The DLF im Makrozyklus: Alles eine Stilfrage

5. Mai 2022

Makrozyklus

Der makroökonomische Zyklus und das Marktsentiment spielen in der derzeitigen Marktlage eine entscheidende Rolle. Veränderungen im vorherrschenden konjunkturellen Umfeld führen zu signifikanten Rotationen innerhalb der Aktienmärkte. Wie wir das Portfolio des The Digital Leaders Fund entsprechend anpassen.

Wir haben in unserem Data Science Team einen Ansatz entwickelt, der globale Trends in der Wirtschaftstätigkeit quantifiziert, um die Entwicklung der Aktienmärkte und die Rotation zwischen den verschiedenen Stilen innerhalb des globalen Aktienuniversums zu antizipieren.

Einführung

Wenn Märkte abverkaufen, dominieren in erster Linie defensive Stile wie Aktien mit hoher Marktkapitalisierung, geringem Beta und hoher Qualität. Bei steigenden Märkten profitieren vor allem Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung und hohem Marktrisiko (hohes Beta). Für das Risikomanagement der Rotation haben wir diverse Makroindizes für die verschiedenen Regionen der Welt entwickelt. Unser Makroindex für Europa setzt sich dabei aus sieben Indizes zusammen, darunter befinden sich Frühindikatoren wie der IFO Index, OECD Europe Composite Leading Indicator, der Sentimentindikator der europäischen Kommission, langfristige Zinssätze, Credit Spreads und die Earnings Revision Ratio. Die Indizes für andere Regionen greifen auf ähnliche, lokale Makro-Indikatoren zurück.

European Macro Index

Makroindizes in der Übersicht: USA, Europa, China, Emerging Markets

Unsere Makroindizes wurden entwickelt, um Investmentstile Rotationen (z. Bsp. Beta, Kapitalisierung, Qualität) an den Aktienmärkten vorherzusagen. Dabei unterscheiden wir zwischen zwei Aktientypen: Zykliker und defensive Aktien. Die Selektion der zyklischen Aktien basiert auf Faktoren, die sich laut Backtesting über mehr als dreißig Jahre, in einem wirtschaftlichen Aufschwung gut entwickeln, während die defensiven Aktien auf Faktoren basieren, die sich in einem Abschwung gut entwickeln. 

Für jede Region (USA, Europa, China, Entwicklungsländer) wird das Investmentuniversum der großen, liquiden Aktien in dieser Defensiv- und Zykliker-Analyse aus den Bestandteilen der jeweiligen regionalen Indizes (S&P 500, Stoxx 600, China Bloomberg, Entwicklungsländer Bloomberg ex China und Indien) ausgewählt, die unsere Mindestanforderungen an Marktkapitalisierung und Liquidität erfüllen.

Damit eine Aktie in die Defensiv- und Zykliker-Analyse aufgenommen wird, muss sie am Ende des Vormonats eine Marktkapitalisierung von mehr als zwei Milliarden Euro und einen durchschnittlichen Tagesumsatz von mehr als 5 Millionen Dollar in den letzten sechs Monaten aufweisen.

Wie aus den Ergebnissen unserer Backtests hervorgeht, leisten die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Faktoren einen wesentlichen Beitrag zur Differenzierung der Zyklischen und Defensiven Aktien. Für jedes in Frage kommende Wertpapier ergibt unsere monatliche Analyse ein Faktor-Ranking.

Defensiv- und Zykliker-Analyse Faktoren
Performance Zykliker Chart

Die Ergebnisse der Style-Rotation bis Ende 2021

Das Zusammenspiel der zyklischen im Vergleich zu den defensiven Aktien zeigt, wie in den einzelnen Regionen der Welt die makroökonomische Lage von Aktieninvestoren eingeschätzt wird. Diese Entwicklung verläuft nicht immer geradlinig, vielmehr wechseln in der derzeitigen Marktsituation sich Phasen von zyklischer Outperformance, die mit einer positiven Einschätzung des Wirtschaftswachstums und einer Milderung der Lieferkettenprobleme einhergehen, mit Phasen von defensiver Outperformance ab, dies sind Szenarien in denen die Zinssteigerungen der Zentralbanken zur Bekämpfung der Inflation die Konjunktur abwürgen. Es ist interessant die verschiedenen Regionen der Welt zu vergleichen und zu sehen in welchem Stadium sich die verschiedenen Regionen der Weltwirtschaft befinden und in wieweit die Auseinandersetzungen in der Ukraine, die Lieferkettenprobleme und Inflationsängste die Märkte auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Die folgenden Graphiken zeigen die Performanceentwicklung der Zykliker im Vergleich zu den Defensiven Aktien in den verschiedenen Regionen der Welt in den vergangenen drei Jahren bis Ende März 2022.

