Pure Storage: Übernahme von Portworx ein Game-Changer?

24. September 2020

Pure Storage Übernahme von Portworx - Logo der beiden Unternehmen auf orangenem Hintergrund

Zuletzt hatten wir im März 2020 inmitten des Corona-Crashs die Aktie von Pure Storage aufgrund des Kurssturzes auf 9$ unter dem Titel ”Pleitekandidat oder Kaufgelegenheit” analysiert.

Unser Fazit damals: Die Pure Storage Aktie ist für uns deutlich unterbewertet. Wir haben daher unseren Anteil in den vergangenen Krisentagen ausgebaut.“

Mit dieser Einschätzung lagen wir richtig. Die Pure Storage Aktie hat sich in den Monaten nach unserem Beitrag bis August 2020 im Wert verdoppelt, bevor ab August 2020 eine Korrektur einsetzte.

Kursverlauf der Pure Storage Aktie in einem Jahr
Entwicklung der Pure Storage Aktie. Quelle: aktien.guide

Mittlerweile ist die Pure Storage Aktie wieder unter 15$ zu haben. Auch die kürzlich bekannt gegebene Akquisition von Portworx, immerhin die bis dato größte Übernahme der Unternehmensgeschichte, hat den Negativ-Trend der vergangenen Wochen nicht stoppen können.

Grund genug also für ein Update zu Pure Storage, mit dem wir vor allem die strategische Übernahme von Portworx erklären wollen. Doch zunächst ein kurzer Blick auf das aktuelle Zahlenwerk.


Die Geschäftszahlen zum 1. Halbjahr 2020

Der Umsatz ist bei Pure Storage im 1. Halbjahr „nur“ um 6 Prozent gewachsen. In 2020 hatte das Wachstum noch gut 20 Prozent betragen.

Der Umsatz stellt derzeit aufgrund des Trends zu mehr wiederkehrenden Subskriptionen das eigentliche Wachstum des Unternehmens nur verzerrt dar. So wuchsen die subskriptionsbasierten Services im 1. Halbjahr um 37 Prozent. Der Umsatzanteil der Subskriptionen beträgt bereits 33 Prozent (gegenüber 25 Prozent im Vorjahreszeitraum).

Umsatz von Pure Storage FY2020 Q1 bis FV2021 Q2

Einen guten Hinweis auf das eigentliche Wachstum des Unternehmens gibt die Entwicklung der sogenannten Remaining Performance Obligations (RPO). Dies sind für die Zukunft vertraglich vereinbarte Leistungen, die noch nicht als Umsatz realisiert wurden. Diese sind zum Halbjahr gegenüber Vorjahr um 24 Prozent auf $956 Millionen gewachsen.

Auch die Anzahl der Kunden ist gegenüber dem Vorjahr ähnlich stark um 23 Prozent auf nunmehr 8.150 angewachsen. Bereits 45 Prozent der Fortune 500 gehören mittlerweile zur Kundenbasis von Pure Storage.

Große Fortschritte hat Pure bei der Profitabilität gemacht, da man insbesondere in Vertrieb und Marketing auf die Kostenbremse drückte. Das Unternehmen erwirtschaftete (Non-GAAP) im 1. Halbjahr 2020 einen kleinen operativen Gewinn von $6 Millionen nach einem operativen Verlust von $34 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Free Cash Flow und Operating Cash Flow von Pure Storage FY2020 Q1 bis FY2021 Q2

Auch der Free Cashflow lag mit $37 Millionen deutlich höher nach $2 Millionen im Vorjahr.

Pure Storage – Die Guidance, die keine war

Ein Grund für die enttäuschende Reaktion des Finanzmarktes auf das Halbjahresergebnis war wohl, dass das Pure Management auf ein schwieriges Q3 hingewiesen hat. Einerseits hat man zwar aufgrund der Corona Pandemie auf eine formale Guidance verzichtet. Andererseits hat man aber durchblicken lassen, dass man mit einem gegenüber Q2 stagnierenden Umsatz rechnet.

Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal wäre das ein Umsatzrückgang im Q3 von circa 5 Prozent. Der wiederkehrende Umsatz aus den Subskription-Services soll hingegen weiterhin deutlich wachsen. Das operative Ergebnis sollte nahe dem Break-Even liegen.

Die Akquisition von Portworx

In unserer letzten Analyse zu Pure Storage hatten wir auf die große Cashposition von weit über $1 Milliarde hingewiesen. Nun will man davon $370 Millionen für ein erst in 2014 gegründetes Unternehmen mit gut 100 Mitarbeitern ausgeben, das (geschätzt) gerade mal $15 Millionen Umsatz macht.

Ist das Wahnsinn oder strategische Weitsicht?

Zunächst mal fallen 3 Dinge ins Auge:

  1. Bei Portworx handelt es sich um eine 100 Prozent Software-Lösung für Storage.
  2. Es ist bemerkenswert, dass Portworx ausgerechnet von Pure Storage übernommen wird, obwohl sich vorbörslich bereits die Storage-Riesen HPE und NetApp sowie Cisco an einer Finanzierungsrunde 2019 beteiligt hatten.
  3. Das in orange gehaltene Logo beider Unternehmen ist einander so ähnlich, dass diese Kombination einfach passen muss. 😉
Logo Pure Storage und Portworx

Wer ist Portworx?

