Netflix-Aktie – Schnorrer stürmen die Kassen

26. Januar 2024

Netflix-Aktie Stranger things

Netflix hat Zahlen berichtet, die wieder deutlich über den Markterwartungen lagen. Das Unternehmen ist zwar nicht im Portfolio des The Digital Leaders Funds, aber als führendes Streaming-Unternehmen derart bedeutend, dass man um eine Analyse der Netflix-Aktie und Zahlen nicht umhinkommt.

Netflix-Aktie Kursverlauf
Netflix-Aktie Kurschart seit 1.1.2021. Quelle: Yahoo Finance

Netflix-Aktie – Zahlen zum dritten Quartal

Netflix hat starke Zahlen präsentiert. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 12,5 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar und lag damit über den Erwartungen der Analysten. Auch der Gewinn übertraf mit 1,4 Milliarden Dollar die Konsensschätzungen. Das Highlight ist aber wieder die Entwicklung bei den zahlenden Nutzern. Mit über 13 Millionen neuen Bezahlkunden hat Netflix das beste Q4-Ergebnis seiner Geschichte präsentiert.

Netflix-Aktie Q4 Zahlen

Die Zahl der Abonnenten liegt nun bei über 260 Millionen. Zugleich hat es Netflix geschafft, den Umsatz pro Abonnenten (ARM) um 1 Prozent zu steigern. Auch im ersten Quartal soll das Geschäft nach Einschätzung des Managements “hervorragend” laufen. Der Umsatz soll um 16 Prozent wachsen, die operative Marge bei über 26 Prozent liegen.

Positiv

Der „Streaming-Krieg“ ist entschieden. Im Unterschied zu den Konkurrenten wie Disney+, Max und Paramount ist Netflix profitabel, erwirtschaftet einen Free-Cashflow und kann es sich leisten, in immer mehr Film-Content zu investieren. Alle anderen, vielleicht mit Ausnahme von Amazon Prime, sind damit beschäftigt, ihre Kosten in den Griff zu bekommen. 

Mit dem aktuellen Wachstum bei den Bezahlkunden wird Netflix eingehen in die Lehrbücher als Musterbeispiel, wie man Streamingdienste global ausrollt. Lange hatte Netflix geduldet, dass Abonnenten ihre Passwörter mit Freunden teilten, ohne dass diese zur Kasse gebeten wurden. Das hat geholfen, die Haushalte in den USA und Europa im Sturm zu erobern. Seit 2023 ist Schluss damit. Alle „Schnorrer“ werden jetzt zur Kasse gebeten. 2023 hat Netflix auch aufgehört, Nutzerzahlen bekannt zu gegeben, stattdessen wird nur noch die Zahl der Bezahlkunden veröffentlicht. Und weil die Konvertierung von Schnorrern zu Bezahlkunden ein Riesenerfolg ist, kann Netflix mit Rekordzahlen bei der Kundengewinnung protzen und lässt die Konkurrenz ziemlich alt aussehen. 

Leider veröffentlicht Netflix nicht, wie viele der neuen Bezahlkunden vorher ein Mitgliedspasswort genutzt hatten und wie viele tatsächlich neu sind. Mit Blick auf die Entwicklung der Gesamtnutzerzahlen gehen wir davon aus, dass der Großteil der Kunden aus dem „Password-Sharing-Crackdown“ resultiert. Darauf deutet auch der unterschiedliche regionale Erfolg bei der Neukundengewinnung hin. Von den 13 Millionen neuen Bezahlkunden kamen 2,8 Millionen aus dem eigentlich saturierten US-Markt. Aus EMEA kamen sogar über 5 Millionen Kunden, wo man später angefangen hat, das kostenlose Teilen der Passwörter zu unterbinden. Aus Asien kamen 2,9 Millionen und aus Südamerika 2,3 Millionen neue Abonnenten. 

Netflix gewinnt nicht nur Neukunden, es kann auch bei den Altkunden höhere Preise durchsetzen. Trotz der Einführung von günstigeren, werbefinanzierten Abo-Modellen und Preissenkungen in den Schwellenländern konnte Netflix den Umsatz pro Kunde steigern. Denn in den etablierten Märkten kann Netflix die Preise steigern, ohne Kunden zu verlieren. Die Tabelle unten, die jüngst von Axios veröffentlicht wurde, zeigt, wie niedrig die Abwanderungsrate bei Netflix ist.

Netflix-Aktie Churn rate

Mit dieser Preisdurchsetzungsmacht wird Netflix auch in den nächsten Quartalen und Jahren Gewinne und Free-Cashflow weiter steigern.

Negativ

Im zweiten Halbjahr 2024 wird Netflix den Großteil der „Schnorrer“ über die Bezahlschranke gebracht haben. Danach muss Netflix unter Beweis stellen, dass die Neukundengewinnung auch außerhalb des eigenen Ökosystems funktioniert. Hier könnten negative Überraschungen bevorstehen. Aber das Unternehmen hat mit Werbung und Gaming noch weitere Pfeile im Köcher, die derzeit beim Umsatz noch keine große Rolle spielen. Aktuell muss man sich schon sehr anstrengen, um etwas an der lupenreinen Bilanz von Netflix zu kritisieren.

My Take zur Netflix-Aktie

Heute müssen wir uns eingestehen, dass es falsch war, nicht auf die Netflix, sondern auf den Challenger Disney gesetzt zu haben. Disney kopiert bereits das Erfolgsrezept des Schnorrer-Upgrading und dürfte in Zukunft den Markt damit überraschen. Alle anderen Verfolger haben noch einen weiten Weg vor sich, da sie erst eine kritische Anzahl von Haushalten gewinnen müssen. Aber kein Verfolger hat annähernd die Preisdurchsetzungsmacht von Netflix. Daher ist auch die hohe Bewertungsprämie von Netflix mit einem KGV (FWD) von 35 nachvollziehbar. Trotz der Kursrallye ist die Netflix-Aktie aktuell ein Kaufkandidat für den The DLF.

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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