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Square Aktie – Die Quadratur des Preises

6. September 2019

Square Aktie - Bild von Square Lesegerät und Kreditkarte auf Farbtuben

Vor etwa einem Jahr haben wir in unserem Artikel „Der Payment-Markt – The battle of all time“ dargestellt, warum da draußen ein erbitterter Kampf um das Bezahlen der Zukunft ausgebrochen ist. Im Portfolio von The Digital Leaders Fund ist das Payment-Thema mit Mastercard, Paypal, aber auch mittelbar mit Plattformunternehmen wie Alphabet, Alibaba und Tencent sehr prominent vertreten.

Ein weiteres Unternehmen hatten wir seit dem Start unseres Fonds immer auf unserer Watchlist, nämlich Square. Wie viele andere Wachstumsunternehmen ist Square sehr sportlich bewertet, so dass wir uns bisher zurückgehalten hatten mit einem Investment. Mittlerweile notiert der Aktienkurs jedoch 40 Prozent niedriger gegenüber dem Hoch im Oktober 2018. Was macht das Unternehmen eigentlich?

Ist die Square Aktie nun ein Kauf?

Square Aktie - Vergleich Performance 1 Jahr Square, Nasdaq, Mastercard, Paypal
Performance im letzten Jahr: Square Aktie, Nasdaq, Mastercard, Paypal.

Vom Austausch von Worten zum Austausch von Werten

2008 wurde der kongeniale Gründer von Twitter, Jack Dorsey, als CEO des Unternehmens zwischenzeitlich abberufen. Zusammen mit seinem Freund Jim McKelvey stellte er fest, dass viele kleine Unternehmen auf  Umsätze verzichten mussten, weil sie keine Kreditkarten akzeptierten. Zahlen mit Plastik hatte sich schon damals bei den Verbrauchern durchgesetzt. Aber die circa 21 Millionen kleinen und mittelgroßen Unternehmen (Small and Medium Enterprises – SME) in den USA hatten kaum sinnvolle Bezahlsysteme installiert. Die existierenden Systeme hatten hässliche, unhandliche Terminals und oft komplexe und teure Gebühren.

Gerade der Kneipe um die Ecke, dem Obstladen, der Reinigung und dem Friseur in der Nachbarschaft entgingen so täglich Umsätze. Mit dem legendären quadratischen Reader (Kreditkartenleser), den Dorsey und McKelvey in nur wenigen Monaten bauten, und einer dazugehörigen App für iPhones und Android-Handys landete Square einen sensationellen Erfolg. Nach einem Jahr waren schon über 1 Million Reader im Einsatz.

Square Aktie - Kartenlesegerät mit Android und Apple Anschluss
Square Aktie: Der legendäre quadratische Reader. (Quelle: Square)

Square hatte einen echten Painpoint ausgemacht und eine praktikable Lösung entwickelt. Der Verkäufer musste nur die App herunterladen, den Reader ans Handy anschließen und nur wenige Sekunden später konnte der Verkäufer am Wirtschaftsleben jenseits von Bargeld teilnehmen.

Square Aktie - Kartenlesegerät mit American Express Karte
Der quadratische Reader von Square im Einsatz mit einer Kreditkarte.

Der Reader hat sich seither weiterentwickelt, ob Anschluss über die Kopfhörerbuchse oder Lightning-Schnittstelle, ob Magnetstreifen, kontaktlos (NFC, Nahfeldkommunikation) oder mit EMV-Chip, wie es in Europa üblich ist. Eine Hardware, die so elegant ist, dass sie auch von Apple stammen könnte.

Square Aktie - Bild von Square Reader
Square Aktie: Der Reader hat sich weiterentwickelt mit diversen neuen Anschlüssen.

Zuständig für die Hardware bei Square ist Jesse Dorogusker, der vorher bei Apple unter anderem für die Entwicklung der Lightning-Schnittstelle verantwortlich war. Doch Produktdesign ist nicht nur Schönheit, das Gesamtpaket traf den Geschmack der Verkäufer: Den Reader gibt es kostenlos, die Software auch, alles läuft einfach per Selbstinstallation. Dazu kommt ein einheitliches, einfaches und gutes Pricing.

Jack Dorsey spricht davon, dass er E-Commerce genauso einfach machen wollte wie mit Twitter die Kommunikation. Statt den Austausch von Worten, werden im Handel Werte ausgetauscht. Warum sollte daher Handel nicht genauso einfach ablaufen wie Kommunikation?

Das Square-Ökosystem für Verkäufer

Was mit dem Reader anfing, hat sich mittlerweile zu einem einzigartigen Ökosystem für Kaufleute, Händler und Freiberufler entwickelt. Dabei kommt Software, Hardware und Bezahlsystem aus einer Hand. Mit „Square Stand“ kann der Einzelhändler seit 2013 sein iPad in ein Kassensystem umwandeln. Dazu ist nur noch ein Aufsteller und Reader notwendig.

