Die große Abkopplung

4. Oktober 2019

Die große Abkopplung - Zwei Städte getrennt durch einen Spalt

Manche von Euch haben vielleicht das Buch von den MIT-Professoren Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson The Second Machine Age gelesen. In dem Buch wird ein großer Bogen gespannt von den zwei großen Industrie-Revolutionen, der Entwicklung der Dampfmaschinen und etwa 100 Jahre später der Entdeckung der Elektrizität bis zum Zeitalter der Informationstechnologie und aktuell dem Beginn der Ära der Künstlichen Intelligenz.

Entwicklung der durchschnittlichen Produktiviät und der Durchschnittslöhne

Die beiden Ökonomen gehen in dem Buch detailliert auf ein Phänomen ein, das sie als die große Abkopplung beschreiben. Bis Anfang der 70er Jahre hatten sich in der USA die Arbeitsproduktivität und Gehälter im Gleichklang entwickelt. Technischer Fortschritt und wirtschaftliche Prosperität der Masse schienen eine wunderbare Symbiose zu bilden. Seit der Verbreitung der Informationstechnologie ist es vorbei mit dem Gleichschritt.

Die realen Durchschnittslöhne sind in den USA nicht mehr gestiegen, die Entwicklung ist sogar negativ, während Produktivität und der Wohlstand insgesamt deutlich zugenommen haben.

Die 1-Prozent der Einkommens-Elite hat zwischen 1980 und 2017 ihren Anteil am Gesamteinkommen verdoppelt. In 2017 hatte diese Gruppe doppelt so viel Vermögen wie die unteren 90 Prozent zusammen. Die Welt wird neu verteilt und zwar so ungleich wie selten zuvor. Die politischen Implikationen dieser Entwicklung können wir aktuell überall beobachten.

Die Winner-Takes-All-Wirtschaft

Auch auf Unternehmensebene hat die Konzentration von Geld, Macht und auch Intelligenz neue Dimensionen erreicht. Die Graphik unten kennt Ihr bereits. Mittlerweile sind Amazon und Microsoft an der Börse mehr wert als alle börsennotierten deutschen Unternehmen zusammen.

Amazon und Microsoft mehr wert als alle deutschen Aktien

Wer meint, das seien nur Übertreibungen an der Börse wie zu Zeiten des Neuen Marktes, als Profite und Cash keine Rolle spielten, der irrt gewaltig. Die DAX-Unternehmen haben 2018 zusammen einen operativen Gewinn von etwa 130 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Apple allein hat im gleichen Zeitraum 71, Microsoft 35 und Alphabet 26 Milliarden Dollar operativen Gewinn eingefahren. Die Investitionen dieser Unternehmen in Forschung und Entwicklung, ihre Cash-Position und ihr Gewinnwachstum sind deutlich höher als die der Dax-Konzerne. Die Adaption von digitalen Technologien und Services gelingt diesen Unternehmen ungleich einfacher mit enormen Effizienzgewinnen. 97 Prozent aller „fake news“ werden bei Facebook automatisch über KI-Methoden wie tiefes Lernen identifiziert und gelöscht.

Die Winner-Takes-All-Wirtschaft, die große Abkopplung der Digital Leader vom Rest, wird im Zeitalter von KI weiter zunehmen. PricewaterhouseCoopers prognostiziert bis zum Jahr 2030 eine zusätzliche Wirtschaftsleistung durch KI von 15,7 Billionen Dollar. Unabhängig davon, wie glaubwürdig diese Berechnungen sind, wird ein Großteil dieser Leistung auf China und USA entfallen, und in diesen Ländern jeweils auf wenige Unternehmen.

Gewinner der zweiten Reihe

Wir sind davon überzeugt, dass neben den bekannten Plattformunternehmen viele Unternehmen der zweiten Reihe von diesem Trend profitieren werden. Mit MongoDB, Twilio, Alteryx, The Trade Desk u.a. haben wir seit dem Start von The Digital Leaders Fund sehr erfolgreich in einige dieser Unternehmen investiert. Die Euphorie an der Börse hat bei manchen dieser Titel im 1. Halbjahr 2019 zu etwas abstrusen Bewertungen geführt.

Daher hatten wir die Gewichtungen solcher Unternehmen im Portfolio des DLF in den letzten Monaten runtergefahren. Dennoch hat die heftige Korrektur der hoch bewerteten Wachstumswerte, insbesondere der Cloud-Unternehmen, auch Spuren beim Fondspreis des DLF hinterlassen. Bei manchen Wachstumsunternehmen werden die Bewertungen vor den Q3-Zahlen wieder attraktiver. Auch Amazon musste in seiner Börsenhistorie schon mehrere Kurskorrekturen über 30 Prozent durchleben. Solche Ausschläge gehören dazu. Und richtig günstig waren auch die heute etablierten Digital Leader nie. Facebook hatte viele Jahre eine EV/Sales-Bewertung von über 14, heute nur noch knapp 6, obwohl der Aktienkurs deutlich weiter angestiegen ist.

Wir werden nicht immer die Gewichtung dieser Werte richtig timen. Doch entscheidend ist, dass wir auf die wenigen Gewinner der gewaltigen Umverteilung der Wirtschaftsleistung im Zeitalter der Digitalisierung setzen. Davon sind wir mehr denn je überzeugt und setzen darauf, dass auch unsere Investoren den DLF mit einem langfristigen Blick bei dieser Reise begleiten.


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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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