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Tencent Aktie: Die Regulierung und die Monsterjagd

16. August 2018

Tencent Quartalszahlen zweites Quartal - Übersicht des Tencent Netzwerks

Dieser Artikel ist ein Update als Reaktion auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen von Tencent zum zweiten Quartal 2018. Eine umfangreiche Auseinandersetzung mit Tencent findest Du in unserer Investmentstory zur Tencent Aktie.

Auf den ersten Blick sind die Q2-Zahlen von Tencent enttäuschend:

Der Umsatz stieg lediglich um 30 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2017 auf nun 73 Mrd. Renminbi (10,6 Mrd. USD) und damit etwa 5 Prozent weniger als erwartet.

Der Nettogewinn fiel mit 17,9 Mrd. Renminbi zwei Prozent geringer aus als im Vorjahr und sogar 23 Prozent geringer als in Q1. Das ist der erste Gewinnrückgang seit 13 Jahren.

 

Onlinespiele in China – Außerhalb der Kontrolle des Unternehmens

Dieser Rückgang ist wesentlich mit dem Geschäft für Online-Videospiele zu erklären. Gegenüber dem vorherigen Quartal sanken die Umsätze bei Onlinespielen um 12 Prozent auf nun 25,2 Mrd. Renminbi.

Tencent erwirtschaftete bisher noch 40 Prozent der Umsätze in diesem Segment, allerdings schon seit Jahren mit abnehmender Tendenz.

 

Tencent Quartalszahlen zweites Quartal Umsatzentwicklung
Auf den ersten Blick enttäuschend: Die Quartalszahlen von Tencent zum zweiten Quartal 2018. (Quelle: Präsentation der Quartalszahlen von Tencent)

 

Erst kürzlich hat die Regierung Tencent untersagt, das extrem populäre Videospiel aus Japan „Monster Hunter: World” in China zu vertreiben.

Tencent hatte bereits über eine Millionen Vorbestellungen für das Spiel.

Den harten Gegenwind der Regulierung hatte Tencent bereits beim Vertrieb der Spiele „PlayerUnknown’s Battlegrounds” und “Honor of Kings” erfahren. Ein Grund dafür, weshalb die Aktie des Unternehmens seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent nachgegeben hatte.

Von einem allgemeinen Videospieleverbot kann derzeit jedoch nicht die Rede sein.

Am Mittwoch berichtete Bloomberg von größeren Restrukturierungen bei den Medienaufsichtsbehörden und aktuell fehlenden Zuständigkeiten.

Martin Lau, der Präsident des Unternehmens, klang auch etwas ernüchtert im Analystencall:

“In Bezug auf Umsatzwachstum ist Gaming unser Schwachpunkt. Unser größtes Spiel ist derzeit nicht monetarisierbar. Das ist aktuell außerhalb unserer Kontrolle, aber mit der Zeit werden wir das lösen.”

Diese Ereignisse zeigen sehr anschaulich, wie eng das Schicksal chinesischer Unternehmen vom Wohlwollen der Regierung abhängig ist und warum wir bisher zurückhaltend sind mit unserem China-Engagement. Wir sind lediglich in Alibaba und Tencent investiert.

 

Wachstum bei Payment und WeChat intakt

Der Grund für unsere Tencent-Investition ist auch nicht der Markt für Videospiele, sondern Payment und die allen Diensten zugrunde liegende Messaging-Plattform WeChat.

Hier ist das Wachstum weiterhin beeindruckend. Die Anzahl der monatlich aktiven Nutzer (MAU) ist fast 10 Prozent auf nun 1,06 Milliarden gestiegen.

Mit der Einführung von Mini Programs, welche kleine Apps innerhalb von WeChat sind, wird die Plattform immer mehr zu einer Art Betriebssystem.

Auch die Musik- und Videostreamingdienste à la Spotify und Netflix zeigen gutes Wachstum. Die Zahl der Abonnenten für diese Services konnte Tencent um 30 Prozent auf 154 Millionen Nutzer steigern.

Beim mobilen Payment Weixin Pay stieg die Zahl der MAU auf über 800 Millionen und das tägliche Transaktionsvolumen über 40 Prozent.

Im Unterschied zu Facebook macht Tencent einen sehr geringen Teil des Umsatzes mit Werbung, nämlich gerade mal 19 Prozent.

Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Werbeeinnahmen um knapp 40 Prozent. Diese Zurückhaltung bei Werbung ist durchaus beabsichtigt, gibt dem Unternehmen aber die Möglichkeit, in den nächsten Quartalen hier positiv zu überraschen.

Die Umsätze aus den „restlichen“ Geschäftsbereichen wie Cloud und Zahlungsdienstleistungen stiegen um 81 Prozent auf 17,5 Mrd. Renminbi.

 

Fazit

Es gibt Gründe dafür, warum das Bewertungsniveau chinesischer Unternehmen deutlich unter dem amerikanischer Konkurrenten liegt.

Die politischen Risiken und das Corporate Governance Umfeld allein rechtfertigen einen Abschlag. Die Tencent Aktie hat nun deutlich korrigiert und das KGV des Unternehmens liegt derzeit bei knapp über 30.

In Sachen Payment und Messagingplattform gibt aber Tencent weltweit den Ton bei Wachstum und Innovation an.

Daher haben wir nun unsere Gewichtung im Digital Leaders Fund von 1,5 Prozent auf 2,5 Prozent hochgefahren.

Abonniere unseren Newsletter (Klick), um auch weiterhin über die neuesten Updates der Digital Leaders in unserem Fonds informiert zu bleiben.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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