Futu Aktie – Kursturbulenzen ohne Ende?

26. Mai 2023

Futu Aktie Quartalszahlen

Am 16. Mai gab Futu bekannt, die App aus den App Stores in Festlandchina zu entfernen, worauf die Futu Aktie um 9 Prozent einbrach. Diese Woche hat das Unternehmen die Quartalszahlen präsentiert. Eine gute Gelegenheit, um die Geschehnisse einzuordnen.

Futu Aktie – Quartalszahlen

Die Anzahl der Nutzer des chinesischen Online Brokers Futu stieg um 10,5 Prozent auf 20 Millionen, von denen zuletzt 1,5 Millionen zahlende Kunden waren, ein Anstieg um 15,2 Prozent.

Die Assets der Kunden wuchsen um 20,6 Prozent auf 453 Milliarden HKD (Hongkong Dollar). Wertpapierkredite und Wertpapierleihe nahmen um 35 Prozent auf 34,5 Milliarden HKD zu.

Der Handelsumsatz der Kunden schrumpfte im ersten Quartal um 7,8 Prozent auf 1,2 Billionen HKD Dollar. Den Löwenanteil machte mit 828 Milliarden HKD der Handel mit in den USA notierten Aktien aus. Starkes Feature: Ausgewählte US Aktien und ETFs können bei Futu jetzt unter der Woche 24 Stunden am Tag gehandelt werden. In Hongkong notierte Aktien wurden in einem Umfang von 372 Milliarden HKD gehandelt.

Die durchschnittliche Handelsgebühr stieg von 7,3 auf 8,8 Basispunkte. Die Handelsgebühren erhöhten sich um 12 Prozent auf 138 Millionen US-Dollar.

Der eigentliche Hammer: Die Zinseinkünfte legten um 125 Prozent auf 165 Millionen Dollar zu. Damit waren die Zinseinkünfte höher als die Kommissionen aus dem Wertpapierhandel. Damit setzt sich bei den Online Brokern ein Trend fort, den wir bereits in den Quartalszahlen von Robin Hood beobachten konnten.

Der Umsatz stieg, beflügelt durch die fetten Zinseinnahmen, um 52 Prozent auf 319 Millionen Dollar und lag 15 Prozent über dem Bloomberg Konsens.

Die Zinsausgaben lagen dagegen bei immer noch moderaten 17 Millionen Dollar. Die Bruttomarge belief sich auf 88 Prozent und blieb damit nahezu konstant.

Die operativen Kosten stiegen um lediglich 8 Prozent auf 102 Millionen Dollar. Dabei halbierten sich die Ausgaben für Vertrieb und Marketing auf 18 Millionen Dollar. Gleichzeitig stiegen die administrativen Kosten im Rahmen der internationalen Expansion um 73 Prozent auf 39 Millionen Dollar. In Malaysia hat Futu gerade eine Wertpapierhandelslizenz ergattert. 

Gut: Das Unternehmen investiert weiter in Technologie. Die Forschung und Entwicklungskosten nahmen auch in turbulenten Zeiten um 26 Prozent auf 45 Millionen Dollar zu.

Der Reingewinn verdoppelte sich auf 152 Millionen und lag 26 Prozent über den Erwartungen. Die Nettomarge expandierte damit deutlich von 34,8 Prozent auf 47,7 Prozent.

Ausblick

Bei der Ankündigung Futus handelt es sich um die Umsetzung der Anweisung der CAC (Cyberspace Administration of China). Bereits 2021 hatten die chinesischen Regulatoren darauf hingewiesen, dass Online-Broker wie Futu oder Up Fintech ihre Dienste nicht ohne spezielle Lizenz auf dem Festland anbieten dürfen. Ende 2022 hat die CSRC (China’s Security Regulation Commission) dann die neuen Spielregeln spezifiziert: Auf dem Festland darf keine neue Kundenakquise mehr betrieben werden. Bestandskunden dürfen aber weiter bedient werden. Das gilt auch für die Offshore-Assets von Festlandchinesen, die Kunden anderer Broker in Hongkong sind. Hier könnte es Konsolidierungspotential geben.

