Rückblick auf das spektakuläre Börsenjahr 2020

23. Dezember 2020

Rückblick auf das spektakuläre Börsenjahr 2020 - Elefant schaut in die Ferne

Das „Pestjahr“ 2020 wird uns kollektiv in Erinnerung bleiben. Weltweit ist die Zahl der an Covid-19 erkrankten und verstorbenen Menschen auf über 1,7 Millionen angestiegen. Die USA hat nun mit ca. 320.000 mehr Todesopfer unter US-Bürgern durch Corona zu beklagen als durch den Ersten Weltkrieg und den Vietnam-Krieg zusammen. Doch an den Börsen ist der Jahrhundert-Crash ausgeblieben. Stattdessen kam es zu einer spektakulären Aktienrallye bei Digitalunternehmen.

Noch im Februar glaubten viele Investoren, so auch wir, dass Corona ähnlich wie SARS ein beherrschbares und regionales Problem darstellt. Am 7. Februar schrieb ich in unserem Newsletter: „Das Coronavirus ist offensichtlich kein Schwarzer Schwan. Die Märkte sind nicht eingebrochen. Das Lehman-Trauma der Chinesen heißt SARS. Die Intervention der chinesischen Notenbank hat den Märkten deutlich Auftrieb verliehen.“

Die Rede war damals eher von „Infodemie“ statt Pandemie. Die Börsen zeigten sich völlig unbeeindruckt. The Digital Leaders Fund kletterte auf neue Allzeithochs und die Performance war seit Jahresbeginn zweistellig im Plus.

Anfang März war es dann vorbei mit der Sorglosigkeit. Am 13. März notierten wir: „Wuhan ist überall. An den Börsen herrscht Weltuntergangsstimmung.“ Am 23. März hatte der MSCI World knapp 30 Prozent und der Nasdaq-100 knapp 16 Prozent seit Jahresbeginn verloren.

Rückblick 2020 Börse - Vergleich Performance MSCI World, Nasdaq und The DLF bis März 2020

Auch unser Fonds geriet deutlich unter die Räder. Dabei wurde der Absturz von vermeintlich stabilen traditionellen Werten wie Disney, Straumann, Intuitive Surgical u.a. aber vor allem durch Finanztitel in unserem Fonds beschleunigt, so dass wir mit über 20 Prozent noch mehr verloren als der Nasdaq 100.

Mit den Lockdowns kam das öffentliche Leben und der weltweite Handel zum Erliegen. Der Corona-Crash war ein Crash der Value-Titel, der haptischen Welt. Alles Dingliche fiel, alles Virtuelle schaltete auf Vollgas.

Doch wir waren mitten in der Krise überzeugt, dass die Krise ein Push für digitale Geschäftsmodelle ist. In unserem Blogartikel zum Corona-Crash vom 13. März notierten wir: „Das Virus wird eines Tages verschwinden, beziehungsweise beherrschbarer für uns werden. Zurück bleiben historisch niedrige Zinsen weltweit, Steuersenkungen, massive Ausgabenprogramme durch nahezu alle Staaten und unfassbar attraktive Aktienkurse. Zurück bleibt auch eine Welt, die noch digitaler sein wird. Für den langfristigen Anleger gab es selten eine bessere Gelegenheit, in Aktien der digital führenden Unternehmen der Welt zu investieren.“


Never bet against the fed

Wie schnell Digitalunternehmen von Crash auf Rallye schalteten war faszinierend zu beobachten. Die Kapitalmärkte standen vor einem Abgrund. Das Jahrhundertereignis Corona-Pandemie hätte zu einem Jahrhundert-Crash führen können. Dass es nicht so weit kam, haben wir vor allem den Notenbanken zu verdanken.

In unserem Newsletter vom 20. März hielten wir fest: „Es gibt kein Drehbuch für Regierungen, Pandemien wirksam zu bekämpfen. Die Lehman-Krise hat jedoch Politikern und Zentralbanken weltweit gelehrt, wie man Ansteckungen von wirtschaftlichen Gefahren unterbindet. Dem schnellsten Crash aller Zeiten folgen nun die schnellsten und stärksten Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen in der Geschichte.“

Insbesondere die US- Notenbank pumpte massiv Liquidität in den Markt und kaufte in einem historisch einmaligen Ausmaß nicht nur Staatsanleihen und Corporate Bonds, sondern auch Unternehmensanleihen mit zweifelhafter Bonität.

Rückblick 2020 Aktien - Wertpapierbestände der US-Notenbank im Zeitablauf
 Wertpapierbestände der US-Notenbank im Zeitablauf.

