LendingClub Aktie: Das beste aus zwei Welten

24. Mai 2022

Wenn man sich den Kurs der LendingClub Aktie anschaut, könnte man meinen, man habe es hier mit einem in der Corona-Pandemie gehypten FinTech zu tun, das in der Pandemie nun wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist. Doch es gibt noch mehr Gründe, sich die Aktie näher anzuschauen. 

Ab Ende 2020 verzehnfachte sich der Kurs der LendingClub Aktie nach jahrelangem Siechtum bis zum All-Time-High von über 47 Dollar Anfang November 2021. Doch die LendingClub Aktionäre hatten nicht viel Zeit sich über diesen Tenbagger zu freuen: in den vergangenen sechs Monaten hat die LendingClub Aktie im Zuge des Tech Crashs wieder über 70 Prozent abgegeben.

LendingClub Aktie Kurs
https://aktien.guide/aktien/LendingClub-Corp-US52603A2087

Aber der heutige LendingClub ist mehr als nur ein Hype: hinter einem mittlerweile unpassend gewordenen Namen steckt jetzt eine profitabel wachsende Neobank, die es nach dem Kursverfall nun auch ins Portfolio von The Digital Leaders Fund geschafft hat. 

Was macht LendingClub?

Für diejenigen unter Euch, die LendingClub noch nicht kennen, hier zunächst eine kleine Einführung in die LendingClub Aktie:

LendingClub war ursprünglich DER Pionier von Peer-to-Peer-Krediten. Nach der Gründung 2006 wollte man mit einer Plattform zur Vermittlung von Krediten, die direkt von Kreditgebern bzw. Investoren an Kreditnehmer vergeben werden (also ohne Beteiligung von Kreditinstituten), die Finanzindustrie revolutionieren. 

Doch aus der eigentlich guten Idee ließ sich auch nach dem Ende 2014 erfolgten Börsengang, der eine Milliarde Dollar in die Kassen spülte, kein profitables Geschäft machen. Als Vermittler von Peer-to-Peer-Krediten ist LendingClub in den Jahren danach krachend gescheitert und hat nach anhaltenden Verlusten sein ursprüngliches Peer-to-Peer Geschäftsmodell mittlerweile komplett aufgegeben.

Was aus dieser Zeit zurückblieb, das war eine riesige Anzahl von vier Millionen Mitglieder (wie LendingClub seine Kunden nennt) und der zugehörige Datenschatz samt den selbstlernenden Algorithmen zur Risikoermittlung und Kreditvergabe.

Der neue LendingClub

LendingClub hat in den vergangenen 18 Monaten eine bemerkenswerte Metamorphose durchlebt: Im Januar 2021 wurde die fast ein Jahr zuvor angekündigte Akquisition der Radius Bank vollzogen. Die brachte als reine Online-Bank neben der Radius-Banking-Plattform und Kundeneinlagen In Höhe von damals 1,7 Milliarden Dollar auch eine landesweite Vollbank-Lizenz mit. Der “neue” LendingClub ist heute mindestens genausoviel Bank wie Fintech und versucht, das beste aus beiden Welten für seine Kunden und Aktionäre zusammenzubringen.

Das Hauptprodukt von LendingClub ist auch heute noch die Vermittlung von Ratenkrediten. Das klingt nicht aufregend, schafft aber echten Mehrwert für Millionen von Amerikanern im Zusammenhang mit der Umschuldung von sündhaft teuren Kreditkartenschulden. Denn LendingClub kann deren durchschnittlichen Kreditkosten um vier bis fünf Prozent pro Jahr senken. Der Mehrwert ist für die Kunden klar ersichtlich und sofort greifbar. Entsprechend stark wird das LendingClub Produkt nachgefragt. 

Die auf der Lending Plattfom bewilligten Kredite werden nach der Akquisition der Radius Bank heute noch zu ca. 75 Prozent an andere Banken und sonstige Investoren weitergereicht. Die restlichen 25 Prozent werden nun von LendingClub selbst auf eigenes Risiko in der eigenen Bilanz gehalten.

Das ist wohl auch der Grund, warum die LendingClub Aktie von vielen Investoren sehr misstrauisch beäugt wird. Die Bilanz von Lending Club als Bank ist selbstverständlich nicht mehr vergleichbar mit der Bilanz, die Lending Club als reinrassige Vermittlungsplattform noch im März 2021 aufwies. Neben Einlagen von circa vier Milliarden Dollar türmen sich da mittlerweile Darlehen in Höhe von  3,4 Milliarden Dollar, davon 2,4 Milliarden Dollar an unbesicherten Konsumentenkrediten. 

Das gehört zum neuen LendingClub Geschäftsmodell dazu und muss auch in Zeiten einer Rezession nichts Schlimmes sein, sofern die Risikovorsorge adäquat ausgestaltet ist. Die Rückstellungen für Kreditverluste bei LendingClub stiegen im ersten Quartal um über 50 Millionen Dollar (Kreditvorsorge nun insgesamt 188 Millionen Dollar) und spiegeln das Wachstum der zu Investitionszwecken gehaltenen Kredite.

