Sparplan oder Einmalanlage? Die Antwort ist eindeutig.

18. November 2021

Sparplan oder Einmalanlage

Aktien- und Fondssparpläne sind prima. Sie sind für viele Anleger die einzige Möglichkeit, Vermögen aufzubauen. Doch wer die Wahl hat, ob Sparplan oder Einmalanlage, der sollte sich für letzteres entscheiden. Wir erläutern, warum Einmal-Investments dem scheibchenweisen Einstieg in den Markt in den allermeisten Fällen überlegen sind.

Der Mythos vom Durchschnittskosteneffekt

Es gibt idealtypisch zwei Wege zum Investment-Glück: die Einmalanlage oder der Sparplan. Welcher der beiden Wege ist der bessere? Manche Anleger haben die Qual der Wahl, andere nicht. Wer viel liquides Vermögen besitzt und investieren möchte, kann sich entscheiden, ob er zu Beginn seiner individuellen Sparphase einen dicken Batzen auf einmal im Aktien investiert, oder ob er seinen dicken Batzen stückelt und scheibchenweise per Sparplan in den Markt einsteigt.

(Wer nicht reich ist, wird für den Sparplan optieren müssen, weil er nur aus dem laufenden Cashflow investieren kann. Solche Investorinnen und Investoren machen alles richtig, für sie treffen folgende Überlegungen nicht zu. Mehr zu Sparplänen gegen Ende dieses Artikels)

Viele Banken und Berater erwecken den Eindruck, dass es vorteilhaft sei, Stück für Stück in den Aktienmarkt einzusteigen, statt eine Einmalanlage zu tätigen. Sie empfehlen den Cost-Average-Effekt, auch Durchschnittskosteneffekt genannt. So heißt es etwa auf sparkasse.de, dass man mit dem Durchschnittskosteneffekt „das Timing-Risiko“ verhindere. Sparkasse.de rechnet in einem Beispiel vor, wie Anleger nach fünf Jahren mit einem Sparplan besser dastehen als mit einer Einmalanlage. Das Beispiel klingt logisch: Innerhalb der fünf Jahre schwanken die Kurse heftig, zum Schluss steigen sie. Das führt dazu, dass Anleger mit einem Sparplan am Ende besser dastanden als bei einer Einmalanlage. Derartige Beispiele findet man viele. Aber sind sie repräsentativ für das, was Anleger erwartet?

Cost-Average-Effekt

Schauen wir zunächst einmal, was es mit dem Cost-Average-Effekt auf sich hat. Er entsteht, wenn Investoren regelmäßig einen festen Betrag in Aktien (direkt oder über Fonds) investieren. Da Kurse an der Börse schwanken, kaufen Anleger auf diese Weise eine unterschiedliche Menge an Aktien oder Fondsanteilen über die Zeit. Wenn die Kurse hoch sind, kaufen sie nur wenige Anteile, wenn die Kurse niedrig sind, landen viele im Depot. Das ist eine systematische Form des Vermögensaufbaus. Aber ist es auch die beste?

Warum die Einmalanlage langfristig die beste Form der Anlage ist

Die ernüchternde Botschaft: Eine Strategie, die einen scheibchenweisen Einstieg in den Aktienmarkt vorsieht, hat zwingend strukturelle Nachteile gegenüber einer Einmalanlage. Denn wer einen Geldbetrag nur sukzessive investiert, wird zu Beginn der Anlageperiode den größten Teil des Vermögens in Cash oder Cash-ähnliche, schwankungsarme Investments halten. Langfristig liegt aber der Erwartungswert für Aktienrenditen über null. Sie bringen mehr als Olafs Sparbuch. Es kommt also nicht darauf an, ob Aktien stärker schwanken als Cash, sondern ob deren Renditeprognosen besser sind. Und das sind sie.

Dass Aktien eine positive Renditeerwartung im Vergleich zu Cash haben, liegt auch an der „Aktienprämie“. Sie ist wegen des eingegangenen Risikos höher als bei festverzinslichen Anlagen und – erst recht – gegenüber Cash bzw. Sichteinlagen. Wer also Geld auf dem Konto hat und es nur ratenweise in den Aktienmarkt investiert, wird sein Kapital nur eingeschränkt für sich arbeiten lassen und somit die Aktienprämie nur teilweise vereinnahmen können. Nur die Einmalanlage ermöglicht es uns, die Prämien zu erwirtschaften, die für die Übernahme von Aktienrisiken zu holen sind.

