Risikofaktor Geopolitik: Fünf Dinge, die Anleger berücksichtigen sollten

24. Februar 2023

Geopolitik Einfluss auf Aktien

Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat gezeigt, wie relevant die Geopolitik für die Investmentwelt ist. Unsicherheit und Angst haben Anleger und Märkte in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder erfasst. Wir gehen mit diesem Beitrag* auf einige Fragen für ein besseres Verständnis der Geopolitik ein und stellen Anlegern Tools vor, die politische Risiken im Portfoliokontext besser greifbar machen. 

Die Maxime, wonach politische Börsen kurze Beine haben, mag für Ereignisse wie Bundestagswahlen gelten. Aber im Jahr 2022 sind existentielle sicherheitspolitische Bedrohungen zurückgekehrt, die mit dem Ende des Ost-West-Konflikts Ende der 1980-er Jahre überwunden schienen. Anleger stehen vor vielen Fragen: Wie stark bedroht die russische Aggression die Stabilität Europas und der Welt? Welche Dimensionen der Bedrohung gibt es? Wie verändert der Konflikt zwischen dem aggressiven Revisionisten Russland und den westlichen Demokratien die globale Sicherheitsarchitektur? Wie scharf segelt China am Wind? Entsteht eine Front der autoritären Staaten, ein Zeitalter des „Strongman“ (Gideon Rachman) gegen den Westen? Wo steht der sogenannte globale Süden in der neuen Weltunordnung?

Anleger können es sich mehr nicht leisten, die Sicherheitspolitik als Hintergrundrauschen in den Nachrichten zu ignorieren. Die “Zeitenwende” ist real, und die neuen geopolitischen Realitäten sickern bereits jetzt auf die Investment-Ebene durch – siehe die Frage der Energiesicherheit und die Implikationen des amerikanisch-chinesischen Konflikts, die Unternehmen weltweit vor große Probleme stellt. Wer sich gegen diese neuen Herausforderungen wappnet, wird von den Ereignissen zwar nicht verschont, aber eben auch nicht überrollt – und kann sich im Rahmen des Möglichen wappnen. Unsere geostrategische Checkliste für Finanzprofis.

* Es handelt sich um eine aktualisierte und editierte Fassung eines am 30.9.2022 veröffentlichten Beitrags.

Ist Putin irre?

Ist Putin irre? Auch heute treibt uns noch die Frage um, was den russischen Diktator getrieben haben mag, als er am 24. Februar zum Angriff auf die Ukraine blies. Anleger weltweit wurden von der Invasion auf dem falschen Fuß erwischt, auch wenn die britischen und US-Geheimdienste monatelang vor einer russischen Aggression gewarnt hatten. Einen Krieg vom Zaun zu brechen, erschien einfach undenkbar. Und alles, was Russland seitdem getan hat, erscheint ebenfalls vollkommen irrsinnig – sei es, mit der nuklearen Keule zu drohen, ukrainische Städte dem Erdboden gleich zu machen und Zivilisten zu töten, Nuklearanlagen zu bombardieren, die Mobilmachung einzuleiten, oder die vier Oblaste in der Süd- und Ostukraine zu annektieren.

Wir stehen vor dem Rätsel, warum Putin die Ukraine zerstört, die Existenz Russlands aufs Spiel setzt und bereit scheint, die Welt ins Elend zu stürzen. Unser Fehler ist dabei, dass wir dem russischen Diktator unterstellen, dass er unserer Denklogik folgt. Wir verabsolutieren unsere Maßstäbe und unterstellen, dass alle „vernünftigen Menschen” ähnlich denken. Das ist erkennbar falsch, wie uns der ehemalige KGB- Agent immer wieder lehrt. Ideale wie Frieden, Demokratie und Freiheit sind für Putin eine Bedrohung. Und wer seine Armee rücksichtslos verheizt, wird Verluste anders werten, als in westlichen Demokratien, wo der Schutz eigener Truppen im Krieg eine Priorität ist. 

