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Ist die iRobot Aktie nach dem Kurssturz ein Kauf?

29. Oktober 2019

iRobot Aktie - Saugroboter im Einsatz

Im Sommer 2018 hatten wir hier die iRobot Aktie als Halteposition im Portfolio von The Digital Leaders Fund vorgestellt. Ende November 2018 hatten wir uns dann entschlossen, unsere damalige Position am führenden Home-Robotics-Hersteller zu verkaufen. Ich hatte meine Bedenken, die zum Ausstieg geführt haben, damals hier geteilt.

Offensichtlich war diese Entscheidung richtig, denn seit unserem Ausstieg hat die iRobot Aktie fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Seit dem All-Time-High bei 130$ hat iRobot sogar 60 Prozent an Wert verloren und ist jetzt wieder für circa 50$ zu haben.

Kursverlauf der iRobot Aktie von 2017 bis heute
Kursverlauf der iRobot Aktie von 2017 bis heute.

In der vergangenen Woche hat iRobot Zahlen zum 3. Quartal 2019 vorgelegt. Die Aktie hat daraufhin nochmals zweistellig verloren. Eine gute Gelegenheit, auf die Entwicklung bei iRobot zu schauen und über einen Wiedereinstieg nachzudenken.


iRobot Aktie – Überblick über die Ergebnisse des Q3 2019

  • Die operative Marge betrug im Q3 sehr gute 15 Prozent. iRobot erwirtschaftete somit $43 Millionen operativen Gewinn.
  • Der Umsatz stieg um 9 Prozent auf $289 Millionen. Das Wachstum ist deutlich rückläufig gegenüber 2018 als man noch 23 Prozent wachsen konnte. 
  • Die Bruttomarge betrug im Q3 47 Prozent gegenüber 51 Prozent im Vorjahresquartal.
  • Im Q3 hat man ein Ergebnis pro Aktie von 1,24$ erwirtschaftet, damit hat man nach 9 Monaten in 2019 schon 2,27$ verdient.

Das sieht auf den ersten Blick nicht nach großer Krise, sondern nur nach einer Wachstums- und Ertragsdelle aus. Kritischer ist die Situation beim Cashflow, denn nach vielen Jahren mit stabilen Cashzuflüssen auch in den Sommermonaten hatte man in den letzten 6 Monaten mit einem erheblichen Cashabfluss zu kämpfen.

Die Barmittel in der Bilanz betragen zum 30.9.19 nur noch $91 Millionen nach $135 Millionen im Vorjahr. Dennoch ist die Situation keinesfalls bedrohlich, da bei iRobot einem Eigenkapital von $622 Millionen lediglich Verbindlichkeiten in Höhe von $250 Millionen gegenüberstehen.

Die Probleme im Heimatmarkt USA

iRobot hat ein sehr ernstzunehmendes Umsatz- und Ertragsproblem im Heimatmarkt USA. Während die Wachstumsraten im Q3 in EMEA (+27 Prozent) und Japan (+40 Prozent) sehr positiv aussahen, fiel der Umsatz in USA gegenüber dem Vorjahr um -7 Prozent. Die reale Situation in USA sieht wohl noch schlechter aus als diese Daten zeigen: denn eine eigentlich in Q4 geplante Auslieferung an den Großkunden Amazon wurde bereits im Q3 verbucht. Dennoch kam es zu diesen 7 Prozent Umsatzrückgang.

Diese  prekäre Situation ist vor allem durch Präsident Trump und seinen Handelskrieg entstanden, der für iRobot in 2019 zur Unzeit kam, nämlich just in einer Phase zunehmenden Wettbewerbsdrucks mit intensiveren Preiskämpfen.

Trump hat das Marktwachstum in USA zerstört

Seit Mai 2019 werden Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent auf die in China gefertigten Geräte erhoben. Ende Juli hat iRobot versucht, diese Zölle zumindest teilweise durch Preiserhöhungen an die Konsumenten weiterzugeben. Die haben da aber offensichtlich nicht mitgespielt. Das hat zu einem regelrechten Einbruch bei den Abverkäufen in August und September geführt.

Denn die iRobot Wettbewerber haben anders als vom Marktführer erwartet, ihre Preise nicht  angehoben. Daher musste auch iRobot die Preiserhöhungen im Oktober zurücknehmen. Dies hat zur Folge, dass im Q4 und auch in 2020 die Margen für iRobot deutlich zurückgehen werden. Die Bruttomargen werden wohl auf nur noch 40 Prozent sinken.

Die direkten Kosten für den Zoll werden von iRobot auf $35-40 Millionen p.a. geschätzt, wenn sich an der Situation längerfristig nichts ändert. Das sind nur die direkten Kosten, insgesamt sind die Auswirkungen noch größer.

