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WIX Aktie: Investieren in Lego für Web-Entwickler

6. April 2018

WIX investieren - Bild mit Lego Bauteilen

Am liebsten investiere ich in Unternehmen, die ich aus eigener Erfahrung als Kunde kenne.

Da halte ich es ganz mit dem legendären Peter Lynch, der schon vor ca. 30 Jahren das “Eyes- und Ears-Investing” propagiert hat.

In seinem Bestseller “One Up on Wall Street” schrieb der Star-Fondsmanager aus den 80er Jahren : “Invest in What You Know”.

Allerdings meinte er damals wohl mehr typische Konsumentenprodukte aus dem Supermarkt, während ich heute hier über Software aus der Cloud schreibe.

Es geht um eine israelische Firma mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen Wix.com (WIX).

Denn die revolutioniert mit ihrem “Website-Baukasten” gerade die Art und Weise, wie Webseiten erstellt werden.

Es gibt am Markt seit Jahren etliche solche “Web-Baukästen”, die dem Laien versprechen, nach dem Lego-Prinzip eine Web-Präsenz ganz einfach selbst zusammenklicken zu können.

Bisher war das Ergebnis solcher Systeme für eine einfache private Website oder einen Blog zwar durchaus brauchbar.

Aber wer professionelle Ansprüche hatte, der musste bisher zu einem ausgewachsenen Web-Content-Management-System greifen. Marktführend ist hier seit etlichen Jahren das quelloffene WordPress-System.

Das Unternehmen

Wix.com wurde 2006 in Israel gegründet und hat nur 7 Jahre später, im Jahr 2013, einen erfolgreichen Börsengang an der NASDAQ hingelegt.

Das Unternehmen bietet seinen “Web-Baukasten” als Software as a Services (SaaS) in der Cloud an und zwar gemäß dem Freemium-Geschäftsmodell.

Das heißt, jeder Kunde kann sich zunächst kostenlos mit den zahlreichen vorhandenen Vorlagen seine Website zusammenklicken und auch dauerhaft auf den WIX-Servern betreiben, ohne dafür zu zahlen.

Sobald der Kunde etwas höhere Ansprüche hat und zum Beispiel seine eigene Internetadresse mit der Website verbinden will, wird er zum zahlenden Kunden.

Dieses Freemium-Modell funktioniert augenscheinlich hervorragend. So konnten von den 119 Mio. (!) registrierten Usern bereits über 3 Mio. zu zahlenden Kunden konvertiert werden.

Das heißt, diese haben eine Subskription abgeschlossen und zahlen monatlich für ihre Website, die grundsätzlich in der WIX-Cloud betrieben wird.

WIX Aktie - Grafik über den Anstieg der Nutzer Basis und der kostenpflichtigen Abonnements
In WIX investieren? Die kontinuierlich steigenden Nutzerzahlen zeigen, dass die WIX Aktie noch viel Potential hat.

 

Alleinstellungsmerkmale

Was WIX so erfolgreich macht, ist m.E. zunächst mal das gute WebDesign.

Tatsächlich gelingt es dank der vielen Vorlagen mit den WIX-Tools jedem interessierten Laien, eine vernünftig aussehende Website zusammenzuklicken.

Diese initial gute Nutzererfahrung motiviert dazu, mit WIX nicht nur rumzuspielen. Vielmehr kann man tatsächlich in kürzester Zeit eine Website am Start haben, die dank des responsiven WebDesign auf einem Smartphone genauso gut funktioniert und aussieht wie auf dem Desktop-PC.

Mindestens genauso wichtig wie das gute Design ist dabei die Zeit, die für die Umsetzung eines typischen Webprojektes benötigt wird.

Mit WIX kann man innerhalb von wenigen Tagen mit einer Website live sein. Im Gegensatz dazu dauert ein WordPress-Projekt dann doch eher Wochen (oder gar Monate 😉 und erfordert ein Vielfaches an Know-How.

Ich bin aktuell Nutzer beider Systeme: während ich meinen persönlichen High-Tech-Investing-Blog selbst auf der Basis von WIX zusammengeklickt habe, haben wir uns für die neue Webpräsenz des Digital Leaders Fund für das altbewährte WordPress-System entschieden.

