The Trade Desk Aktie: Ein Crash mit Ansage

12. Mai 2021

the Trade Desk Aktie

Seit dem Start von The Digital Leaders Fund ist die The Trade Desk (TTD) Aktie ein fester Bestandteil unseres Portfolios. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zu DER führenden Omni-Channel Online-Werbeplattform für das offene Internet (außerhalb der “Walled Gardens” wie Google und Facebook) entwickelt. Du kannst die Investment Story hier nachlesen.

In unserem letzten Beitrag zu The Trade Desk hatten wir die Aktie als ersten Tenbagger in unserem noch jungen Fonds gefeiert. Allerdings hatten wir gleichzeitig vor der hohen Bewertung gewarnt und unsere Position deutlich reduziert. Denn seit dem IPO in 2016 hatte sich die The Trade Desk Aktie um über 2.000 Prozent verteuert, der Kurs war damit der hervorragenden Unternehmensentwicklung doch deutlich vorausgeeilt.

Jetzt kam es anlässlich der Vorlage der durchaus guten Zahlen zum ersten Quartal 2021 zum Crash der Aktie. Die Anteilscheine sind damit nun für weniger als die Hälfte ihres All-Time-Highs zu haben, das Ende 2020 erreicht wurde.

The Trade Desk Aktie Kurs Chart
The Trade Desk Aktienkurs Chart

Grund genug mit diesem Update der Frage nach dem Grund des Crashs nachzugehen und zu hinterfragen, ob die Aktie von The Trade Desk damit wieder eine attraktive Bewertung erreicht hat.

Die Ergebnisse zum ersten Quartal 2021

The Trade Desk konnte den Umsatz im ersten Quartal 2021 um 37 Prozent auf 220 Millionen Dollar steigern. Insbesondere das Video-Geschäft rund um die Werbung auf Streaming-Plattformen war mit weiterhin dreistelligen Zuwachsraten ein Wachstumstreiber.

Während das Non-GAAP Ergebnis (Adjusted EBITDA) im ersten Quartal 2021 bei einer Marge von 32 Prozent überproportional um mehr als 80 Prozent auf über 70 Millionen Dollar gesteigert wurde, war das GAAP-Nettoergebnis in absoluten Zahlen leicht rückläufig. Die Netto-Marge sank sogar deutlich von 15 Prozent im Vorjahresquartal auf gut 10 Prozent.

Der Grund dafür ist das Aktienoptionsprogramm für die Mitarbeiter. Dafür wurden 52 Millionen Dollar an Personalkosten verbucht, das ist mehr als doppelt so viel wie im ersten Quartal des Vorjahres. Die Anzahl der ausgegebenen Aktien steigerte sich gegenüber Vorjahr um 3 Prozent auf 49,792 Millionen.

The Trade Desk Mitarbeiter Aktien Übersicht
The Trade Desk Mitarbeiter Aktien Übersicht

Der Free Cashflow wird durch diese Aktienoptionen hingegen nicht belastet und betrug im ersten Quartal 61 Millionen Dollar oder 28 Prozent vom Umsatz.

Der Cashbestand des schuldenfreien Unternehmens betrug per Ende März komfortable 680 Millionen Dollar.

Aktiensplit

Zusammen mit den Ergebnissen zum ersten Quartal hat The Trade Desk seinen ersten Aktiensplit seit dem IPO bekannt gegeben. Alle, die am 9. Juni The Trade Desk Aktien halten, bekommen ab 16. Juni für jede Aktie in ihrem Portfolio 9 zusätzliche Aktien kostenlos eingebucht.

Die Anzahl der ausgegebenen Aktien wird sich also verzehnfachen, der Preis der Aktien sollte sich rechnerisch entsprechend um den Faktor 10 verringern. Alle Details zum Aktiensplit sind hier zum Nachlesen auf den Investor Relations Seiten zusammengestellt.

Die Gründe für den Crash der The Trade Desk Aktie

Steigerung der Profitabilität weniger als erwartet

Während TTD im ersten Quartal auf den ersten Blick die eigenen Erwartungen deutlich übertroffen hat, waren die Zahlen nach GAAP unterm Strich doch eher enttäuschend.

