TSMC eröffnet die Berichtssaison – was die Zahlen über den Zustand der KI-Ökonomie verraten

17. April 2026

Editorial The DLF Aktien Blog

gestern hat TSMC die Gewinnsaison für Highgrowth-Unternehmen eingeläutet. Im Vorfeld der Zahlen waren Investoren über einige Fragen der KI-Ökonomie nervös. Welche Auswirkungen hat der Irankrieg auf die Lieferketten des wichtigsten Halbleiterherstellers der Welt? Bremsen steigende Energiepreise und drohende Rohstoffengpässe die Gewinnmargen? Und die wichtigste Frage: Gewinnt die KI-Nachfrage weiter an Momentum, oder gibt es erste Signale der Ermüdung? All diese Bedenken spielen für die Taiwanesen aktuell keine Rolle. TSMCs größte Sorge ist, wie schnell es die Auftragsflut bearbeiten kann.

Der Engpass heißt nicht Nachfrage, sondern Kapazität

Der Gewinn von TSMC stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 58 Prozent auf 18,1 Milliarden Dollar, der Umsatz um 35 Prozent auf 35,7 Milliarden Dollar – beide deutlich über den Erwartungen. Das Segment High-Performance Computing, in dem die KI-Chips beheimatet sind, wuchs sogar gegenüber dem Vorquartal um über 20 Prozent und macht mittlerweile 61 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die Bruttomarge kletterte auf den Rekordwert von 66,2 Prozent. Das ist ein unfassbar hoher Wert für einen Auftragshersteller. Zum Vergleich: Apples Bruttomarge lag im letzten Quartal bei 48 Prozent. Auch der Ausblick überzeugt. Das Umsatzwachstum für das Gesamtjahr soll bei ca. 30 Prozent liegen. Vermutlich wird es höher ausfallen. Der Engpass ist TSMC selbst.

CEO C.C. Wei drückt es so aus: 
AI demand is extremely robust… supply is very tight.

Kürzlich beschwerte sich Elon Musk, TSMC erhöhe die Kapazitäten nicht schnell genug. „We try very hard to speed it up“, sagte Wei im Earnings Call dazu. Aber es dauere zwei bis drei Jahre, eine neue Fab zu bauen. Drei neue befinden sich im Bau. Und selbst das reicht vermutlich nicht.

Es wird viel über eine KI-Blase geschrieben. Wer aber dem Earnings Call des wichtigsten Enablers der KI-Revolution lauscht, hört wenig Sorgen über eine Nachfrage-Bubble. Die größte Sorge von TSMC sind Kapazitätsengpässe.

Irankrieg – noch kein Einschlag

Die Frage, wie der Irankrieg und die Situation am Strait of Hormuz die Versorgung mit kritischen Materialien beeinflussen, beantwortet TSMC mit vorsichtigem Optimismus. Rohstoffe wie Helium und Wasserstoff bezieht das Unternehmen aus einer Vielzahl von Ländern. Und bei LNG verwies TSMC auf die Regierung von Taiwan, die bis mindestens Ende Mai ausreichend LNG gesichert habe. Was beruhigend wirken sollte, klingt eher alarmierend und verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass im Nahen Osten die Waffen ruhen.

TSMC verbraucht rund zehn Prozent des gesamten Stroms Taiwans. Das ist vermutlich mehr als doppelt so hoch wie der Verbrauch aller Rechenzentren in Deutschlands zusammen. Ende Mai soll der European Chips Act 2.0 angekündigt werden. Ein wichtiger Schritt, aber ohne wettbewerbsfähige Energieversorgung bleibt die Ansiedlung von Chipunternehmen in Europa ein ambitionierter Wunsch.

Vom Kriegstief zum Rekordhoch

In unserem Newsletter am 27. März schrieben wir: „Anleger sollten nüchtern bleiben… Vielleicht ist das die Korrektur, auf die viele gewartet haben. Ob daraus mehr wird, hängt am Ölpreis und an Donald Trumps Exit-Strategie.” Die Exit-Strategie wurde drei Tage später mit einer Waffenruhe eingeläutet.

Seit dem 30. März will der Markt nur noch steigen. 12 Handelstage in Folge schloss der Nasdaq im Plus, die längste Gewinnserie seit November 2009. Davon profitierten auch unsere Fonds. Insbesondere viele Portfoliowerte im Digital Leaders Fund konnten inmitten der Deeskalation im Nahen Osten mit sehr guten Nachrichten überzeugen.

Einige Beispiele, Kursanstieg vom 30. März bis 16. April:

Credo Technology stieg nach Analysten-Upgrades und der Übernahme von DustPhotonics um 76 Prozent. Von der Photonics-Euphorie wurde auch Aixtron erfasst, seit Jahresanfang neu im The DLF. Der Wert legte nach vorläufigen Zahlen um über 20 Prozent zu. Nebius legte nach einem weiteren Deal mit Meta und wachsender Zuversicht in die Compute-Nachfrage um 74 Prozent zu. Bloom Energy stieg unter anderem nach einem Auftrag von Oracle um über 70 Prozent, Oracle selbst um über 25 Prozent. Und auch unser Performance-Nachzügler Snap hat nach dem Einstieg eines aktivistischen Investors um 45 Prozent zulegen können. Wohlgemerkt – alles innerhalb von zwei Wochen.

Die Jahresbilanz unserer Fonds hat sich merklich gedreht. Alle Fonds sind wieder deutlich im Plus. Der Digital Leaders Fund und der EM Digital Leaders investieren offensiv in die KI-Revolution. Der Infrastrukturfonds Patrizia LCCIF, den mein Kollege Stefan Hartmann für Patrizia AG managt, investiert defensiv in diese Entwicklung über Versorger, Leitungsnetze und die physische Grundlage, auf der die KI-Ökonomie gebaut wird.

Wer profitiert, wenn AGI kommt

Letzte Woche haben wir über die Dominanz der LLMs von Anthropic und OpenAI gesprochen. Diese Woche hat TSMC gezeigt, wie stark sie die weltweite Herstellung von KI-Chips dominiert. Daher müssen wir uns immer wieder die Frage stellen, was passiert, wenn am Ende nur wenige KI-Unternehmen die Weltwirtschaft dominieren und den Großteil der Gewinne abschöpfen. Wie stellt man dann sicher, dass alle Menschen daran profitieren?

Sam Altman, Dario Amodei und Demis Hassabis präsentieren sich als Heilsbringer der Menschheit, Männer, die KI zum Wohl aller entwickeln und verhindern wollen, dass diese Technologie in den Händen weniger landet. DeepMind hat das Übernahmebegehren von Meta abgewehrt, um dann aber doch bei Alphabet zu landen. OpenAI ist de facto keine Stiftung mehr und wird mittlerweile von Microsoft, Amazon, Nvidia & Co. dominiert. Bei Anthropic sind die großen Digitalunternehmen auch die Hauptgesellschafter. Die selbsternannten Hüter einer gerechten KI-Zukunft haben mit ihren Modellen die Machtkonzentration der führenden Digitalkonzerne weiter beschleunigt.

Demis Hassabis hat immerhin einen konkreten Vorschlag gemacht: Pensionsfonds sollten sich breiter an den großen KI-Unternehmen beteiligen. Falls AGI kommt und die Welt noch ungleicher wird, dann ist Investieren in KI die beste Absicherung.

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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