(Dass divergierende Werte unterschiedliche Präferenzen bedingen, die wiederum anders geartete Risikoabwägungen zur Folge haben, hat interessante Folgen für die Prospect Theory, die eine universell gültige Definitionen von Risikoaversion und damit einheitliche Entscheidungspräferenzen unterstellt. Aber das ist ein anderes Thema.)

Die Entscheidung Putins zur Invasion war nicht irrational, sondern basierte auf einem logischen Kalkül. Der Westen ist nach seiner Lesart der Gegner. Und die Ukraine war im Begriff, als demokratischer Staat sich der EU anzunähern und zum Kreis der Demokratien aufzuschließen. Die Ukraine ist seit 2014 im Begriff, ein alternatives Gesellschaftsmodell zu adaptieren und damit eine alternatives Gesellschaftsmodell in der vermeintlich „russischen Welt“ zu etablieren. Zumal die Ukraine nach Putins verschrobenen historischem Verständnis Teil des russischen Orbits und keine eigenständige Nation sei. Wer will, kann das alles in seinem Geschichtstraktat aus dem Jahr 2021 nachlesen.

Typisch für Putins Denken ist der Umstand, dass für ihn die “größte geopolitische Katastrophe” des 20. Jahrhunderts nicht etwa der Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion und der Mord an Millionen von Sowjetbürgern, sondern der – weitgehend friedliche! – Untergang der Sowjetunion war. Dass er weite Teile des “nahen Auslands” mindestens als russische Einflusssphäre geltend macht, bedeutet, dass Russland heute eine revisionistische Macht ist, die den Sieg des Westens rückgängig machen will. Interessanterweise macht dieses Ziel Russland bedrohlicher als die Sowjetunion nach 1945: Die Sowjetunion war zwischen 1945 und 1990 als defensive Macht auf Besitzstandswahrung in Europa aus, Putin will dagegen die sicherheitspolitische Ordnung in Europa neu ordnen, was er – wiederum sehr deutlich – in seinem Ultimatum vom Dezember 2021 formulierte.

Vor diesem Hintergrund lautet die Antwort: Putin ist nicht irre, sondern er geht nach seiner revisionistischen Logik rational und kalkuliert vor. Der Krieg in der Ukraine ist also kein Unfall der Geschichte, der von “Schlafwandlern” bewirkt wurde. Russland führt seit Jahren einen hybriden Krieg gegen den Westen, der auch auf die Destabilisierung der westlichen Demokratien abzielt. Die Manipulation von Wahlen (USA 2016) und Medien (fortlaufend, auch 2022) haben aber erst seit dem 24. Februar 2022 dazu geführt, dass der Westen die Herausforderung – endlich –- annimmt und eine Gegenmacht zur russischen Aggression bildet.

Werden wir zur Kriegspartei?

Die Bedrohung durch Russland ist real, und der Westen unterstützt die Ukraine mit umfangreichen Waffenlieferungen. Deshalb sind wir aber längst nicht zur Kriegspartei geworden. Seit dem Beginn der russischen Aggression sind die Länder der NATO und EU peinlichst darum bemüht, die Balance zu wahren: einerseits die Ukraine wirtschaftlich und militärisch zu unterstützen, andererseits alles zu tun, um zu vermeiden, in den Krieg “hineingezogen” zu werden, um eine nukleare Eskalation zu vermeiden. Folglich wird kein NATO-Staat Truppen in die Ukraine schicken. Man sieht daran, dass die nukleare Abschreckung gut funktioniert!

Rein rechtlich zählt die Unterstützung eines angegriffenen Staates gegen einen Aggressor völkerrechtlich übrigens nicht als Kriegshandlung, auch wenn die russische Führung ihre gescheiterte Kriegsführung damit innenpolitisch zu rechtfertigen versucht, es handele sich um eine „Aggression der NATO“ gegen Russland. 

