Tesla Aktie: Are we missing something?

26. Februar 2021

Tesla Aktie Kurs

Die Tesla Aktie hat seit Anfang 2020 einen spektakulären Lauf. Für das Gesamtjahr 2020 hat Tesla Ende Januar die Zahlen vorgelegt: Der Umsatz stieg trotz Pandemie um 28 Prozent auf 31,5 Milliarden Dollar und man hat mit 721 Millionen Dollar erstmals einen Profit für das Gesamtjahr erwirtschaftet. Im Jahre 2020 wurden knapp 500.000 Fahrzeuge verkauft, was in etwa 90 Prozent des Umsatzes darstellt.

Auf diesen Absatz wurde eine Bruttomarge von 5,4 Prozent erwirtschaftet. Das ist ein guter industrieller Wert, nicht mehr und nicht weniger. Die restlichen rund 10 Prozent des Umsatzes sind in Tesla Powertrain, Tesla Mobility, Tesla Energy, Tesla Insurance und Tesla Network Services erwirtschaftet worden.

Bevor ich auf diese potentiellen “super-fast-growth-areas” eingehe, um dann Rückschlüsse auf die Bewertung der Tesla Aktie zu ziehen, will ich das Autogeschäft, insbesondere E-Mobil-Bereich mit dem von Volkswagen vergleichen.

Tesla im Vergleich mit VW

Volkswagen hat im Jahre 2020 5,3 Millionen Autos verkauft, davon 230.000 E-Fahrzeuge. Es sollten damit etwa 11 bis 13 Milliarden Euro an Umsatz entstanden sein, also etwas weniger als die Hälfte Tesla’s. Die Bruttomarge bei Elektrofahrzeugen ist bei beiden Unternehmen ähnlich, aber da Volkswagen im Gegensatz zu Tesla keine CO2-Zertifikate in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar (ca. 3.200 Dollar pro Auto) bekommt, verliert man bei diesen Stückzahlen ca. 4.000 bis 5.000 Dollar pro Auto gegenüber Tesla.

Tesla Aktie VW Toyota Vergleich Chart
Aktienkursentwicklung Tesla vs. VW, Toyota

Ohne Abgaszertifikate bricht Teslas Gewinn ein

Da Tesla die CO2-Zertifikate auch noch an die anderen Automobilhersteller verkauft, ist die Konkurrenz doppelt benachteiligt. Andere Herstellen kaufen die Abgaszertifikate, um ihre Emissionsbilanz auszugleichen und so gesetzliche Vorgaben etwa in Kalifornien zu erfüllen.

Sollte Tesla diese 3.200 Dollar pro Fahrzeug eines Tages nicht mehr bekommen, so fehlen 1,6 Milliarden an Ertrag. Statt 721 Millionen Dollar Gewinn hätte Tesla 2020 einen Verlust von 880 Millionen Dollar eingefahren. Es ist meines Erachtens nicht zu erwarten, dass Tesla selbst bei stark steigenden Stückzahlen wesentlich geringere Produktionskosten hat als die traditionellen Hersteller. Mit steigender Produktion von E-Fahrzeugen bei der Konkurrenz wird das Ertragsproblem schneller auftreten als das Elon Musk Recht ist.

Gewinn Verlust pro Tesla Auto Chart
Quelle: Mirabaud
Tesla Aktie Abgaszertifikate Gewinn Übersicht
Quelle: Refinitv

Working-Capital-Defizit steigt

Eine weitere Sorge für Tesla ist die Relation kurzfristiger Verbindlichkeiten gegenüber Forderungen. Der enorm starke Anstieg deutet darauf hin, dass man hohe Lieferantenkredite in Anspruch nimmt, während die eigenen Kunden zügig zahlen. Diese Lage wird sich zuspitzen, wenn man zusehends Rabatte gewähren muss.

Tesla Aktie Working Capital Chart
Quelle: Mirabaud

Teslas Vorsprung bei Batterien wird schrumpfen

Werfen wir kurz einmal einen Blick auf die anderen Geschäftsfelder, die zur Zeit ca. 10 Prozent des Umsatzes betragen. Besonders im Fokus ist das Batteriegeschäft, wo Tesla nach Expertenmeinungen durch die Gigafactory ca. 18 Monate Vorsprung vor der Konkurrenz hatte.

