Streit zwischen Facebook und Apple eskaliert

29. Januar 2021

Facebook gegen Apple Bild

Facebook hat in dieser Woche gute Zahlen für das vierte Quartal 2020 präsentiert. Der Umsatz stieg um 33,2 Prozent auf 28 Milliarden Dollar, das ist der höchste Anstieg seit zwei Jahren. Im Pandemiejahr 2020 hat Facebook den Umsatz 22 Prozent auf 86 Milliarden Dollar steigern können. Der Nettogewinn legte im Q4 um 53 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar zu. Die operative Marge stieg auf den Rekordwert von 46 Prozent. Damit lagen die Zahlen deutlich über den Erwartungen.

In diesem Beitrag erfährst Du die Updates zu Facebook und warum Apple einen negativen Einfluss auf die Facebook Aktie haben könnte.

Kundenanzahl bei Facebook steigt

Trotz der weltweit einzigartigen Durchdringung wächst die Kundenzahl bei Facebook weiter. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer (DAU) stieg 11 Prozent auf 1,84 Milliarden Menschen. Die Anzahl der monatlich aktiven User (MAU) stieg 12 Prozent auf nun 2,8 Milliarden.

Facebook Aktie Daily Active Users Chart
Entwicklung der Anzahl an monatlich aktiven Nutzern. Quelle: Facebook

Der Quotient aus DAU/MAU liegt weiterhin stabil bei 66 Prozent. Er ist ein guter Indikator für die Relevanz der Plattform. Werte über 50 zeugen von einem sehr gesunden Kundenengagement. Bei Facebook liegt dieser Wert immer noch deutlich höher als bei Instagram, trotz des hartnäckigen Gerüchts, dass Facebook eine sterbende Plattform sei.

Hinsichtlich Kundenwachstum hat aber Facebook in den USA und Europa den Zenit erreicht. Der DAU-Wert ist nun zwei Quartale in Folge gefallen. Mit 195 Mio. Menschen erreicht Facebook 70 Prozent der amerikanischen Bevölkerung, wenn wir die Zahl der 0-14-jährigen abziehen. Nur bei den jüngeren Bevölkerungsgruppen ist Facebook nicht so populär. Lediglich 12 Prozent der App-Nutzer sind bei Facebook unter 25 Jahre alt.

Facebook Aktie Demographie Chart
Nutzer nach Alter bei Facebook (blau), Instagram (schwarz) und Snapchat (gelb).
Quelle: Sensor Tower

Rekordumsätze pro Kunde

Das hält allerdings die Werbekunden nicht davon ab, immer mehr Geld für Kundenakquisition auf den Facebook-Plattformen auszugeben. In den USA beträgt der durchschnittliche Umsatz pro Kunde mittlerweile 53,56 Dollar, das ist 29 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahresquartal. Bei 195 Millionen Nutzern ist das beachtlich.

Nur zum Vergleich: Netflix kommt in den USA auf 65 Mio. Nutzer, auch hier ist die Zahl rückläufig. Im Schnitt macht Netflix 13 Dollar Umsatz im Monat pro Kunde. Bei Facebook sind es über 17 Dollar. Subskriptionseinnahmen mögen attraktiver erscheinen als Werbeeinnahmen, doch Netflix muss seine Preise erhöhen, um den Umsatz in den USA zu steigern, Facebook muss hingegen nur Werbekunden begeistern.

Facebook Aktie ARPU Entwicklung Chart
ARPU Entwicklung: Umsatz pro Kunde. Quelle: Facebook

Der Umsatz pro Kunde, ARPU, konnte in Europa auch 27 Prozent gesteigert werden. In Asien und Rest der Welt, wo Facebook immer noch mehr Kunden gewinnt, ist das ARPU-Wachstum immerhin zweistellig.

Neues Aktienrückkaufprogramm

Die Ausgaben in Q4 sind um stolze 25 Prozent auf 15,3 Milliarden gestiegen. Etwa 20 Prozent der Umsätze machen bei Facebook die Kosten für Forschung & Entwicklung aus, das ist ein höherer Wert als bei vielen Konkurrenzunternehmen. Im Gesamtjahr 2020 hat Facebook mehr als 16 Milliarden Dollar für Innovation ausgegeben.