Fakt ist aber auch, dass den meisten Staaten der EU und der NATO und vor allem der Bundesregierung klargeworden ist, dass das Ziel, Sicherheit mit Russland anzustreben, gescheitert ist. In Deutschland herrschte nach dem Ende des Kalten Krieges die Erwartung, dass ein immer engeres Netz an politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen zu Frieden und Wohlstand führen würde. Folglich wurde die Energiepartnerschaft mit Russland und die Abhängigkeit vom russischen Gas nur unter wirtschaftlichen Aspekten gesehen. Das russische Gas war billig, reichlich vorhanden – und hatte sich die Sowjetunion nicht selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges als zuverlässiger Energiepartner erwiesen? 

Vor diesem Hintergrund ist die Verkündung der “Zeitenwende” durch Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Februar so bedeutsam. Sie stellt eine grundlegende Neuausrichtung der Sicherheits- und Verteidigungspolitik Deutschlands dar. Noch bedeutsamer ist die neue Russland-Politik der NATO. Russland galt bis zur Invasion 2022 offiziell noch als Partner der NATO in Sicherheitsfragen. Mit der Verkündung des neuen strategischen Konzepts des Bündnisses in Madrid im Juni 2022 wurde die Beziehung zu Russland den neuen Realitäten angepasst: Seitdem ist Russland für die NATO „die größte und unmittelbarste Bedrohung für die Sicherheit der Verbündeten und für Frieden und Stabilität im euroatlantischen Raum“. Das macht uns nicht zur Kriegspartei, aber wir haben uns damit eindeutig gegen Russland aufgestellt. Nicht die Kooperation mit Russland, sondern der Schutz vor Russland steht bis auf Weiteres auf der sicherheitspolitischen Agenda des Westens.

Was sind die nächsten Eskalationsschritte – und wo enden sie?

Anfang September konnte die ukrainische Armee in wenigen Tagen fast den gesamten Oblast Charkiw zurückerobern, im November 2022 wurde dann die wichtige Stadt Kherson befreit. Aktuell läuft die sogenannte russische „Frühjahrsoffensive“, die allerdings auch nach der Mobilisierungswelle im September keine Durchschlagskraft entfaltet und die russische Armee und die Wagnersöldner lediglich kleinere Gebietsgewinne im Donbas verbuchen. 

Putin versucht, die bisherigen Eroberungen durch Taschenspielertricks zu sichern. Er versucht an der Eskalationsschraube zu drehen: Die Bombardierung ukrainischer Städte, die Teilmobilmachung, die Annexion der vier ukrainischen Oblaste, der zunehmend verzweifelte Versuch, irgendwelche Erfolge auf den Schlachtfeld zu erzielen. 

Was steht als Nächstes an? Ausgemachte Sache ist, dass die Sanktionen der USA und der EU immer weiter verschärft werden, die Unterstützung der Ukraine immer größere Dimensionen annehmen wird und dass Friedensinitiativen keine Chance haben werden, solange Russland nicht zurückzieht und klein beigibt. Das wiederum bedeutet, dass der Konflikt bis auf weiteres auf dem Schlachtfeld entschieden wird. Hier sieht es nicht gut aus für Russland, und wenn westliche Panzerlieferungen anlaufen, dürfte es absehbar für Putins Soldateska noch schlechter aussehen. Führt uns das schnurstracks in den nuklearen Winter?

Final beantworten kann diese Frage natürlich nur Putin, aber es spricht vieles dagegen. Da ist einmal die Historie des Ukraine-Krieges. Es ist nicht das erste Mal, dass Russland mit dem Einsatz von Atomwaffen droht. Was im Februar 2022 noch für Alarmstimmung im Westen gesorgt hatte, wird heute eher als Bluff eines Pokerspielers eingeschätzt, der seine Hand überspielt hat. Der Westen unterstützt die Ukraine militärisch und wirtschaftlich unverdrossen weiter – wenn auch nicht uneingeschränkt – und hat damit bereits mehrfach von Moskau gezeichnete, diffuse rote Linien überschritten. Indes haben China und Indien Putin offenbar klargemacht, dass eine nukleare Eskalation ein Ende ihrer eher wohlwollenden Linie gegenüber Russland zur Folge haben wird. 

