AMD vs. Nvidia – Der KI-Wettstreit der taiwanesischen Cousins

15. Dezember 2023

Vor fünf Monaten haben wir in einem Blogartikel einen Blick auf AMDs erste GPU-only Lösung geworfen und sind der Frage nachgegangen, ob das Unternehmen Nvidia ernsthaft Konkurrenz machen kann. Ein Update zum MI300 in vier Punkten.  

AMD vs. Nvidia – der KI Wettstreit geht weiter, und er wird oft personifiziert als Familienstreit zwischen taiwanesischen Cousins. Über die vielen CEOs mit indischer Herkunft, die führende US-Softwareunternehmen wie Microsoft, Alphabet, Adobe u.a. leiten, ist schon viel geschrieben worden. Bei Computer-Hardware und insbesondere bei Halbleitern tritt ein anderes Land immer wieder in den Vordergrund: Taiwan. Der legendäre Morris Chang hat mit der Gründung und dem Siegeszug von Taiwan Semiconductors das wahrscheinlich global führende Ecosystem für Halbleiter und KI-Hardware in Taiwan etabliert und damit auch Taiwans geopolitische Bedeutung für die USA zementiert. 

Zu den wichtigsten Kunden zählen die zwei führenden Halbleiterunternehmen Amerikas: Nvidia und AMD. Während Nvidia die klare Nr. 1 im Markt für KI-Beschleunigern ist, gilt AMD als der engste Verfolger. Die beiden CEOs, Jensen Huang und Lisa Su, sind nicht nur US-Amerikaner mit taiwanesischen Wurzeln, sie sind sogar verwandt. Und sie nutzen ihre Nähe zum taiwanesischen Ökosystem zum Vorteil von Nvidia und AMD: Auf dem AMD-Event „Advancing AI“ hat Lisa Su Details bekannt gegeben, wie sie dem Unternehmen ihres Cousins 2. Grades auf die Pelle rücken möchte. Wir haben die vier wichtigsten Botschaften in diesem Artikel zusammengefasst.

Der KI-Beschleuniger-Markt ist noch viel größer

Auf der „AMD Data Center & AI Technology Premiere“ im Sommer hatte AMD CEO Lisa Su den Markt für KI-Beschleuniger für Rechenzentren für 2023 auf 30 Milliarden Dollar geschätzt. Für die nächsten vier Jahre hatte sie ein durchschnittliches Wachstum von 50 Prozent und damit ein TAM von 150 Milliarden Dollar für 2027 vorhergesagt. Spätestens nach den Zahlen von Nvidia war klar, dass die Zahlen für 2023 schon von der Realität eingeholt worden sind. Nvidia wird dieses Jahr allein im Segment „Data Center“, das von GPU-Beschleunigern wie H100 dominiert wird, über 47 Milliarden Dollar Umsatz generieren. 

Lisa Su schätzt den Markt für KI-Beschleuniger im Jahr 2023 auf nun 45 Milliarden Dollar, ein durchschnittliches Wachstum von 70 Prozent in den nächsten vier Jahren und ein TAM von 400 Milliarden für 2027. In wenigen Monaten hat die AMD-Chefin ihre Schätzung für den KI-Beschleunigermarkt für das Jahr 2027 von 150 Milliarden auf über 400 Mrd. Dollar angehoben. Verrückt! 

AMD vs Nvidia Advancing AI

Die MI300-Beschleuniger sind offiziell ausgerollt

AMD hat offiziell den Marktlaunch der MI300-Familie mit den zwei Beschleunigern MI300X und MI300A bekanntgegeben. Der MI300X ist das erste GPU-only Produkt, soll für Training und Inferenz für Large-Language-Modelle (LLMs) eingesetzt werden und konkurriert mit Nvidias H100. Der MI300A APU soll dagegen für Anwendungen in High-Performance-Computing eingesetzt werden wie zum Beispiel für den Supercomputer El Capitan. MI300A konkurriert gegen Nvidias Grace Hopper Superchip. Beide Produkte werden schon an Kunden ausgeliefert.