Der Free-Cash-Flow lag im Q4 bei 9,2 Milliarden Dollar. Insgesamt sitzt Facebook aktuell auf 62 Mrd. Dollar Cash. Aus dem bisher genehmigten Aktienrückkaufprogramm hat Facebook 8,6 Milliarden Dollar noch nicht ausgegeben. Nun ist das Programm um 25 Milliarden Dollar erhöht worden. 

Ausblick verhalten optimistisch

CFO Dave Wehner führte im Analysten-Call aus, dass Facebook im Pandemiejahr 2020 von zwei Trends profitiert hätte: Mehr E-Commerce und somit mehr Werbekunden sowie die stärkere Nachfrage von Konsumenten nach Produkten statt Dienstleistungen (wie z.B. Reisen) und somit zugunsten der Werbetreibenden, die auf Facebook-Plattformen schalten. Beide Trends sollten sich abschwächen, so Wehner.

Aufgrund des Basiseffektes und der Beeinträchtigung des Geschäfts im ersten Halbjahr 2020 durch die Lockdowns erwartet Facebook für das erste Halbjahr 2021 ein Umsatzwachstum von 30+ Prozent. Im zweiten Halbjahr wird aus eben jenen Gründen eine deutliche Abschwächung des Wachstums erwartet.

Kampf zwischen Facebook und Apple eskaliert

Auch im aktuellen Call kritisierte Facebook die Ankündigung von Apple mit iOS 14 die „Identifier für Advertiser“ (IDFA) zu ändern. App-Anbieter müssen dann eine explizite Einwilligung jedes einzelnen Nutzers einholen, um Tracking über Device-IDs weiter vornehmen zu können. Bisher musste sich der User in den Systemeinstellungen aktiv um das Opt-out kümmern.

Publisher wie Facebook befürchten, dass einen großer Teil der Nutzer das Opt-in verweigern werden. Somit wird das granulare Targeting für Facebook Werbekunden massiv erschwert mit schwerwiegenden Folgen für die Renditen auf die eingesetzten Werbebudgets.

Die Facebook Kritik an Apple ist in den letzten Monaten lauter geworden. In ganzseitigen Anzeigen und Blogbeiträgen wird Apple scharf angegriffen. Da die Öffentlichkeit kaum mit Facebook sympathisieren wird, hat man das Narrativ rund um die vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen gewählt, die bei Facebook werben. So schreibt Facebook u.a.:

Apples neue Richtlinie wird es Kleinunternehmen viel schwerer machen, ihre Zielgruppe zu erreichen. Sie wird ihr Wachstum bremsen und großen Unternehmen einen unfairen Vorteil verschaffen. Von uns durchgeführte Studien stellten fest, dass Kleinunternehmen, die Anzeigen für mehr Website-Verkäufe schalten, durchschnittlich mehr als 60 Prozent ihres werbegetriebenen Umsatzes einbüßen, wenn sie ihre eigenen Daten nicht nutzen können, um Kunden auf Facebook zu finden.“

Im Conference-Call gab es volle Breitseite von Zuckerberg in Richtung Apple: „So, Apple has every incentive to use their dominant platform position to interfere with how our apps and other apps work, which they regularly do to preference their own. And this impacts the growth of millions of businesses around the world, including with the upcoming iOS 14 changes, many small businesses will no longer be able to reach their customers with targeted ads.“

Konkurrenz zwischen Facebook und Apple

Facebook sieht Apple zunehmend als seinen größten Konkurrenten und wirft dem Unternehmen vor, dass es unter dem Deckmantel von Datenschutz knallharte Profitziele verfolgt. App-Anbieter müssten nun von kostenlosen Apps auf Abonnements und In-App-Zahlungen umsteigen, wovon allein Apple profitiert.

Nach Angaben von The Information bereitet Facebook sogar eine Klage gegen Apple vor.

Das zeigt, wie schwerwiegend die Folgen der IDFA-Änderung für Facebook sein werden. Der genaue Zeitpunkt des IDFA-Updates ist unklar, aber es wird noch 2021 passieren. Facebooks Umsätze könnten im worst case um mehrere Milliarden Dollar sinken, bevor man über kreative Wege den Nutzer zum Opt-in ermutigt bzw. sich über Belohnungsprogramme später die Kundendaten „erkauft“.

M.E. ist das auch der Hauptgrund für die leichte Underperformance von Facebook (zumindest gegenüber Nasdaq 100) in 2020 und die enttäuschende Reaktion der Investoren auf die eigentlich sehr guten Q4-Zahlen.

