Steht die Nutanix Aktie vor einer Neubewertung?

25. November 2020

Nutanix Neubewertung - Bild von Storage Übersicht Webanwendung

Nutanix hat zum Start des neuen bis zum 31. Juli 2021 laufenden Geschäftsjahres solide Zahlen für das Q1 FY21 geliefert.

Obwohl die Headlines der klassischen Quartalsberichterstattung nach wie vor nicht dazu taugen, um in Jubelstürme auszubrechen. Denn der Umsatz von $313 Millionen war im Q1 FY21 geringfügig rückläufig gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Billings sanken sogar um 12 Prozent auf $335 Millionen. Der Free Cashflow war im Q1 negativ.

Nutanix Aktie Kursentwicklung Januar 2020 bis heute

Allerdings konnte der Cashabfluss im Q1 auf $16 Millionen begrenzt werden, das entspricht einer Marge von -5 Prozent, somit  wesentlich besser als erwartet. Nach dem Einstieg von Bain Capital – über das $750 Millionen Investment hatten wir hier berichtet –  verfügt Nutanix nun über Mittel i.H.v. $1,32 Milliarden in seiner Bilanz und ist somit mehr als ausreichend finanziert.

Q1 Financials Nutanix Grafik

Die Q1 Zahlen auf den zweiten Blick

Warum diese Zahlen in Wirklichkeit viel besser sind als sie auf den ersten Blick aussehen?

Nutanix maximiert in seinen Vertriebsbemühungen jetzt nicht mehr wie in früheren Jahren das Gesamtvertragsvolumen (TCV = Total Contract Volumen), sondern – wie bei einem subskriptionsbasierten Softwarehersteller üblich – den annualisierten Wert der Verträge mit seinen Kunden. Das führt zu deutlich kürzeren Vertragslaufzeiten (aktuell 3,5 Jahre gegenüber 3,9 Jahren im Vorjahr) und verringerten Billings.

Auf der Haben-Seite dieser Vertriebsstrategie stehen entsprechend geringere Rabatte, d.h. aufs Jahr gerechnet höhere Verkaufspreise für die Nutanix-Produkte, welche in einem um 29 Prozent auf $1,3 Milliarden gestiegenen Annual Contract Volumen (ACV) resultieren.

Kundenwachstum Nutanix Grafik

Der einfachste Weg, um das aktuelle und zukünftige Wachstum von Nutanix einschätzen zu können, ist der Blick auf die Kundenbasis. Die ist auch in der Corona-Krise erstaunlich robust gewachsen. Im Q1 FY21 kamen zuletzt 680 Kunden neu hinzu, Die Kundenbasis bestehend aus über 18.000 Kunden ist damit in den letzten 12 Monaten um 21 Prozent gewachsen.

Fast 50 Prozent der Global 2.000 Unternehmen sind mittlerweile Kunden bei Nutanix. Bei Großkunden ist Nutanix mit seinem Hybrid Cloud Ansatz besonders erfolgreich: schon 1.276 Kunden haben Verträge im Wert von mehr als $1 Millionen mit Nutanix abgeschlossen.

Wachstum Umsatz pro User Nutanix

Guidance für Q2 FY21

Die vergleichsweise optimistische Guidance für das laufende Q2 dürfte der wahre Grund dafür sein, warum die Nutanix-Aktie nach Bekanntgabe der Q1-Zahlen an Boden gewinnt:

  • Die ACV-Billings sollen im Q2 $149 Millionen erreichen.
  • Die ACV run rate (also die vergangenen 12 Monate) soll damit auch im Q2 weiter mehr als 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum wachsen.

Aus HCI alt wird HCI neu

Die Nutanix Aktie leidet seit Jahren darunter, dass die Produktstrategie und Alleinstellungsmerkmale nicht so einfach zu verstehen sind. Zur Verwirrung tragen auch die Verwendung von Abkürzungen bei.