Bereits am 1. Mai war der Nasdaq 100 wieder auf positivem Terrain seit Jahresbeginn und Mitte Mai markierte der Index auch schon wieder ein All-Time-High. Ein wenig pathetisch schrieben wir in unserem Newsletter im April: „Die Mutter aller Disruptionen, so lernen wir jetzt, ist kein digitales Geschäftsmodell, keine Software, sondern eine winzige organische Struktur Namens Covid-19. Disruptionen werden dann gefährlich, wenn daraus Dystopien entstehen, apokalyptische Gesellschaftsmodelle, die den Untergang des bürgerlichen Lebens nahezu herbeisehnen. Dagegen sollten wir uns wehren. Jeden Tag, an dem Aktienkurse steigen, wehren sich Millionen von Investoren dagegen.“

The Great Decoupling

Ende Mai notierten wir: „Sind die Investoren jetzt komplett gaga? Während die führenden Ökonomien den größten wirtschaftlichen Einbruch seit Weltkriegszeiten verzeichnen, steigen die Börsen seit Wochen unaufhörlich. „A dangerous gap“ betitelte der Economist die wachsende Disparität zwischen der realen Wirtschaft und den Aktienmärkten.“

Doch es gab noch einen weiteren Graben, nämlich den zwischen traditionellen Unternehmen und den Gewinnern der Digitalisierung. So nahmen wir uns die Freiheit, das Coverbild des Economist etwas anzupassen.

Rückblick Börse 2020 - Die große Abkopplung Schaubild
Die große Abkopplung

Die Wirecard-Pleite

Mitten in die Börsenrallye der Digitalunternehmen platzte die News zur Wirecard-Pleite. Am 26. Juni schrieben wir dazu: „Wirecard ist auch ein Beleg für die Phänomene „Social Proof“ und „Verweis auf höhere Autorität“, die der Psychologe Robert Caldini in seinem Buch „Die Psychologie des Überzeugens“ beschreibt: Eine Situation, in der sich alle auf die anderen verlassen und den höheren Autoritäten nacheifern. In der Causa Wirecard haben viele auf die Wirtschaftsprüfer, Regulierer, Ratingagenturen, professionelle Investoren und auf Teile der Medien geschaut. Und alle sind zusammen drauf reingefallen.“

Wir hatten in diversen Blogartikeln vor einem Investment in Wirecard gewarnt. Das hat uns im Dezember sogar ein Interview als Aufmacher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beschert.

Die Abwahl Trumps und die Impfstoff-Rallye

Am 3. November wurde Donald Trump abgewählt. Lange stand das Wahlergebnis nicht fest, doch die Börsen feierten. Am 6. November schrieben wir: „Aktuell sieht es ganz nach einer knappen Mehrheit der Republikaner im Senat und nach einer Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus aus. Die beiden Kammern des Kongresses sind also aufgeteilt, Biden wird vermutlich Präsident und der Supreme Court ist republikanisch dominiert. „Checks and Balances“ sind somit gesichert. Ein Szenario, das Investoren offensichtlich mehr begrüßen als den Durchmarsch einer Partei.“

Nur wenige Tage später ließen Pfizer und BioNTech mit der Ankündigung zur Wirksamkeit ihres Impfstoffs die Welt aufatmen. An der Börse löste das eine heftige Branchenrotation aus. Allerdings rotierten Anleger nicht aus Technologie heraus. Die Underperformer waren plötzlich die nichtzyklischen Konsumgüter, Versorger und vor allem Gold, also die sogenannten „Safe Havens“.

Rückblick 2020 Börse - Vergleich Charts Impfstoff Rallye

In dieser Phase zogen unsere „Digital Transformation Leader“ wie BBVA, Disney, DBS, Goldman Sachs, aber auch unsere attraktiv bewerteten Technologie-Aktien wie Nutanix, Pure Storage und Baidu deutlich an.

Aber auch unsere Highflyer im Depot setzten im November und Dezember noch mal zu einem Jahresendspurt an.

The Digital Leaders Fund - Beste Performer in 2020 - Peloton Square The Trade Desk Pinterest Sea
Bestperformer 2020

Mit unserer Mischung aus traditionellen Unternehmen, die von der Digitalisierung profitieren und Digitalunternehmen, die die Wirtschaft unserer Zeit prägen, haben wir dieses Jahr über 40 Prozent mehr als der MSCI World und ca. 12 Prozent mehr als der Nasdaq 100 für unsere Anleger erwirtschaftet.

Rückblick Börse 2020 - Vergleich Charts The DLF, Nasdaq100, MSCI World

Wie stellt sich der The Digital Leaders Fund für 2021 auf

2020 war ein in vieler Hinsicht ein Ausnahmejahr. Vergleichbare Performancezahlen werden wir 2021 nicht sehen. Spätestens im zweiten Quartal 2021 wird der Basiseffekt die Umsatz- und Gewinnzahlen der Unternehmen relativeren. Dann wird auch klar, welche Titel dauerhafte Gewinner des Digitalisierungsschubs sind und welche nur ein Strohfeuer gezündet haben.

2020 wurden nicht nur mehrere Jahre der digitalen Transformation in wenigen Monaten vollzogen, sondern auch mehrere Jahre Wachstumsaussichten in den Kursen vieler Aktien vorweggenommen. Das dürfte 2021 mit der Realität kollidieren.

Wir setzen weiterhin auf eine ausgewogene Mischung aus substanzstarken traditionellen Unternehmen, die kraftvoll ihr Geschäftsmodell in die digitale Zeit anpassen und auf immer noch attraktiv bewertete Wachstumswerte, die die digitale Adaption der Wirtschaft vorantreiben.

Wenn Du die weitere Entwicklung der Digital Leaders in 2021 gemeinsam mit uns verfolgen möchtest, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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