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Arista Aktie: Willkommen in der neuen Welt des softwarebasierten Cloud Networkings

15. April 2020

Arista Aktie Cloud Networking - Stadt mit Netzwerk am gelben Himmel

Die Aktie von Arista Networks ist schon seit dem Start von The Digital Leaders Fund im März 2018 ein fester Bestandteil unseres Portfolios. Arista ist ein Unternehmen für besonders geduldige Investoren. Denn die Aktie befindet sich seit April 2019 in einem klaren Abwärtstrend.

In einem Blog-Beitrag vom November 2019 hatte ich die Gründe für den Kurssturz erläutert und begründet, warum wir unseren Anteil am Unternehmen zu günstigen Einkaufspreisen in den vergangenen Monaten weiter ausgebaut haben.

Entwicklung der Arista Aktie seit Anfang 2018 bis heute

Seit dem Jahresanfang 2020 hat sich der Trend der Arista-Aktie verändert: Während der S&P 500 seit Jahresbeginn 13 Prozent verloren hat, konnte sich die Arista-Aktie vom Corona-Crash schnell erholen. Die Aktie steht jetzt höher als noch zu Jahresbeginn.

Entwicklung der Arista Aktie im Vergleich zum S und P 500 Index

Ist die Kurserholung Strohfeuer oder Trendwende?

Aristas CEO Jayshree Ullal hat in einem Blogbeitrag vom 27. März selbstbewusst verlauten lassen: “As a leading supplier of cloud networking equipment globally, Arista plays a critical role in supporting the cloud communications and computing infrastructure that will keep the world running during these difficult times.“

Wer die sonst mit blumigen Aussagen eher zurückhaltende CEO schon länger beobachtet, der kann hier zwischen diesen Zeilen herauslesen, dass Arista zumindest mittelfristig zu den Gewinnern der Corona-Krise gehören wird.

Der Grund: Fast alle großen Internetdienste berichten derzeit von Rekordzahlen beim User-Engagement. Auch wenn für Facebook + Co. mehr Benutzer in der Krise nicht gleichzeitig mehr Umsatz bedeuten: Die Betreiber der Cloud-Services müssen auch in Zeiten des #StayAtHome sicherstellen, dass immer mehr Benutzer ihre Dienste in einer gleichbleibend guten Geschwindigkeit nutzen können.

Der Internet-User erwartet heutzutage mehr denn je Interaktionen in Echtzeit. Ein Internet-Service, der das nicht bieten kann, ist ganz schnell weg vom Fenster. Denn der User im Jahre 2020 ist ungeduldig und der nächste Anbieter nur einen Mausklick bzw. Wisch weit entfernt.

Vor Corona hatte Arista für 2020 große Schwierigkeiten und rückläufige Umsätze mit ihrem Cloud-Titanen-Geschäft erwartet. Großkunden wie Microsoft und Facebook planten, ihre Rechenzentren im Vergleich zu den Vorjahren etwas langsamer auszubauen. Dies war eine Entwicklung, welche das Arista-Geschäft erheblich traf.

Denn das schnell wachsende Enterprise-Geschäft von Arista kann eine Schwäche der Cloud-Titanen-Business noch nicht kompensieren. Jetzt ist aufgrund der Corona-Effekte davon auszugehen, dass die Kapazitäten der Cloud-Provider schnellstmöglich an den gestiegenen Infrastrukturbedarf angepasst werden müssen. Corona könnte dem wichtigen Arista-Kundensegment der Cloud-Titanen also in 2020 eine gewisse Sonderkonjunktur bescheren.

Allerdings bedeutet das nicht, dass Arista insgesamt zu den großen kurzfristigen Corona-Gewinnern zählen wird. Andere Geschäftsbereiche wie das Enterprise-Geschäft mit Unternehmenskunden werden auch bei Arista wohl unter der Rezession leiden. Es ist derzeit nicht absehbar, inwieweit sich diese gegenläufigen Effekte kompensieren werden.

Viel wichtiger als die kurzfristigen Auswirkungen auf die Geschäftszahlen ist jedoch die Tatsache, dass die Welt durch Corona ausgelöst einen bisher beispiellosen Digitalisierungssprung erlebt. Diese Entwicklungsbeschleunigung wird forcieren, das technisch mögliche Verbesserungen der Netzwerkinfrastruktur viel schneller als bisher prognostiziert vorangetrieben werden. Arista als Technologieführer sollte nun auch durch einen beschleunigten Ausbau der 400G-Netzwerke profitieren können.

Transformation der Netzwerkwelt

Glaubt man den visionären Gedanken der Arista CEO, dann steht die Netzwerkwelt an der Schwelle zu einem Wandel, der durch die agilen, dynamischen und wirtschaftlichen Netzwerkmodelle der großen Public-Cloud-Anbieter ausgelöst und beschleunigt  wird. Amazon Web Service (AWS), Microsoft Azure und die Google Cloud Plattform (GCP) haben der Welt aufgezeigt, wie elegant hochskalierbare Netzwerk-Designs aussehen können. Sie haben bisherige Silo-Netzwerke für das Rechenzentrum, die Organisation oder einzelne Zweigstellen (PINs = Places in the Network) in sogenannte PICs = Places in the Cloud verwandelt.