Bisher mussten wir an jeder Wegmarke im Krieg feststellen, dass Putin nach einer anderen Logik als unserer handelt. Um Russland beizukommen, müssen wir uns die Mühe machen, seine Logik zu verstehen. Bisher haben wir Putins Eskalationswillen unterschätzt, mit Blick auf den Einsatz von Nuklearwaffen trauen wir Putin dagegen viel zu. Zu viel? Die USA und Großbritannien haben durchblicken lassen, dass die Konsequenzen auch eines Einsatzes von Nuklearwaffen in der Ukraine eine militärische Antwort zur Folge hätte. Auch haben China und Indien ihr Missfallen über den russischen Feldzug geäußert. Diese beiden Mächte, aber auch der gesamte “globale Süden”, der sich überwiegend nicht klar positioniert hat, würden sich gegen Russland stellen. Was das wohl bedeutet, wenn ein Pokerspieler bekräftigt, dass er nicht blufft? Putin ist ein rationaler, brutaler Machtpolitiker, ein Selbstmörder ist er aller Wahrscheinlichkeit nicht. Ein Restrisiko bleibt allerdings, weshalb die nur schrittweise Aufstockung der Hilfe an die Ukraine vermutlich ihre Berechtigung hat, auch wenn damit der Krieg und das Leid der Bevölkerung in der Ukraine möglicherweise unnötig verlängert werden. Aber es steht nun einmal auch für uns viel auf dem Spiel.

Und was ist mit China?

Die Fixierung auf Russland hat dazu geführt, dass das große sicherheitspolitische Thema des vergangenen Jahrzehnts, der Aufstieg Chinas zur zweiten Supermacht, von der Agenda verdrängt wurde. Aber China zu unterschätzen würde bedeuten, denselben Fehler, den wir mit Blick auf Russland begangen haben, zu wiederholen. Mich persönlich hat das Interview des seinerzeitigen VW-Chefs Herbert Diess gegruselt, in dem er die wirtschaftliche Abhängigkeit von China zu einer Art teutonischer Tugend hochstilisierte. (“Meinen Führungskräften sage ich immer: Ein Großteil eures Bonus wird in China erwirtschaftet”.)

China erhebt nicht nur Ansprüche auf eine Hegemonie in Südasien. Hinzu kommt, dass China immer aggressiver gegen Taiwan auftritt und sich auch in den Wirtschaftszonen von Ländern wie den Philippinen und Indonesien breitmacht. Mit einer gezielten Aufrüstung, wirtschaftspolitischer Expansion in Afrika und Europa, Cyber-Attacken, Wirtschaftsspionage und dem Diebstahl von intellektuellem Eigentum in strategisch wichtigen Industrien geht China auf Konfrontationskurs zu den westlichen Demokratien. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass die nächsten Dekaden von einem chinesisch-amerikanischen Dualismus in der internationalen Politik geprägt sein werden – der bestenfalls nur ein zweiter Kalter Krieg zu werden droht. Eher unwahrscheinlich erscheint nach heutigem Stand, ob die chinesische Führung Russland auch militärisch zur Seite springen wird. China dürfte angesichts der internationalen Wirtschaftsverflechtungen nicht seine Beziehung zum Westen aufs Spiel setzen, zumal es Russland ohnehin als Juniorpartner „im Sack“ hat.   

