Fünf Lehren aus der Fonds Performance 2021

14. Januar 2022

Die Gewinner und die Verlierer am Fondsmarkt 2021 plus ein Ausblick auf das, was uns 2022 erwartet. Eine Check-Liste zu Fonds, Märkten und Performance.

Welche Fonds waren 2021 die Champions? Welche Märkte haben am besten performt? Welche Fonds waren so richtig grottig, und aus welchen Marktsegmenten kommen sie? Diese Fragen treiben uns Anleger viel mehr um, als wir es wahrhaben wollen. Kurz nach Neujahr werden mit ermüdender Regelmäßigkeit die Rankings der besten Fonds und Märkte des Vorjahres veröffentlicht. Das ist zum einen eine Übung in Sinnlosigkeit, denn die Vergangenheit ist nicht nur vergangen, sondern auch mausetot. In manchen Anlegermagazinen werden solche Vergangenheits-Investments leider mitunter immer noch als „Reichmacher“ bezeichnet. Korrekterweise müsste es aber heißen: „Das hätten Ihre Reichmacher sein können“. Denn kaum jemand erwischt a priori die Fonds oder ETFs, die zwölf Monate später die Performance-Rennlisten anführen.

Zum anderen ist das stumpfe Investieren in die Performance-Könige der Vergangenheit oftmals keine gute Idee. Unter jeder Rendite-Grafik steht nicht umsonst zu lesen, dass die Vergangenheits-Performance keine Indikation ist für die künftige Wertentwicklung.

Doch wir können aus der Not eine Tugend machen und ohne schlechtes Gewissen eigentlich irrelevante Performance-Daten aus der Vergangenheit studieren – wenn wir daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Wir wollen Euch dabei unterstützen und gehen mit gutem Beispiel voran. Eine Check-Liste für Anleger:

1. Die Exoten gewinnen (und verlieren) groß

Der beste Fonds am Markt 2021 war der Aktienfonds Uranium Resources Fund. Er legte um sage und schreibe 94 Prozent zu. Angesichts des sehr niedrigen Fondsvermögens von 35 Millionen Euro ist aber nicht zu erwarten, dass diese Giga-Performance viele Anleger zum Strahlen gebracht hat. Ähnlich spektakulär war die Performance einiger Vietnam- und Indienfonds, die über 50 Prozent zulegten. Die hatte Ende 2020 kaum einer auf den Radar. Schade!

Spiegelbildlich büßten der Abaris Technology Opportunities und der SafePort Silver Mining Fund jeweils über 30 Prozent ein. Fonds wie der der HSBC Brazil, BNP Paribas Turkey oder Global Online Retail verloren über 20 Prozent. Hier war es indes eine gute Sache, dass die Vermögenswerte in den Fonds klein und daher der Schaden für Anleger insgesamt überschaubar war.

Wer will, mag sich grämen über verpasste Performance-Gelegenheiten (sollte man übrigens nicht tun; wer das macht, verwechselt die Börse mit einem Kasino), aber keinesfalls mit einem Investment in die Vorjahres-Sieger reagieren. Denn die schneiden typischerweise nach ihrem Performance-Turbo in nachfolgenden Perioden in der Regel bescheiden ab, wie die untere Tabelle illustriert.

Die Gewinner-Fonds 2020 und was 2021 aus ihnen wurde

Gewinner Fonds 2021_Fonds Ausblick 2022
Performance in Prozent und in Euro, Quellen: Envestor, Morningstar

Wir sollten uns davon frei machen, dass die Jagd nach vergangener Performance wiederholbar ist. 99,99 Prozent aller Anleger sind nie bei den Performance- Rekorden der Top-Fonds eines Jahres investiert. (Und auch kaum einer war in Bitcoin investiert, als der noch vor weniger als zehn Jahren für sieben Euro-Cents zu haben war.) Ich investiere bereits seit 1995 in Fonds, und in keinem Jahr hat es einer meiner Favoriten in den Performance-Rankings ins erste Perzentil geschafft.

