Twilio macht Analysten sprachlos – Aktie explodiert

7. November 2018

Twilio Aktie Update Zahlen zum dritten Quartal 2018

Eigentlich hatte ich nicht vor, in dieser Woche schon wieder ein Update zu Twilio zu schreiben.

Denn erst vor wenigen Wochen hatten wir ja hier im Blog über die $2 Milliarden teure Übernahme von SendGrid berichtet.

Aber die gerade vorgelegten Zahlen von Twilio zum Q3 sind so gut, dass ich diese Entwicklung nicht unkommentiert lassen möchte.

Zumal es einem Analyst von Oppenheimer im Call angesichts dieser Zahlen tatsächlich die Sprache verschlagen hatte:

“Again you leave us speechless with the great results.”

 

Die Q3 Zahlen

Der Umsatz wurde im Q3 um 68 Prozent gegenüber Vorjahr auf $169 Millionen gesteigert, das Wachstum hat sich damit weiter beschleunigt – ein Trend den wir nun schon seit einigen Quartalen beobachten dürfen.

Die Basis dafür ist die außergewöhnlich hohe “Net Retention Rate” – der Umsatz mit bestehenden Kunden wurde um 145 Prozent gesteigert gegenüber 122 Prozent im Vorjahr.

Ich habe selten so ein starkes Wachstum in der Bestandskundenbasis gesehen!

Aber auch das Neukundenwachstum ist äußerst beeindruckend.

In den vergangenen 12 Monaten konnte die Zahl der aktiven Kunden um 31 Prozent auf über 61.000 gesteigert werden.

Sollte die Net Retention Rate weiterhin auf so hohem Niveau gehalten werden, dann ist ein weiterhin rasantes Umsatzwachstum damit quasi durch das Geschäftsmodell vorprogrammiert.

 

Q3 Zahlen von Twilio: So reagiert die Aktie

Die Twilio Aktie macht heute daraufhin – wie auch nach den Zahlen im letzten Quartal – einen weiteren zweistelligen Freudenhüpfer.

Der Grund auch, dass die Umsatzerwartung in 2018 nochmals deutlich um 7 Prozent auf $630 Millionen erhöht wurde.

Außerdem deutet vieles darauf hin, dass Twilio mit dem gerade erst veröffentlichten Flex-Produkt erfolgreich den Eintritt in den Application-Softwaremarkt schaffen wird.

 

Twilio Aktie Update Zahlen zum dritten Quartal 2018 Chartverlauf der Twilio Aktie
Nach Zahlen zum dritten Quartal 2018: Die Twilio Aktie macht einen zweistelligen Freudenhüpfer. (Chart: Finanztreff)

 

Aber ich möchte gerne die Euphorie etwas dämpfen: Twilio konnte das beeindruckende Umsatzwachstum (anders als zum Beispiel The Trade Desk) noch nicht in nachhaltige Gewinne umwandeln.

Unterm Strich reichte es auch im Q3 nur zu ein operativen Verlust von $25 Millionen.

Das ist derzeit kein Problem, aber Twilio arbeitet mit Bruttomargen von „nur” circa 55 Prozent und wird daher sein Umsatzwachstum nicht so rasant in Free Cashflow umwandeln können, wenn eines Tages das Wachstum nachlässt.

Das explosionsartige Wachstum der Twilio-Organisation wird auch in 2019 extrem viel Geld kosten.

Alleine der anstehende Bezug des neuen Headquarters in San Francisco wird die Kostenstruktur in 2019 mit hohen zweistelligen Millionenbeträgen belasten.

 

Q3 Zahlen von Twilio: Fazit

Dennoch: Twilio hat eine große Chance, sich zu einem dominierenden Kommunikationsunternehmen der nächsten Generation zu entwickeln und sollte ein hervorragendes Langzeitinvestment sein.

Wir sind sehr sehr glücklich mit unserem Investment in Twilio für das Portfolio des DLF.

Die schnelle Erholung der Aktie von ihrer 28 Prozent-Korrektur im Oktober zeigt, dass Qualitätsaktien sich gerade in unruhigen Börsenzeiten viel schneller wieder erholen als durchschnittliche Unternehmen.

Wir fühlen uns daher bestätigt in unserer Anlagestrategie.

Wir wollen ausschließlich in exzellente Unternehmen investieren, die am Markt zu einem vernünftigen Preis zu haben sind. Auch investieren wir nicht in durchschnittliche Unternehmen, weil ihre Anteile zu einem günstigen Preis gehandelt werden.”

 


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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2 Antworten

  1. Hallo Stefan! Mist! Neben AMZN war TWLO die Nummer 2, die ich nach verdauter Korrektur kaufen wollte. Leider zu spät, dabei habe ich den Boden vermutlich richtig erkannt, als am 29.10 nach einem miserablen Tag die letzten 15 Minuten gekauft wurde. Ich hatte nur leider nicht den Mut einzusteigen… Kaufen wenn die Furcht am größten ist, wenn das nur so einfach wäre. TWLO nicht nur, aber auch aufgrund deiner großartigen Berichterstattung. Gratuliere zu deinem großartigen Stock-Picking! Hattest du schon Zeit dir New Relic (NEWR) anzuschauen? Die hatten gestern auch gute Zahlen.
    https://finance.yahoo.com/news/relic-apos-business-booming-193700289.html

    1. Hallo Paul,
      vielen Dank für das gute Feedback. Markt-Timing ist auch für mich Glückssache, deshalb verschwende ich meine Energie gar nicht darauf.
      Aber tatsächlich ist es genauso wichtig wie psychologisch schwierig zu “Kaufen, wenn die Kanonen donnern” und die Furcht vor weiteren Kursverlusten am Größten ist. Das gelingt mir mit zunehmender Lebens- und Börsenerfahrung immer besser. Ü50 hat auch seine Vorteile…
      New Relic habe ich noch nicht genauer angeschaut, stehen aber auf meiner Liste für eine genauere Analyse, denn die Zahlen sehen auf den ersten Blick gut aus.

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