Facebook Aktie kommt gestärkt aus der Corona-Krise

6. Mai 2020

Facebook Aktie gestärkt aus der Corona Krise - Like und Herz Symbole auf blauem Hintergrund

Die Facebook Aktie ist eines unserer Kerninvestments im Portfolio von The Digital Leaders Fund. Schon seit dem Start unseres Fonds im März 2018 sind wir investiert. Hier im Blog finden sich mittlerweile etliche Beiträge, die sowohl die Vertrauenskrise in 2018/2019 als auch die wirtschaftliche Stärke des Social-Media-Giganten belegen.

Die Facebook Aktie ist bisher ein Underperformer in unserem Portfolio. Während The Digital Leaders Fund seit dem Start mit einer Performance von über 25 Prozent glänzen konnte, hat Facebook gerade mal 10 Prozent zugelegt.

Wir haben unsere hohe Gewichtung der Facebook-Aktie trotz vieler Skandale und auch in der aktuellen Krise stabil gehalten, weil wir weiterhin von der fundamentalen Entwicklung von Facebook überzeugt sind.

Entwicklung der Facebook Aktie in der Corona Krise

Die Facebook-Aktie war im Corona-Crash im Februar/März um circa 35 Prozent abgestürzt, konnte sich seitdem aber deutlich wieder erholen. Die Vorlage der Zahlen zum 1. Quartal in der vergangenen Woche führte zu einer weiteren Stabilisierung.

Mit diesem Beitrag wollen wir die aktuelle Lage des Facebook-Konzerns in der Corona-Krise zusammenfassen:


Facebook-Konzern in der Corona-Krise

Facebook hat wie viele andere Online-Unternehmen ein gesteigertes User-Engagement in der Corona-Krise verbuchen können. Innerhalb von nur 3 Monaten ist die Anzahl der täglich aktiven Nutzer der Facebook-Plattformen im 1. Quartal 2020 um 100 Millionen auf 2,36 Milliarden gewachsen. Was im Chart so unscheinbar daherkommt bedeutet ein Onboarding von durchschnittlich mehr als 1 Millionen neuen aktiven Usern pro Tag!

Inkludiert man auch die weniger aktiven User, so schätzt Facebook seine Userbasis mittlerweile auf 3 Milliarden Personen. 79 Prozent von denen nutzen mindestens eine Facebook Plattform täglich. In diesen Zahlen zu den “Family Active People” sind die Aktivitäten auf Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp in einer einzigen Kennzahl zusammengefasst.

Statistik Family Active People von Facebook

Das große User-Engagement in der Corona-Krise war keine Überraschung. Im Vorfeld der Quartalszahlen hatten Analysten jedoch große Bedenken geäußert, ob die Social Media Werbebudgets angesichts der bevorstehenden schweren Rezession nicht drastisch gekürzt werden. Einige beobachteten einen starken Einbruch der Werbepreise auf Facebook und Instagram.

Die jetzt vorgelegten Zahlen deuten daraufhin, dass das von der Werbung abhängige Facebook-Geschäftsmodell viel krisenresistenter ist als von Kritikern bisher angenommen. Es ist dem Konzern gelungen, den durchschnittlichen Umsatz pro Benutzer im Q1 um immerhin 6,5 Prozent gegenüber Vorjahr zu steigern. Es  gab also nicht nur 100 Millionen mehr Nutzer, sondern mit jedem einzelnen der 3 Milliarden Nutzer wurde durchschnittlich auch noch etwas mehr erlöst.

Statistik Family Average Revenue per Person von Facebook

Möglich wurde das, da aufgrund des großen User-Engagements die Anzahl der Werbeeinblendungen (Ad Impressions) um 39 Prozent gewachsen ist. Demgegenüber ist der Durchschnittspreis der Werbeanzeigen in der Corona-Krise weniger stark um -16 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, so dass unterm Strich sogar noch ein ordentliches zweistelliges Umsatzwachstum auch im Q1 möglich war.