AMD verkündet Outperformance

Zum ersten Mal hat AMD detaillierte Performancedaten für die neuen Produkte präsentiert. Durch die deutlich höhere Speichergröße und bessere Datentransferrate hat AMD bei KI-Inferencing bis zu 60 Prozent Peformancevorteile gegenüber Nvidias H100 gemessen. Und selbst bei KI-Trainings sieht sich AMD bereits auf Augenhöhe mit Nvidia.

AMD vs Nvidia Instinct Platform Perfromance advantage

Beim MI300A hat AMD in einer speziellen Testanordnung sogar eine bessere Leistung gegenüber H100 um Faktor 4 gemessen.

AMD vs Nvidia OpenFOAM

Nvidia hat die Majestätsbeleidigung nicht lange im Raum stehen lassen. In einem Blogbeitrag vor wenigen Tagen hat man die eigene Superiorität auf dem Feld der KI-Beschleunigern verteidigt: „At a recent launch event, AMD talked about the inference performance of the H100 GPU compared to that of its MI300X chip. The results shared did not use optimized software, and the H100, if benchmarked properly, is 2x faster.

Ob hier tatsächlich immer Äpfel mit Äpfeln verglichen worden sind, können wir nicht beurteilen. Auch wenn AMDs Lisa Su nicht dafür bekannt ist, Overselling zu betreiben und seit Jahren liefert, was sie verspricht, muss man die Testergebnisse mit einer gesunden Skepsis zur Kenntnis nehmen. Wahrscheinlich müssen wir warten, bis eine neutrale Stelle wie MLPerf die Inferenz- und Trainingsleistungen von AMDs und Nvidias Beschleunigern richtig benchmarkt. Und natürlich zählt am Ende, wie die Kunden sich entscheiden. 

Eine der größten Burgmauern um das Geschäftsmodell von Nvidia ist die Software und das Programmiermodell CUDA. Dagegen setzt  AMD mit Programmier-Plattform ROCm voll auf Open Source. Mit Version 6 sei man nun „ready for prime time with any modell“ und Lisa Su betonte, dass Kunden, die früher die Software hinterfragen würden, das nicht mehr tun. Bei der Verbindungstechnologie setzt AMD auf Ethernet und möchte in Zusammenarbeit mit unter anderem Broadcom, Cisco und Arista (Andy von Bechtolsheim war sogar auf der Bühne) Ethernet als Technologie für die Verbindung von Netzwerken in KI-Fabrik als Alternative zu Nvidias InfiniBand-Version durchsetzen, um auch eine Burgmauer Nvidias zu sprengen.

AMD überrascht mit großer Kundenadaption

Bisher hatte AMD noch keine Angaben zu Kundenfeedback oder Bestellungen gemacht. Nur im letzten Analysten-Call hatte Lisa Su den Umsatz mit KI-Beschleunigern für 2024 mit über 2 Milliarden Dollar geschätzt. Nun wurden zahlreiche Kunden auf der Bühne präsentiert. Neben Microsoft wurde unter den Hyperscalern auch Meta als Neukunde für eine Cloud-Partnerschaft präsentiert. Auf der Bühne outeten sich auch Oracle, Dell, Lenovo und Super Micro (auch von einem US-Amerikaner mit taiwanesischen Wurzeln geführt) als „early adopter“ der MI300-Familie. AMD sieht eine Nachfrage nördlich der avisierten 2 Milliarden Dollar und betonte, dass man sich genügend Produktionskapazität gesichert habe. 

Seit der Präsentation hat die Aktie von AMD nochmals 17 Prozent zugelegt. Mit einem KGV von 39 und einem EV/Sales von 7 (jeweils geschätzt für 2024) ist die AMD-Aktie für einen Zykliker schon sehr sportlich bewertet. Das relativiert sich allerdings mit Blick auf die Größe des adressierbaren Marktes für KI-Beschleuniger. Schon ein Marktanteil um die 5 Prozent würde ausreichen, um AMDs Umsätze in den nächsten vier Jahren zu verdoppeln. Nach Einschätzung von Lisa Su, wird AMD mit MI300 die schnellste Umsatzmilliarde in der Geschichte des Unternehmens erzielen. Spätestens im nächsten Quartalsbericht werden wir erfahren, ob es hier um Monate oder Quartale geht.

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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