Vergleich der Performance von Einmalanlagen und Sparplänen

Es stellt sich jetzt allerdings die Frage, ob es nicht doch Marktkonstellationen gibt, in denen es sinnvoll sein kann, sich vom Markt fernzuhalten. Hierzu gibt es Langzeitstudien. So hat das Researchhaus Morningstar die Performance von Einmalanlagen versus Sparplänen auf Basis historischer Daten zum US-Aktienmarkt verglichen. Der Zeitraum erstreckt sich von 1926 bis 2019. Für diese Zeit wurden Sparpläne über alle verfügbaren rollierenden Zeitperioden zwischen zwei und 120 Monaten Einmalinvestments gegenübergestellt. Beispielsweise existieren 1.115 Zehn-Monats Perioden in diesem Zeitraum. Für jede dieser Zehn-Monats-Sparplan-Perioden wurde eine entsprechende Einmalanlage gegenübergestellt. (Für Fortgeschrittene: Es wurde nur das Endergebnis betrachtet und nicht die interne Zinsfußmethode verwendet.)

Das Ergebnis ist eindeutig: In gut 72 Prozent der Fälle erwies sich die Rendite von Einmalanlagen als überlegen. Und je länger der Zeithorizont der Anlage war, desto besser schlugen sich Einmalanlagen. In der Untersuchung waren bei 120-Monatsperioden Einmalanlagen in über 90 Prozent der Fälle Sparplänen überlegen. Die untere Grafik illustriert diesen Punkt.

Grafik: Outperformance von Sparplänen wird mit zunehmendem Zeitverlauf unwahrscheinlicher

Outperformance von Sparplänen wird mit zunehmendem Zeitverlauf unwahrscheinlicher
Prozentsatz der Fälle, in denen Sparpläne besser performen als Einmalanlagen, USA-Aktien zwischen Januar 1926 und August 2019, Quelle: Morningstar

Durchschnittskosteneffekt liegen oft einseitige Szenarien zugrunde

Natürlich sind Szenarien denkbar und auch wahrscheinlich, in denen es sinnvoll sein kann, scheibchenweise zu investieren. Wenn etwa der Anleger seinen Sparplan kurz vor Beginn einer längeren Korrektur startet und nach der nachfolgenden Erholung beendet, dann hat ihm der Durchschnittskosteneffekt in die Hände gespielt.

Man könnte aber genauso gut Szenarien bemühen, bei denen es sich genau andersherum verhält: Nach Beginn des scheibchenweisen Einstiegs in den Markt steigen die Kurse an, und der Investor kauft immer weniger Anteile im Verlaufe seiner Investment-Periode.

Untersuchungen wie die oben zitierte zeigen, dass erstere Szenarien über die Zeit in der Minderheit sind und somit nicht repräsentativ für die Investment-Wirklichkeit sein können. Es ist daher ärgerlich, dass die meisten viele Berater diese elementare Konstellation schlichtweg ignorieren und den Durchschnittskosteneffekt als vorteilhaft darstellen. Sie deklarieren so die Ausnahme zur Regel.

Selbst das gängige Argument, wonach die Volatilität mit dem Cost-Average-Effekt geglättet wird, ist in sich nicht stichhaltig. Denn mit zunehmender Laufzeit gewinnen Sparpläne immer mehr den Charakter einer Einmalanlage – der Glättungseffekt wird mit jeder ratierlichen Einzahlung geringer. Das Sparplan-Portfolio ist gerade gegen Ende der Sparphase der Volatilität des Aktienmarkts ausgesetzt. Gerade Sparplan-Investoren sollten sich daher mit dem Thema Ablaufmanagement auseinandersetzen und nicht auf einen „Glättungseffekt“ verlassen, der langfristig nicht existent ist.

In der Wissenschaft ist die Überlegenheit der Einmalanlage übrigens weitgehend unumstritten. In der größtenteils angelsächsischen Forschung geht die Erkenntnis, dass der Durchschnittskosteneffekt Anlegern historisch keinen Mehrwert gebracht hat und in sich auch nicht logisch schlüssig ist, auf die 1970-er Jahre zurück. In Deutschland haben Thomas Langer und Nils Nauhauser im Jahr 2002 das Thema fundiert aufgearbeitet.

Market Timing als letzte Hoffnung?

Angesichts dieses systematischen Nachteils bliebe nur eine theoretische Möglichkeit, die systematisch für eine Cost-Average-Strategie und gegen eine Einmalanlage sprechen könnte. Wenn Investoren davon ausgehen, dass eine längere volatile Aktienphase bevorsteht, könnten sie peu a peu investieren, einen guten Durchschnittspreis erzielen und dann von der sich anschließenden Hausse profitieren. Diese Überlegung ist häufiger dann zu beobachten, wenn die Märkte bereits längere Zeit einen guten Lauf hatten und/oder wenn Aktien überbewertet erscheinen.

Doch leider basiert auch diese scheinbar schlüssige These auf wackeligem Fundament: Die Richtung der Märkte ist nicht prognostizierbar. Es wird bekanntlich an der Börse nicht zum Ein- oder Ausstieg geklingelt. Die Prognostizierbarkeit von Aktienrenditen ist uns Anlegern schlicht nicht gegeben, nicht kurz-, nicht mittel- und erst recht nicht langfristig. „Niemand kann Aktienpreisentwicklungen systematisch korrekt vorhersagen“, lautet das Fazit einer Untersuchung der Uni Mannheim mit dem sprechenden Titel „Random Walk“ (In Anlehnung an Burton Malkiels Klassiker „A Random Walk Down Wallstreet“).