Investoren schauen im aktuellen Börsenumfeld auch bei High-Growth-Unternehmen wie TTD im Gegensatz zu den beiden Vorjahren wieder mehr auf die Profitabilität nach Berücksichtigung aller Kostenfaktoren. Und die war im ersten Quartal rückläufig.

Derzeit reagieren Investoren höchst empfindlich, wenn ein Unternehmen neben dem Umsatzwachstum nicht auch eine mindestens ebenso deutlich Steigerung der Profitabilität zeigen kann. Hoch bewertete Aktien werden in so einem Fall gnadenlos abgestraft. Der Crash war also absehbar – Valuation Matters in 2021!

Keine Guidance für das zweite Quartal

The Trade Desk sieht sich aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage, für das zweite Quartal eine Guidance für das GAAP-Ergebnis zu geben. Wie die meisten anderen Growth-Unternehmen auch beschränkt man sich darauf, pro forma-Zahlen zu prognostizieren. Das Adjusted EBITDA soll im zweiten Quartal mindestens 84 Millionen Dollar betragen.

Für das laufende zweite Quartal 2021 erwartet The Trade Desk einen Umsatz von gut 260 Millionen Dollar. Das ist 87 Prozent mehr als im Vorjahr, damals war das Geschäft heftig von der Corona-Krise getroffen worden. Dieses Wachstum wird sich in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der starken Erholung im Vorjahreszeitraum und der Einmal-Effekte aus der US-Wahl im vierten Quartal 2020 deutlich abschwächen.

Eine Umsatz-Guidance für das Gesamtjahr hat das Management aufgrund der hohen Unsicherheit nicht abgegeben. Das ist verständlich, aber wohl ein weiterer Grund für den Crash der TTD Aktie zum jetzigen Zeitpunkt. So wird wieder einmal deutlich, dass TTD eben kein SaaS Business mit gut planbaren wiederkehrenden Einnahmen ist.

Daher sollte die The Trade Desk Aktie trotz der vergleichbar üppigen Brutto-Margen über 75 Prozent auch nicht unbedingt so hoch bewertet werden wie ein erstklassiges SaaS Business. In den letzten Quartalen war das Gegenteil der Fall. Das EV/Sales Verhältnis betrug über 30. Wir hatten daher unsere Position der The Trade Desk Aktie im Portfolio wie hier beschrieben stark reduziert.

Die Bewertung der Aktie

TTD hat mit der Unified ID 2.0 (aktuell läuft die BETA-Phase) eine echte Alternative zu den ungeliebten Cookies geschaffen und sich geschickt als “Good Guy” in der Werbewelt neben den Walled Gardens positioniert.

Wir wollen langfristig weiter in diesem echten Digital Leader investiert bleiben. Sehr gerne würden wir unsere erheblich reduzierte Position an TTD zu einem fairen Preis wieder ausbauen. Denn wir sind angesichts der starken Positionierung von TTD im riesigen Online-Werbemarkt mehr denn je davon überzeugt, dass der CEO Jeff Green die Chance hat, TTD langfristig zu einem mehr als 100 Milliarden Dollar wertvollen Unternehmen weiterzuentwickeln.

Aktuell beträgt der Enterprise Value bei einem Aktienkurs von 460 Dollar ca. 22 Milliarden Dollar. Langfristig sollte TTD zu aktuellen Kursen also wieder ein gutes Investment sein.

The Trade Desk Aktie EV Sales

Andererseits wird auch nach dem Crash immer noch das 20-fache des für 2021 von Analysen erwartete Umsatzes bezahlt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2021 wird auf gut 70 geschätzt. Das ist immer noch teuer. Zu teuer für unseren Geschmack. Wir werden daher weiter auf günstigere Gelegenheiten warten, bevor wir The Trade Desk im Portfolio wieder höher gewichten.

Fazit

Seit Februar 2021 kehrt die Rationalität wieder an die Börsen zurück. Die Zeiten dreistelliger KGVs gehen damit erst einmal zu Ende. Solange die Sektor-Rotation hin zu Value-Aktien anhält, werden auch langfristig aussichtsreiche Titel wie The Trade Desk zu den kurzfristigen Verlierern am Aktienmarkt gehören.


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Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von The Trade Desk. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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