Dieses neue PIC-Paradigma ist grundlegend anders als bei traditionellen Silo-Netzwerkarchitekturen. Bisher mussten die  Anwendungen bestimmten Servern oder Speichern zugeordnet werden, was zwangsweise zu einer Starrheit mit festen Funktionen führte. Die Anforderungen an Agilität und Hochverfügbarkeit sind entscheidende Grundlagen für den Aufbau der neuen PICs auch in den Unternehmensnetzwerken.

Soll heißen: auch in den Unternehmensnetzwerken werden mehr und mehr Strukturen aufgebaut, die für die Private Cloud die Netzwerkarchitektur adaptieren, die in der Public Cloud seit Jahren gut funktioniert. Insgesamt wird damit die Vision der hybriden Cloud zur Realität.

Die Akquisition von Big Switch

Während Netzwerkausstatter in früheren Zeiten vor allem Hardware-Hersteller waren, spielen heutzutage die Softwarekomponenten zum Betrieb und der Überwachung des Netzwerkes eine immer größere Rolle. In diesem Zusammenhang ist die im Februar 2020 angekündigte Übernahme von Big Switch Networks durch Arista zu sehen.

Big Switch gilt in Fachkreisen als Erfinder des Software Defined Networking (SDN). Das Unternehmen war seit der Gründung in 2010 mit über $120 Millionen an Kapital ausgestattet worden und hat wertvolle Pionierarbeit geleistet in der anbieter-übergreifenden Multi-Cloud-Überwachung und -Steuerung.

Big Switch hat eine Kundenbasis mit circa 300 meist größeren Unternehmenskunden und galt vor wenigen Jahren als vielversprechender IPO Kandidat. Das Unternehmen bringt insbesondere eine enge OEM-Partnerschaft mit Dell mit. Es ist davon auszugehen, dass Arista und Dell zukünftig eng miteinander zusammenarbeiten werden.

Der unabhängige Netzwerkanalyst Zeus Kerravala hat die Akquisition für das Online-Magazin eWeek wie folgt kommentiert: “Der Kauf von Big Switch ist eine weitere Akquisition, die Arista in eine stärkere Position auf einem benachbarten Markt bringt. Vor der Übernahme von MoJo Networks (siehe hier) konnte Arista über Campus-Netzwerke sprechen, hatte aber nicht das Produkt-Portfolio, um ein ernstzunehmender Akteur zu sein; jetzt schon. In ähnlicher Weise konnte Arista vor Big Switch über das Netzwerk-Monitoring sprechen, aber jetzt verfügt das Unternehmen über ein Best-in-Class-Produkt, das es ihm ermöglicht, eine Führungsposition einzunehmen.“

Soll heißen: durch die Arista Akquisitionsstrategie hat man seit 2019 einige im eigenen Portfolio bisher fehlenden Technologien zugekauft, die den adressierbaren Markt für Arista wesentlich vergrößern. Die große Herausforderung wird jetzt sein, die bisher durch Eigenentwicklung, Innovation und Technologieführerschaft geprägte Arista Unternehmenskultur auch im Zeitalter dieser Technologie-Akquisitionen aufrechtzuerhalten. Wenn das gelingt, dann sollte Arista spätestens nach Durchschreiten der Corona-Rezession zu einer neuen Wachstumsphase ansetzen können.

Das dies kein Selbstläufer wird, darauf deutet die seit Mitte 2019 negative Tendenz der Mitarbeiter-Rezensionen bei Glassdoor hin. Offenbar rumort es intern bei Arista und es ist dem Management-Team noch nicht gelungen, alle Mitarbeiter auf dem eingeschlagenen Weg mitzunehmen. Wir werden die weitere Entwicklung der Mitarbeiterzufriedenheit kritisch weiter beobachten. Denn diese war bisher ein wichtiger Baustein bei unserem Investment Case.

Die Bewertung der Arista Aktie

Arista Networks ist hochprofitabel und hat im Kalenderjahr 2019 einen Nettogewinn pro Aktie von 10,64$ ausgewiesen. Bei einem Kurs von aktuell 208$ entspricht das einem KGV von knapp 20 bzw. einem EV/Sales-Verhältnis von gut 5.

Das klingt nicht gerade nach einem Schnäppchen für ein Unternehmen, das in den vergangenen 12 Monaten um nur noch 12 Prozent gewachsen ist und dessen Umsatz im letzten Quartal sogar rückläufig gegenüber dem Vorjahresquartal war.

Für uns ist die Arista-Aktie nach der deutlichen Kurserholung der vergangenen Wochen nun eine Halteposition. Wir erwarten, dass das Unternehmen in den kommenden Jahren sein Wachstum wieder auf mindestens 20 Prozent p.a. steigern kann. Aufgrund der hohen Profitabilität dürfte die Arista-Aktie dann vom Finanzmarkt wie schon in den Vorjahren zu einem Premium-Preis gehandelt werden.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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