Im Osten viel Neues: Große Freude an der Kaspi.kz Aktie

26. Oktober 2021

Kaum ein Kurs hat uns zuletzt so viel Freude gemacht wie der von Kaspi.kzDie Emerging Market Aktie wurde als High Conviction Idee zu unserer Jungfernpublikation anlässlich der Auflegung des Emerging Market Digital Leaders und folgerichtig auch zur größten Position im Fonds. Die Publikation der Zahlen zum dritten Quartal wollen wir nutzen, um Euch auf den neuesten Stand zu bringen.

Kaspi.kz Aktie App MaU vs Aktienkurs seit IPO

Die Kaspi.kz liefert ausgezeichnete Quartalszahlen

Die Viewer des 6 Monate EMDL Geburtstags-Webinars auf YouTube haben es schon vorher geahnt. Dort hatten wir die starke Korrelation der digitalen Spur mit dem Aktienkurs von digitalen Unternehmen aufgezeigt. Bei Kaspi ließ sich das Wachstum auch gut daran ablesen: die monatlichen Nutzerzahlen, im dritten Quartal 2020 noch bei 8,5 Millionen, sind kontinuierlich und auch im letzten Quartal weiter auf 10,8 Millionen gestiegen. Fast noch erfreulicher ist aber, dass die täglichen User mit 50 Prozent von 4,3 Millionen auf 6,5 Millionen noch stärker gestiegen sind. Das Verhältnis von DAU/MAU hat sich damit von 51 Prozent auf 60 Prozent erhöht. Kaspi schafft es mit seiner SuperApp also nicht nur Kunden zu gewinnen, sondern auch mit zunehmendem Engagement an sich zu binden. 

Um die Katze aus dem Sack zu lassen: Die Quartalszahlen waren ausgezeichnet. Der Umsatz wuchs gegenüber dem Vorjahresquartal mit 55 Prozent auf 251 Milliarden Tenge (507 Millionen Euro). Damit beschleunigte sich das Wachstum gegenüber den Vorquartalen weiter. Nach drei Quartalen liegt man beim Umsatz jetzt bei 648 Milliarden Tenge (1,31 Milliarden Euro).

Kaspi.kz Aktie - Umsatz und Reingewinn liegen über den Erwartungen

Der Reingewinn legte aber noch deutlicher um sagenhafte 90 Prozent auf 131 Milliarden Tenge (265 Millionen Euro) zu und erreichte damit 312 Milliarden Tenge (631 Millionen Euro) für das Gesamtjahr bis dato, ein Plus von 69 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2020. Somit stieg auch die Nettomarge deutlich auf 52,1 Prozent im dritten Quartal und 48,1 Prozent für die letzten neun Monate. 

Damit sieht sich das Management bereits zum zweiten Mal gezwungen, die Guidance für das Jahresergebnis zu erhöhen. Nachdem man zur Jahresmitte die Prognose bereits von 410 Milliarden auf 425 Milliarden hochgenommen hatte, erwartet man jetzt 445 Milliarden Tenge (900 Millionen Euro).

Wie hat Kaspi das geschafft?

Die Super App vereint Marketplace, Payments und Fintech

Zunächst einmal ein Blick in den Rückspiegel unser Kaspi Analyse. Kaspis Erfolg basiert auf einer sogenannten SuperApp, die das Triumvirat von Marketplace (man denke an Amazon), Payments (gedanklich Paypal) und Fintech (Kaspi macht die Kreditkarten Schemes von Mastercard und Visa obsolet in Kasachstan) auf sich vereinigt.

Kaspi.kz - Entwicklung der drei Bereiche

Alle drei Bereiche haben sich sehr stark entwickelt, insbesondere aber Payments (Umsatz: plus 72 Prozent) und Marketplace (Umsatzplus sagenhafte 160 Prozent), die jetzt erstmalig zusammen über die Hälfte des Geschäftes ausmachen. Zur Erinnerung: Der Legacy Bereich ist Fintech, da Kaspi.kz aus einer Bank hervorgegangen ist, machte noch vor einem Jahr 67 Prozent aus und wuchs langsamer. Das erklärt auch gut die nochmalige Beschleunigung des Umsatzwachstums.

kaspi.kz Aktie - Payments und Marketplace nehmen zu

Kaspi baut auf Cross Selling Opportunities

Eine weitere interessante Perspektive des Geschäftsmodells ist aber die immer noch bei weitem nicht ausgereizte Cross Selling Opportunity des Geschäftsmodells. Der Anteil der Kunden, die alle drei Plattformen nutzen, ist zwar im letzten Jahr kontinuierlich von 33 Prozent auf 40 Prozent gestiegen, und dieser Trend dürfte noch lange weitergehen.

Share of consumers using all 3 Platforms

Extrem positiv ist, dass mit dem verstärken Kundenengagement (DAU/MAU) auch die steigende Zahl der Transaktion pro Kunde stetig zunimmt und sich im Jahresvergleich von 23,4 auf 45,3 fast verdoppelt hat. Zum Vergleich: Paypal, der Weltmarktführer im Payment liegt bei 44.

Deutliche Fortschritte hat Kaspi.kz auch als Plattform für die Interaktion der Kunden mit staatlichen Behörden machen können. Die Dienstleistungen nutzten zuletzt sieben Millionen Bürger, eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr. Kaspi-Kunden können jetzt ihre Rente und ihr Kindergeld direkt in der App empfangen.

