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The Trade Desk: Ein Gewinner der Streaming Wars im CTV

12. November 2019

The Trade Desk CTV - Großer Bildschirm mit Serien und Fernbedienung

Seit dem Start von The Digital Leaders Fund ist The Trade Desk einer unserer Digital Business Leader im Portfolio. Schon mehrfach hatten wir hier im Blog über The Trade Desk und seine führende Omnichannel-Plattform für Werbetreibende im offenen Internet berichtet.

Im August 2019 hat die Aktie nach einer Verzehnfachung ihres Wertes seit dem IPO in 2016 den dringend notwendigen Konsolidierungskurs eingeschlagen. Nach einer 30 Prozent Korrektur ist es nun an der Zeit, sich die aktuelle Situation und die Bewertung der Aktie wieder etwas genauer anzusehen.

The Trade Desk CTV - Verlauf der The Trade Desk Aktie seit 2017 bis heute

Die Ergebnisse zum 3. Quartal 2019

Das Unternehmen liefert Quartal für Quartal herausragende Ergebnisse ab und zeigt nach wie vor eine beeindruckende Kombination aus Profitabilität und rasantem Wachstum. Das war auch im 3. Quartal 2019 nicht anders:

  • Der Umsatz wuchs im Q3 um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf $164,2 Millionen.
  • Der operative Gewinn betrug $21,9 Millionen nach $22,3 Millionen im Vorjahr, die Marge ist also von 18,7 Prozent auf 13,3 Prozent gesunken.
  • Nach GAAP hat man einen Nettogewinn von $19,4 Millionen erzielt, das entspricht einem Gewinn pro Aktie von 0,40$ nach $0,44 im Vorjahr. 
  • Der operative Cashflow im Q3 betrug $67,5 Millionen, zum 30.09.2019 verfügte man über einen Cash-Bestand von $297 Mio.
The Trade Desk CTV - Statistik mit Zahlen zum Q3 2019

Reinrassige Value-Investoren könnten kritisieren, dass der Gewinn bei The Trade Desk derzeit deutlich langsamer wächst als der Umsatz.

Ich möchte dem entgegnen, dass ich fast schon besorgt wäre, wenn dem nicht so wäre. Das Unternehmen hat die einzigartige Chance, sich zu einem Marktführer im boomenden Zukunftsmarkt des Programmatic Advertising zu entwickeln. Derzeit wird massiv in die internationale Expansion und in die eigene Technologie investiert. Das Unternehmen ist derzeit gar nicht daran interessiert, möglichst hohe Gewinne auszuweisen.

Und das ist gut so.

Die Aussichten für 2019 und 2020

Wie fast schon gewohnt hat das Unternehmen mit diesem Q3-Ergebnis die eigene Guidance übertroffen und die Erwartungen an das Gesamtjahr 2019 heraufgesetzt:

Man erwartet nun für 2019 einen Gesamtumsatz von mindestens $658 Millionen. Das wäre ein Wachstum von 38 Prozent gegenüber 2018 und damit eine deutliche Verlangsamung gegenüber den Vorjahren, als das Wachstum noch 52 Prozent (2017) beziehungsweise 55 Prozent (2018) betragen hatte.

Für das Q4 entspricht diese Guidance ein Wachstum von nur noch 32 Prozent. Ich bin sicher, dass dies wieder mal eine konservative Guidance ist, die deutlich übertroffen wird und wir letztlich für 2019 bei circa 40 Prozent Wachstum landen werden. Zur Erinnerung: Anfang des Jahres hatte man 33 Prozent Growth prognostiziert.

Für die weitere Entwicklung der The Trade Desk Aktie ist entscheidend, ob sich das Unternehmenswachstum in 2020 weiter verlangsamt oder ob The Trade Desk die Wachstumsraten von circa 40 Prozent auch bei nun deutlich gewachsener Unternehmensgröße weiter aufrechterhalten kann.

Noch gibt es keine offizielle Guidance vom Unternehmen für 2020. Aber nach den sehr optimistischen Äußerungen des sonst sehr vorsichtigen Jeff Green, Founder und CEO von The Trade Desk, gehen wir davon aus, dass The Trade Desk auch in 2020 nochmals 35-40 Prozent wachsen wird.

