Updates im Speeddating Format

29. April 2022

Die Fülle der Unternehmensberichte war in den vergangenen Tagen so groß, dass wir einen Schnelldurchlauf wagen: Unsere Einschätzung zu den Zahlen der Portfolio Unternehmen des The DLF, von Apple bis Spotify.

Der Ausverkauf von Wachstumsaktien hat sich im April beschleunigt. Der NASDAQ 100 Index steuert mit einem Verlust von rund elf Prozent auf seinen schlechtesten Monat seit der Finanzkrise von 2008 zu. Das Sentiment ist so schlecht, dass viele Investoren nur noch mit Angst auf Unternehmensberichte blicken. Twitter-Influencer Dr. Parik Patel brachte es mit seiner ironischen Zuspitzung wie üblich gut auf den Punkt: „If $GOOGL doesn’t beat tonight we all die.“ Nun, Google Mutter Alphabet hat die Erwartungen nicht übertroffen. Aber dennoch sind wir nicht tot: die Zahlen sind besser als der erste Eindruck vermittelt. Dazu das lesenswerte Update zu Alphabet von Stefan Waldhauser. 

Zu allen anderen Portfoliounternehmen möchte ich heute zeitnah unsere erste Einschätzung liefern. Los geht’s: 

Spotify: Europas größte Digitalplattform hat solide Zahlen präsentiert. Mit nun 422 Mio. Monthly Active User wächst Spotify im Unterschied zu Netflix weiterhin. Der Umsatz lag mit 2,8 Mrd. Euro über den Erwartungen. Free Cash Flow und Bruttomarge lagen unter den Erwartungen. Das schmeckt den Anlegern nicht, der Kurs fiel seither um über 6 Prozent. Unser Fazit: Der Markt honoriert noch nicht den Push hin zu einer Ad-Plattform. Mit einem EV/Sales von 1,5 ist das Unternehmen aus meiner Sicht allerdings sehr attraktiv bewertet.

Meta Platforms: Nach den Zahlen von Snap und Alphabet hatten Investoren das Schlimmste befürchtet. Metas Umsatz wuchs in Q1 nur um 7 Prozent. Die operative Marge liegt bei „nur“ noch 31 Prozent. Das Gute an niedrigen Erwartungen ist, dass man sie mit bescheidenen Zahlen auch schlagen kann. Die Aktie reagierte mit einem Kursplus von 18 Prozent. Wie geht es weiter? Der Druck auf die Zahlen von Meta wird anhalten. Aber: Reels, die Tiktok Kopie von Meta, wächst. ber 20 Prozent der Nutzungszeit von Instagram-Usern entfällt auf diese short-form Videos. Bisher ist das praktisch kaum monetarisiert worden. Das wird sich ändern, sobald die Marketingagenturen ihre Kampagnen an dieses Webeformat anpassen, ähnliche wie bei Stories 2018.

Lendingclub: LC hat deutlich höhere Umsätze und Gewinne berichtet und die Guidance angehoben. Die Aktienkurse von LC und Upstart sind stärker unter die Räder geraten als die vieler anderer Wachstumsunternehmen. Die Zahlen sind ein starker Hinweis darauf, dass der Markt für unbesicherte Kredite auch in einem Umfeld hoher Inflation funktioniert. Besonders beeindruckend: Die Kundeneinlagen wuchsen im Jahresvergleich um 68 Prozent. Somit kann das Unternehmen die Kreditvergabe aus eigenen Einlagen und somit günstiger finanzieren. Die Zinsmarge stieg auf 8,6 Prozent. Der Kurs legte um knapp 19 Prozent zu. Ich bin gespannt, ob nun eine Neubewertung der führenden Lending Unternehmen ansteht. 