Die europäische Politik, und insbesondere Deutschland, werden nicht umhin kommen, auf die chinesische Herausforderung zu reagieren. Die USA haben die Zeichen der Zeit erkannt, und es ist auffällig, dass der unter Donald Trump massiv vorangetriebene “Roll-back” gegen China – Handelsbarrieren, Sanktionen, militärische und politische Gegenmaßnahmen – von der Biden-Administration weitergeführt wird. Die Hervorhebung des ideologischen Gegensatzes zwischen amerikanischer Demokratie und chinesischer Diktatur und die offene Unterstützung der Biden-Administration für Taiwan deuten an, dass sich die Konfrontation der beiden Supermächte im Zweifel weiter verschärfen wird. 

Dass China auch in der neuen NATO-Strategie als Herausforderung erwähnt wurde, zeigt, dass die europäischen Verbündeten im sich anbahnenden Konflikt mit China nicht neutral verhalten werden können – und auch nicht sollten. Die Zeit der großen deutschen Naivität, die uns in wirtschaftliche Abhängigkeit von China und den Verlust unserer Energiesicherheit durch blindes Vertrauen auf Russland gebracht hat, geht zu Ende. Anleger sollten diese Botschaft zur Kenntnis nehmen. Dabei stehen ihnen auch Handlungsoptionen offen.

Handlungsempfehlungen für Anleger

Welche Konsequenzen sollten Anleger aus dem beunruhigenden “New Normal” der internationalen Politik ziehen? Geopolitische Fragen in seine Investmententscheidungen einzubeziehen, bedeutet nicht, alles über Bord zu werfen, was bisher funktioniert hat. Es geht eher um Nuancen. Keine gute Lösung erscheint mir dagegen, sich auf den Standpunkt zu stellen, man sei ein “Bottom-up Stockpicker” und damit ausschließlich auf die Unternehmensebene konzentriert. (Ich hege sowieso Zweifel, dass Stockpicker wirklich glauben, dass sie vollkommen kontextfrei Aktien aussuchen.)

Die Prämissen hinter unseren Empfehlungen: Wir unterstellen, dass liberale westliche Demokratien mit ihrem System der freien Marktwirtschaft die beste (nicht die perfekte) Staatsform darstellen. Wir setzen voraus, dass die internationale Politik in der nächsten Dekade vom Konflikt zwischen demokratischen und autoritären Systemen geprägt sein wird. Dieser Konflikt wird mit einer Lagerbildung einhergehen. Dabei liegt es nahe, dass diese Lagerbildung trennschärfer verlaufen wird als im Kalten Krieg, als sich die blockfreien Staaten bewusst weder Moskau noch Washington anschlossen.

Wer diese Prämissen akzeptiert, kann mit vielen Variablen arbeiten und sie als “Filter” in seinen Investmentprozess integrieren. Dabei muss es sich nicht um Negativ-Screenings handeln, die rigoros die “Sünder” aussortieren. Im Gegenteil: Vielleicht kommen wir anhand unseres Researchs zum Schluss, dass ein Investment in China oder Kasachstan rentierlich sein könnte. Ein “Demokratiefilter” könnte genutzt werden, um eine zusätzliche Risikoprämie zu taxieren bzw. einen höheren Abschlag auf den Fair Value einer Aktie vorzunehmen. Umgekehrt könnten Anleger bei einer Verschärfung globaler Konflikte bereit sein, in einem Quality-Ansatz eine Prämie für Unternehmen / Bonds aus Demokratien zu bezahlen bzw. einen Aufschlag auf den Fair Value zu akzeptieren.