Mit Tesla’s Ankündigung, die Batterien in Zukunft selbst herzustellen, hat der Hauptzulieferer Panasonic sich nach neuen Kunden umgesehen und nun einen Vertrag mit Toyota abgeschlossen. Die Herstellung der Batterie ist komplex: Die 82KW in einem Model 3 werden aus ca. 2.500 zylindrischen Batterien (Größe AA) und einer Main Unit generiert. Die Metallhülsen werden in einem hochmodernen und komplexen Verfahren bei peinlichster Sauberkeit und genauester Prüfung mit Lithium gefüllt und erlauben wegen der Feuergefahr eine sehr geringe Fehlertoleranz.

Tesla hat seine Fähigkeiten im Hinblick auf Eigenfertigung komplett überschätzt und ist zu seinem ursprünglich Lieferanten Panasonic für die Gigafactory in Texas und Grünheide zurückgekehrt. Allerdings entwickelt man für Tesla nun eine andere Batterie: die 4680-Zelle, eine etwa 50 Prozent größere Hülse mit höherer Dichte, um die Anzahl der Batterien, die in den Rahmen gebaut werden, zu verringern. Der Prototyp ist bereits entwickelt und wird bei Fertigstellung der Gigafactory hergestellt werden können.

Neben der zylindrischen Hülse wird aber auch eine prismatische benutzt. Diese Batterien kommen bei BMW und VW zum Einsatz, haben aber noch nicht die Eigenschaften der zylindrischen, daher haben die Fahrzeuge auch noch nicht die Reichweite der Teslas. Aber auch hier geht die Entwicklung weiter und Firmen wie Northvolt und CATL sind auf dem Weg, Tesla einzuholen.

Weitere Tesla Geschäftsfelder

Der andere Bereich im Sektor Energie ist Solar. Dieser ist wettbewerbsintensiv und hier hat Tesla in keinster Weise einen großen technologischen Vorsprung.

Bei den Network Services ist das anders, da man einfach länger als die Konkurrenz E-Fahrzeuge produziert und mit autonomen Fahren experimentieren konnte. Mittlerweile sind aber alle großen Autohersteller Partnerschaften mit Technologieunternehmen eingegangen, um hier massiv aufzuholen.

Damit entfällt meines Erachtens das Argument, Tesla produziere einen Computer auf Rädern und werde daher immer mehr higher-value Services, Software etc. verkaufen als die Konkurrenz. Apple, Microsoft, Baidu, Google u.a. drängen mit Partnerschaften bzw. sogar allein in den Mobilitätsmarkt.

Beim Versorgungsnetzwerk der Fahrzeuge auf der Straße liegt Tesla noch vorne. Auch hier schläft die Konkurrenz nicht. Mit den steigenden Stückzahlen werden auch bald die Angebote anderer Anbieter zunehmen.

Insurance ist ein weiteres Feld, wo Tesla glaubt, durch den Besitz von Daten über die Tesla-Fahrzeuge sowie den Fahrer/virtuellen Fahrer und die Möglichkeit des Tracings Diebstähle und Unfälle zu verhindern. Ob hier ein massives Wachstum an versicherten Fahrzeugen über die Tesla-Familie hinaus möglich ist, wage ich zu bezweifeln.

Heute ist Tesla bei einem Absatz von 500.000 Autos mit ca. 800 Milliarden Dollar bewertet, etwa 4-mal so hoch wie Toyota oder 8-mal so teuer wie VW, das heute schon 230.000 E-Autos produziert und in 2025 die gleichen Stückzahlen wie Tesla produzieren sollte.

Bewertung der Tesla Aktie

Tesla ist ein großartiges Unternehmen, das die Elektromobilität weltweit vorangetrieben hat und die etablierte Konkurrenz vor sich hertreibt. Der Preis der Aktie ist allerdings der Realität schon längst enteilt. Der schrumpfende Vorsprung bei einer der Kernkompetenzen wie Batterietechnologie sowie der massive Anstieg des Wettbewerbs in allen anderen Bereichen der Unternehmenstätigkeit wird derzeit von den Jüngern der Tesla Aktie ignoriert.

Der visionäre Tesla-CEO Elon Musk hat jüngst durch das Investment in Bitcoin innerhalb weniger Tage den Jahresgewinn 2020 verdient und viele Börsenspekulanten beglückt.