2. Standard-Investments waren Trumpf

Es war ein fast schon beängstigender Gleichklang: Aus Sicht von Euro-Investoren waren Fonds für die allermeisten Industrieländer-Aktienmärkte strahlende Gewinner. 30 Standardwerte- und Nebenwerte-Kategorien aus diesen Segmenten erzielten durchschnittlich ein Plus von 20 bis 35 Prozent. Ob europäische Standardwerte, USA Nebenwerte, Europa Growth, Welt Value, Schweizer Standardwerte, britische Dividendenwerte – alles, wirklich alles, stieg. Sogar das Standard-Lamento von Value-Investoren fiel 2021 aus. Einzige Ausnahme waren Japan-Aktien, die ein mittleres einstelliges Plus erzielten, was aber nur ein relatives Desaster war.

Die Bilanz von 17 europäischen und globalen Aktienfonds-Kategorien 2021

Gewinner Fonds 2021_Aktienfonds Kategorien 2021_Fonds Ausblick 2022
Performance in Prozent und in Euro, Quellen: Envestor, Morningstar

Der Ausblick fällt allerdings nicht rosig aus. Rückblickend wird man vielleicht sagen, dass 2021 eine wunderbare Goldilocks-Serie zu Ende ging. Die Rede ist von den makro- bzw. geldpolitischen Rahmenbedingungen. Die Notenbanken, allen voran die BoE und Fed, straffen derzeit die Zügel. Es wird inzwischen sogar in Kreisen der Fed nicht ausgeschlossen, dass die Notenbank mehr als dreimal die Zinsen in diesem Jahr erhöhen wird. Das würde ein Ende der perfekten Bedingungen für Aktienanleger bringen. In einem Goldilocks-Szenario sind die Zinsen gerade richtig niedrig und das Wirtschaftswachstum gerade; stark, aber nicht zu stark, um die Inflation anzuheizen.

Im Jahr 2022 ist die Inflation zurückgekehrt, und geriete nun auch das Wachstum ins Stocken, dann wären die Folgen für Anleihen und Aktien gleichermaßen verheerend. Einige Beobachter nehmen bereits das Wort „Stagflation“ in den Mund, das für US-Anleger, die sich an die 1970er Jahre erinnern können, eine ähnlich dramatische Konnotation hat wie für Deutsche das Wort „Inflation“.

3. Emerging Markets waren die großen Verlierer

Dreht man die Performance-Tabelle des Jahres 2021, offenbart sich ein klarer Verlierer: Emerging Markets. Besonders übel erwischte es aus Euro-Investorensicht Türkei-Aktienfonds. Sie büßten im Schnitt über 20 Prozent ein. Auch Brasilien-Fonds zählten mit einem durchschnittlichen Minus von gut elf Prozent zu den Verlierern. China Aktien büßten gut neun Prozent ein. Lateinamerika-Fonds verzeichneten ein Minus von gut 5,5 Prozent. Auch globale Emerging Markets Aktien verloren mehr als fünf Prozent.

Auch auf der Rentenseite waren die Verluste in einigen Fällen dramatisch. China-Hochzinsfonds brachen um über zehn Prozent ein, und asiatische High Yield Bonds verloren mit gut acht Prozent unwesentlich weniger. Die Spreads befinden sich immer noch nahe ihren Rekordhochs.

EM – Gründe für die schlechte Perfomance

Who dunnit? Es gibt zahlreiche Gründe. Die Entwicklung 2021 war zweigeteilt: Im ersten Halbjahr waren etliche Rohstoff-produzierende Märkte stark nachgefragt, vor allem Brasilien oder auch Russland. China Aktien legten von Januar bis Juni 2021 auch ordentlich zu. Das Land war viel früher der akuten Corona-Krise entstiegen, und davon profitierte auch der chinesische Aktienmarkt. Gestützt wurden die Kurse auch von einer unverändert laxen Geldpolitik der globalen Notenbanken (lies: der US Federal Reserve).

