Alphabet Aktie: Was die neue Transparenz über das Unternehmen verrät

11. Februar 2020

Alphabet Aktie - Bild von Android Männchen

Die Aktie der Google-Mutter Alphabet ist seit dem Start unseres Fonds im März 2018 ein fester Bestandteil des Portfolios von The Digital Leaders Fund. Nach Vorlage der Geschäftszahlen für 2019 hat die Alphabet Aktie einen neuen Höchststand erreicht. Der Konzern ist damit an der Börse erstmals über 1 Billion USD wert.

Entwicklung der Alphabet Aktie seit 2018 bis heute
Entwicklung der Alphabet Aktie seit März 2018.

Der Google CEO Sundar Pichai steht nach dem Rückzug der Google-Gründer seit einigen Wochen auch an der Spitze des Mutterkonzerns. Pichai hat bei seinem Amtsantritt mehr Transparenz in den Geschäftszahlen versprochen, und er hat bei Vorlage des Geschäftsberichtes 2019 geliefert.

Erstmals können Analysten nun konkrete Umsatzzahlen der schnell wachsenden Geschäftsbereiche YouTube und Google Cloud bewerten. Diese Möglichkeit lassen wir uns nicht entgehen und werfen mit diesem Beitrag erstmals einen genaueren Blick auf die einzelnen Segmente:

Übersicht der Alphabet Zahlen in 2019
Umsatzzahlen von Alphabet je Geschäftsbereich.

Alphabet Geschäftszahlen 2019 – The Big Picture

Insgesamt ist der Umsatz bei Alphabet in 2019 um 18,3 Prozent auf $162 Milliarden angestiegen. Bereinigt um Währungseffekte hat das Wachstum 20 Prozent betragen und somit um 3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr verlangsamt. Das ist sehr respektabel angesichts der schieren Größe des Konzerns. Im 4. Quartal 2019 betrug der Umsatz $46,1 Milliarden, damit lag das Wachstum im Q4 mit 17 Prozent (beziehungsweise 19 Prozent währungsbereinigt) leicht unter dem Jahresdurchschnitt.

Das operative Ergebnis betrug im Q4 $9,3 Milliarden, das entspricht einer operativen Marge von 20 Prozent. Google selbst hat im Q4 mit 25 Prozent eine noch wesentlich bessere Marge erzielt. Belastet wird das Ergebnis nach wie vor von den “Other Bets”, deren operativer Verlust sich in 2019 nochmals auf $4,8 Milliarden ausweitete.

Der Free Cashflow von $8,4 Milliarden im Q4 vergrößerte den Cashbestand zum Ende des Jahres auf $120 Milliarden. In einem Jahr voller Investitionen in die Zukunft lag der Free Cashflow damit insgesamt bei $31 Milliarden beziehungsweise 19 Prozent des Umsatzes.

Das Netto-Ergebnis pro Aktie stieg in 2019 um 12,5 Prozent auf 49,16$.

Das in 2019 um 15 Prozent gewachsene Kerngeschäft rund um die Google Suche steht nach wie vor für den Großteil des Gesamtumsatzes. Der Umsatzanteil von Google Search (inklusive „Other“) betrug knapp 61 Prozent und ist damit in den vergangenen beiden Jahren nur um jeweils 1 Prozent gesunken. Trotz aller Bemühungen zur Umsatzdiversifikation besteht also nach wie vor eine große Abhängigkeit vom Suchgeschäft.

Grafik zeigt Umsatzverteilung von Alphabet in 2019
Umsatzverteilung von Alphabet in 2019.

2. Google Network (Ad Manager)

Wesentlich langsamer als das Kerngeschäft rund um die Google Suche wächst die Vermarktung von Werbeplätzen auf  Seiten von Drittanbietern außerhalb von Google. Die in diesem Segment (Google Network) ausgewiesenen $21,5 Milliarden bedeuten nur noch 13,3 Prozent vom Gesamtumsatz. Das Wachstum gegenüber dem Vorjahr betrug nur 7 Prozent. Im Jahr 2008, nach der Übernahme von Doubleclick, hatte dieser Bereich noch einen Anteil 31 Prozent am Gesamtumsatz.

Diese Entwicklung zeigt, dass unabhängige Alternativen wie The Trade Desk gegenüber der Google-eigenen Demand-Side-Plattform (DSP) an Boden gewinnen. Dieses Geschäft rund um den Google Ad Manager (ehemals Doubleclick) ist für Google ohnehin strategisch weniger interessant, da man circa 70 Prozent des Umsatzes an die Content-Lieferanten als Netzwerkpartner weitergibt.

Der wachsende regulatorische Druck hat einem Bericht des Wall Street Journal zufolge einige Google-Führungskräfte dazu veranlasst, intern darüber zu diskutieren, ob das Unternehmen die Veräußerung dieses Geschäftes zur Vermarktung der Werbeflächen von Drittanbietern in Betracht ziehen sollte. Der Verkauf der Google-eigenen DSP würde keinen großen Schaden für die Bilanz bedeuten, und man würde damit wesentlich weniger Angriffsfläche für Regulatoren bieten.

Einem möglichen Verkauf im Wege stehen dürften technologische Hürden, denn der Ad Manager ist tief in die Google Infrastruktur und andere Dienste integriert und müsste für einen Verkauf zunächst recht aufwendig herausgelöst werden.