Außerdem hat er mit der Ankündigung, Bitcoin als Zahlungsmittel für Tesla-Fahrzeuge zu akzeptieren, die Welt wieder überrascht. Mit Autos hat Musk allerdings bisher kein Geld verdient. Das wird sich vermutlich nicht ändern. Ändern sollte sich aber der Blick der Investoren auf die Bewertung der Aktie.

Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen bzw. der Fonds Millennium Global Opportunities besitzen keine Anteile von Tesla. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Christoph Lampert

Christoph Lampert

Christoph Lampert managt gemeinsam mit Frank Zinnecker den Fonds Millennium Global Opportunities. Christoph war für Smith Barney/Citigroup in New York und London im institutionellen Equity Geschäft als Managing Director tätig. 1998 übernahm er das Capital Markets und später auch Asset Management Geschäft der Citigroup in Deutschland als Vorstandsmitglied.

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8 Antworten

  1. Der Artikel gibt unbewiesene Eigenmeinungen des Autors wieder und steht im klaren Widerspruch zur Expertenmeinung von VWs Hr. Diess, welcher schon mehrmals den Vorsprung von Tesla auch für die nächsten Jahre vorausgesagt hat.
    Ich persönlich vertraue lieber dem Auto-Experten von VW bei meinen Investitionsentscheidungen.
    Wer sich ein eigenes objektives Bild des Vorsprungs von Tesla machen möchte, findet auf YouTube genügend Vergleiche bzgl. Reichweite (Moddell S, X und 3 immer besser, egal ob im Vergleich zu etron, ID3 oder ID4) oder autonomem Fahren (neue Betatest FSD-Software im städtischen Umfeld beeindruckend weit fortgeschritten).
    Der Autor vergass auch das profitable Mega-Batterypack-Geschäft, sowie den erfolgreichen Energiehandel mit der Tesla eigenen Autobidding-Software zu erwähnen. Ganz zu schweigen vom zukünftigen LKW-Geschäft, sowie dem geplanten 25k$-Auto.
    Eine unvollständige Recherche und unbewiesene Eigenmeinungen führen notgedrungen zu schlechten Anlageentscheidungen.
    Schade ist nur, dass dadurch Retail-Investoren nicht am Tesla-Wachstumspotenzial (>50%/J) des potenziellen Dekadengewinners partizipieren können, wenn sie sich von der Aktie weiterhin fernhalten oder auf eigene Recherche verzichten.

    1. Hallo Herr Hunziker,
      niemand bestreitet, dass Tesla einen Vorsprung vor der Konkurrenz hat, aber dieser Vorsprung verringert sich und wahrscheinlich erheblich schneller als das Elon Musk lieb ist. Das Megapack Batterygeschaeft ist ein geringer Teil von Tesla’s Umsatz und auch hier steht die Konkurrenz nicht still. Warum hat Borg Warner Akasol gekauft?
      Im LKW Geschäft wird es auch andere Anbieter geben und wenn die Stückzahlen groß genug werden ist ein $ 25K Auto auch bei anderen zu haben. Tesla’s Bewertung setzt auf eine perfekte Zukunftsentwicklung voraus bei der die Konkurrenz immer weit im Hintertreffen bleibt und das ist nach meinen Recherchen nicht zu erwarten. Im Gegenteil der Vorsprung schmilzt.

      1. Ich würde Retail-Investoren empfehlen, sich Gedanken zum Gesamtmarkt (TAM) der Elektroautos (EV) zu machen, um das Potential von Tesla einzuschätzen.

        Für 2025 gehen Prognosen von 9 bis 40 Millionen/Jahr EVs aus.
        Die Käuferhistorie von EV-Kunden zeigt, dass der Elektroautomarkt nicht auf Kosten anderer Elektroautos wächst, sondern auf Kosten der Verbrenner. Also VW ID3 stiehlt nicht Kunden von Tesla, sondern von traditionellen Autoherstellern inkl. VW.
        Dank Elektroauto-Subventionen und weiterer Kostensenkungen sind Elektroautos schon jetzt, über die Lebenszeit gerechnet, nicht teurer als vergleichbare Autos im selben Marktsegment.
        Deshalb gibt es in den nächsten Jahren auch genug Wachstumsmöglichkeiten für alle EV-Hersteller.
        Man sieht das Konsumenteninteresse auch an den weltweit stark steigenden Zulassungszahlen für Elektroautos.