Im späteren Verlauf des zweiten Halbjahres brachen einige Dämme. Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik der Fed verhagelte vielen Anleger die Lust auf den beliebten Carry Trade. Sie zogen Geld aus Schwellenländern ab, was sich auf die Kurse niederschlug. Hinzu kamen die Lieferkettenproblematik und die Rückkehr zum Eskalationsmodus bei der Covid-19-Pandemie. In China wiederum ging der Rundumschlag des Regulators gegen Technologie-Konzerne weiter, und die Schieflage beim Immobilienkonzern Evergrande stellte das Wachstum des wichtigsten Wirtschaftszweiges des Landes in Frage.

EM – Ausblick auf 2022

Der Ausblick für die Schwellenländer-Märkte muss wegen des Armageddon 2021 für 2022 nicht zwingend pessimistisch ausfallen. Denn nicht alles, was 2021 schief ging, muss auch in diesem Jahr ins Kontor schlagen. Natürlich werden Schwellenländer in ihrer Gesamtheit mit starkem Gegenwind von den absehbaren Zinserhöhungen in den USA zu kämpfen haben. Aber es ist ebenso wahrscheinlich, dass es an einigen Fronten Entspannung geben wird: Viele Beobachter erwarten eine Entspannung der Lieferengpässe. In China werden die geldpolitischen Schleusen erneut geöffnet, und es erscheint unwahrscheinlich, dass die KPC die Tech-Champions des Landes weiter an die Kandare nehmen wird. Und sollte die Omikron-Variante tatsächlich endemisch werden, dann werden Schwellenländer die größten Profiteure vom faktischen Ende der Pandemie sein.

4. Aufstieg und Fall der Meme- und Highgrowth-Aktien

Es erscheint aus heutiger Sicht fast undenkbar, aber vor einem Jahr stand die Investorenwelt unter dem Eindruck der Meme-Stocks-Trader und Wall Street Rebellen. Reddit-Freaks kauften die Aktien von GameStop und AMC hoch und brachten damit Hedgefonds ins Wanken. Zugleich schickten sich Highgrowth-Aktien an, ihren Siegeszug fortzusetzen. Cathie Woods ARK ETFs sammelten Milliarden ein. Dieser Trend kippte ab Mitte des Jahres 2021, und ab Ende November beschleunigte sich dann die Korrektur.

Anleger stießen die Verlustmacher unter den Wachstumsunternehmen massiv ab. Woods amerikanische Flaggschiff ARK Innovation brach 2021 um über 23 Prozent ein, und auch etliche europäische Highgrowth-Fonds hatten Glück, wenn sie von ihrer spektakulären Performance zehren konnten und das Jahr nicht im Minus beendeten. Auch im angelaufenen neuen Jahr setzt sich dieser Trend fort: Der ARK Innovation hat in den ersten Handelstagen über 15 Prozent verloren.

Regime-Wechsel von Growth zu Value?

Anleger dürften weiter zunehmend auf Gewinne statt Umsatzwachstum bei den Highgrowth-Unternehmen achten. Darüber hinaus könnten die steigenden Zinsen einen grundlegenden Trendwechsel begünstigen: Da die Cashflows beziehungsweise die Gewinne von heute in einem Umfeld steigender Zinsen mehr wert sind als die künftigen (korrekt formuliert: Der Diskontierungssatz, mit dem die Gewinne der Zukunft abgezinst werden, steigt.), werden Growth-Unternehmen, deren Gewinne noch in der Zukunft liegen, gegenüber Unternehmen, die heute hohe Cashflows erwirtschaften, im Nachteil sein. Das bedeutet, dass die Outperformance-Chancen für Value steigen. Nach 2016 und 2021 könnte also auch 2022 für Substanzwerte ein gutes Jahr werden. Die Welt ist natürlich nicht nur schwarz oder weiß: Hochprofitable Plattformen und Digitalisierungsgewinner könnten die Nifty Fifties der 2020er werden. Aber klar ist, dass wir an den Märkten insgesamt einen Regime-Wechsel von Growth zu Value bekommen könnten.