Die Nachteile

Denn natürlich hat die WIX-Plattform auch (noch) einige Nachteile.

Zunächst mal ist dort die Performance zu nennen. Ein in Deutschland gehostetes WordPress-System läuft einfach schneller und kann daher u.U. vor allem in Europa das bessere Endkunden-Erlebnis bieten.

Ein noch entscheidenderer Nachteil des WIX-Systems waren bisher die Einschränkungen bei der Integration in Drittsysteme. Da ist WIX von der Philosophie eher mit Apple als geschlossenem System zu vergleichen.

Das Open Source-System WordPress ist hingegen eher das Android-Pendant mit seiner vor allem bei Techies beliebten Offenheit.

Daher ist WordPress das System der Wahl für Web-Developer, während WIX bisher eher dort favorisiert wird, wo für ein Webprojekt die Beteiligung von Webdesigner und Webentwickler mangels Ressourcen nicht möglich ist.

Und genau dies ist der Kern meiner WIX-Investmentstory.

Es ist absehbar, dass die Limitationen von WIX hinsichtlich der Integrationsfähigkeit immer mehr fallen werden. Und damit dürfte sich der adressierbare Markt in den kommenden Jahren vervielfachen.

Nach den Laien und Halbprofis dürften dank neuer Produkte wie “WIX Code” immer mehr Webentwickler und Web-Agenturen entdecken, dass sie mit WiX für ihre Kunden bessere Webseiten in kürzerer Zeit entwickeln und profitabler bereitstellen können.

Die schwierige Frage nach dem TAM

Die schwierigste Frage bei der Analyse von WIX ist die nach der Größe des adressierbaren Marktes TAM (= Total Adressable Market).

Die Firma ist dabei, eine ganz neue Sub-Kategorie der Digital-Experience-Plattformen zu definieren und meines Wissens hat noch kein namhaftes Analystenhaus diesen Markt in seiner Größe abgeschätzt.

Fakt ist, dass es viele Millionen von WordPress-Seiten gibt und dieses System ist m.E. “ready for disruption”.

Ganz zu schweigen davon, dass WIX heftig in angrenzende Software-Bereiche (wie E-Mail-Marketing-Automation und sogar Customer Relationship Management) vordringt und damit neues Umsatzpotential für die Zukunft schafft.  

Die nackten Zahlen rund um die WIX Aktie

WIX hat seinen Umsatz in 2017 um 47% auf $426M gesteigert.

Nur 4 Jahre vorher zum Börsengang setzte das Unternehmen gerade mal $80M um. Auch für 2018 ist ein weiteres Wachstum von ca. 40% auf knapp $600M prognostiziert. Ich gehe davon aus, dass schon in 2020 mehr als $1Mrd. umgesetzt werden.

Die Gross Margin (= Brutto-Deckungsbeitrag) ist mit 85% extrem hoch wie bei vielen SaaS-Providern. Diese Kennzahl zeigt, wie viel Gewinn-Potential in dem Geschäftsmodell steckt.

WIX investiert allerdings nach wie vor sehr umfangreich in die Entwicklung seiner Plattform und ist auch aufgrund hoher Aufwendungen für Marketing noch nicht profitabel.

In 2017 wurden $154M für Forschung+Entwicklung ausgegeben, das sind 36% vom Umsatz und damit überdurchschnittlich viel, wie folgende Grafik zeigt:

WIX investieren - Grafik mit dem Umsatzwachstum von WIX
In WIX investieren? Das Umsatzwachstum von WIX kann sich sehen lassen!

 

Die Sales- und Marketingausgaben betrugen zuletzt 43% der Umsätze, auch das zeigt eine Company im “Land-Grab-Modus”, die (noch) nicht auf Gewinnerzielung aus ist.

Was mir besonders gut gefällt ist die Tatsache, dass WIX ohne teure direkte Sales-Mannschaft auskommt. Damit ist das Geschäft weit weniger abhängig von einzelnen Star-Verkäufern wie andere Enterprise Software Firmen.

