Kaspi-Aktie: Feuerwerk zum London-Abschied

28. Februar 2024

Kaspi-Aktie Quartalszahlen Q4 2023

Kaspi hat erstmals seit seinem US-Börsen-Debüt Zahlen gebracht und zugleich angekündigt, die Kaspi-Aktie in London delisten zu lassen. Wir ordnen die Zahlen und den Ausblick für 2024 ein und gehen auch auf die Frage ein, ob Anleger, die ihre Kaspi-Aktien in London gekauft haben, aktiv werden müssen.

Kaspi-Aktie-Kursverlauf-022024

Kaspi-Aktie: Starke Zahlen im vierten Quartal

Der Umsatz im vierten Quartal stieg um 45 Prozent auf 571 Milliarden Tenge (alle Zahlen im Vorjahresvergleich). Der Gewinn erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 32 Prozent auf 248 Milliarden Tenge. Damit schlug Kaspi die Erwartungen der Analysten.

Gleichzeitig übertraf Kaspi die im Sommer aktualisierte Jahresprognose für das Gesamtjahr 2023: der Umsatz konnte um 51 Prozent gesteigert werden, der Reingewinn um 44 Prozent. Die Guidance für den Reingewinn hatte bei 30 Prozent gelegen.

Das lag vor allem auch an einer weiteren Steigerung des Nutzers-Engagements (tägliche Nutzer im Vergleich zu monatlichen Nutzern) auf 65 Prozent. Das ist im globalen Vergleich absolute Weltklasse; sogar Whatsapp kommt auf „nur“ 52 Prozent.

Kaspi-Aktie-Quartalszahlen-Q42023

Starke Performance des Payment-Bereichs

Das Zahlungsvolumen stieg im vierten Quartal um 30 Prozent. Die Take Rate konnte gleichzeitig von 1,2 auf 1,3 Prozent gesteigert werden. Das lag an einem höheren Anteil von kostenpflichtigen Zahlungen (im Gesamtjahr 18 Prozent des Zahlungsverkehrs) sowie dem noch kleinen, aber stark wachsenden B2B Zahlungsverkehr. Dementsprechend stieg der Segment-Umsatz um 44 Prozent und der Gewinn um 42 Prozent.

Der Marktplatz brummt

Der Warenwert (GMV) stieg im vierten Quartal um 31 Prozent auf 1,3 Billionen Tenge, die Take Rate konnte dabei von 8,8 Prozent auf sensationelle 10,1 Prozent gesteigert werden. Das lag zum einen an einem höheren Anteil am (im Vergleich zum M-Commerce) höhermargigen E-Commerce, wo das Wachstum bei 77 Prozent lag. Allerdings ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht in Sicht; in Kasachstan macht Jonas gerade einmal 8 Prozent der Einzelhandelsumsätze aus.

Zum anderen gelang es Kaspii, Versand und Reklame verstärkt zu monetarisieren. Die am Jahresende 6000 Postomaten erledigten 39 Prozent der Auslieferungen. 

Der GMV im Reisegeschäft stieg um 42 Prozent. Die Take Rate konnte hier um 50 Basispunkte auf 4,6 Prozent gesteigert werden. Das ist der stärkeren Bedeutung von Pauschalreisen zu verdanken, bei denen die Take Rate bei 8,7 Prozent liegt.

GMV im noch in den Kinderschuhen steckenden E-Grocery (Lebensmittel), bisher ausschließlich in Almaty, erreichte 14 Milliarden Tenge. Das Geschäft ist aber bereits profitabel, die Nettomarge liegt bei 6 Prozent. Hier liegt eines der großen Wachstumspotenziale der nächsten Jahre.

Fintech leidet nach wie vor unter den hohen Zinsen

TFV (Finanzierungsvolumen) stieg im vierten Quartal um 36 Prozent auf 2,4 Billionen Tenge. Der Reingewinn stieg aber nur um 7 Prozent auf 71 Milliarden, was an höheren Finanzierungskosten lag. Die operativen Kosten wuchsen dagegen langsamer als der Umsatz.

