Corona-Crash – Übrig bleibt eine Welt, die noch digitaler ist

13. März 2020

Corona-Crash an den Aktienmärkten - Bild von 100 Yuan Geldschein Mao mit Mundschutz

„Markets go up an escalator and down the elevator” heisst es. Vor genau zwei Jahren haben wir den The Digital Leaders Fund aufgelegt. Zwar gab es auch in dieser Zeit ein paar Marktturbulenzen, doch die vergangenen zwei Wochen stellen alles in den Schatten. Plötzlich ist Wuhan überall. Wie dramatisch im historischen Kontext die Reaktion der Investoren ist, veranschaulicht der S&P 500 Volatility Index (VIX):

Corona-Crash an der Börse - SundP 500 Volatility Index (VIX)

Der S&P VIX war am Montag und Mittwoch über 55, am gestrigen Donnerstag sprang der Wert auf über 75 Punkte. Seitdem es diese Messung gibt, war der Index nur im November 2008 so hoch.

Was sagt dieser Wert?

Die Chicago Board Options Exchange berechnet diesen Index aus den Optionsprämien der zugrundeliegenden Aktien. Die Deutsche Börse macht das gleich für den VDAX. Somit steht dieser Index nicht für die tatsächliche Volatilität, sondern für die erwartete. Ein VIX von 75 bedeutet, dass die Akteure in den Optionsmärkten erwarten (eher befürchten), dass der Index innerhalb eines Jahres um 75 Prozent steigt oder fällt. Ein Wert über 50 ist ein Ausdruck dafür, dass Absicherung verdammt teuer ist.

Ein so hoher Wert löst bei vielen quantitativen Modellen, die eine Geldanlage nach impliziten Volatilitäten steuern, automatisch Verkäufe aus. Ein Anlageprodukt mit dem Versprechen, maximal nur 20 Prozent zu verlieren, darf dann noch nicht mal 30 Prozent Aktien (S&P 500) halten. Wer zum Beispiel eine Riesterrente bei Union Investment oder der DWS abgeschlossen hat, oder sein Geld einem Roboadvisor wie Scalable anvertraut hat, der dürfte sein Depot nicht wiedererkennen nach dieser Entwicklung.

Diese Modelle agieren prozyklisch und verstärken so den Verkaufstrend. Bei einem extrem hohen Wert zu verkaufen ist oft der falsche Zeitpunkt. Tückisch daran ist nur, dass man wie bei einem Erdbebendiagramm erst danach weiß, ob die Amplitude das Haupteben, oder das Vorbeben markiert.

Wen retten, die Wirtschaft oder die Kranken?

Stehen wir mit dem Corona-Crash vor einer Krise wie 2008? Nach 25-35 Prozent Corona-Crash an den Aktienmärkten fühlt es sich so an. Die Auguren der Wall-Street-Banken geben sich eher optimistisch. Die Strategen von Goldman Sachs erwarten einen Gewinneinbruch der S&P 500 Unternehmen um 15 Prozent für das zweite Quartal und 12 Prozent für das dritte. Entsprechend prognostiziert GS Anfang der Woche einen weiteren Kurseinbruch beim S&P 500 um weitere 15 Prozent auf 2200 Punkte, gegen Jahresende sieht GS den Index wieder bei 3200. Das klingt nach Wunschdenken.

Auch nach Hausmeinung von JP Morgan sind Rezessionsängste für USA überzogen. Die Wirtschaft in den USA ist deutlich robuster als vor 2008, die Banken sind finanziell deutlich besser ausgestattet und auch das Konsumentenvertrauen in den USA ist vor der aktuellen Krise ungleich besser gewesen als vor 2008.

Corona-Crash an der Börse - Consumer Sentiment Index der University of Michigan
Corona-Crash: Consumer Sentiment Index der University of Michigan.

Doch wie schlimm wird die Pandemie noch und wie lange wird uns Covid-19 begleiten? Das Konsumentenvertrauen in den USA wird einbrechen, das Ausmaß und die Dauer werden die Entwicklungen der Wirtschaft bestimmen. Zur Einordnung: über 70 Prozent der Wirtschaftsleistungen in den USA gehen auf den Konsumenten zurück. Die 330 Millionen Amerikaner konsumieren jährlich mehr als 14 Billionen Dollar. Das entspricht etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung der Welt und ist damit immer noch höher als die BIP-Leistung Chinas (circa 14 Billionen Dollar).

Die Politik übt sich gerade in der Kunst, eine wohldosierte partielle Panik zu verbreiten, ohne die Wirtschaft zu sehr zu beschädigen.  Bisher ist sie damit gescheitert, allen voran der amerikanische Präsident. An den Börsen herrscht Weltuntergangsstimmung.

Corona-Crash – Was macht The Digital Leaders Fund?

Wie wir immer wieder und zuletzt vor einer Woche geschrieben haben, investieren wir in Unternehmen, die langfristig Gewinner der Digitalisierung sind, die schnell und wirksam auf jegliche Art der Disruption reagieren und ihre Geschäftsmodelle erfolgreich anpassen.

Als long only Aktienfonds hedgen wir nicht, wir betreiben kein Markttiming, wir können uns nur begrenzt von den Aktienkursentwicklungen weltweit abkoppeln. Unser Ziel ist eine Mehrrendite gegenüber einem passiven Investment in den MSCI-World Index. Wer in The Digital Leaders Fonds investiert, bekommt Aktien in Reinform.