Facebook Aktie Performance Chart

Apple-CEO Tim Cook giftete am Donnerstag zurück: “If a business is built on misleading users, on data exploitation, on choices that are no choices at all, it does not deserve our praise. It deserves scorn”. Das reichte, um am Donnerstag die Facebook-Aktie in negatives Terrain zu befördern.

Fazit

Facebook hat nach der Vorlage der Q4-Zahlen wieder eindrucksvoll demonstriert, wie robust das Geschäftsmodell und wie profitabel das Unternehmen ist. Mit einem P/E (FWD) von 25 und P/CF von 22 ist das Unternehmen mit dem aktuellen Wachstum und der hohen Profitabilität eigentlich sehr attraktiv bewertet, wäre da nicht die Unsicherheit rund um iOS 14.

Facebook muss aktuell Apple mehr fürchten als das Justizministerium in den USA. Aber Facebook steht im Kampf gegen Apple nicht allein. Die Front der Unternehmen gegen Apples Macht wird größer. Dennoch wird der Streit mit Apple den Aktienkurs von Facebook in den nächsten Monaten belasten. 

Langfristig sollte Facebook aber auch mit einer IDFA-Änderung nach einer Anpassungszeit weiter attraktiv wirtschaften können. Denn IDFA ändert nichts daran, dass Milliarden Kunden die Facebook-Plattformen gerne nutzen. Und wo die Kunden sind, da wollen auch die Werbetreibenden hin.

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Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Facebook. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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3 Antworten

  1. @Roger F. Wer Apple mangelnde Innovation vorwirft sollte sich mal mit dem M1 Chip und den erstmals damit ausgestatteten Geräten befassen.

  2. Hallo Stefan, interessant wie immer, aber in Deinem Artikel kommt Apple verdammt gut weg und stellt Facebook in ein eher schlechtes Licht. Blenden wir den Schauplatz Apple vs Facebook aus, so sieht man schnell, dass sich Apple zur Zeit überall Feinde sucht. Die erfolgreichsten Spielproduzenten wenden sich vom Appstore ab weil viel zu teuer und somit auch eine grosse Schar zahlungskräftiger, junger Kunden. Das iPhone ist bei den jüngeren Leuten nicht mehr angesagt und nur noch etwas für die ganz alten Leute. Die Performance Speicher, Rechenleistung, Auflösung und Ladeleistung der Batterien sind nicht einmal mehr Mittelmaß, die Kosten aber betragen das doppelte bis dreifache der Konkurrenz, welche inzwischen viel bessere Geräte produziert. Während Apple früher die Ideen zuerst gebracht hat, bringt Apple das schnelle 5G als einer der letzten überhaupt auf den Markt. Das Innovations-Gap von Steve Jobs ist längst keine Lücke mehr sondern ein unüberwindbarer Canyon und lässt sich auch nicht stoppen mit immer höheren Preisen. Apple droht ein zweite Nokia zu werden. Kunden werden auch immer stärker einschränkt, so kann z.B. ein neues iPhone heute nicht mehr von irgendeinem Händler repariert werden, da jedes Bauteil eine individuelle Nummer hat. Zwei neue funktionstüchtige Geräte, welche man nur das Display tauscht funktionieren beide nicht mehr. Damit hat der Kunde auch keine Möglichkeit irgendetwas bei einem unabhängigen Anbieter reparieren zu lassen und die Kosten für den Verbraucher steigen munter weiter. Mehrfach hat Apple Updates nur dazu genutzt, die Geräte einfach nur langsamer zu machen um den Kunden zu einem Kauf zu einem neueren Modell zu forcieren und wurde auch erfolgreich dafür angeklagt. Obwohl ich selber kein Facebook benutze und deren Datengier auch nicht ausstehen kann, bin ich nur für Facebook positiv.

    1. Hallo Roger,
      dieser Beitrag stammt gar nicht von mir sondern von Baki Irmak. 😉 Wir sind wie Du auch nicht besonders positiv für die Apple Aktie gestimmt, aber ich persönlich kann nicht bestätigen, dass das iPhone bei jüngeren Leuten nicht mehr angesagt sei. Zumindest im Umfeld meiner Teenager-Kids sind die Apple Devices ein wichtiges Statussymbol dieser Generation. Wer es sich leisten kann, der nutzt Apple… auch wenn es nicht immer das neueste Modell sein kann aufgrund der horrenden Preise.

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