Square Aktie - Bild von Square Stand mit Anschluss für iPad
Vom iPad zum Kassensystem mit Square Stand.

Bei Bedarf kann man einfach eine Bargeldkasse, Drucker und Barcodescanner anschließen.

Mittlerweile bietet Square für Kunden, deren jährlicher Umsatz 125.000 Dollar übersteigt, sogar eigene Tablets an, die auf die Nutzung am POS optimiert und reduziert sind. Ein separates Lesegerät mit Bildschirm für den Kunden, die Größe des Tablets auf die Bedürfnisse des Verkäufers optimiert, die Android-App aktualisiert sich von allein, ein integrierter zusätzlicher Prozessor führt die wichtigen Verschlüsselungsaufgaben durch.

Square Aktie - Zwei Lesegeräte - Eins für Verkäufer und eins für Käufer
Zwei Lesegeräte: Eins für den Kunden und eins für den Verkäufer.

Mit der kostenlosen App Square Point of Sales (POS) hat der Verkäufer zudem ein Dashboard erhalten, womit er zunächst nur Warenbestände kontrollieren, Zahlungen entgegennehmen und Analysen fahren konnte. Heute bietet Square POS nahezu alles, was ein Händler für E-Commerce braucht: Rechnungen digital verschicken, Terminvereinbarungen online anbieten, Lagerhaltung kontrollieren, Löhne auszahlen, Treueprogramme, Marketing, alles aus einer Hand. Zudem werden alle relevanten Bezahlvarianten akzeptiert: Bar, gegen Rechnung, alle Kreditkarten, Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay, online und offline.

Square Aktie - Grafik von Square Ökosystem für den Verkäufer
Das Square-Ökosystem für den Verkäufer. (Quelle: Square)

Für die wichtigsten Branchen baut Square nun auf deren Bedürfnisse optimierte Lösungen wie Square for Restaurants und Square for Retail.  Das Ziel ist es, organisch mit den Kunden zu wachsen und selbst bei sehr hohen Umsätzen und komplexen Organisationen die erste Wahl für POS-Lösungen zu bleiben.

Square Aktie – Der Merchant Cash Advance Markt

Mit Square Capital versorgt das Unternehmen die Verkäufer sogar mit kurzfristigen Krediten. Der sogenannte „Merchant Cash Advance“ (MCA) Markt ist in den US unreguliert. Herkömmliche Bankregulierung für Ratenkredite greift hier nicht. Auf Knopfdruck können Square-Verkäufer über Kreditlimits verfügen und ihr Geschäft ausweiten.

Da Square die Umsätze und Geschäftsentwicklung der Kunden kennt, kann das Unternehmen das Ausfallrisiko abschätzen und  Kreditangebote sehr individuell anpassen. Nur ein Teil der Kreditrisiken nimmt Square dabei auf die eigene Bilanz, der Großteil wird syndiziert. Die Ausfallrate ist dabei mit 4 Prozent auffallend niedrig für das Kundensegment.

Die Dominanz der Square-POS-App

Wie beliebt Square ist, zeigen die App-Downloads in der Kategorie Business Applications.

Square Aktie - Square App Ranking im Vergleich mit Konkurrenz Platz 1
Square App: Erster Platz in der Kategorie Business Applications nach App-Downloads.

Bei den App-Bewertungen schneidet Square mit nahezu 5 Sternen außergewöhnlich gut ab. Der Net Promoter Score mit über 70 deutet auch auf eine sehr hohe Kundenzufriedenheit hin. Zuletzt hatte Square 2016 die Anzahl der Verkäufer mit 2 Millionen angegeben. Es ist etwas verwunderlich, dass es keine aktuelleren Zahlen gibt.

Die App-Nutzerzahlen zeigen hier keine signifikante Steigerung. Ich vermute, dass die Anzahl der Kunden nicht mehr merklich wächst, sondern dass Square zunehmend auf Kunden mit mehr Umsatz setzt. Wenn man alle Square Händler zusammenzählt, dann rangieren die Square-SMEs – gemessen am Umsatz – unter allen Handelsplattformen in den USA auf Platz 13. Auf Platz 1 liegt Walmart, auf Platz 9 Amazon, auf Platz 16 der Apple Store.

Square Aktie – Ausblick

Parallel zum Angebot für SMEs hat Square um Square Cash herum ein noch spannenderes Ökosystem für Endkunden aufgebaut. Im zweiten Teil unserer Analyse zur Square Aktie werden wir in der kommenden Woche erklären, wie die zwei Ökosysteme von Square auf einzigartige Weise miteinander interagieren, wie Square mit seiner Plattform Geld verdient und warum die Square Aktie aus unserer Sicht nun attraktiv bewertet ist.

Weiter zum zweiten Teil unseres Square-Porträts.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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