Folgende Tools bieten eine gute Orientierung. Interessant ist, dass sie bei aller Unterschiedlichkeit zu ähnlichen Ergebnissen kommen: 

  1. Der Democracy Index: Er wird vom Economist Intelligence Unit berechnet. Er aggregiert Faktoren wie Pluralismus/Wahlen, politische Partizipation, politische Kultur und zivile Freiheiten. Die Top Demokratien sind: Norwegen, Neuseeland, Finnland, Schweden, Island, Dänemark, Irland, Taiwan, Australien und die Schweiz. Die schlimmsten Diktaturen sind erwartungsgemäß Afghanistan, Myanmar und Nordkorea. Dort investiert keiner. Aber u.a. sind auch China, Saudi Arabien, Ägypten, Kasachstan, Russland und Jordanien auf der Liste der Autokratien vertreten. Und in dem einen oder anderen Land haben die meisten von uns bereits investiert. Wenn nicht direkt, dann doch über Fonds oder ETFs.
  2. Die Weltbank hält eine beeindruckende Fülle von Indizes vor, die den Stand von Freiheit, Stabilität, Korruption, Wettbewerbsfreundlichkeit, Cost of starting Businesses und viele mehr abbilden. Im Index für Voice und Accountability finden sich beispielsweise Norwegen, Finnland, Neuseeland, die Schweiz, die Niederlande, Dänemark, Luxemburg, Schweden, Kanada und Österreich ganz oben. Die Flops sind Nordkorea, Eritrea und Turkmenistan, aber auch China, Saudi Arabien, Ägypten, Vietnam, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben in Sachen politischer Governance eine miese Bilanz.
  3. Die NGO Freedom House berechnet jedes Jahr für alle Staaten Global Freedom Scores, die in ihrem Jahresbericht präsentiert werden. Auch hier schneiden Länder wie Norwegen, Finnland, Schweden, Neuseeland, Kanada, Dänemark, die Niederlande, aber auch Länder wie Uruguay, Taiwan, Chile und Zypern gut ab. Unfrei sind u.a. Saudi Arabien, China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Vietnam.
  4. Einen Schwerpunkt auf wirtschaftliche Liberalisierung setzt der jährlich berechnete Index of Economic Freedom der konservativen Heritage Foundation. Hier finden sich Singapur, die Schweiz, Irland, und Neuseeland an der Spitze der freiheitlichen Länder. “Unterdrückt” sind dagegen Länder wie Nordkorea, China, Ägypten, “überwiegend unfrei” sind u.a. Russland, Saudi Arabien, aber auch Südafrika, Brasilien und Argentinien
  5. Eher auf individuelle Freiheiten zielt wiederum der Human Freedom Index des liberalen Cato Institute ab, der sehr breit gefächert ist und praktischerweise seine Datensätze zum freien Download anbietet. Zuletzt (2019) führte die Schweiz den Index an, gefolgt von Neuseeland, Dänemark, Estland, Irland, Kanada, Finnland und Australien. Wenig überraschend finden sich Syrien, Venezuela, Ägypten, Saudi Arabien, China, die Türkei und Vietnam weit unten im Freedom-Ranking.

Disclaimer

Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Ali Masarwah

    Ali Masarwah ist Gesellschafter-Geschäftsführer der Fondsplattform envestor.de und schreibt auch Kolumnen über Investmentthemen für The Digital Leaders Fund. Anleger-orientiertes Research ist seit über 20 Jahren Alis Ding. Vor seiner Zeit bei envestor.de war er zehn Jahre lang bei Morningstar, wo er für die Personal Finance Websites des Analysehauses in Deutschland verantwortlich war. Als Experte für Anlagethemen ist er ein gefragter Ansprechpartner für Finanzmedien im deutschsprachigen Raum.

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Ali Masarwah

Ali Masarwah

Ali Masarwah ist Gesellschafter-Geschäftsführer der Fondsplattform envestor.de und schreibt auch Kolumnen über Investmentthemen für The Digital Leaders Fund. Anleger-orientiertes Research ist seit über 20 Jahren Alis Ding. Vor seiner Zeit bei envestor.de war er zehn Jahre lang bei Morningstar, wo er für die Personal Finance Websites des Analysehauses in Deutschland verantwortlich war. Als Experte für Anlagethemen ist er ein gefragter Ansprechpartner für Finanzmedien im deutschsprachigen Raum.

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