Quartals Updates: Bancolombia, Bilibili, NIO, Pagseguro

3. März 2023

Quartalszahlen Bancolombia, Bilibili, Nio, Pagseguro

Einige unserer Portfolio Holdings haben ihre Zahlen vorgelegt. Hohe Zinsen belasten die lateinamerikanischen Aktien, Bilibili und NIO werden von den hausgemachten Problemen in China ausgebremst. Aber es lohnt sich der Blick auf die Details, und die sehen teilweise nicht entmutigend aus.

Makro-Turbulenzen gehen nicht spurlos an Bancolombia vorbei

Bancolombia hat letzte Woche Zahlen für das vierte Quartal präsentiert, die eigentlich gut waren. Der Umsatz lag um 12 Prozent über den Erwartungen, der Reingewinn für das vierte Quartal betrug 6,8 Billionen COP, ein Plus von 13,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr ergaben sich 6,8 Billionen COP (1,4 Milliarden Dollar). Die Eigenkapitalverzinsung (ROE) betrug im Gesamtjahr 19,8 Prozent.

Das Lohnbuch wuchs im Jahresvergleich um 22,5 Prozent, währungsbereinigt waren es 14,6 Prozent. Die Kundeneinlagen wuchsen um 19,3 Prozent. Der Anteil der faulen Kredite lag bei 2,16 Prozent. Cost of Risk lag mit 1,6 Prozent etwas höher als im Vorjahr.

Auch bei der Digitalstrategie gab es Fortschritte. Die Zahl der digitalen Nutzer der Legacy Bank erreicht 7 Millionen. 77,3 Prozent aller Kunden haben bisher den digitalen Sprung geschafft. Dazu kommen 21,5 Millionen Kunden in den reinen Digital Banken (6,6 Millionen bei Bancolombia a la Mano und 14,9 Millionen bei Nequi).

Angst hat der Markt allerdings vor dem Ausblick. Die angestiegene Inflation spürt der Konsument bereits im Geldbeutel, und das wirkt sich auch auf die Zahlungsfähigkeit der Kunden aus. Die restriktive Geldpolitik dürfte im ersten Halbjahr mit Zinsen zwischen zwölf und 13 Prozent den Höhepunkt erreichen und sich bis nächstes Jahr fortsetzen. Nach 7,5 Prozent Wirtschaftswachstum im Jahre 2022 werden für dieses Jahr gerade einmal 0,9 Prozent erwartet.

Neben den Zinsen lastet auch politische Unsicherheit auf der Wirtschaft. Der neue Präsident Pedro steht unter dem Druck von linken Hardlinern, und in Kürze stehen lokale Wahlen an.

Auf jeden Fall kommt es jetzt zu höheren Steuern. Die sich im Parlament befindende Steuerreform soll die Besteuerung für Finanzinstitute in den Jahren 2023 bis 2027 temporär von 35 Prozent auf 40 Prozent erhöhen. Es hätte schlimmer kommen können, der effektive Steuersatz der Bankgruppe sollte laut Unternehmensangaben um lediglich 2 Prozentpunkte steigen.

In diesem adversen Umfeld erwartet die Bank immerhin ein Wachstum des Kreditbuchs von 5 Prozent. Das Unternehmen erwartet eine nette Zinsmarge von 6,5 Prozent für das Gesamtjahr.

Bancolombia steht aktuell vor makroökonomischen und politischen Unwägbarkeiten. Nach Analystenerwartungen wird das Gewinnwachstum in diesem und im nächsten Jahr pausieren. Das aktuelle KGV von 4,5 preist die Risiken unserer Meinung nach aber ein. Wir halten unsere Position.

Bilibili Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen

Bilibili meldete am Donnerstag einen Umsatz von 890,6 Millionen Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Die chinesische Video-Sharing-Website verzeichnete in diesem Zeitraum einen Verlust von 216,7 Millionen Dollar im vierten Quartal. Pro Aktie gab das in Shanghai ansässige Unternehmen einen Verlust von 55 Cent an. Der um einmalige Gewinne und Kosten bereinigte Verlust betrug 48 Cent je Aktie. Die durchschnittlichen monatlich aktiven Nutzer (MAUs) stiegen im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 326 Millionen. Die durchschnittlichen täglich aktiven Nutzer (DAUs) stiegen im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 92,8 Millionen, und die durchschnittlichen monatlich zahlenden Nutzer (MPUs) stiegen im Jahresvergleich um 15 Prozent auf 28,1 Millionen. Für das Jahr 2022 berichtete das Unternehmen, dass sich der Verlust auf 1,09 Milliarden Dollar oder 2,75 Dollar pro Aktie ausgeweitet habe. Der Umsatz für 2022 wurde mit 3,18 Milliarden Dollar angegeben. Bilibili erwartet für das Gesamtjahr 2023 einen Umsatz zwischen 3,48 und 3,77 Milliarden Dollar. Die Bilibili Aktie legte am Freitag Morgen in Hongkong um 10 Prozent zu.