Es wäre mehr drin gewesen: Das Kaspi Management war letztes Jahr bei der Kreditvergabe sehr vorsichtig. Entscheidend hier ist, dass Kaspi das selbst auf Basis der eingeschätzten Kreditrisiken steuern kann. Die Nachfrage ist groß, und die Bereitschaft von Kaspi, hier Risiken einzugehen, eher gering. 

Ausblick

Für dieses Jahr erwartet Kaspi im Payment-Bereich ein Wachstum beim Umsatz von 20 Prozent und einen Gewinnanstieg um 25 Prozent. Der Marktplatz soll mit 70 Prozent Umsatzwachstum und 40 Prozent Gewinnsteigerung das dynamische Segment bleiben. Fintech soll beim Umsatz ebenfalls um 20 Prozent wachsen; der Gewinnanstieg wird mit geplant 15 Prozent angegeben.

Insgesamt soll der Konzerngewinn um 25 Prozent wachsen. Wie bereits im letzten Update erwähnt, dürfte es sich dabei um einen konservative Schätzung handeln, die das Unternehmen dann schlagen möchte.

Mein Fazit zur Kaspi-Aktie

Kaspi hat wieder solide Zahlen geliefert. Auch der Ausblick ist positiv – das gilt auch für die Ankündigung einer Quartalsdividende in Höhe von 850 Tenge. Die Kaspi-Aktie hatte nach längerer Durststrecke bereits am Vortag die guten Zahlen antizipiert und ist auf über 100 Dollar gestiegen. Das Management betonte noch einmal, dass die Auslandsexpansion jetzt eine zentrale Bedeutung habe: das sei nur eine Frage der Zeit.

Wir sind mit unserer sehr großen Position in DLF und EMDL zufrieden. Die Kaspi-Aktie verbindet weiterhin eine günstige Bewertung (EV/EBITDA 2024: 6,0) mit exzellenten Wachstumsaussichten. Hinzu kommt die extrem aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik. Viele Anleger scheuen das Emerging-Markets-Risiko. Das gilt unserer Meinung nicht für Kaspi. Im Unterschied zu vielen EM-Titeln, insbesondere chinesischen, teilt Kaspi den Gewinn mit den Aktionären, und der Gewinn ist üppig. Die hohe Dividendenrendite von knapp 10% und die niedrige Bewertung machen die Kaspi-Aktie sogar zu einem defensiven Titel.

Zudem wurde das langjährige Manko, die schlechte Liquidität der Aktie in London, mit dem US-Listing adressiert. Der Börsenumsatz in den USA ist rund zehnmal so hoch wie in London. Daher ist es nur konsequent, dass das Unternehmen das London-Listing jetzt früher einstellt als erwartet. 

Für Anleger im TheDLF und EMDL ist das London-Delisting reibungslos verlaufen. Bei uns ist die Umbuchung bereits automatisch im Januar passiert und wir gehen davon aus, dass die meisten Lagerstellen entsprechend von selbst handeln. Da es sich bei den in London und New York notierten ADRs um die identische Wertpapiergattung handelt, muss die Position lediglich aus dem Depot bei Europcar/Clearstream in eines bei DTC umgebucht werden. Laut Kaspi sollten Anleger in der Aktie im Zweifel auf Nummer sichergehen und ihren Broker anweisen, tätig zu werden. Im Zweifel sollten vorsichtige Direktanleger also bei Ihrer Bank nachfragen.

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Autor

  • Steffen Gruschka

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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2 Responses

  1. Auf die Frage, ob Anleger, die ihre Kaspi-Aktien in London gekauft haben, aktiv werden müssen, seid ihr jetzt aber nicht eingegangen, oder habe ich etwas übersehen?

    1. Danke für den Hinweise, da ist uns ein Fehler passiert. Ein Teil des Textes wurde nicht übernommen. Jetzt ist er aktualisiert. Entschuldigt bitte.

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