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The Trade Desk in der Corona-Krise: Aktie auf All-Time-High

13. Mai 2020

The Trade Desk in der Corona-Krise - Aktie auf All-Time-High - Symbole für Werbung auf gelben Hintergrund

Seit dem Start von The Digital Leaders Fund im März 2018 ist The Trade Desk (TTD) ein fester Bestandteil unseres Portfolios. Wir hatten hier im Blog regelmäßig über die rasante Entwicklung der Online-Marketing-Plattform berichtet.

Entwicklung der The Trade Desk Aktie

Leider ist die Aktie von TTD mittlerweile längst kein Geheimtipp mehr. Wir sind sehr glücklich mit diesem Investment, müssen aber mit einer extremen Volatilität leben. So hat sich die Aktie im Corona-Crash in nur 4 Wochen im Wert halbiert, nur um dann zur Vorlage der Geschäftszahlen zum Q1 2020 wieder ein neues All-Time-High zu erreichen.

Ist diese fast schon unheimliche Erholungs-Rallye der Aktie gerechtfertigt?


Die Zahlen zum Q1 2020

Der Umsatz von TTD ist im Q1 um 33 Prozent auf $161 Millionen gewachsen. Das ist die geringste Wachstumsrate seit dem IPO 2016.

Nach Aussagen des Managements war es The Trade Desk zu Beginn des Jahres gelungen, das in 2019 deutlich abgekühlte Wachstum wieder zu beschleunigen. Ab Mitte März wurde das Unternehmen plötzlich und massiv von der Corona-Krise getroffen. Doch dazu später mehr.

Wesentlich stärker als der Umsatz ist im Q1 die Profitabilität vorangekommen:

Das Nettoeinkommen wurde auf über $24 Millionen gesteigert, das entspricht einem mehr als verdoppelten Gewinn pro Aktie (0,50$ gegenüber 0,21$ im Vorjahresquartal).

Das EBITDA betrug $39 Millionen (Non-GAAP), das waren 58 Prozent mehr als im Vorjahr. Die EBITDA-Marge betrug damit 24 Prozent. Das ist ein erstaunliches Ergebnis bei einem Unternehmen, das immerhin auch in diesem Krisenquartal um 33 Prozent gewachsen ist.

Der Free-Cashflow betrug im Q1 mehr als $33 Millionen, das bedeutete eine Free-Cashflow-Marge von über 20 Prozent.

TTD ist damit eines der wenigen High-Growth-Unternehmen, das auch unterm Strich bereits sehr profitabel ist.

Die Cashreserven sind zum 31.03.2020 auf $446 Millionen angestiegen.

Aber Vorsicht: Diese Zahlen zum Q1 lesen sich wesentlich besser als sich die aktuelle Lage in der aufziehenden Rezession darstellt.

The Trade Desk schwer von der Corona-Krise getroffen

In einer Rezession werden traditionell zunächst fast schon reflexartig die Marketing-Budgets zusammengestrichen. Das betrifft dann die gesamte Werbebranche.

The Trade Desk wurde besonders hart getroffen, weil digitale Kampagnen rund um das Programmatic Advertising auf der Plattform sehr kurzfristig pausiert oder auch gestoppt werden können. Es ist keine langfristige Kampagnenplanung nötig wie für andere traditionelle Werbekanälen. Diese Flexibilität ist sehr positiv für Werbekunden, wirkt sich aber in einer Krise zunächst sehr negativ auf die Geschäftsentwicklung bei The Trade Desk aus.

Wie stark der Einbruch im März/April wirklich war, darüber gibt The Trade Desk keine detaillierte Auskunft. Nach einer aktuellen Umfrage der Marktforscher vom Interactive Advertising Bureau (IAB) wollen die Werbetreibenden ihre Ausgaben für Online-Werbung im Zeitraum von März bis Juni 2020 im Schnitt um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduzieren. Bei der traditionellen Werbung beträgt der Einbruch sogar 39 Prozent.

The Trade Desk-Gründer und CEO Jeff Green sieht seit Ende April eine Verbesserung der Lage, beklagt aber immer noch einen zweistelligen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr:“in the last 10 days of April we saw a gradual improvement in spend on our platform to a negative high-teen’s year-over-year decline, which is an encouraging early signal.“

Im Umkehrschluss bedeutet das wohl, dass wir für das Q2 nicht nur eine weitere Verlangsamung des Wachstums, sondern u.U. sogar erstmals einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr zu erwarten haben.

Bleibt also die Frage, wie schnell sich die Werbeausgaben insgesamt und insbesondere auf der The Trade Desk Plattform wieder erholen werden. Die o.g. Umfange von IAB konnte für das 2. Halbjahr 2020 noch keine seriöse Prognose ermitteln, da die Befragten aufgrund der hohen Unsicherheiten mehrheitlich ihre Budgets noch nicht finalisiert hatten.

Wie The Trade Desk auf die Krise reagiert

Es fällt auf, dass The Trade Desk härter von der Krise betroffen ist als z.B. Alphabet oder Facebook. Ein Grund dafür ist die große Abhängigkeit von der Lage in den USA. 88 Prozent der Werbeausgaben auf The Trade Desk stammen von dort. Die Internationalisierung steckt also immer noch in den Kinderschuhen, auch wenn sie mit großem Engagement und Investment vorangetrieben wird.