Mindestens drei Faktoren sollten zu einem hervorragenden Geschäftsjahr 2020 beitragen:

  1. The Trade Desk investierte in den vergangenen Jahren erheblich in den Ausbau der internationalen Organisation. Das Unternehmen hat damit systematisch die Grundlage gelegt, um in den kommenden Jahren zu einem echten Global Player heranzuwachsen. Die Standorte in Europa wachsen schon jetzt schneller als das Geschäft im Heimatmarkt USA. Auch China könnte dank der in 2019 geschlossenen Partnerschaften mit den BAT-Riesen in 2020 erstmals zum Erfolg beitragen.
  2. 2020 dürften die Umsätze aus CTV (Connected TV = internetbasiertes Fernsehen) weiterhin dreistellig wachsen und sich damit in eine signifikante Größenordnung hinein entwickeln. Leider sind derzeit keine absoluten Zahlen für dieses Geschäft bekannt. Man weiß nur, dass die CTV-Umsätze im Q3 um 145 Prozent gewachsen sind.
  3. Die US-Präsidentenwahl in 2020 ist eine Gelegenheit für zusätzlichen Umsatz. Anders als z.B. Twitter will The Trade Desk auch weiterhin politische Werbung über seine Kanäle zulassen. Es ist zu erwarten, dass beim kommenden Präsidentschaftswahlkampf insbesondere CTV als Medium erstmals eine größere Rolle spielen wird. Bei The Trade Desk sollten die US-Wahlen für einige Prozentpunkte zusätzliches Wachstum gut sein (die dann in 2021 allerdings wieder fehlen werden).

Noch wichtiger als diese kurzfristigen Wachstumstreiber ist der unaufhaltsame Branchentrend in Richtung automatisiertes Online-Advertising (= Programmatic). Dieser Markt wächst derzeit um 20 Prozent p.a. und The Trade Desk wächst seit Jahren doppelt so schnell, gewinnt also stetig Marktanteile hinzu. Zum Vergleich: der gesamte Werbemarkt wächst nur um 4 Prozent p.a.. Sollte The Trade Desk weiterhin die Technologie- und Marktführerschaft unter den DSP’s (Demand Side Plattformen für Werbetreibende) im offenen Internet behaupten können, so wird dieser langfristige Trend das Unternehmen in ganz neue Größenordnungen tragen.

Alleine der Markt für herkömmliche Fernsehwerbung ist $230 Milliarden groß. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten 10-15 Jahren dieser Markt mehr oder weniger komplett durch CTV und Programmatic ersetzt wird. The Trade Desk ist hervorragend positioniert, um in diesem massiven Markt eine herausragende Rolle zu spielen.

Übrigens gibt es tatsächlich einen Kanal, der bei The Trade Desk derzeit noch schneller wächst als das CTV. Die Vermarktung von Werbeplätzen für Audio d.h. im digitalen Radio und in Podcasts ist zuletzt um 160 Prozent gewachsen. Die absoluten Zahlen sind auch hier leider nicht bekannt. Die Größe dieses Marktes mit mit $3 Milliarden angegeben. Das ist zwar fast schon unbedeutend im Vergleich zum riesigen TV-Markt, aber dafür ist der Audio-Markt entsprechend weniger umkämpft und The Trade Desk hat ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal durch die Möglichkeit auf allen Kanälen inklusive Audio zu werben.

Die Zukunft von CTV ist werbefinanziert

Vor einigen Wochen hatte ich in einem Beitrag zur Netflix Aktie wie folgt über eine mögliche Strategieänderung von Netflix spekuliert: “Ich erwarte früher oder später zumindest in einigen Regionen den Einstieg von Netflix in den werbefinanzierten Streaming-Markt.“

Derzeit will das Netflix-Management zumindest offiziell nichts von solchen Plänen wissen. Aber ich stehe mit meinen Überlegungen offenbar nicht ganz alleine. Jeff Green sagte vor wenigen Tagen im Analystencall: “I firmly believe that even Netflix will start to experiment with ad-supported services in the future.“

Der Grund dafür liegt auf der Hand: durch den zeitnahen Einstieg der IT-Riesen und fast aller Medienkonzerne in den Streaming Markt entsteht ein Überangebot von bezahlpflichtigen Streaming-Angeboten. Die “Streaming Wars” haben begonnen. Der durchschnittliche Endkunde wird zwar mehrere, aber sicherlich nicht beliebig viele Streaming-Angebote abonnieren. Nur der allerbeste Content wird sich dauerhaft rein durch Subskriptionen finanzieren lassen.

Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit, mit CTV den Zuschauer im Gegensatz zum herkömmlichen Fernsehen viel besser zu targetieren, was entsprechend höhere Werbepreise rechtfertigt. Der daraus resultierende Umsatzstrom dürfte sehr interessant und irgendwann nicht zu ignorieren sein für Netflix und Co.

The Trade Desk arbeitet als Technologieführer mit fast allen Größen der Streamingindustrie zusammen. Man hat zuletzt wegweisende Partnerschaften mit Amazon und Disney vereinbart. Die Umsetzung ist noch in einer frühen Phase, gemeinsam versucht man aktuell herauszufinden, welches Potential ein werbefinanziertes Streaming-Angebot haben kann.