Seit jeher galt Nutanix als Pionier für HCI = Hyper Convergent Infratructure. Laut wikipedia wird so typischerweise eine IT-Infrastruktur bezeichnet, der eine Software-zentrierte Architektur zugrunde liegt, in der Prozessoren, Speicher, Netzwerk und Virtualisierung eng miteinander verzahnt sind. In dieser gewohnten Definition von HCI ging es aber immer um on premises Infrastrukturkomponenten für das eigene Rechenzentrum des Kunden.

Mittlerweile definiert sich Nutanix weitergehend als Pionier für HCI neu = Hybrid Cloud Infrastructure. Dabei geht es um die Software zum Betrieb von Rechenzentren, deren Komponenten gemischt sind. D.h. teilweise eigene on premises Ressourcen und teilweise bestehend aus Ressourcen, die aus der Public Cloud z.B. via AWS oder Microsoft Azure bereitgestellt werden.

Im vergangenen Quartal hat die Nutanix-HCI für AWS das Betastadium verlassen und ist ab sofort für alle Kunden verfügbar. Auch eine erweiterte Partnerschaft mit Microsoft wurde im September 2020 verkündet, welche das Nutanix Produktportfolio analog zu AWS auch in Verbindung mit Azure verfügbar macht.

Die Vision von Nutanix, zukünftig das Betriebssystem für die hybride Cloud bereitzustellen, rückt damit immer näher an die Realität heran.

Fazit

Wir fühlen uns nach diesem vielversprechenden Beginn des FY21 bestätigt in unserem Nutanix Investment Case. Ich frage mich, warum nicht mehr Investoren erkennen, dass das Unternehmen trotz derzeit stagnierender Umsatzentwicklung eigentlich um mehr als 20 Prozent p.a wächst.

Sobald das Management dann noch eine nachhaltig positive Free-Cash-Flow-Entwicklung darstellen kann, sollte einer Neubewertung der Nutanix Aktie nichts mehr im Wege stehen. Unsere Erwartung ist, dass der Breakeven im Free Cashflow spätestens im FY22 (also im nächsten Geschäftsjahr) gelingen sollte.

Nutanix bleibt auch weiterhin ein Kerninvestment im Portfolio von The Digital Leaders Fund. Wenn Du die weitere Entwicklung rund um Nutanix und die hybride Cloud gemeinsam mit uns verfolgen willst, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter bestellen.

Disclaimer
The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Nutanix. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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11 Antworten

  1. Hallo Herr Waldhauser,

    ich hätte eine generelle Frage zum Thema “Stock-based compensation”.
    Aus dem Q2 Report konnte ich entnehmen, dass $518 Mio. (78% vom Umsatz) für Sales und Marketing angefallen sind. Davon sind laut Cashflowstatement $173 Mio. für aktienbasierte Vergütung angefallen. Ich beobachte öfter, dass die Cashflowzahlen meist nur deswegen so positiv ausfallen, weil die Kosten für die aktienbasierte Vergütung enorm hoch sind. Daher stelle ich die wahre Profitabilität anhand des gemeldeten Free-Cashflows in Frage. Schließlich findet dadurch eine Verwässerung statt. Wenn z.B. ein Unternehmen einen FCF von $100 Mio. meldet, aber dem Management Boni i.H.v. $150 Mio zahlt, dann bleibt eigentlich nichts übrig bzw. der FCF pro Share wächst, wenn überhaupt, nicht so stark.

    Wie gehen Sie mit solchen Themen um? Beobachten Sie das Umsatzwachstum im Vergleich zum Wachstum der Outstanding-Shares?

    Besten Dank und viele Grüße,
    Mirko

    1. Ja das ist richtig, auch die Entwicklung der Anzahl ausgegebener Aktien ist ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung der wahren Profitabilität. Aber gerade in Sales und Marketing werden Aktienoptionen oftmals in großer Höhe zugeteilt (und entsprechend bilanziert), später aber nicht ansatzweise in dieser Höhe auch eingelöst zB weil Mitarbeiter vor Ablauf ihrer Aktienoptionsprogramme ausscheiden etc.