Fazit: Sparplan oder Einmalanlage: Was bleibt?

Es gibt viele Vorteile, reich geboren zu werden. Einer davon ist, dass man damit gute Voraussetzungen erfüllt, noch reicher zu werden. Einmalanlagen sind dem scheibchenweisen Einstieg in den Markt überlegen. Punkt. Je länger die Kapitalbindungsdauer ist, desto höher ist die Chance auf auskömmliche Renditen. Wer Geld hat, das er langfristig investieren will, sollte das zügig am Markt unterbringen.

Der strukturelle Nachteil eines scheibchenweisen Einstiegs in den Markt bedeutet allerdings nicht, dass Sparpläne Teufelszeugs sind. Im Gegenteil. Sie sind für die meisten Menschen der einzig gangbare Weg zum Aufbau eines Vermögens.

Automatisierte Sparpläne haben zumindest psychologische Vorteile. Sie disziplinieren uns. Mit Sparplänen investieren wir systematisch und emotionslos. Zudem sind die Anlagesummen bei Sparplänen gering, sodass es uns nicht den Schlaf raubt, wenn die Kurse an der Börse einbrechen (auch wenn der Wert des bereits ersparten deutlich zusammenschmilzt, gewichten viele von uns die günstigen Einstiegspreise höher). Diese psychologischen Effekte sind nicht zu unterschätzen, denn sie halten uns bei der Stange und verhindern einen panikgetriebenen Exit, wenn die Märkte einbrechen. Insofern lautet die Botschaft an die Sparplan-Anleger: dranbleiben! Und wer weiß, vielleicht kommen wir ja irgendwann einmal zu dem dicken Batzen, der es uns ermöglicht, die volle Wucht des Zinseszins-Effekts über einen Turbo-Booster auszunutzen?

Disclaimer

Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Ali Masarwah

Ali Masarwah

Ali Masarwah ist Chefredakteur und Partner bei der Fondsplattform envestor.de und schreibt auch Kolumnen über Investmentthemen für The Digital Leaders Fund. Anleger-orientiertes Research ist seit über 20 Jahren Alis Ding. Vor seiner Zeit bei envestor.de war er zehn Jahre lang bei Morningstar, wo er für die Personal Finance Websites des Analysehauses in Deutschland verantwortlich war. Als Experte für Anlagethemen ist er ein gefragter Ansprechpartner für Finanzmedien im deutschsprachigen Raum.

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4 Antworten

  1. Was ist Ihre Meinung zum Modell der „Long Term Mean Reversion“, das ja teilweise im Kontrast zur der Annahme steht, dass die Aktienrenditen einem Random Walk folgen? Manche Studien legen nahe, dass sich Aktienrenditen bei langen Betrachtungszeiträumen ihren langfristigen Mittelwerten annähern. Sollte man das in Anbetracht der überdurchschnittlichen Renditen der letzten Jahre berücksichtigen oder ist dieser Effekt zu vernachlässigen?

    1. Vielen Dank, Silvan, für Ihre Nachricht. Ich persönlich bin ein Anhänger der Reversion to the Mean Hypothese (RTTMH). Willkürliches Beispiel: In einem Jahr steigen die Kurse um 40 Prozent? Dann ist anzunehmen, dass das eine Ausnahme ist, weil die Langfristrenditen bei Aktien irgendwo zwischen sechs und acht Prozent pro Jahr liegen. Selbiges gilt für das Beispiel von einem Minus von 40 Prozent in einem Jahr. Das würde die Anhänger der RTTMH optimistisch stimmen, weil langfristig ordentlich was zu holen ist. Aber diese angenommenen Konstellationen sagen nichts aus über die Frage, wie sich die Kurse in den nächsten drei, fünf, zehn oder 15 Jahre entwickeln werden. Da sind wir wieder bei der Random Walk Hypothese. Investments vollziehen sich nun mal immer unter Unsicherheit.

  2. Ein schöner Artikel, der viel Wahres enthält. Allerdings auch den Trugschluss, dass es bei Aktienkurs-/ Fondsentwicklungen einen Zinseszinseffekt gibt. Man zwar nach einer vorgegebenen Zeit rückwirkend betrachten, um wieviel das Investment pro Jahr gewachsen ist, das hat aber mit Zinseszins nichts zu tun.

    1. Hallo Vinzenz, danke für das Feedback. Und ja: ertappt! Der Zinseszinseffekt ist da tatsächlich reingerutscht – ich hatte in der ursprünglichen Fassung des Artikels darauf hingewiesen, dass thesaurierende Fonds/Investments für die Sparphase wichtig und auch logisch sind, weil man dann von dem Zinseszinseffekt profitiert. Das war mir dann zu komplex und habe den Passus gelöscht – bis auf den Rumpfabsatz, der so da nicht reinpasste. Text ist jetzt entsprechend bereiningt.

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