Derzeit ist nicht seriös abschätzbar, wie groß der zusätzliche Rückenwind aus CTV schon in 2020 sein wird.  Offensichtlich ist aber, dass The Trade Desk aktuell DER Partner der Wahl für die Streaming-Branche ist. Jeff Green meint dazu: “It’s not just Amazon and Disney, as it’s other major global providers worldwide including Channel 4 in England, Prosieben in Germany, TF1 in France, and pretty much every other significant network and content provider.“

Neue Wettbewerbssituation

Natürlich muss man sich als Investor bei The Trade Desk bewusst sein, dass es am Markt für DSPs nach wie vor einen harten Wettbewerb gibt.

In einem interessanten Schritt hat die Videoplattform Roku mit dataxu ganz aktuell einen Konkurrenten von The Trade Desk für $150 Millionen übernommen. Roku ist mit 30 Millionen Nutzern eine der erfolgreichsten Streaming-Plattformen in den USA. Über die Roku Hardware können Nutzer auf alle gängigen Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Prime, Hulu sowie HBO und Kabelkanäle zugreifen. Amazon z.B. erlaubt es Werbetreibenden, die DSP’s von The Trade Desk und eben auch dataxu zu nutzen, um Anzeigenplätze auf Amazons Fire TV-Geräten bei den dortigen Streaming-Apps zu kaufen.

Bisher war Roku ein Partner von The Trade Desk. Durch die dataxu Akquisition könnte Roku zum Wettbewerber von The Trade Desk avancieren. Allerdings betont man bei Roku, dass man auch weiterhin offen sein will für andere DSP’s wie The Trade Desk. Es bleibt spannend…

Die Medienriesen wie Amazon und Disney werden in jedem Fall dafür sorgen, dass sie sich nicht von einer einzigen Plattform abhängig machen. Es sieht derzeit ganz danach aus, dass es im CTV kein defakto-Monopol geben wird wie bei der Suche (Google) und in Social Media (Facebook). Es wird vielmehr eine ganze Reihe von Unternehmen geben, die von der Werbung im CTV profitieren werden: ich wage mal zu prophezeihen, dass The Trade Desk und auch Roku dazu gehören werden.

Fazit – The Trade Desk als Gewinner von CTV

Die Aktie von The Trade Desk war in der ersten Jahreshälfte 2019 übers Ziel hinausgeschossen und der Realität etwas enteilt. Durch die Konsolidierung seit August ist schon einiges von der Überbewertung abgebaut worden. Dennoch ist die Aktie mit einem EV/Sales – Verhältnis von 11 (auf Basis von 2020) und einem KGV von 65 immer noch teuer.

The Trade Desk CTV - Entwicklung verschiedener Unternehmenskennzahlen seit 2017 bis heute

Die Investoren zahlen hier einen Premiumpreis für die seltene Kombination aus Wachstum, Profitabilität und großer Zukunftsphantasie. Dennoch glauben wir, dass das Unternehmen diesen Preis wert ist und langfristig in neue Größenordnungen hineinwachsen kann.

2019 war für The Trade Desk ein Jahr des Investments in die internationale Organisation und in die eigene Technologie insbesondere rund um CTV. Damit ist die Grundlage gelegt, um ab 2020 einer der Gewinner der Streaming Wars zu werden.

The Trade Desk ist nach wie vor eine feste Größe im Portfolio von The Digital Leaders Fund. Wenn Du das Unternehmen und den CTV-Markt zukünftig gemeinsam mit uns beobachten willst, dann kannst Du Dich hier für unseren kostenlosen Newsletter anmelden.


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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2 Antworten

  1. Hallo Stefan, ja sehr beeindruckende Zahlen von TTD. Ich hätte mal eine Frage zu einem anderen Unternehmen welches erst seid Oktober an der Börse gelistet ist. Es ist Datadog. Sieleifern heute Zahlen und ich wollte fragen ob Ihr Datadog auch schon unter Beobachtung habt? Mit ihrer all in one Lösung zu Cloud Sicherung und ihrem saas Geschäftsmodell dürfte ein hohes Wachstum garantiert sein. Habt ihr schon eine Meinung zu diesem unternehmen und wäre es nicht etwas für das Wikifolio oder sogar den DLF? Grüße, Jörg

    1. Hallo Jörg, ja wir haben Datadog auf dem Radar. Aber wir warten bei solchen gehypten IPOs immer erstmal einige Quartale ab – z.B. um zu sehen wie sich die Insider nach Ende der LockUp-Periode verhalten. Zu gegebener Zeit gibt es dann evtl. etwas von uns dazu zu hören – derzeit ist das kein Thema.

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