Tesla Aktie: Die hohe Kunst der Bilanzakrobatik mit Elon Musk

27. April 2021

Tesla Aktie

Tesla meldete gerade Rekordumsätze und Rekordgewinne für das 1. Quartal 2021 – und dennoch gab die Tesla Aktie nach Bekanntgabe der – auf den ersten Blick – guten Zahlen nach. Woran liegt das?

Christoph Lampert hatte in einem Gastbeitrag für unseren Blog im Februar begründet, warum der Preis der Tesla Aktie der Realität längst enteilt ist. Die Tesla Aktie war nie im Portfolio von The Digital Leaders Fund. Wir haben beim Thema E-Mobilität konservativ agiert und darauf gesetzt, dass der schlafende Riese Volkswagen erwacht.

Die atemberaubende Rallye der Tesla Aktie aus 2020 scheint sich in 2021 nicht zu wiederholen. Während die VW-Stammaktie seit Jahresbeginn um 60 Prozent im Wert zulegen konnte, kam die Tesla Aktie kaum voran und hat in den vergangenen 3 Monaten sogar um 20 Prozent korrigiert.

Tesla Aktie Kurs im Vergleich zur VW Aktie Chart
Tesla Aktie Kurs Zuwachs im Vergleich zur VW Aktie

Die Tesla Zahlen zum Q1 2021

Tesla hat im Q1 den Gesamtumsatz um 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf $10,39 Milliarden gesteigert, obwohl der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrzeug um 13 Prozent gesunken ist, da man in diesem Quartal wegen eines anstehenden Modell-Updates keine Model S bzw- Model X produziert hat. Der operative Gewinn wird mit $594 Millionen mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr ausgewiesen, was einer operative Marge von 5,7 Prozent entspricht. Allerdings sind darin – wie mittlerweile von Tesla gewohnt – einige Sondererträge verarbeitet:

Das Unternehmen hat zum wiederholten Male erheblich davon profitiert, dass es anderen Autobauern Abgaszertifikate verkaufen konnte, welche diese benötigen, um die gesetzlichen Emissions-Vorgaben für ihre Flotte z.B. in Europa und Kalifornien zu erfüllen. Damit erzielte Tesla $518 Millionen im Q1, was einer Steigerung von 46 Prozent gegenüber Vorjahr und nahezu dem gesamten operativen Gewinn entspricht. Doch damit nicht genug: Völlig überraschend hat Tesla noch im Q1 10 Prozent der erst kürzlich erworbenen Bitcoin-Bestände mit einem hohen Gewinn von mehr als $100 Millionen wieder veräußert.

Das erscheint doch sehr fragwürdig: denn erst im Februar hatte Elon Musk medienwirksam verkündet, er wolle Cash Reserven breiter diversifizieren und Tesla habe deshalb $1,5 Milliarden in Bitcoin investiert. Zudem wolle Tesla Bitcoin als Zahlungsmittel seiner Kunden akzeptieren und diese langfristig halten. Durch zahlreiche Tweets hatte Elon Musk selbst dafür gesorgt, dass der Bitcoin-Kurs immer neue Höhen erklomm. Nun stellt sich heraus, dass Elon Musk offenbar mit Bitcoin einen kurzfristigen Trading-Gewinn eingefahren hat. Er macht sich dadurch angreifbar und seine wenig überzeugenden Erklärungsversuche als Erwiderung auf entsprechende Vorwürfe auf Twitter machen die Sache nicht besser:

Tesla Aktie Elon Musk Tweet Bitcoin
Tesla Aktie: Elon Musk Tweet zu Bitcoin

Die Bitcoin-Gewinne und der Gewinn aus dem Handel mit Abgaszertifikaten haben es Tesla ermöglicht, einen ordentlichen operativen Gewinn für das Q1 auszuweisen. Wenn man diese beiden Sonderfaktoren ausklammert, so wäre Tesla für das Q1 in der Verlustzone gelandet.