Die Geschäftszahlen zum Q1

  • Der Gesamtumsatz im Q1 stieg (währungsbereinigt) um 19 Prozent auf $17,7 Milliarden. Der Werbeumsatz macht davon immer noch 98 Prozent aus.
  • Neue Produkte vom Hoffnungsträger Oculus rund um Virtual Reality wachsen zwar um 80 Prozent, spielen aber für das Zahlenwerk bisher kaum eine Rolle.
  • Die Kosten sind um 35 Prozent angestiegen, wenn man die Kostenbasis um die $3 Milliarden Strafzahlungen aus dem Q1 2019 bereinigt.
  • Für Forschung+Entwicklung wurde 40 Prozent mehr ausgegeben als im Vorjahresquartal.

Das klingt nach operativer Stärke. In der Krise hat Facebook zumindest im Q1 unvermindert weiter investiert, statt kurzfristig die Ausgaben zurückzufahren.

Auch die wichtigsten Profitabilitäts-Kennzahlen deuten nicht auf ein Krisenquartal hin:

  • Das operative Ergebnis betrug $5,9 Milliarden, das bedeutet eine 33 %-Marge vom Umsatz.
  • Der Free Cashflow betrug $7,3 Milliarden, das ist eine Steigerung um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Obwohl im Q1 für $1,2 Milliarden eigene Aktien zurückgekauft wurden, sind die Cashreserven zum 31.03.2020 auf über $60 Milliarden angewachsen.

Keine Guidance für das Q2

Facebook hat sich, wie viele andere Konzerne auch, dafür entschieden, aufgrund der derzeit hohen Unsicherheiten keine Guidance für das Q2 abzugeben. Der für seine besonders vorsichtig-konservativen Ausblick bekannte CFO David Wehner hat jedoch durchblicken lassen, dass sich die Werbepreise im April nach dem heftigen Einbruch im März auf relativ niedrigem Niveau stabilisiert haben.

Ebenfalls klargestellt hat das Facebook-Management, dass man gewillt ist, die gewohnt hohen Margen auch in der Krise bestmöglich zu verteidigen. Daher wird man die geplante operative Kostenbasis für 2020 um $2-3 Milliarden reduzieren. Auch die Investitionen sollen um circa $2 Milliarden gegenüber der ursprünglichen Unternehmensplanung für 2020 reduziert werden.

Dennoch wird man auch bei Facebook akzeptieren müssen, dass die Margen zumindest im Q2 deutlich fallen werden. Facebook hat es eigentlich nicht nötig zu sparen, und doch fährt man allzu aggressive Investitionsprogramme sinnvollerweise zurück.

Ich habe den Eindruck, auch Mark Zuckerberg hat die sehr konservative Haltung von David Wehner verinnerlicht. Dennoch will man trotz vorsichtigem Geschäftsplan immer noch 10.000 neuen Stellen im Bereich Produkt und Entwicklung schaffen. Von Investitionsstop kann im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen also keine Rede sein.

Milliardeninvestment in Indien

Das zeigt sich auch am vor wenigen Wochen bekannt gegebenen Investment von Facebook in Indien. Für $5,7 Milliarden hat man dort einen Anteil von 10 Prozent an Jio Platforms übernommen. Das Unternehmen ist eine Tochterfirma von Reliance Industrie, dem größten privaten Unternehmen in Indien.

In Indien besitzt WhatsApp weltweit die größte Userbasis mit geschätzt über 400 Millionen Nutzern. Der erst am Ende letzten Jahres gestartete Lebensmittel-Shopping-Service JioMart von Jio Platforms erlaubt Kunden via WhatsApp ihre Order bei kleinen Händlern (Kirana Shops) aufzugeben. JioMart ist eine Online-to-Offline (O2O) Plattform, bei  der Kunden ihre Bestellung zwar online aufgeben, aber dennoch weiterhin offline im nahegelegenen Kirana Store kaufen.

In der aktuellen Pilotphase holen Kunden ihre Bestellung im Kirana ab. Zusätzliche Lieferservices sind geplant, wenn demnächst die in Zusammenarbeit mit Facebook entwickelte JioMart App startet. Die Vision von JioMart ist es, Millionen von kleinen Unternehmen und Geschäfte in ganz Indien in ein einziges Netzwerk einzubinden, mit dem sie über WhatsApp kommunizieren und Zahlungen online über WhatsApp abwickeln können. Vieles davon erinnert an die umfassenden Services in Tencents WeChat Super-App in China.