Die kurze Antwort: Portworx gilt unter Tech-Analysten als “die führende Kubernetes Data Services Plattform“.

Uff… Um die große Bedeutung von Portworx für die Zukunft von Pure Storage zu erkennen, muss man zunächst mal verstehen, was es mit Kubernetes und dem generellen Trend zur Containerisierung in der IT auf sich hat.

Dazu ein kleiner Exkurs:

Man kann sich die Containerisierung als einen weiteren Schritt in der Virtualisierung der IT vorstellen. Seit vielen Jahren erlauben es Virtualisierungslösungen z.B. von VMWare und Nutanix, dass eine einzige Hardware auf verschiedene virtuelle Systeme aufgeteilt und von diesen gemeinsam genutzt wird. Der Nachteil: man muss auf jeder virtuellen Maschine ein eigenes Betriebssystem installieren und pflegen. Das Aufsetzen einer virtuellen Maschine ist vergleichbar mit dem Aufsetzen eines Servers und entsprechend zeitaufwendig.

Container-Lösungen wie z.B. Docker erlauben es ebenfalls, auf einer Hardware unterschiedliche Applikationen zu nutzen. Aber im Gegensatz zur klassischen Virtualisierung ist diese Lösung flexibler, da nicht für jeden Container ein eigenes Betriebssystem nötig ist. Ein großer Vorteil dabei: Container ermöglichen ohne großen Aufwand das Verschieben von Applikationen über verschiedene Plattformen und Cloud-Anbieter hinweg. Auch ein möglicher Umzug auf eine neue Cloud-Infrastruktur gestaltet sich so viel einfacher.

Container lassen sich in sehr kurzer Zeit bereitstellen und werden insbesondere von agilen Entwicklungsteams seit Jahren gerne genutzt. Doch erst in jüngster Zeit erobert die Container-Landschaft auch die Welt der großen Produktivsysteme. Die Tech-Analysten von Gartner prognostizieren, dass in 5 Jahren 85 Prozent aller Unternehmen Produktivanwendungen aus Containern heraus nutzen werden.

Das führende Werkzeug zur Orchestrierung von Container-Systemen ist Kubernetes. Die ursprünglich von Google entwickelte Open-Source-Engine automatisiert das Einrichten, Betreiben und auch das Skalieren einer großen Anzahl von containerisierten Anwendungen z.B. in Cloud-Umgebungen. Mittlerweile unterstützen alle führenden Cloud-Provider inklusive Microsoft Azure und AWS die Orchestrierung ihrer Ressourcen mit Kubernetes.

Kubernetes Übersicht Werkzeug zur Orchestrierung von Container-Systemen

Der Mehrwert von Portworx

Portworx ermöglicht seinen Kunden, die Nutzung von Kubernetes um die flexible Orchestrierung der Datenhaltung zu erweitern. Im Wesentlichen wird mit Portworx in der Cloud ein Storage-Layer für Datenbank-Container erstellt, auf die Datenhaltungs-Anwendungen wie MongoDB, MS SQLServer, MySQL oder Elastic zugreifen können. Und zwar unabhängig davon, wo sie ausgeführt werden oder wo sich die Daten physisch befinden.

Portworx kann also in der neuen Welt der hybriden Cloud und Multi-Cloud eine entscheidende Rolle spielen. Ein paar weiterführende Details zur Technologie und der vielversprechenden Kombination von Pure Storage und Portworx kannst Du im Tech-Blog von Pure nachlesen. Bereits heute nutzen einige Großkunden wie T-Mobile die Software von Portworx in Kombination mit den Flash-Arrays von Pure Storage.

Pure Storage Übernahme von Portworx – Fazit

Pure Storage entwickelt sich mit der Akquisition von Portworx noch weiter weg von einem klassischen proprietären Storage- bzw. Hardware-Unternehmen. Es wurde ein wahrhaft strategischer Preis für eine offene Software-Technologie gezahlt, die verschiedenste Storage-Anbieter unterstützt.

Pure hat klargemacht, dass man die Offenheit der Portworx-Lösung nicht nur weiterhin unterstützen, sondern zukünftig sogar noch ausbauen will. Das könnte auch der Grund sein, warum letztlich weder HPE noch NetApp als strategischer Käufer von Portworx in Frage kamen.

Es bleibt abzuwarten, ob bzw. wann die Investoren diese Entwicklungen in Richtung wiederkehrender Softwareumsätze bei Pure honorieren werden. Es ist eigentlich unverständlich, warum die Pure Storage Aktie bisher nicht nennenswert auf die Übernahme reagiert hat. Diese könnte tatsächlich der Beginn einer strategischen Weiterentwicklung des Unternehmen sein. Wir sehen die Etablierung von Pure als offener software-definierter Storage-Layer für die hybride Cloud als realistisches – aber langfristiges – Ziel an.

Für uns bleibt die Pure Storage Aktie bei einem Kurs von 15$ angesichts eines EV/Sales Verhältnisses von weniger als 2 weiterhin aussichtsreich. Mittlerweile gehört die Aktie zu den Top10-gewichteten Titel im Portfolio von The Digital Leaders Fund
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Disclaimer
The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Pure Storage. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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