Ähnliche Klimmzüge wie in der Gewinn-und -Verlust-Rechnung hat es im Q1 wohl auch bei der Gestaltung der Cashflow-Rechnung gegeben. Ausgewiesen in den Q1-Zahlen wurde ein positiver Free Cashflow von $293 Milionen Allerdings sind die offenen Lieferantenrechnungen um $600 Millionen angestiegen. Das wäre ganz normal, wenn auch die Produktionszahlen entsprechend nach oben gegangen wären, aber die waren im Q1 im Vergleich zum Vorquartal wenig verändert.

Daher scheint es so, dass Tesla im Q1 nur deswegen Cashflow positiv war, weil man mit der Zahlung von offenen Rechnungen bis zum Quartalsende gewartet hat. An der Liquidität hat es jedenfalls nicht gelegen, denn die Cash Reserven betragen nach den Kapitalerhöhungen des letzten Jahres über $17 Milliarden. Da sind die Bitcoin-Reserven i.H.v. mehr als $1,3 Milliarden zum 31.3. noch gar nicht inkludiert.

Autopilot – nur mit Kameras, ohne Sensoren

Daneben war im Earnings Call von Elon Musk mal wieder zu hören, wie wunderbar die Tesla Zukunft sein wird: Er ist sich sicher, dass Tesla mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auf die teuren Lidar-Sensoren verzichten und vollautonome Fahrzeuge ohne Radar nur mit der Nutzung von Kameras liefern kann. Damit steht er mit seiner Meinung im Gegensatz zu den allermeisten anderen Branchenexperten und auch allen Mitbewerbern für Autonomes Fahren. Aber das hat ihn als Visionär ja noch nie gestört – und bisher ist er erstaunlich gut damit gefahren.

Außerdem geht Elon Musk davon aus, dass Tesla in Zukunft weder als Auto Company noch als Energie-Company, sondern als AI Robotics Unternehmen beurteilt werden wird. Bereitwillig gab er im Earnings Call Auskunft über den mysteriösen Tesla Supercomputer “Dojo”, der seit 2019 in der Tesla Fanboy Szene herumgeistert und der die noch offenen Probleme beim vollautonomen Fahren lösen soll.

Bisher ist es Elon Musk stets gelungen, sowohl institutionelle Investoren als auch Heerscharen von Privatanlegern von seinen Visionen und der Tesla Aktie zu überzeugen. Nun hat sich Elon Musk als Bitcoin-Trader geoutet. Er wird sich auch in Zukunft nicht scheuen, die Volatilität der Kryptowährung geschickt für sich und zu Gunsten der Tesla Bilanz auszunutzen. Was sollte ihn daran hindern? Ich frage mich schon länger, ob bzw. wann die Regulierungsbehörden bei diesem Spiel einschreiten werden.

Cathie Wood verkauft Tesla Aktien

Die zusätzlichen Risiken aus dem Bitcoin-Engagement von Tesla dürften nicht allen Investoren gefallen. Cathie Wood von ARK Invest ist seit Jahren als bekennender Tesla-Bulle bekannt. Sie hatte zum Jahresbeginn ein neues atemberaubendes Kursziel von mindestens 3.000$ für die Tesla-Aktie (bis 2025) verkündet. Nun aber hat sie in den vergangenen 14 Tagen Tesla Aktien im Wert von über $350 Millionen verkauft und die Übergewichtung von Tesla in ihren Fonds damit nicht unerheblich reduziert.

Tesla Aktie Holdings Chart
Tesla Aktie Holdings Chart. Quelle: cathiesark.com

Ob Cathie Wood auch nicht mehr so sehr davon überzeugt ist, dass der Hype um die Tesla Aktie weiter geht? 

Wir wissen es nicht.

Was wir jedoch wissen ist, dass die Tesla-Aktie es auch in 2021 nicht ins Portfolio von The Digital Leaders Fund schaffen wird. Denn ein Enterprise Value von $700 Milliarden ist nicht zu rechtfertigen, selbst wenn man in einem positiven Szenario an die Pläne des Managements mit einem durchschnittlichen Umsatzzuwachs von 50 Prozent p.a. für die kommenden Jahre glaubt. Die Tesla Aktie wird zu einem EV/Sales Verhältnis von ca. 15 (forward) gehandelt. Bereits heute wird Tesla nicht bewertet wie ein Fahrzeughersteller oder eine Energie-Company mit aktuell 21 Prozent Bruttomarge, sondern wie eine AI/Robotics Firma mit großem Softwareanteil und 80 Prozent Bruttomarge.