        Tesla gibt eine Guidance von 50% Wachstum pro Jahr. Dies entspricht in 2025 ca. 4 Millionen verkauften Autos. Bei mittleren Verkaufspreisen von 50k$, könnte Tesla in 2025 200 Milliarden US$ reinen Auto-Umsatz generieren. Sämtliche anderen Marktopportunitäten (Energiehandel, Versicherung, LKW, Batterien, Photovoltaik, Uber-artiges Taxi-Netzwerk, Dojo-Cloud-Computing-Service, usw.) bieten weiteres Ertragspotential.
        Dank neuen Fabriken in Deutschland und Texas, sowie Erweiterungen in Fremont und Shanghai sind die Auto-Stückzahlen auch real produzierbar. Die am Tesla Battery day kommunizierten Kostensenkungen, sowie die revolutionäre Autoherstellung mit den weltgrössten Giga-Pressen, lassen erhebliches Einsparpotential und somit eine Gewinnexplosion vermuten.
        Mit den neuen Modellen, wie Y (SUV), Cybertruck (US Pick-up trucks) und 25k$-Auto adressiert Tesla weitere Marktsegmente, welche das Wachstum hoch halten werden.

        Der Vergleich von Teslas Marktkapitalisierung mit Autoherstellern entspricht nicht dem Marktvotum sämtlicher Börsenteilnehmer, welche Tesla am NASDAQ als Technologiefirma mit entsprechend höheren Multipeln bewerten.
        Oder glaubt irgendein Investor ernsthaft, dass Apples Marktwert sinkt, wenn Apple ihr iCar Elektroauto lanciert, weil Apple’s Börsenwert dann mit Autoherstellern verglichen werden wird?

        1. Toller Kommentar, kann ich nur zustimmen. Ebenfalls steigen bei Tesla die Margen dank Innovationen jedes Jahr an. Als nächstes mit den Mega Castings wird sich die Produktion noch enorm verbessern können. Experten wie Sandy Munro sehen Tesla in vielen Bereichen (Battery, Software, Castings, EIGENS designte Prozessoren) über 5Jahre der Konkurrenz voraus.
          Im Gegensatz zu Tesla hat die Konkurrenz riesige Fabriken für Verbrenner, diese sind ein grosser Balast und werden obsolet in der nächsten Dekade. Ob VW wirklich die ganze Flotte profitabel auf elektro umstellen kann wird sich zeigen.
          Faszinierend ist es, dass Tesla schon jetzt ein Computer auf Rädern ist und den Fokus auf Entertainment setzt. Schon jetzt kann man z.B. Upgrades auf Knopfdruck im Auto kaufen. Das Auto dient Tesla nur als Plattform für autonome Mobilität und Entertainment. Ein riesen Markt ohne nennenswerte Konkurrenz.
          Den umfassenden Report von Piper Sandler kann ich nur empfehlen!

          Grüsse aus der Schweiz und einen schönen Sonntag

          1. Wie weit wird Tesla in 5 Jahren der Konkurrenz enteilt sein, wenn VW technologisch erst im Jahr 2026 soweit sein wird, wie Tesla schon in 2021 ist? Zitat vom VW CEO Ralf Brandstätter über das Projekt Trinity: „VW hat für 2026 ein Flachboden-Elektroauto mit neuer Elektronikstruktur, Betriebssystem und großen Fähigkeiten zum Autonomen Fahren zu massentauglichen Preisen angekündigt.“ Das ganze Projekt Trinity liest sich wie die Kopie eines Modell 3 JG 2021. Wo bleibt die Innovationskraft der VW-Ingenieure?

        2. Alle diese Punkte sind korrekt, aber beim heutigen Kursniveau ist die Aktie priced for perfection. Der Retailinvestor sollte einfach auf einen besseren Kaufzeitpunkt warten.

    2. So etwas wie eine “unbewiesene Eigenmeinung” gibt es wohl nicht, denn die Eigenschaft einer Meinungs ist ja gerade, dass sie nicht bewiesen werden kann, weil sie eben eine Meinung ist, keine Tatsache/Fakt. Also reicht es völlig, wenn Sie von “Meinung des Autors” schreiben.

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