The Trade Desk hat mit deutlichen Sparmaßnahmen auf die Krise reagiert: Die aggressiven Wachstumspläne zur Einstellung neuer Mitarbeiter in 2020 wurden um 50 Prozent gekürzt, ebenfalls wurden auch die eigenen Marketingbudgets für 2020 halbiert.  Das hört sich nach einer Vollbremsung an, bedeutet aber in der Praxis „nur“ eine Senkung der Kostenbasis um gut 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die guten Nachrichten

Auch in der Corona-Krise wird deutlich, welch überlegenes Geschäftsmodell The Trade Desk gegenüber anderen DSPs (Demand-Side-Plattformen) wie z.B. Criteo besitzt. Jetzt macht sich bezahlt, dass Jeff Green sehr früh und langfristig in eine echte Omni-Channel-Plattform investiert hat.

Die Werbeausgaben auf The Trade Desk haben sich auf den neueren Kanälen viel positiver entwickelt als insgesamt: Audio (z.B. Podcasts) wuchs um 60 Prozent, Video auf mobilen Endgeräten wuchs um 74 Prozent und Connected TV (Streaming) gar um 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Man kann sich leicht vorstellen, was das für die Umsatzentwicklung auf der Plattform bedeutet, sobald sich das Niveau der Werbeausgaben insgesamt wieder normalisiert.

Partnerschaft mit TikTok

Erwähnenswert ist im Zusammenhang mit mobile Video eine neue Partnerschaft mit TikTok, das wohl weltweit am schnellsten wachsende soziale Netzwerk mit 800 Millionen aktiven Usern.

Die Partnerschaft wird es Werbetreibenden ermöglichen, über die Trade Desk-Plattform direkt auf die Werbeplätze bei TikTok im gesamten asiatisch-pazifischen Raum zuzugreifen.

Positive Aussichten für den Restart

Jeff Green ist sein Optimismus auch in der laufenden Krise nicht vergangen. Er geht davon aus, dass Werbebudgets in der Wirtschaftserholung neu verteilt und zunehmend für datengetriebenes Marketing ausgegeben werden.

Der Grund liegt auf der Hand: der Druck auf Marketingabteilungen wird immer größer, Werbebudgets möglichst effektiv einzusetzen und einen ROI (Return on Investment) messen zu können. Davon profitieren wird vor allem der sich beschleunigende Trend zum Connected TV (CTV). Der große Verlierer ist die klassische Fernsehwerbung.

Eine neue Untersuchung von The Trade Desk signalisiert, dass der “Cord-Cutting” Trend weg vom Kabelfernsehen sich aktuell massiv beschleunigt: “Across all households,11% of those who still have cable plan to cut the cord by the end of the year“ – bisher gingen  Marktforscher von 4 Prozent p.a. aus.

Damit würde 2020 einen Meilenstein bedeuten: Die Anzahl der US-Haushalte mit Kabelanschluss würden unter 80 Millionen fallen. Gleichzeitig erreicht The Trade Desk erstmals über 80 Millionen US-Haushalte über ihre CTV-Werbeplattform.

Jeff Green hat also allen Grund selbstbewusst zu verkünden: “No company is better positioned than The Trade Desk to grab share from the $200 billion linear TV worldwide market as it moves to digital.“

Bewertung der The Trade Desk Aktie

Auch aufgrund solcher äußerst “bullisher” Aussagen des CEO hat die Aktie von The Trade Desk sich schon wieder vollständig von ihrem Einbruch erholen können.

Ich bin sehr froh, dass Management nicht nur optimistisch bleibt, sondern gleichzeitig die großen Unsicherheiten der allgemeinen Lage anerkennt und entsprechend vorsichtig agiert – auch wenn das Wachstumstempo dadurch etwas verloren geht.

Einige Analysten sind angesichts der finanziellen Stärke von The Trade Desk nicht glücklich mit dieser Bremsung und wünschen sich einen aggressiveren Kurs. Ich kann angesichts solcher Bemerkungen nur den Kopf schütteln und bin mir sicher, dass diese Analysten mit Sicherheit noch nie selbst ein Unternehmen durch eine Krise geführt haben.

Die Aktie von The Trade Desk ist in den vergangenen Wochen wieder teuer geworden. Sehr teuer sogar. Ein Kurs von knapp über 300$ entspricht einem Enterprise Value von fast $14 Milliarden bzw einem EV/Sales-Verhältnis von circa 20.

The Trade Desk Aktie inzwischen sehr teuer - Entwicklung in der Corona Krise

Wir haben unsere Position im Portfolio von The Digital Leaders Fund daher kürzlich reduziert. Die Aktie von The Trade Desk gehört nun nicht mehr zu unseren Top10 Positionen.

Trotz der aktuell hohen Bewertung wollen wir aber unbedingt langfristig weiter in The Trade Desk investiert bleiben. Denn wir trauen dem Unternehmen durchaus zu, in den kommenden Jahren in eine ganz neue Größenordnung hineinzuwachsen.

Wenn Du The Trade Desk und die Entwicklung am Online-Werbemarkt zukünftig gemeinsam mit uns beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter bestellen.


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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von The Trade Desk. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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