  2. Auch ich möchte mich für den informativen Beitrag ( für die vielen informativen Beiträge ) bedanken. Zu Ihrem Fazit habe ich zufällig folgendes gefunden:
    Der Hedge Fund Crosslink Capital (Seymour Kaufman Stocks Portfolio) hat im vierten Quartal 2020 etwa eine dreiviertel Million Nutanix Aktien für geschätzte 25 Milionen Dollar dazugekauft. Der Anteil am Portfolio beträgt ca. 10 Prozent. Der Wert beträgt ca. 62 Millionen Dollar. Nutanix wurde demnach inzwischen auch von anderen Fonds entdeckt und als lohnendes Investment eingestuft. Ihre Einschätzung wird dadurch nochmals bestätigt.

  3. Vielen Dank für den informativen Beitrag!

    Ich habe eine Frage zu dem Effekt von der Umstellung von TCV auf ACV. Warum führt diese zu verringerten Billings?

    Nach meinem laienhaften Verständnis sinkt die Laufzeit der Verträge, aber dafür steigt das monatliche Vertragsvolumen, da weniger Discounts gewährt werden. Dies müsste in der Theorie doch in steigenden Billings resultieren, da diese ja den im Zeitraum tatsächlich realisierten Umsatz widerspiegeln.

    Wo ist der Denkfehler in meiner Überlegung?

    Vielen Dank und beste Grüße!

    1. Die Vertriebler werden nun dazu motiviert, möglichst teure jährliche Verträge abzuschliessen. Die durchschnittliche Vertragslaufzeit sinkt und damit die bei Vertragsabschluss in Rechnung gestellten Summen bzw. Billings.

  4. Hallo die Herren,

    als aufmerksamer Leser Ihrer Beiträge kommen mir hier und da Fragen (um Verständnis) in den Sinn. bei Ihren Ausführungen zu Nutanix fallen mir Unternehmen wie Equinix oder Keysight Technologies ein, die sich doch auch in diesen Bereichen “tummeln”, auf Basis von deren Umsätzen/Gewinnen/Marktkapitalisierungen erscheinen sie jedoch weiter zu sein?
    muss dazu sagen, dass mir viele der Aussagen zu den verschiedenen Geschäftsmodellen dann doch eher “böhmische Dörfer” sind…
    vG aus dem Kölner Süden

    1. Hallo Herr Burmann,
      weder Equinix noch Keysight Technologies sind Wettbewerber von Nutanix. Die sind in ganz anderen Marktsegmenten unterwegs. Aber sie haben recht, dass beide Unternehmen viel weiter sind in ihrem Unternehmenslebenszyklus im Vergleich zu Nutanix, sie sind ja auch schon viel älter.

      Wir bemühen uns, die Investment-Cases rund um die Geschäftsmodelle unserer Digital Leader möglichst auch für nicht-Techies verständlich darzustellen. Aber wahrscheinlich haben mich 25 Jahre in der Softwareindustrie derart geprägt, dass ich zu viel als Basiswissen voraussetze. Danke für das Feedback.

      Auf meinem persönlichen Blog habe ich die Grundlagen meiner Strategie für das Picking von Tech-Aktien hier beschrieben: https://www.high-tech-investing.de/post/2018/06/20/meine-strategie-zum-stock-picking-von-technologieaktien
      Evtl. hilft Ihnen das etwas bei der Orientierung durch die “böhmischen Dörfer”…

      VG aus dem Frankenland

  5. Manchmal muss man sich schon fragen, auf welcher Basis heutzutage Investment-Entscheidungen getroffen werden. Und zwar nicht nur von Kleinanlegern, sondern auch von institutionellen Anlegern.

    Gegen jedes rationale Entbehren wird bald lieber noch der billionste Dollar in Tesla gesteckt anstatt in Werte wie Nutanix.

    Nagut, frei ab von der Logik der Börse, kann man meines Empfindens nach mit der Entwicklung von Nutanix sehr zufrieden sein. Irgendwann wird sich das auch zwangsweise im Kurs widerspiegeln. Bis es soweit ist, kann man sich am Wissensvorsprung ergötzen 🙂

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