Als Reaktion hat iRobot längst einen Antrag auf eine Zollausnahme gestellt, denn es kann ja auch nicht im Sinne der US-Regierung sein, einen einheimischen Marktführer in einem Zukunftsmarkt nachhaltig zu beschädigen. Aber es stapeln sich derzeit 30.000 derartige Anträge bei den US-Handelsbehörden. Auf einen baldigen positiven Bescheid sollten also weder das iRobot Management noch die iRobot Aktionäre setzen.

iRobot hat damit begonnen, einzelne Bereiche seiner Fertigung von China nach Malaysia zu verlagern, um den Zöllen zu entgehen. Das ist aber kurzfristig nur für einen kleineren Teil der Produktion möglich. Auch da sind die Hoffnungen auf eine baldige Lösung des Problems begrenzt.

Der Befreiungsschlag wäre eine umfassende Einigung im Handelskrieg und eine Abschaffung der 25 Prozent Zölle. Eine solche Nachricht würde wohl umgehend zu einer Neubewertung der iRobot-Aktie führen.

Die Diversifikation des Produktportfolios kommt langsam voran

Ein Grund für unseren Ausstieg bei iRobot war in 2018 die anhaltende Abhängigkeit vom Staubsaugermarkt. Nur wenn die Technologieführerschaft immer wieder in marktreife Produkte in unterschiedlichen Segmenten umgesetzt wird, gelingt es iRobot, aus dem One-Trick-Pony ein langfristig unabhängiges Robotics-Unternehmen zu bauen.

Gute Fortschritte hat man in den letzten 12 Monaten bei den Bravaa Wischrobotern erzielt. Erstmals wurden mit dieser Produktkategorie mehr als $100 Millionen Umsatz erzielt bei einem Wachstum von mehr als 20 Prozent.

iRobot Aktie Kurssturz - Erweiterung der Produktfamilie
Erweiterung der iRobot Produktfamilie für: Staubsaugen, Wischen, Rasenmähen.

Langfristig noch wichtiger ist der lange erwartete intritt von iRobot in den Markt für Rasenmäher-Roboter. In einigen Regionen (zum Beispiel in Deutschland) ist der Markt für Rasenmäher größer als der Staubsaugermarkt. Der iRobot Terra Rasenmäher soll disruptiv sein, da er im Gegensatz zu den Wettbewerbern ohne die Verlegung von Begrenzungskabeln auskommt.

In 2019 wurde in Deutschland ein Betatest mit ausgewählten Kunden durchgeführt. Diese Testphase ist beendet. 2020 soll das Produkt online verkauft werden. Aber erst nach einer weiteren Testphase in USA ist ab 2021 mit größeren Umsätzen zu rechnen. Mein Eindruck ist, dass insbesondere die Software noch verbessert werden muss und das Produkt im jetzigen Zustand noch kein echter Disruptor ist.

Die Software wird für iRobot immer wichtiger als Unterscheidungsmerkmal gegenüber den preisgünstigeren Wettbewerbern aus Fernost. Größtes Alleinstellungsmerkmal ist derzeit die räumliche Orientierung der iRobot Geräte, die ihre Bewegungen aufzeichnen, eine Karte erstellen und sich so ihrer Umgebung bewusst sind. Die Software und User Experience soll auch hier den Unterschied machen.

Neue Patentklage gegen die Konkurrenz

Daneben geht iRobot seit Jahren entschlossen auch gerichtlich gegen Wettbewerber vor, die ähnliche Produkte auf den Markt bringen und damit nach Auffassung von iRobot deren Patente verletzen. Gerade hat man eine neue Patentklage gegen SharkNinja eingereicht. Dieser Wettbewerber hat wie iRobot einen sich selbst entleerenden Staubsaugerroboter auf den Markt gebracht.

Die Guidance für 2019 und 2020

Das Umsatzwachstum wird in 2019 wohl gut 10 Prozent betragen und ist damit deutlich rückläufig nach +23 Prozent in 2018. Die operative Marge wird in 2019 nur noch 6-7 Prozent betragen. Der Gewinn pro Aktie soll circa 2,70$ betragen nach 3,01$ im Vorjahr.

Für 2020 hat iRobot noch keine konkrete Guidance ausgegeben, aber das Management hat klargestellt, dass man auch zukünftig mit einem zweistelligen Umsatzwachstum plant. Das ist nur konsequent, wenn man die Marktführerschaft bei Staubsauger-Robotern mit derzeit 70 Prozent Marktanteil (außerhalb Chinas) verteidigen will. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass die Margen und wohl auch der Gewinn pro Aktie in 2020 nochmals zurückgehen werden, falls die Situation rund um die Handelszölle unverändert bestehen bleibt.