Wichtiger als der ausgewiesene Nettogewinn ist für mich als Investment-Kriterium bei derartigen High-Growth-Unternehmen der operative Cashflow und der ist bei WIX schon seit einiger Zeit stabil positiv.

Der Free-Cashflow wurde in 2017 sogar fast verdoppelt auf immerhin $71M oder 15% der Bruttoeinnahmen (auch “Collections” oder “Bookings” genannt).

Mit einem Cashbestand von $233M verfügt WIX über ordentliche Reserven, um auch kleinere Akquisitionen zur Ergänzung seiner Technologie aus eigener Kraft finanzieren zu können.

Wachstum der WIX Aktie: Überraschung wahrscheinlich

Ich glaube, dass in den kommenden Jahren noch einiges an Fantasie in dem Unternehmen steckt, das jetzt noch gar nicht so richtig abgeschätzt werden kann: Dank des neuen Entwicklertools namens WIX Code werden wohl schon bald Web-Agenturen damit beginnen, WIX ernsthaft als Entwicklungsplattform einzusetzen.

Es spricht vieles dafür, dass damit ein ganz neues und vor allem zahlungskräftiges Kundensegment angesprochen werden kann.

Das WIX-Management hat angeblich noch gar keine konkreten Pläne zur Monetarisierung von WIX Code.

Entsprechend sind zusätzliche Umsätze noch nicht mit eingeplant in der aktuellen Guidance. Für mich steht jedoch fest, dass der Wert von WIX für solche professionelle Use-Cases ein Vielfaches dessen beträgt, das ein WIX-Kunde heute zahlt (im Schnitt sind das aktuell gerade mal 159$ p.a.).

Es wird spannend zu beobachten sein, mit welchem Preismodell WIX Code an den Markt geht, oder ob man auf eine Monetarisierung tatsächlich zunächst verzichtet, um schneller weitere Marktanteile hinzuzugewinnen.

In WIX investieren? – Situation/Bewertung der Aktie

Bei einem Aktienkurs von derzeit um die 85$ beträgt der Enterprise Value von WIX derzeit ca. $3,8Mrd. Das ist gut das 6-fache des für 2018 erwarteten Umsatzes.

Damit ist die Aktie natürlich kein Schnäppchen. Aber wenn man wie ich erwartet, dass WIX noch auf viele Jahre um mehr als 30 Prozent wachsen kann, dann relativiert sich das wieder.

Bis 2022 sollte ein Umsatz von $2Mrd. erreichbar sein. Bei einem EV/Sales-Verhältnis von 4 wäre bis dahin dann mehr als eine Verdoppelung des aktuellen Unternehmenswertes zu erwarten.

Bleibt die Frage, ob WIX wirklich als unabhängiges Unternehmen in solch neue Dimensionen wachsen kann, oder aber vorher von einem der Tech-Riesen übernommen wird.

Meiner Einschätzung nach würde WIX wunderbar zu Google passen und deren Geschäft mit den Business-Applikationen (die G-Suite) optimal ergänzen. Sollte solch eine strategische Übernahme anstehen, so dürfte diese deutlich oberhalb der aktuellen Kurse erfolgen.

Bedeutet dies, dass die WIX Aktie vor einer weiteren Konsolidierung an der NASDAQ sicher ist?

Nein absolut nicht. Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass die WIX Aktie im Zuge eines schwachen Gesamtmarktes nochmal 20-30 Prozent günstiger zu haben sein könnte.

Solches Markt-Timing ist aber immer auch ein bisschen Glücksspiel. Daher ist es für mich schon jetzt an der Zeit, mit einer kleineren Position für den Digital Leaders Fund in WIX zu investieren und dann abzuwarten, ob sich nochmals echte Schnäppchenkurse bieten.

Eine weitere spannende Investmentstory findest Du in diesem Beitrag über die Nutanix – Aktie, die aktuell trotz Konsolidierung an den Technologiebörsen um 100% mehr wert ist als vor 6 Monaten. Und zwar aus gutem Grund.


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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