Wir haben dennoch vor der Krise und in die Krise hinein unsere Cashposition auf über 14 Prozent erhöht und am Mittwoch und Donnerstag wieder angefangen zu reinvestieren. Wir haben intensiv die Auswirkungen der Pandemie auf das Nutzerverhalten auf Basis von Trafficdaten und App-Downloads studiert und unsere Porfoliobestände zugunsten der künftigen Gewinner adjustiert. Viele unsere Werte sind die natürlichen Gewinner der „stay-at-home-economy“.

Die aktuelle Krise ist ein gewaltiger Push für digitale Geschäftsmodelle. Doch im Corona-Crash gab es kein Entkommen. Auch der The Digital Leaders Fund hat einen großen Teil der Gewinne seit Auflegung vor zwei Jahren abgegeben.

Corona-Crash Börse - The Digital Leaders Fund DLF Performance 11.03.2020

So bedrohlich die Gefahr durch Covid-19 ist, ein Blick nach China zeigt: Es gibt ein öffentliches Leben nach dem Coronavirus. Das Virus wird eines Tages verschwinden, beziehungsweise beherrschbarer für uns werden. Zurück bleiben historisch niedrige Zinsen weltweit, Steuersenkungen, massive Ausgabenprogramme durch nahezu alle Staaten und unfassbar attraktive Aktienkurse. Zurück bleibt auch eine Welt, die noch digitaler sein wird. Für den langfristigen Anleger gab es selten eine bessere Gelegenheit, in Aktien der digital führenden Unternehmen der Welt zu investieren.


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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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6 Antworten

  1. Warum crasht das im letzten Blogeintrag gelobte pluralsight so übermäßig? Remotelearning sollten doch auch Gewinner der stay-at-home Zeit sein.

    1. Gerade im Crash hat nicht jede Kursbewegung auch fundamentale Gründe. Da wird oft alles abverkauft und volatile kleinere Werte wie Pluralsight leiden überdurchschnittlich viel. Aber wenn man Gründe suchen will: Pluralsight wird in der Krise wohl heftig dafür abgestraft, dass die kommunizierten Pläne für 2020 weitere umfangreiche Invests in den Vertrieb mit zunächst negativem Cashflow vorsahen. Die Verschuldung ist aufgrund der Wandelanleihe aus Anfang 2019 ebenfalls vergleichsweise hoch. Also könnte man bei Betrachten der Bilanz den Eindruck gewinnen, das Unternehmen sei nicht das krisenfesteste. Mal sehen wie das Management auf die Krise reagiert, ich gehe davon aus, dass da jetzt – wie überall – der Business Plan schleunigts überarbeitet wird. Derzeit ist ein positiver FreeCashflow wichtiger als Umsatzmaximierung.

  2. Gute Ansätze. Gibt es Positionen im Portfolio die sie dahingehend aufgestockt haben oder neu alliierten? Bzw. gibt es Werte wie Disney, die durch Cruise Lines und Theme Parks ggf. abgestoßen wurden?

    1. Wir haben die Gewichtung von Disney reduziert. Die Parkeinnahmen für einige Quartale sind weg. Noch ist Unklar, wann die Parks in Japan, Hongkong u.a. wieder aufmachen. Wir wollten zudem die Nachricht abwarten, dass alle Parks in USA schließen. Das ist heute passiert. Höher gewichtet haben wir z.B. Tencent und Twitter. Bei Twitter hat es sich bisher wenig bezahlt gemacht.

  3. Lieber Baki,
    wie immer vielen Dank für Deine wertvollen Schilderungen auf Basis von Analysen und Tools, die nicht unbedingt jedem zur Verfügung stehen!
    Was mich in den letzten Wochen und insbesondere Tagen am meisten überrascht hat, war die Beobachtung, dass selbst alle rein digitalen Unternehmen, bei denen weder die Nachfrage noch die Versorgung mit dem Angebot in Frage steht, fast genauso gelitten haben wie alle anderen Aktien. Ich weiß nicht, ob das 1987, 2001 und 2008 genauso war, damals habe ich das noch nicht auf Ebene der einzelnen Unternehmen beobachtet. Gerade in so einer Krise haben ja auch Themen wie “wer profitiert von der Krise” Hochkonjunktur, und es werden einzelne Anbieter von Desinfektionsmitteln, Grippemedikamenten etc. in alberne Höhen getrieben. Aber die digitalen Unternehmen konnten sich meiner Beobachtung nach nicht merklich stabiler halten als der Durchschnitt. Denke das sieht man auch an Deinem Vergleich DLF vs. MSCI World.
    Kam das auch für Dich überraschend? Oder ist die Erfahrung, dass zuerst immer alle leiden und sich erst im zweiten Schritt die Nicht-Betroffenen am schnellsten wieder erholen?

    1. Hallo Gerrit, der Crash ist erst zwei Wochen alt und die Differenzierung kommt m.E. noch. Auch auf Einzelwerteebene wirken die Abverkäufe nach Volatilität, weniger nach Qualität so scheint mir. Man sieht aber schon, dass Zykliker und Unternehme mit hohem Cash-Burn am meisten abgestraft werden. Mich überrascht schon, dass einige “Gewinner” diese Entwicklung im Gleichschritt mit dem Markt runter rauschen. Spätestens bei den nächsten Quartalszahlen wird sich das ändern, denke ich. Grüße: Baki

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