Dynamisch entwickelt sich auch Kaspi Travel, der erst vor einem Jahr gelaunchte Neuling im Produktportfolio. Der Umsatz konnte gegenüber dem zweiten  Quartal um 61 Prozent auf 26 Milliarden Tenge (53 Millionen Euro) gesteigert werden, dabei kam die Dynamik aus dem Geschäft mit Bahntickets. Waren es im Vorquartal noch 50.000, so verkaufte man aktuell 518.000 Fahrscheine. Da die Take Rate bei Bahn-Tickets deutlich höher ist, stieg diese im Travel Segment von zuletzt 2,9 Prozent auf 3,3 Prozent.

dynamische Entwicklung von Kaspi Travel

Erweiterung des Kaspi.kz Ecosystems

Das ist aber noch bei weitem nicht alles. Das Hauptziel des Managements in diesem Jahr ist nämlich nicht die Kundengewinnung, sondern viel mehr der weitere Ausbau des Angebots nach dem Motto „Build it and they will come“. Gegenüber dem Vorjahr hat man die Zahl der aktiven E-Commerce Händler vervierfachen können. Und trotzdem ist noch viel Raum, da immer noch mehr als die Hälfte der Händler, die auf der Payment Plattform sind, den Marktplatz nicht aktiv nutzen.

Zahl der aktiven E-Commerce Händler innerhalb von einem Jahr vervierfacht

Die Zahl der SKU (Anzahl unterschiedlicher Produkte) stieg entsprechend mit. Waren es vor einem Jahr noch 410.000 so stieg das Angebot auf 1,2 Millionen. Nach Umsatz führend sind Smartphones und Zubehör mit 33 Prozent, gefolgt von Bekleidung und Accessoires mit 17 Prozent, Einrichtungsartikel mit 14 Prozent und Haushaltsgeräte mit zehn Prozent. 97 Prozent der Lieferungen waren übrigens kostenlos und die Hälfte innerhalb von zwei Tagen ausgeliefert. Eine Neuerung sind die Expresslieferungen in Almaty, die mittels Taxis und Kurieren innerhalb von drei Stunden abgewickelt werden.

Bemerkenswert ist auch das Wachstum der Händler im Payment Bereich, das sich im Vorjahresvergleich (drittes Quartal 2021 vs. 2020) von 20.000 auf 215.000 verzehnfacht hat. Hier ist aber noch ein weiterer Faktor relevant. 75 Prozent aller Zahlungen werden komplett über Kaspi abgewickelt, nur 25 Prozent werden über Fremdkarten abgewickelt.

Die Zahl der abgewickelten Transaktionen ist um das 14-fache gestiegen und Kaspi.kz zur dominierenden Zahlungsform in Kasachstan geworden.

Zahl der abgewickelten Transaktionen - Kaspi.kz dominierende Zahlungsform

Ausblick

Für weitere Fantasie sorgt der Einstieg in die Ukraine, ein Land mit einer dreimal so hohen  Bevölkerungszahl wie Kasachstan, das die vier Kriterien des Business Modells erfüllt. Es handelt sich um eine Cash Wirtschaft mit wenig digitalen Zahlungen, die Durchdringung mit E-Commerce ist niedrig (im Falle der Ukraine acht Prozent des Retail Handels), wenig Konsumentenkredite (4,5 Prozent vom GDP) und hohe Smartphone Nutzung (mehr als 70 Prozent). 

Kaspi hat bereits eine Zahlungsplattform erworben und die regulatorische Erlaubnis erhalten. Auch der Kaufvertrag für eine Bank mit Lizenz ist unterschrieben und die Transaktion soll nach Erhalt der staatlichen Genehmigungen im ersten Halbjahr abgeschlossen werden. 

In den Geschäftszahlen  wird man das wohl erst ab 2023 bemerken, aber die internationale Expansion macht aber aus dem kasachischen Champion einen regionalen Player. Wir freuen uns darauf. 

Nicht nur weil Kaspi noch über viele Jahre wachsen kann. Es passt auch zu dem US Listing, das für das zweite Halbjahr 2022 geplant ist. Dieses wird nicht nur die Liquidität der Aktie erhöhen, sondern auch einen neuen Investorenkreis erschließen. Dann dürfte es auch noch einmal Spielraum für eine höhere Bewertung geben. Mit einem  KGV von 18 für 2022 halte ich die Bewertung angesichts des Wachstums für  attraktiv.

Disclaimer

EM Digital Leaders und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Kaspi.kz. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig. Dort war er für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mir dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 lang Jahre Hedge Fonds. Ende 2020 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

Ähnliche Artikel

2 Antworten

  1. Hallo und Danke für das super Update!

    Mich würde interessieren, woher die Schätzungen für das 2022er KGV stammen? Sind das eigene Estimates?

    Danke und VG
    Maximilian

    1. Hi Maximilian,
      danke für das Kompliment. Hier haben wir jetzt das KGV auf Basis des Bloomberg Konsensus berechnet.
      Der erscheint uns durchaus realistisch, mit ein wenig Luft nach oben.
      Viele Gruesse,
      Steffen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Neueste Beiträge

Tags

Neuste Kommentare

Twitter

Instagram