Damit sind im aktuellen Kurs von gut 700$ zumindest die irdischen Visionen von Elon Musk mit eingepreist und der Kurs nimmt etliche guten Nachrichten der kommenden Jahre vorweg. Sollte der Newsflow mal schlechter ausfallen, weil der Bitcoin fällt, weil andere Hersteller keine Abgaszertifikate mehr kaufen müssen oder weil Elon Musk keine Lust mehr hat oder … dann dürfte der Absturz der Tesla Aktie heftig ausfallen. Wir sehen in der Tesla Aktie nach dem Q1 Bericht mehr denn je ein mangelhaftes Chance/Risiko-Verhältnis. Daran ändert auch die 20 Prozent Korrektur in den vergangenen 3 Monaten nichts.

Das heutige Fazit fällt daher kurz aus: Nicht jeder Digital Leader ist auch ein gutes Investment. Wenn Du unsere Einschätzungen zur Tesla Aktie auch in Zukunft nicht verpassen willst, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen keine Anteile an Tesla. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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2 Antworten

  1. Danke jeweils für Ihre anderen guten Beiträge, aber dieser finde ich sehr einseitig, negativ und fundamental schlecht recherchiert.
    Ihr Kommentar zum Kurs-Vergleich von VW und Tesla im 2021 kann ich nicht ernst nehmen. Schauen Sie sich doch bitte den Kursverlauf von VW in den letzten 10 Jahren an. Warum VW herhalten muss für den Vergleich ist auch nicht ersichtlich.
    Oder die Überschrift „Cathie Wood verkauft Tesla Aktien“ verrät, dass hier nicht recherchiert wurde, denn ARK hält im Durchschnitt zwischen 9% und 11% Portfolio-Gewichtung an Tesla.
    „Autopilot – nur mit Kameras, ohne Sensoren“ bitte hier die Experten benennen und auch aus welchem Jahr diese Aussagen sind. Zudem, ist eine Kamera kein „Sensor“ aus ihrer Sicht?
    Mit der Bewertung bin ich einig.
    Bitte gründlicher in die Themen einarbeiten und reflektieren.
    trotzdem vielen Dank für ihr Engagement über die digitalen Themen.

    1. Hallo Roger,
      entgegen deiner Meinung, finde ich es sehr gut, wie der Artikel ein Licht auf die aktuellen Entwicklungen wirft.
      Zu deinen negativen Anmerkungen:

      – Ein Vergleich über die letzten 10 Jahre würde selbstverständlich Tesla als den „Sieger“ zeigen. Das trifft jedoch überhaupt nicht die Aussage des Artikels. Der Artikel soll zeigen, warum auch ein tolles Unternehmen wie Tesla ein schlechtes/durchschnittliches Investment sein kein, wenn der Preis zu dem es erworben wird zu hoch ist. Genau diese Erkenntnis reift so langsam am Markt. Daher ist der Vergleich über die Performance seit Jahresbeginn definitiv angebracht.

      – Bezüglich der Verkäufe von Cathy Woods gebe ich Ihnen Recht. Der Rückgang des Aktienbestands ist sicherlich auch mit Abfluss von Kapital aus ihren ETFs zu begründen, der sie wiederum zum Verkauf von Aktien zwingt und daher nicht vollständig auf ein mangelndes Vertrauen in Tesla zurückzuführen.

      – „Autopilot – nur mit Kameras, ohne Sensoren“: Die Experten mit anderer Meinung können gar nicht alle namentlich genannt werden. Das würde den Rahmen des Artikels sprengen, da so ziemlich die gesamte Branche auf Radar- und Lidarsensoren setzt. Wirf nur mal einen Blick auf die zwei stärksten Konkurrenten Waymo und Cruise.

      Ich hoffe ich konnte helfen.

      Grüße Marvin

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