Die NIO Quartalszahlen enttäuschten

NIO meldete gestern sehr enttäuschende Ergebnisse für das vierte Quartal. Die Bruttomarge ist aufgrund von Modellwechseln auf 3,9 Prozent gefallen; die die Konsensschätzungen lauteten auf 13,9 Prozent. Der Umsatz des Autoherstellers stieg von 9,9 Milliarden Yuan im Vorjahr auf 16,1 Milliarden Yuan. Die gesamten Betriebsausgaben stiegen von 4,14 Milliarden Yuan auf 7,36 Milliarden Yuan, angeführt von Forschungs- und Entwicklungskosten, die sich von 1,83 Milliarden Yuan auf 3,98 Milliarden Yuan mehr als verdoppelten. Der zurechenbare Verlust von Nio im vierten Quartal stieg von 2,18 Milliarden Yuan oder 1,36 Yuan pro Aktie im Vorjahreszeitraum auf 5,85 Milliarden Yuan oder 3,55 Yuan pro Aktie.

Für das Geschäftsjahr 2022 stieg der Umsatz von 36,14 Milliarden Yuan auf 49,27 Milliarden Yuan. Der zurechenbare Verlust für das Gesamtjahr 2022 erhöhte sich von 10,57 Milliarden Yuan oder 6,72 Yuan pro Aktie vor einem Jahr auf 14,56 Milliarden Yuan oder 8,89 Yuan pro Aktie.

NIO rechnet nach Aussagen des Managements im ersten Quartal mit Lieferungen von zwischen 31.000 und 33.000 Einheiten. Dies bedeutet, dass die Lieferungen im März voraussichtlich zwischen 10.337 und 12.337 Einheiten liegen werden und damit bestenfalls stagnieren oder sogar niedriger liegen als im Februar.

Das NIO-Management hält dennoch eine Verdopplung der Verkäufe auf über 240.000 Einheiten in diesem Jahr für realistisch und sieht einen Weg zu 30.000 Auslieferungen pro Monat, sobald alle fünf neuen Modelle bis Ende des dritten Quartals oder Anfang des vierten Quartals auf den Markt gekommen sind.

Die NIO Aktie brach während des Handels am Donnerstagnachmittag in Hongkong um 12 Prozent und in Singapur um 11 Prozent ein.

Pagseguro Aktie: Starke Quartalszahlen in schwierigen Zeiten

Kurz vor unserem Redaktionsschluss kam die Quartalszahlen von Pagseguro rein. Die Zahlen waren solide. Der Umsatz für das vierte Quartal 2022 lag bei knapp 4 Milliarden Real, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber ein Rückgang von 2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Das war leicht unter den Erwartungen, dafür überraschte Pagseguro beim Nettoergebnis positiv: der Reingewinn lag bei 408 Millionen Real, ein Plus von 35 Prozent im Jahresvergleich und 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die Zahl der aktiven Kunden stieg auf 16,2 Millionen, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 3 Prozent gegenüber dem letzten Quartal. Das Zahlungsvolumen stieg um 4 Prozent. Allerdings fiel die Take Rate leicht, da es sich zum größten Teil um nicht monetarisierte Zahlungen handelte.

Die Zahl der Händler ging gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent zurück. Das ist kein Grund zur Sorge, denn es handelt sich hauptsächlich um Kleinst-Händler, deren Umsatz-Beitrag vernachlässigbar ist.

Der dennoch etwas schwächere Umsatz erklärt sich vielmehr aus einem höheren Anteil an besicherten Krediten mit einer längeren Laufzeit und niedrigen Zinsen. Der Anteil an besicherten Krediten stieg im Jahresvergleich von 7 Prozent auf 40 Prozent.

Die positive Überraschung beim Ergebnis rührt von der Kostenseite. Die Kreditausfälle stiegen nur sehr moderat (um 3 Prozent), die Vertriebskosten wurden erheblich reduziert.

Auf diese Weise konnte im Jahresvergleich die Verdopplung der Finanzierungskosten infolge der höheren Zinsen auf 855 Milliarden Real ausgeglichen werden. Gegenüber dem Vorquartal liegen die Finanzierungskosten um 7 Prozent niedriger, ein Ergebnis der um 1,3 Milliarden Real höheren Einlagen, das spart die teure Refinanzierung im Interbankenhandel.

Pagseguro gehört zu den Aktien, bei denen viele Anleger das Glas ganz leer sehen. Wir sind da konstruktiver: Nach dem Downgrade von Goldman Sachs zu Beginn des Jahres hatten wir unsere Position noch einmal aufgestockt. Daher freut uns die positive Indikation von einem nachbörslichen Kursplus von 7 Prozent für die Pagseguro Aktie.

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EM Digital Leaders & China Digital Leaders und/oder die Autoren und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von den genannten Unternehmen. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Co-Autoren Steffen Gruschka und Mirko Wormuth

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich. Mirko war 23 Jahre lang in China als Anwalt und Unternehmer tätig. Zuletzt war er Global Head of HR für das chinesische EV Startup BYTON in Nanjing. Davor lagen seine unternehmerischen Tätigkeiten im Bereich des chinesischen E-Commerce und Einzelhandels. Seit 2020 managt Mirko den auf die chinesische Digitalisierung spezialisierten China Digital Leaders Fonds.

Co-Autoren Steffen Gruschka und Mirko Wormuth

Co-Autoren Steffen Gruschka und Mirko Wormuth

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich. Mirko war 23 Jahre lang in China als Anwalt und Unternehmer tätig. Zuletzt war er Global Head of HR für das chinesische EV Startup BYTON in Nanjing. Davor lagen seine unternehmerischen Tätigkeiten im Bereich des chinesischen E-Commerce und Einzelhandels. Seit 2020 managt Mirko den auf die chinesische Digitalisierung spezialisierten China Digital Leaders Fonds.

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