Ein Jahr nach Donald Trumps Machtergreifung sind die Demokraten in den USA aus der Schockstarre erwacht. Mit klaren Wahlsiegen in New York, New Jersey, Virginia und Kalifornien ist der Ausgang der Midterm-Wahlen wieder völlig offen. Der 3. November 2026 könnte zum Verfallsdatum der trumpschen Politik werden. Das zentrale Thema ist auch schon identifiziert: die Konzentration von Macht und Geld und die Frage, für wen Amerika noch erschwinglich ist.
Die Entwicklung der US-Wirtschaft verläuft K-förmig. Die reichsten 10 Prozent der US-Haushalte sind für nahezu 50 Prozent des Konsums verantwortlich. Sie profitieren überproportional von steigenden Aktienkursen und stabilen Immobilienpreisen. Für alle anderen, insbesondere für Geringverdiener, steigen die Preise stärker als ihre Einkommen. Für den Ökonomen Peter Atwater gleicht die US-Wirtschaft daher immer mehr einem Jenga-Turm – irgendwann wird das entscheidende Holzklötzchen gezogen und der Turm zum Einsturz gebracht.
Erschwinglichkeit ist jetzt das große Wahlthema. „We are making America affordable again“, rief Trump nach den Wahlen dem Publikum in Miami zu. Und gestern wurden im Oval Office Preiskürzungen für Medikamente gegen Fettleibigkeit verkündet – gemeinsam mit den CEOs von Novo Nordisk und Eli Lilly. Keine Regierung in der jüngsten US-Geschichte hat sich so sehr in die Unternehmens- und Preispolitik eingemischt wie die aktuelle. Mit dem Wahlsieg Zohran Mamdanis in New York wird Trumps Interventionismus eher zunehmen. So gesehen ist der „demokratische Sozialist“ Mamdani nicht nur das neue Feindbild der MAGA-Republikaner, sondern auch ironischerweise ideologischer Zulieferer eines Regimes, das nun noch entschlossener in Märkte und Geschäftsmodelle eingreift.
Die Konzentration von Macht, Geld und Intelligenz in der Wirtschaft war mein Thema im Podcast „Alles auf Aktien“, siehe den Beitrag unten. In dieser Woche hat Morgan Stanley die Märkte mit der Prognose „schockiert“, dass der Infrastrukturausbau für AI bis 2028 weitere 3 Billionen US-Dollar kosten wird. Etwa die Hälfte können die Hyperscaler aus ihren Cashflows finanzieren, für den Rest werden sie die Kapitalmärkte anzapfen. 75 Mrd. US-Dollar Fremdkapital haben sich Oracle, Alphabet und Meta allein in den letzten Wochen besorgt. Zu den großen Gewinnern dieser Ausgabenwut zählen die Ausrüster. Unser Portfoliounternehmen Coherent hat nach Ankündigung der Zahlen in einem schwachen Markt über 18 Prozent zugelegt. Bei Arista Networks waren die starken Zahlen nach der Kursrally der letzten Monate offensichtlich nicht gut genug. Ich bleibe hier weiter optimistisch. Arista kommt mit der Nachfrage nach seinen Produkten derzeit nicht hinterher, auch weil die Zulieferer nicht so schnell liefern können. Zahlreiche andere Ausrüster von Rechenzentren sind weiterhin sehr attraktiv bewertet.
Wer auf ein abruptes Ende der AI-Rally setzt, unterschätzt, wie viele Unternehmen ihren Kapitaleinsatz jetzt hochfahren und dass die Trump-Regierung nun alles tun wird, um die Rally bis zu den Midterm-Wahlen aufrechtzuerhalten. Vieles spricht weiter für steigende Kurse und einiges spricht dafür, dass die Rally breiter wird.
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Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.
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