Bleibt die Frage nach der Qualität der im eigenen Buch gehaltenen Kredite:

Derzeit liegt die Verzugsquote des in der LendingClub Bilanz gehaltenen Kreditportfolios deutlich unter dem Durchschnitt aller vergebenen Kredite. Denn LendingClub hat eigene Kredite bisher eher an eine überdurchschnittlich zahlungskräftige Kundschaft begeben.

LendingClub Investor Presentation
LendingClub Investor Presentation

Man erwartet im Laufe der Zeit allerdings eine Angleichung der Verzugs- und Ausfallraten, die insgesamt derzeit noch deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie liegen.

LendingClub Aktie
LendingClub Investor Presentation

Die von LendingClub erzielte Nettozinsmarge ist in den letzten beiden Quartalen auf über acht Prozent gestiegen. Der Grund dafür ist, dass man hat mit den direkt vereinnahmten Zinsen aus den in der eigenen Bilanz gehaltenen Konsumentenkrediten einen im Vergleich zum früheren Geschäftsmodell wesentlich profitableren Umsatzstrom erschlossen hat. Dieser ist in den vergangenen Quartalen besonders schnell gewachsen.

LendingClub Aktie Total Net Revenue
LendingClub Investor Presentation

Die Zahlen zum ersten Quartal 2022

Die für Aktionäre wohl wichtigste Botschaft: Das neue Geschäftsmodell als Bank sorgte dafür, dass LendingClub schon 2021 erstmals ein positives Nettoergebnis (auch nach GAAP!) ausweisen konnte.

Für das erste Quartal 2022 meldete LendingClub trotz des Marktumfeldes rund um schnell steigenden Zinsen und Inflation sehr gute Zahlen:

Der Umsatz betrug 290 Millionen Dollar nach 262 Millionen Dollar. im Vorquartal und nur 106 Millionen Dollar im ersten Quartal 2021. Das Wachstum in Höhe von. 174 Prozent ist allerdings noch durch die Akquisition verzerrt und wird in den kommenden Quartalen stark zurückgehen.

LendingClub Aktie Investor Presentation
LendingClub Investor Presentation

Die Ausgaben stiegen im ersten Quartal Vergleich zum Vorjahresquartal nur um 42 Prozent, obwohl die Umsätze um 174 Prozent gesteigert wurde.

Eine wichtige Kennzahl für die Beurteilung der Effizienz beziehungsweise Profitabilität einer Bank ist das Verhältnis von Aufwand zum Ertrag. Diese Effizienzquote (oft auch Cost-Income-Ratio CIR genannt) ist bei LendingClub in den vergangenen Quartalen seit der Akquisition der Radius Bank stetig auf mittlerweile 66 Prozent gesunken. Das Unternehmen scheint seine Kosten nun also – acht Jahre nach dem Börsengang – endlich im Griff zu haben.

Lending Club Efficiency Ratio

Der daraus resultierende Nettogewinn betrug im ersten Quartal fast 41 Millionen Dollar, das entspricht einer Netto-Marge von 14 Prozent. 

Der Gewinn je Aktie lag bei 0,39 Dollar damit deutlich über den 0,27 Dollar aus dem vierten Quartal. Im Vorjahresquartal war noch ein deutlicher Verlust angefallen.

Die neue Guidance für 2022

Während andere FinTechs wie Upstart nach dem herausfordernden ersten Quartal teilweise kräftige Gewinnwarnungen herausgeben mussten, konnte das LendingClub Management seine eigene Guidance sogar etwas heraufsetzen:  

Man erwartet nun beim Umsatz für das Gesamtjahr bis zu 1,25 Milliarden Dollar.

Bei einer gleichbleibenden Gewinnspanne wie im ersten Quartal würde das für das Gesamtjahr einen Nettogewinn nach GAAP von 175 Millionen Dollar bedeuten. Die angehobene offizielle Guidance sieht derzeit einen GAAP-Gewinn von 145-165 Millionen Dollar vor.

Bewertung der LendingClub Aktie

Bei einem aktuellen Kurs von gut 13 Dollar beträgt die Marktkapitalisierung von LendingClub weniger als 1,4 Milliarden Dollar. Das Unternehmen wird also trotz des klaren Wachstumskurses für ein KGV von circa acht gehandelt, sofern man den Gewinn aus dem ersten Quartal auf das Gesamtjahr hoch rechnet. 

Für 2023 liegt das KGV unter sechs, sofern man den Gewinnschätzungen der Analysten glauben darf, die im Durchschnitt einen Gewinn pro Aktie von 2,28 Dollar erwarten.

Auch wenn LendingClub als Bank weniger sexy daherkommt als so manches reinrassige FinTech mit einem zumindest theoretisch besser skalierbaren Geschäftsmodell: Wir haben es hier jetzt mit einer profitablen und schnell wachsenden Neo-Bank zu tun. Die schafft für ihre Kunden einen echten Mehrwert und sollte sich daher auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten zügig weiterentwickeln können

Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von LendingClub. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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