Bewertung der iRobot Aktie

Bei einem Kurs der iRobot Aktie von 50$ errechnet sich ein KGV von unter 16 auf der Basis der Zahlen der letzten 12 Monate. Bei einem Umsatz von $1,2 Milliarden in 2019 beträgt der Enterprise Value $1,3 Milliarden. Das EV/Sales Verhältnis von 1,1 erscheint günstig für den Home-Robotics-Marktführer, der in den vergangenen Jahren mehrfach mit einem EV/Sales – Verhältnis von über 3 gehandelt wurde.

iRobot Aktie - Verlauf des EV Sales Verhältnis seit 2017
iRobot Aktie: Verlauf des EV Sales Verhältnis seit 2017.

iRobot Aktie – Fazit

Wir sehen iRobot nach wie vor als Digital Leader in Home Robotics. Das Unternehmen durchlebt derzeit eine Wachstums- und Ertragsdelle aufgrund des Handelskriegs und Verzögerungen bei der Produktdiversifikation. Insbesondere das durch eine Vielzahl von Patenten geschützte geistige Eigentum dürfte für einen strategischen Käufer zu den aktuellen Preisen sehr interessant sein. Gerade für Alphabet mit seinen großen Ambitionen rund um das Smart Home mit der Google Nest Brand könnte eine Akquisition viel Sinn machen.

Wir sind davon überzeugt, dass der reale Wert von iRobot (außerhalb der Börse) deutlich über dem gegenwärtigen Enterprise Value liegt und haben daher die iRobot Aktie erneut ins Portfolio von The Digital Leaders Fund aufgenommen. Nach der Bestellung unseres kostenlosen Newsletters kannst Du hier unser gesamtes Portfolio einsehen.


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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7 Antworten

  1. Gibt es einen Artikel oder Übersicht, welche Aktien insgesamt mal im Portfolio waren?

    – iRobot
    – Sailpoint
    – Square
    – Shopify
    – Microsoft

    sonst noch welche?

      1. Vielen Dank! In der Übersicht sieht man nur was aktuell drin ist und nicht was einmal drin war. Oder gibt es auch eine Möglichkeit ältere Übersichten aufzurufen?

        1. Nein, es gibt derzeit keine Möglichkeit, eine Übersicht aller vergangenen Investments des Fonds abzurufen. Aber all unsere Investments werden im Blog und im kostenlosen Newsletter vorgestellt, den Du hier abonnieren kannst: https://thedlf.de/newsletter/
          Wenn Du also die mittlerweile ca. 150 Blog-Beiträge durchgehst, kannst Du Dir eine Übersicht selbst erstellen. Wir sind grundsätzlich längerfristig orientiert und haben uns noch nicht von vielen Investments trennen müssen… aber wir bitten auch um Verständnis darum, dass wir nicht alle Verkäufe unseres Fonds im Blog kommentieren. Das können und wollen wir nicht leisten.

  2. Unbestritten ein tolles Unternehmen und meinen iRobot möchte ich keinesfalls mehr missen. Hatte die Aktie bis Ende letzten Jahres auch im Depot und besitze genau aus diesem Grund auch einen Roboter der Marke. Hätte ich die Aktie aber nicht gehabt, dann wäre es wohl ein Roboter der Konkurrenz geworden.

    Zum einen fehlt mir bei dem Unternehmen der Burggraben. Zum anderen schneiden in den Testberichten die (teilweise deutlich) günstigeren Modelle der Konkurrenz in vielen Punkten besser ab. Die Software, in die eine ganze Menge Geld/Zeit/Code gesteckt wird, scheint mir auch nicht überlegen zu sein. Funktionen, die es bspw. beim Roborock S6 gibt, würden mir auch ganz gut gefallen 🙂

    1. Naja, die mehr als 1300 Patente von iRobot (wenn ich das richtig in Erinnerung habe) sind m.E. schon ein erheblicher Burggraben. Testberichte sind das eine, aber iRobot hat glückliche Kunden. Ich kenne Kunden, die haben ihren billigen China-Robo wieder ausgetauscht gegen einen “echten” Roomba von iRobot. Die Zukunft von iRobot liegt in der Diversifikation in andere Segmente hinein. Wenn das nicht gelingt, dann ist das Unternehmen in den kommenden Jahren ein Übernahmekandidat.

      1. Mit Testberichten meine ich nicht Stiftung Warentest etc., sondern die zahlreichen YouTube-Videos. Dort ragt der Roborock schon ziemlich heraus.

        Wir werden sehen. Halte das Unternehmen und die Produkte grundsätzlich ja auch für gut. Nur glaube ich nicht, dass man diesen Marktanteil ansatzweise halten können wird.

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