Wir dürfen gespannt sei, ob es Facebook mit dieser Partnerschaft mit Reliance nun zeitnah gelingt, endlich die nötigen Lizenzen vom indischen Regulator zu bekommen, um in ganz Indien als Payment-Provider zugelassen zu werden. Derzeit gilt die entsprechende Lizenz nur für ein Pilotprojekt mit 1 Millionen Usern. Daher ist das Investment in Reliance wohl auch politisch motiviert. Reliance-Chef Mukesh Ambani gilt als mächtigste wirtschaftliche Figur im Land und ist zum reichsten Mann in Asien avanciert.

Mark Zuckerberg macht keinen Hehl daraus, dass er die nun in Indien umgesetzten Pläne für die Monetarisierung von WhatsApp auch für andere Teile der Welt angehen möchte: „But certainly all the products and technology that we’re building to enable that partnership are going to be things that we want to do around the world.“

Wir haben lange auf die Monetarisierung von WhatsApp gewartet, nun scheinen ausgehend vom Riesenmarkt in Indien große Schritte diesbezüglich bevorzustehen. Mittelfristig wird dann die geplante Blockchain basierte Libra Plattform die zentrale Rolle bei den großen Ambitionen Facebooks im eCommerce/ePayment  einnehmen.

Ich hatte kürzlich hier  die aktualisierten Pläne des Libra Konsortiums um Facebook für ein globales digitales Payment-System vorgestellt. Danach wird Facebook wohl über kurz oder lang zumindest indirekt in den Wettbewerb zu PayPal, Square aber auch Mastercard und Visa einsteigen.

Facebook sagt Zoom den Kampf an

Fast schon wie ein Randthema erscheinen da Facebooks Ambitionen, sich zukünftig ein größeres Stück vom boomenden Video-Conferencing-Markt abzuschneiden. Dabei geht es Facebook wohl nicht in erster Linie um zusätzliche Umsatzquellen, sondern mehr darum zu verhindern, dass User ihre private Zeit auf anderen Plattformen wie Zoom verbringen, anstatt im Facebook-Ökosystem zu bleiben.

Facebook sagt Zoom den Kampf an - Bildschrim mit Video Chat

Konkret hat Facebook verschiedene Ergänzungen der real-time Videochat-Funktionalitäten vorgestellt. So ermöglicht WhatsApp nun kostenlose und zeitlich unlimitierte Gruppen-Calls von bis zu 8 Personen.

Wichtiger ist die Ergänzung der eigenen Messenger Plattform um die sogenannten Messenger Rooms: damit kann jeder Nutzer kostenlos einen virtuellen Raum kreieren, in die er bis zu 50 Personen einladen kann. Ungewöhnlich für Facebook-Verhältnisse: Diese Gäste müssen nicht einmal einen Facebook Account haben.

Interessant ist dass Facebook sich bemüht, sehr offen den Umgang der Messenger Rooms mit dem Datenschutz zu kommunizieren. Offenbar hat man aus der Vergangenheit gelernt und will es auch besser machen als Zoom. Dieser Dienst hatte zuletzt viele negative Schlagzeilen gemacht wg seines Umgangs mit persönlichen Daten.

Facebook Aktie in der Corona-Krise – Fazit

Facebook investiert auch in der Corona-Krise weiter in die Zukunft und wird aufgrund der weiter gewachsenen Userbasis in der Post-Corona Ära stärker sein als je zuvor. Nach jahrelangen Vorbereitungen dürfte es  in den kommenden Jahren endlich gelingen, neben dem Werbegeschäft auch im Umfeld von eCommerce / Payment größere Umsatzquellen zu erschließen.

Auch die Facebook Aktie ist in den vergangenen Wochen im Zuge der allgemeinen Erholungsrallye an den Märkten wesentlich teurer geworden. Das EV/Sales-Verhältnis ist mit 7,5 bzw. einem KGV von ca. 30 aber noch auf einem fairen Niveau. The Digital Leaders Fund bleibt langfristig in Facebook investiert.

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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Facebook. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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