Während die Zykliker im ersten Quartal 2020 mit dem Ausbruch der Coronakrise unterperformt haben, hat die Erfolgsmeldung der Impfstoffeffizienz im vierten Quartal von 2020 in den USA und Europa eine regelrechte Rally bei den Zyklikern ausgelöst. Das Ausmaß der Rally ist jedoch in den USA um ein Vielfaches höher als in Europa ausgefallen, da die Wirtschaft dynamischer auf Veränderungen der Rahmenbedingungen reagiert. In China ist diese Rally im vierten Quartal von 2020 jedoch ausgeblieben, da das Land eine vollkommen andere Strategie im Umgang mit Corona pflegt. Der Durchbruch bei den Impfstoffen hat hier den Aktienmärkten keinen positiven Schub verliehen. Die Zykliker in China haben sich erst in 2021 in Folge der Erholung der Weltwirtschaft und dem Nachlassen der Infektionen positiv entwickelt. Zyklische Aktien in den Entwicklungsländern haben von April 2020 bis Juni 2021 stark zugelegt. Diese rasante Outperformance aus einer Krisenlage ist eine Entwicklung, die für diese Gruppe der Länder schon in mehreren Makrozyklen zu sehen war. In der zweiten Jahreshälfte von 2021 haben die Zykliker dann etwas nachgegeben und in 2022 wieder zugelegt.

Style-basierte Rotation seit Beginn des Ukraine-Kriegs

Der Ausbruch bei der kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine hat auch deutlich unterschiedlichen Einfluss auf die Performance der Aktien in den verschiedenen Regionen. Während Europa am meisten von den Auseinandersetzungen betroffen ist und Zykliker schon in den letzten drei Monaten an Performance eingebüßt haben, ist der Einfluss in den USA noch nicht zu sehen. Der chinesische Aktienmarkt ist bislang von den Auseinandersetzungen in der Ukraine weitgehend verschont geblieben. Die Auswirkungen des derzeitige Coronaausbruch in China spiegeln sich in der negative Performance der Zykliker wider, die zu einer deutlichen Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität geführt hat. Neben dem Krieg als Ursache für die Marktreaktion, sind die Länder in Europa ohne Rohstoffe und mit sehr ausgeprägten Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten besonders ungünstig von der Makroökonomischen Weltsituation betroffen. Die Länder mit mit Volkswirtschaften, die vom Export von Rohstoffen geprägt, dazu zählen viele Entwicklungsländer, haben in dieser Phase deutlich zugelegt.

In der derzeitigen Lage sehen wir in Europa eher Vorteile bei defensiven Aktien, während wir in den USA, China und in den Entwicklungsländern die Zykliker vorne sind. Die Erfahrung zeigt, dass die Entwicklung von Zyklikern im Vergleich zu den defensiven Aktien nicht immer geradlinig verläuft, daher ändern wir unsere Ausrichtung nur, falls sich die Tendenz in die eine oder andere Richtung über zwei Monate hinweg aufrecht erhält. Es wird interessant sein, die Entwicklung über die nächsten Monate hinweg zu beobachten.

Wenn wir uns die Performance der defensiven Aktien anschauen, bildet sich ein fast spiegelbildliches Performancemuster. Wir sehen eine starke Underperformance in den westlichen Regionen und in den Entwicklungsländern im vierten Quartal von 2020, während in China defensive Unternehmen in dieser Phase stark zulegen. Der Trend ändert sich dann in 2021 mit einer Erholung der defensiven Titel in den USA und Europa, während in China defensive Titel abverkaufen.

Performance defensive Aktien Chart

Die drei Regionen im Zusammenspiel der Faktoren

Wir haben die Top Ten Einzeltitel bei den zyklischen und defensiven Aktien für die drei Regionen ausgewertet. Die vollständigen Tabellen der Top Ten stellen wir gerne für Abonnenten unseres Newsletters zur Verfügung.

Neuer Call-to-Action

Es wird interessant sein die Entwicklung der Aktienmärkte in den nächsten Monaten zu analysieren, um den Einfluss der makroökonomischen Entwicklungen abzuschätzen, insbesondere ob die Coronakrise in China zu einem Umbruch in der Marktausrichtung führen wird oder ob die Maßnahmen der chinesischen Regierung ausreichen und es zu einer kurzfristigen Wiederaufnahme der Wirtschaftsaktivität kommt.

Wir werden weiterhin die Märkte beobachten und  gegebenenfalls unsere Portfolioriskoausrichtung anpassen. Wenn Du die Entwicklung des Portfolios des The DLF verfolgen möchtest, halte Dich mit unserem kostenlosen Newsletter auf dem Laufenden.

Disclaimer

Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Stefan Hartmann

Stefan Hartmann

Stefan schaut auf eine mehr als 20-jährige Erfahrung in den Bereichen Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Derivate und Hedge Funds zurück. In seiner Tätigkeit als globaler Leiter des Quantitativen Research Teams bei ABN AMRO, hat er über 300 institutionelle Kunden in den USA, Europa und Asien zu allen Fragen des Investment Prozesses beraten. Zuvor war er 10 Jahre bei Salomon Smith Barney als Leiter des quantitativen Research Teams für Europa tätig, wo er Top Rankings in den großen Research Surveys erzielte. Stefan hat über 50 Research Veröffentlichungen zu allen Aspekten des Investment Prozesses in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Währungen publiziert.

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