Laut dem CFO Arthur Yu Chen hatte die Entfernung der App aus dem Apple Store keine nennenswerten Auswirkungen auf das Geschäft. Die existierenden Kunden reagieren laut Chen besonnen und würden weder abspringen noch Geld abziehen.

Tatsächlich können existierende Kunden die App weiter nutzen und über die Website updaten. Gleichzeitig plant Futu die Eröffnung von Offline-Stores, um die Kunden persönlich beraten zu können. Das ist Entdigitalisierung made in China.

Kurzfristig wird es für Futu nicht einfacher: Der Q1-Rückenwind steigender Aktienkurse in Hongkong bläst Futu aktuell wieder ins Gesicht. Auch die IPO-Pipeline sieht entsprechend mau aus. Futu möchte verstärkt Kunden außerhalb der bisherigen Hauptzielgruppe der Millennials gewinnen: Frauen und Kunden über 40, wie Chen es ausdrückt.

Die Belegschaft soll weiter um 15-20 Prozent wachsen, hauptsächlich in der Forschung und Entwicklung sowie im Rahmen der Auslandsexpansion.

Besondere Bedeutung wird dem noch kleinen Wealth Management zugemessen. Das Geschäft macht aktuell noch deutlich unter 10 Prozent aus. In den nächsten 3-5 Jahren sollen es 20-30 Prozent werden. Dabei dient das Modell von Charles Schwab als Vorbild.

Positiv

Die Zahlen sind aufgrund der starken Zinseinkünfte und der stabilen Kosten ausgezeichnet.

Futu hat mit der Moomoo App ein starkes Produkt mit einem starken Potenzial für die Expansion außerhalb Chinas. Vor allem in Singapur war das Wachstum der Assets mit 69 Prozent besonders hoch, so Leaf Hua Li, der CEO. Der prozentuale Anteil von Private Wealth an den zahlenden Kunden ist im letzten Quartal von 1 auf 15 Prozent gestiegen. Die Expansion in Malaysien ist angesichts von 2,1 Millionen aktiven Handelskonten und hohen Gebühren vielversprechend. Aber auch die Expansion in Australien und den USA geht voran.

Bei den Downloads hat Moomoo mittlerweile Futubull eingeholt.

Negativ

Das regulatorische Umfeld bleibt riskant. Bestandskunden in Festlandchina könnten im Laufe der Zeit abwandern, wenn sie z.B. ihre Smartphones wechseln.

Auch der Finanzplatz Hongkong leidet außerdem unter politischen Risiken. Es ist durchaus möglich, dass hier ebenfalls die Daumenschrauben angezogen werden.

Die geographische Detaillierungsgrad bei den Daten ist dürftig, wohl auch weil sich die Gesellschaft angesichts der hawhischen Regulatoren in China nicht allzu sehr exponieren möchte.

My Take

Die Anleger haben zunächst kapituliert. Die rechtliche und wirtschaftliche Situation bei Futu hat sich zunächst nicht wesentlich geändert. Die Zahl der chinesischen Kunden wird künftig stetig abnehmen, da keine neuen dazu kommen. Auf der anderen Seite wächst das Unternehmen im Ausland. Hier wünschen wir uns in Zukunft granulare Daten der geographischen Verteilung der Assets.

Dafür ist die Futu Aktie jetzt günstiger geworden. Der Konsens für EV/EBITDA 2023 liegt bei gerade einmal 8,7. Die von den Analysten erwarteten Zahlen dürften aber aus Sicht des ersten Quartals aber wahrscheinlich steigen. Der Analyst von Credit Suisse hat die Aktie vor diesem Hintergrund auf “Kaufen” hochgestuft.

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Disclaimer

EM Digital Leaders  und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Futu. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Steffen Gruschka

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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