3. YouTube

Mit der Videoplattform YouTube hat Google in 2019 einen Werbeumsatz in Höhe von $15 Milliarden erzielt. Das sind zwar nur 9,4 Prozent vom Gesamtumsatz und damit weniger als erwartet, aber dieser Umsatzstrom ist in 2019 dynamisch um 36 Prozent (Q4 31 Prozent) gewachsen. Doch YouTube ist für Google noch wichtiger als es diese Zahlen aussagen. Denn in diesen Umsätzen nicht enthalten ist das Geschäft aus den mittlerweile über 20 Millionen YouTube-Subskriptionen. Diese werden unter den anderen sonstigen Google-Umsätzen ausgewiesen (“Google Other“) und stehen für eine Runrate von weiteren $3 Milliarden Umsatz.

1,9 Milliarden Menschen nutzen jeden Monat YouTube. Diese Zahl hat YouTube CEO Susan Wojcicki in 2018 hier kommuniziert und Analysten gehen davon aus, dass sie sich seitdem nur unwesentlich verändert hat. Das heißt Google erzielte einen Werbeumsatz von circa 8$ pro YouTube User in 2019. Dieser Wert soll zukünftig wesentlich erhöht werden, indem man Werbekunden mehr und mehr die Möglichkeit gibt, direkte Antwortmöglichkeiten in ihre YouTube-Werbung zu integrieren.

Derartige „Direct Response“ Formate umfassen heute schon zum Beispiel das Abonnieren von Newslettern, den Download einer App o.ä. und verzeichnen wesentlich schnelleres Wachstum als die bisher auf YouTube üblichen reinen Werbespots für Branding-Zwecke.

4. Google Cloud

Das Segment Google Cloud ist in 2019 um 53 Prozent (Q4 53 Prozent) auf knapp $9 Milliarden Umsatz gewachsen und steht damit aktuell für 5,5 Prozent des Gesamtumsatzes.

Wir hatten in unserem letzten Beitrag zu Google im Mai 2019 orakelt, dass der neue Google Cloud CEO Thomas Kurian auf Einkaufstour gehen würde. Tatsächlich hat man seitdem mit Looker, Elastifile, CloudSimple und AppSheet etliche Technologien für die Google Cloud Plattform zugekauft. Die Akquisition eines größeren Cloud-Anbieters, der direkt einen für Google nennenswerten Umsatzstrom beisteuern könnte, steht allerdings nach wie vor aus.

Mit einem Cashbestand von $120 Milliarden ist Alphabet denkbar gut auf anorganisches Wachstum vorbereitet, und wir erwarten wesentlich größere Übernahmen als 2019 in der Zukunft. Allerdings halten wir die im Forbes-Magazine verbreitete Spekulation über eine mögliche Übernahme von Tesla – unabhängig von der möglichen Finanzierung eines solchen Deals – für unrealistisch.

In den Umsätzen von Google Cloud enthalten sind neben der GCP (Google Cloud Platform) weitere Angebote wie die Google GSuite als Alternative zu Microsofts Office 365. GCP selbst wächst als Alternative zu Amazons AWS und Microsoft Azure nach Aussage des Management noch wesentlich schneller als die für das Segment ausgewiesenen 53 Prozent und gewinnt damit Marktanteile hinzu im boomenden Markt für IaaS (Infrastruktur as a Service). Die GCP-Vertriebsmannschaft wird derzeit unter der Ägide von Thomas Kurian bis 2022 verdreifacht.

Die Go2Market-Strategie sieht sogar die Ansprache der Fachabteilungen durch Branchenlösungen vor. GCP verhält sich damit mehr und mehr wie ein klassischer Enterprise Software Hersteller. All das kostet zunächst viel Geld, die Margen von GCP werden derzeit wohlweislich auch nicht getrennt ausgewiesen.

Stattdessen hat man eine beeindruckende Zahl zum Auftragsbestand von GCP bekanntgegeben. Das Backlog beträgt $11,4 Milliarden, das sind 128 Prozent des letzten Jahresumsatzes. Somit schließen immer mehr Kunden langfristige Großverträge mit GCP ab.  Google kann damit durchaus als ernstzunehmender Herausforderer von AWS und Azure betrachtet werden.

5. Other Bets

Der Umsatz der “Other Bets“ außerhalb von Google ist mit $659 Millionen immer noch zu vernachlässigen. Das Wachstum dort war mit nur 11 Prozent schwach. Das Investitionstempo bei Waymo, Verily + Co. wurde nochmals erhöht. Diese “Other Bets” haben in 2019 einen operativen Verlust von $4,8 Milliarden verursacht gegenüber $3,4 Milliarden in 2018.

Bewertung der Alphabet Aktie

Seitdem wir im Februar 2019 letztmals die Bewertung der Alphabet Aktie betrachtet hatten, hat sich das Bild und auch die Bewertung nicht wesentlich verändert: “Ein aktuelles KGV (forward) von 27 und auch das EV/Sales-Verhältnis von mehr als 5 deuten zunächst mal angesichts eines Wachstums von circa 20 Prozent p.a. nicht unbedingt auf eine Unterbewertung hin.“

Entwicklung des KGV der Alphabet Aktie
Bewertung der Alphabet Aktie – Entwicklung KGV auf aktuell 27; Quelle: aktien.guide

Die Alphabet Aktie notiert aktuell auf historischen Höchstständen und ist sicher kein Schnäppchen. Aber der Kursanstieg ist fundamental gut begründet. Wir haben wenig Zweifel daran, dass es Sundar Pichai und seinem Team auch in den kommenden Jahren gelingen wird, weiteren Mehrwert für uns Alphabet-Aktionäre zu schaffen.

Die Alphabet Aktie bleibt damit ein Basisinvestment im Portfolio von The Digital Leaders Fund. Wenn Du die weitere Entwicklung von Google + Co. gemeinsam mit uns beobachten willst, dann kannst Du hier unseren – natürlich kostenlosen – Newsletter abonnieren.


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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