Yalla-Aktie: Findet das Cash-Polster den Weg zum Anleger?

7. September 2023

Das Geschäft lief auch im zweiten Quartal 2023 gut. Die neuen Spiele haben einen guten Start hingelegt, zumindest nach Anzahl der Downloads, aber zählbare Umsätze fallen noch nicht an. Das Cash-Polster ist inzwischen so fett, dass es beim aktuellen Kurs der Yalla-Aktie das operative Geschäft bald zum Nulltarif gibt. Wann zahlt Yalla endlich eine Dividende?

Yalla-Aktie: Zahlen zum zweiten Quartal

Die Zahl der Nutzer (Monthly Active User) betrug 34,2 Millionen und lag damit zum dritten Mal in Folge mit rund 3 Prozent über dem Niveau des ersten Quartals. Gegenüber dem Vorjahr waren es plus 13 Prozent. Das ist ordentlich, wenngleich nicht mit dem exponentiellen Wachstum aus Zeiten unserer Vorstellung der Yalla-Aktie vergleichbar. Allerdings stieg die Zahl der zahlenden User gegenüber dem ersten Quartal um 112.000 auf 13,5 Millionen, im Jahresvergleich sind das aber immerhin plus 44 Prozent.

Für Leser, die bei der Zahlenanalyse Jahresvergleiche gewohnt sind, der Hinweis, dass Yallas Geschäft wenig Saisonalität aufweist, weshalb wir die sequenziellen Quartalsvergleiche in den Vordergrund stellen – die wir aber auch um Vorjahresquartals-Vergleiche ergänzen, um die langfristige Entwicklung nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Umsatz stieg mit 79,2 Millionen um 4 Prozent im Jahresvergleich und 7 Prozent gegenüber dem relativ umsatzschwachen ersten Quartal des Jahres. Der Wert lag somit über der Guidance von 68 bis 75 Millionen und 1 Prozent über den Erwartungen.

Der stärkere Umsatz erklärt sich vor allem aus dem Chatting (55,2 Millionen Dollar vs. 50,4 Millionen im ersten Quartal. Wobei die Klassifizierung von Chatting unseres Erachtens irreführend ist, da ein Großteil der Umsätze auch hier aus Yalla Ludo, also Gaming resultiert). Der Gaming Umsatz stieg moderat von 23,1 auf 24 Millionen Dollar. Die zwei neuen Mid/Hardocre Spiele „Merge Kingdoms“ und „Age of Legends“ sind zwar jetzt live, aber noch zu klein, um im Umsatz sichtbar zu werden.

Der Reingewinn schoss aber den Vogel ab: 33,8 Millionen Dollar, 18 Prozent mehr als im Vorjahr, 32 Prozent mehr als im Vorquartal und 10 Prozent über den Erwartungen.

Das lag aber nicht hauptsächlich an der Kostenkontrolle, denn diese stiegen im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 57 Millionen Dollar. Technologie und Produktentwicklungskosten stiegen im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Spiele sogar um 24 Prozent. Die operative Marge sank leicht von 38,4 auf 37,1 Prozent.

Warum also der höhere Gewinn? Yalla hat ein mittlerweile 510 Millionen Dollar fettes Cash Polster aufgebaut und profitiert, wie bereits anlässlich unseres Updates zu Jahresbeginn vorgesagt, jetzt von der Rückkehr der Zinsen: 4,6 Millionen Dollar hat man im abgelaufenen Quartal verbucht, letztes Jahr waren es noch 176.000 Dollar, im Vorquartal immerhin schon 3,1 Millionen Dollar. Das Geschäft mit dem Sparschwein wirft also einiges ab.

Yalla-Aktie Kursverlauf
Yalla-Aktienkurschart von September 2022 bis September 2023

Positiv

Yalla veröffentlichte solide Zahlen. Neben dem operativen Gewinn erzielt das Unternehmen jetzt aber auch noch steigende Zinseinkünfte. Das Unternehmen gibt eine Umsatzprognose von 73 bis 80 Millionen Dollar. Das obere Ende schätzen wir als wahrscheinlich ein.

Die Downloadzahlen für die neuen Spiele sehen vielversprechend aus, im aktuellen Quartal sollen diese nun auch beworben werden: Das Budget liegt bei einer Million Dollar im zweiten Halbjahr. Nach Zahlen von Sensor Tower hat Yalla mit den aktuellen Spielen 500.000 Dollar Umsatz seit Mitte Juni eingespielt. Das ist nicht viel, aber ein ordentlicher Start.

Negativ

Der Pferdefuß: Yalla sollte unseres Erachtens angesichts der exzessiven Kapitaldecke endlich eine Dividende ausschütten oder wenigstens das bestehende Aktien-Rückkaufprogramm nutzen. Auch im vergangenen Quartal wurde keine einzige Yalla-Aktie zurückgekauft; angesichts des niedrigen Kurses sehen wir das als eine verpasste Chance.

In unserem letzten Gespräch mit dem CEO verwies er darauf, dass Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe im aktuellen Sentiment eher verpuffen würden. Zudem verweist das Unternehmen auf mehr Investitionen und auf mögliche M&A Opportunitäten. Das eine schließt das andere nicht aus. Yalla sollte mehr für den Aktienkurs tun. Immerhin waren die letzten Analysten Calls deutlich besser und prominenter besucht als noch vor einem Jahr – das lässt auf ein größeres Anlegerinteresse hoffen.

My Take zur Yalla-Aktie

Die Ergebnisse sind solide, auch wenn die neuen Spiele bisher in den Finanzzahlen noch nicht sichtbar sind. Für ein Fazit zum Erfolg der Newcomer ist es aber noch viel zu früh, das Marketing beginnt ja erst jetzt.

Die Yalla-Aktie reagierte lethargisch auf die guten Zahlen, vielleicht weil es an bedeutenden Neuigkeiten fehlt. Mit einem KGV von 7,5 für dieses Jahr bleibt Yalla attraktiv bewertet. Aber es kommt noch besser: Aktuell liegt der EV bei nur noch rund 100 Millionen Euro, das entspricht einem EV/EBIT von unter 4. Bei aktuellen Kursen und Cashflows würde Yalla innerhalb von einem Jahr einen negativen Enterprise Value erreichen.

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Disclaimer

Emerging Markets Digital Leaders und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Yalla. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Steffen Gruschka

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

Steffen Gruschka

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Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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