Apple: Apple hat es wieder geschafft, alle Erwartungen zu übertreffen. Die Umsätze stiegen um 8,7 Prozent auf 97 Mrd. Dollar. Die hochprofitablen Serviceumsätze legten sogar um 17 Prozent auf knapp 20 Mrd Dollar zu. Im laufenden Quartal erwartet aber auch Apple eine Belastung von bis zu 8 Mrd. Dollar vor allem aufgrund der Ereignisse in China. Dennoch muss man einfach festhalten: Apple schwebt  in einer anderen Sphäre.

BBVA: Unsere Top-Gewichtung im Fonds hat überragende Zahlen berichtet: Mit 1,65 Mrd. Euro der höchste wiederkehrende Gewinn in der Unternehmensgeschichte, das ist eine Steigerung zum Vorjahr von 36 Prozent. Die Zinsmarge ist in Q1 um 23 Prozent gestiegen. BBVA ist damit ein klarer Gewinner der anziehenden Zinsen. Das Unternehmen hat die Guidance für das Jahr weiter erhöht, was mir besonders gut gefällt. Allein in Q1 hat BBVA 2,4 Mio. Neukunden akquiriert, davon 81 Prozent über digitale Kanäle. Das Cost-Income-Ratio ist auf 40,7 Prozent gefallen. Das ist der beste Wert innerhalb der europäischen Vergleichsgruppe. Die Aktie notierte am Freitagmittag um 5 Prozent fester.

Kaspi: Das führende Wachstumsunternehmen Kasachstans hat starke Zahlen präsentiert. Die Umsätze stiegen um 45 Prozent, der Nettogewinn um 49 Prozent. Die täglichen aktiven Nutzer (DAU) sind um 34 Prozent gewachsen. Die Anbindung von Händlern an das Payment-Ecosystem wächst rasant. Die Zahl der aktiven Händler ist 233 Prozent auf nun 292.000 hochgeschnellt. Kaspi hat diese Woche mit Aktienrückkäufen begonnen. Bis zum 22 Juli will man Aktien im Wert von 100 Mio. Euro zurückkaufen. Der Aktienkurs von Kaspi erholt sich derzeit vom Ukraine-Schock. Der Aktienrückkauf sollte dem Kurs weiter Auftrieb geben. Wer das Unternehmen noch nicht kennt, dem empfehle ich hier diverse Artikel von Steffen.

Sinch: Twilio-Konkurrent Sinch hat ein höheres Umsatzwachstum (22 Prozent) als erwartet präsentiert. Enttäuschend war der negative Free Cash-Flow und das eher magere organische Wachstum. Die Aktie ist gestern noch mal über 20 Prozent abgerutscht, obwohl sie auch schon vorher massiv gefallen war. Das sieht ganz nach Kapitulation aus. Heute zieht der Aktienkurs wieder an mit 15 Prozent. Wir haben die Aktie nur mit einem Prozent gewichtet. Die Bewertung mit EV/Sales ist verführerisch, doch das Sentiment für die Aktie ist brutal schlecht.

In der Summe können wir festhalten, dass unsere Portfoliounternehmen sehr gute Zahlen präsentiert haben. Das geht leider im aktuell schlechten Sentiment für Wachstumswerte unter. Doch den geduldigen Anleger wird die fundamentale Entwicklung der Unternehmen reichlich belohnen, denn die Bewertung wird aktuell täglich attraktiver.

PS: Amazon hat gestern nachbörslich Anleger mit einem Verlust schockiert. Auch die Umsätze sind schlechter ausgefallen als erwartet. Das E-Commerce Geschäft leidet unter hohen Energiepreisen, Überkapazitäten und stockenden Lieferketten. Auch im nächsten Quartal erwartet Amazon einen Verlust (Prime Day wird dieses Jahr in Q3 stattfinden). Das Cloudgeschäft AWS ist in Q1 37 Prozent und damit besser als erwartet gewachsen. Die Aktie gab nachbörslich um über 8 Prozent nach. Wir haben Amazon aktuell nicht im Portfolio. Allerdings werden die Amazon Zahlen auch die Kurse von E-Commerce Unternehmen wie Etsy belasten.

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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von den genannten Unternehmen. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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