt weitergegangen und hat sogar im Q4 50 Millionen Dollar und im Februar nochmal 170 Millionen Dollar aus der Unternehmenskasse in Bitcoin investiert. Dorsey dazu im Analystencall: „We believe the Internet needs a native currency, and we believe Bitcoin is it. We believe it has highest the probability of empowering more people in the economy in a fair way. We’re doing a lot to ensure this from a product, open source development and open patent perspective. And by us owning Bitcoin, our incentives are aligned with skin in the game.”

Ich finde diese Argumentation wenig überzeugend. Das Bitcoin-Exposure von Square ist auch so schon hoch, die damit verbunden Chancen und Risiken nehmen massiv zu.

Was hat Square mit Tidal vor?

Am 4. März hat Square die Übernahme des Streaming-Dienstes Tidal angekündigt. Tidal ist ein kostenpflichtiger Musikstreaming-Dienst, der unter anderem mit dem Alleinstellungsmerkmal einer verlustfreien Datenkompression für sich wirbt. Für 297 Millionen Dollar in Bar und Aktien hat Square eine „signifikante Mehrheit“ an Tidal übernommen. Die bisherigen Anteilseigner wie Jay-Z, Beyoncé, Rihanna, Daft Punk, Nicki Minaj und Madonna sollen weiterhin an Bord bleiben. Wir hatten vor 12 Monaten über die gegenseitige Liebe von Rappern und Cash App berichtet, doch soweit hatten wir das dann noch nicht kommen sehen.

Jay-Z hat 2015 zusammen mit anderen Künstlern den Streamingdienst für 56 Millionen Dollar übernommen, doch an die Reichweite von Spotify, Amazon Prime Music und Apple Music kommt man nicht annähernd heran. Wahrscheinlich hat Tidal ca. 4 Millionen Nutzer.

Was hat Square mit Tidal vor?

Innerhalb Square soll Tidal als eigenes Segment neben Cash App und dem Händlergeschäft unabhängig weitergeführt werden. Jack Dorsey möchte Künstlern helfen, ihre Kreationen im digitalen Zeitalter besser zu monetarisieren: Dorsey: „Making the economy work for artists is similar to what Square has done for sellers.“

Tidal als NFT-Marktplatz?

Dabei denkt Dorsey wohl weit über Streamingdienste hinaus. Die Zauberformel lautet Non-Fungible Tokens (NFT). Es geht dabei um nicht austauschbare (Bitcoin ist austauschbar), einzigartige Tokens, die ein ganz konkretes Asset repräsentieren. Die Speicherung erfolgt dabei auf einer Blockchain.

NFT können digitale Objekte in Computerspielen, Sammelkarten, einzigartige Krypto-Katzen oder Tweets sein. Jack Dorsey selbst hat den ersten Tweet auf Twitter “just setting up my twttr” gerade als NFT angeboten. Das höchste Angebot bisher ist 2,5 Millionen Dollar.

Crash-Prophet Marc Friedrich will aktuell mir einen Tweet abkaufen.

Marc Friedrich Tweet Baki Irmak
Quelle: Twitter

Ganze 1 Euro hat er mir für einen Tweet über Dirk Müller angeboten. Vielleicht ändert er die Währung in Bitcoin, dann können wir reden. ☺

Kunst-Plattformen wie AsyncArt und SuperRare für NFT sind kaum ein Jahr alt und feiern bereits große Erfolge. Über die Marktplätze wie Open Sea und Nifty Gateway sind allein im Februar 2021 NFT im Wert von über 200 Millionen gehandelt worden.

Square Aktie Umsatzwachstum Chart
Square Aktie Umsatzwachstum

Und ganz aktuell hat Christies mit der ersten Versteigerung digitaler Kunst den unglaublichen Verkaufserlös von 69 Millionen Dollar für den Beeple-NFT erzielt.

Alles deutet darauf hin, dass Dorsey und Jay-Z aus Tidal einen Marktplatz für NFT machen wollen. Mit all den Künstlern, der Cash App und der Expertise für Blockchain sind die Voraussetzungen dafür nicht schlecht. Wir werden mit großer Spannung diese Entwicklung verfolgen.

Square Aktie Prognose und Fazit

Square ist eine Hyper-Growth-Company, die mit ihren Produkten zum Kulturphänomen und Trendsetter geworden ist. Einmalig in der Finanzwelt.

Das hat auch die Investorengemeinde begeistert und die Marktkapitalisierung auf über 100 Milliarden Dollar getrieben. Auf dem Papier mag das Verhältnis von EV/Sales (FWD) mit 7,3 noch nicht mal so hoch erscheinen, doch ein Großteil der Umsätze sind Transaktionskosten. Allein die Bitcoin-Kosten machten 2020 47 Prozent der Umsätze aus.

Das Verhältnis von EV/Gross Profit beträgt aktuell 37, auf Basis der zu erwartenden Zahlen für 2021 ca. 27. Das ist viel. Zumal die Profitabilität des Unternehmens noch Wünsche offen läßt. Obwohl wir die Entwicklung bei der Cash App sehr gut prognostizierten, haben wir unsere Square-Anteile daher sukzessive reduziert; aus heutiger Sicht teilweise viel zu früh.

Aber in erster Linie sind wir natürlich sehr glücklich, die Square Aktie bei dieser phänomenalen Erfolgsgeschichte begleitet zu haben. Der Siegeszug der Cash App geht unvermindert weiter. Es ist nicht auszuschließen, dass Square mit diesem Produkt auch außerhalb USA und UK große Erfolge feiern kann. Wer zudem an den Durchbruch der Blockchain-Technologie auch jenseits von Bitcoin glaubt, dem bietet die Square Aktie nun mit Tidal einen sehr konkreten Anwendungsfall. Wir werden an unserem Engagement bei Square – mit derzeit relativ kleiner Gewichtung – weiter festhalten.

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Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Square. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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2 Antworten

  1. Was mich an der ganzen Sache stört ist, dass Square ihren BTC Traffic als Umsatz deklariert.
    Rechnet man das raus ist das Wachstum bei um die 20 % yoy. (Ich glaub 17 % hab die Zahl aber im Moment nicht mehr genau im Kopf)
    Was ist ihre Vermutung wieso Square das macht?
    Ich befürchte, wenn Square die Bilanzierung umstellen und das richtig verrechnen wird das Wachstum deutlich einbrechen und das könnte den Kurs deutlich unter Druck setzen.
    Ansonsten ist Square Top aufgestellt!

  2. Ich kann nur sagen, dass die Seite von thedif insgesamt sehr schön und gut strukturiert aufgebaut ist. Zudem erscheinen die Artikel plausibel und sind gut verständlich erklärt. Die Unternehmen sind ebenfalls sehr gut ausgewählt und die entsprechenden Einstufungen realistisch und rational statt wie üblich marktschreierisch. Was ich mir noch wünschen würde, wäre ein Musterdepot mit klaren und nachvollziehbaren Kauf- und Verkaufssignalen, damit jeder Leser die Möglichkeit hat, dieses bei Bedarf nachzubilden. Performance-Auswertung könnte monatlich, respektive jährlich erfolgen. Das bieten die wenigsten Börsenbriefe an. Die meisten Musterdepots sind völlig intransparent und nebulös. Ich bin seit 40 Jahren Börsianer und möchte dem Team von thedif wirklich ein Lob für diese tolle und außergewöhnliche Publikation aussprechen.

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