5. Anleihen waren (und bleiben) unattraktiv

Fonds für Euro-Staatsanleihen verloren 2021 im Schnitt fast drei Prozent. Auch wenn das offenbar kaum jemandem aufgefallen ist: Das war der höchste Verlust für diese Fonds (beziehungsweise für ihre DM-Vorläufer) seit 1994, als im Zuge des globalen Renditesprungs Staatsanleihen weltweit einbrachen und auch in Europa um durchschnittlich rund fünf Prozent verloren. Seit Jahrzehnten warnen viele Fondsmanager vor den wachsenden Verlustgefahren an den Rentenmärkten – im abgelaufenen Jahr war es dann endlich soweit.

Performance von Fonds für Euro (DM)-Staatsanleihen seit 1990

Gewinner Fonds 2021_Euro Staatsanleihen_Fonds Ausblick 2022

Das bedeutet freilich nicht, dass 2021 für Rentenfonds-Anleger nichts zu holen war. Im Gegenteil: Fonds für Dollar-Inflationsschutzanleihen brachten Euro-Anlegern ein Plus von durchschnittlich fast 15 Prozent. Auch Fonds für Dollar-Hochzinsanleihen verbuchten zweistellige Gewinne. Selbst wenn man den Dollar-Anstieg herausrechnet, war die Performance beachtlich. Sogar mit Euro-Inflationsschutz Rentenfonds waren für Anleger im Schnitt gut fünf Prozent zu holen, bei Euro-Hochzinsfonds lag das Plus bei immerhin noch 2,7 Prozent.

Anleihen haben eine fragliche Zukunft

Doch die Aussicht bleibt ungewiss. Unstrittig ist, dass die Korrektur bei Staatsanleihen aus den Industrieländern in vollem Gange ist. Die spannende Frage ist, inwieweit sich andere Rentensegmente dem allgemeinen Druck entziehen können. Inflationsschutz-Papiere klingen wie ein No-Brainer, aber wenn die Inflationsschutzerwartungen abebben, was angesichts des Basiseffekts bei den rasanten Energiepreisen nicht von der Hand zu weisen ist, dann wäre bei Inflation-linkers längst nicht so viel zu holen wie 2021. 

Auch bei Unternehmensanleihen ist ungeachtet der steigenden Wirtschaftsaktivitäten nicht zwingend von einem Blue-Sky-Szenario auszugehen. Papiere mit Investmentgrade Ratings dürften angesichts der sehr engen Spreads von den steigenden Renditen bei Staatsanleihen betroffen werden. Bei abnehmender Bonität nimmt auch die Zinssensitivität ab, sodass High Yields zunächst in einem expandierenden Umfeld von ihrer Aktiennähe profitieren könnten. Ob Hochzinspapiere aber wirklich reüssieren können, hängt vom Umfang des Zins- und Inflationsanstiegs ab. Goldilocks isch over, das sollten sich Spread-Jäger allerorts vergegenwärtigen.

Disclaimer

Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Ali Masarwah

Ali Masarwah

Ali Masarwah ist Chefredakteur und Partner bei der Fondsplattform envestor.de und schreibt auch Kolumnen über Investmentthemen für The Digital Leaders Fund. Anleger-orientiertes Research ist seit über 20 Jahren Alis Ding. Vor seiner Zeit bei envestor.de war er zehn Jahre lang bei Morningstar, wo er für die Personal Finance Websites des Analysehauses in Deutschland verantwortlich war. Als Experte für Anlagethemen ist er ein gefragter Ansprechpartner für Finanzmedien im deutschsprachigen Raum.

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