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DocuSign Aktie im Corona Rausch

16. Juni 2020

DocuSign Aktie Corona Rausch - Mann mit Mundschutz und Handschuhen hält iPad und Stift zur digitalen Unterschrift

Vor mittlerweile 9 Monaten hatten wir zuletzt über einen Wachstumssprung bei DocuSign berichtet. Damals stand der Aktienkurs bei 58$, das Unternehmen war $11 Milliarden schwer.

Seitdem kennt der Kurs der DocuSign-Aktie praktisch nur eine Richtung. Die Aktie hat nach Vorlage von herausragenden Zahlen in der Corona-Krise neue Höchstkurse über 150$ erreicht. Das Unternehmen wird nun mit über $27 Milliarden bewertet.

In den vergangenen Tagen kam zusätzlich die Nachricht, dass DocuSign am 22. Juni 2020 in den NASDAQ 100 Index aufgenommen wird und dort die Aktie der altehrwürdigen United Airlines ablöst. Könnte es ein deutlicheres Zeichen für den Digitalisierungssprung geben, den wir alle gerade erleben?

Entwicklung der DocuSign Aktie im Corona Rausch

Bei aller Freude über die tolle Entwicklung wollen wir mit diesem Beitrag kritisch überprüfen, ob die DocuSign-Aktie im Portfolio von The Digital Leaders Fund auch weiterhin haltenswert ist.


Die Zahlen zum Q1 FY21

DocuSign konnte den Umsatz im 1. Quartal des bis zum 31.01.2021 laufenden Geschäftsjahres (FY21) um +39 Prozent auf $297 Millionen steigern. Nach wie vor entfallen 95 Prozent des Umsatzes auf gut planbare Software-Subskriptionen.

Der Umsatzzuwachs im Q1 war auch in dieser Höhe wenig überraschend und die Steigerungsrate war vergleichbar mit dem Vorjahr, als DocuSign im Gesamtjahr FY20 ebenfalls um 39 Prozent gewachsen war.

Die eigentliche positive Überraschung zeigte sich in den Billings. Diese Kennzahl, die wesentlich besser als der Umsatz das neu abgeschlossene Geschäft beschreibt, stieg spektakulär um +59 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf $342 Millionen.

Entwicklung der Umsatzzahlen von DocuSign

Die Bruttomarge lag weitgehend unverändert bei 79 Prozent (non-GAAP) beziehungsweise 75 Prozent (GAAP). Dennoch konnte die operative Profitabilität gesteigert werden. Denn die Vertriebs- und Marketingkosten sind ebenso wie die  allgemeinen Verwaltungskosten wesentlich langsamer als der Umsatz gestiegen. In der Folge stieg die operative Marge (Non-GAAP) von 5 Prozent auf 8 Prozent.

Der operative Cashflow stieg um 29 Prozent auf $59 Millionen, der Free Cashflow kam wesentlich langsamer um 8 Prozent auf $30,4 Millionen voran. Das entspricht einer Free Cashflow-Marge von 10 Prozent. Damit errechnet sich ein Rule-of-40 Score von 49 Prozent.

Unterm Strich steht nach GAAP allerdings wie bei vielen High-Growth-Unternehmen üblich noch weiterhin ein Verlust i.H.v. 0,26$ pro Aktie.

Am 30.4. verfügte DocuSign über einen Cashbestand (inkl. kurzfristigen Investments) von $758 Millionen.

Erhöhung der Guidance für FY21

Im Gegensatz zu vielen anderen Softwarefirmen traute sich DocuSign inmitten der Corona-Krise nicht nur eine Guidance für das laufende FY21 zu. Man hat diese sogar deutlich erhöht gegenüber den vor 3 Monaten veröffentlichten Erwartungen:

  • Der Umsatz soll nun circa $1,315 Milliarden betragen, das entspricht einem Wachstum von 35 Prozent gegenüber einem Umsatz von $974 Millionen im FY20.
  • Die Billings sollen um 39 Prozent auf circa $1,525 Milliarden ansteigen.
  • Die operative Marge soll bei 7 Prozent (non-GAAP) liegen.

Ich denke angesichts der für das Q1 vorgelegten Zahlen für die Billings, dass auch diese deutlich erhöhte Guidance noch eine gehörige Portion Vorsicht bzw. Understatement beinhaltet. Wir gehen davon aus, dass sich das Umsatzwachstum für das Gesamtjahr FY21 sogar nochmals auf über 40 Prozent p.a. beschleunigen wird.

Neukundengeschäft im Corona-Rausch

Die im Q1 vorgelegte atemberaubende Steigerung der Billings kam durch ein unglaublich gutes Neugeschäft zustande. Die Corona Krise hat offenbar die Neukundengewinnung angefeuert. Es wurden 68.000 neue Kunden in nur 90 Tagen registriert. Das sind mehr als 750 neue Kunden an jedem einzelnen Tag, selbst wenn man Sonn- und Feiertage mitrechnet.

Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur, dass DocuSign einer der großen Gewinner der Corona-Krise ist, sondern auch dass das Geschäftsmodell bestens skaliert. 10.000 dieser Neukunden sind Direktkunden. Diese erfolgreich zu bedienen ist nur möglich, wenn man über erstklassige digitale Prozesse verfügt. Der überwiegende Teil der Neukunden (58.000 im Q1) kommt ohnehin entweder im Selbstbedienungsmodell oder über Softwarepartner wie SAP, Salesforce oder Microsoft zu DocuSign. Das Unternehmen hat nun mehr als 661.000 aktive Kunden!

Anstieg der Neukundenzahl von Docusign

Mindestens genauso wichtig wie die schiere Anzahl von überwiegend kleinen Kunden ist der erfolgreiche Fokus des eigenen Vertriebs auf Großkunden. So stieg die Anzahl der DocuSign-Kunden mit jährlichem Umsatz von mehr als 300.000$ um 46 Prozent auf 473.

Die Entwicklung des Neukundengeschäftes deutet in allen Kundensegmenten gemeinsam mit einer DBE (Dollar-Based-Expansion Rate) von 119 Prozent auf ein enormes Potential für die kommenden Jahre hin. Diese Kennzahl bedeutet, dass die Geschäfte mit Bestandskunden zuletzt um 19 Prozent gewachsen sind.

Die Ursachen der Wachstumsbeschleunigung

DocuSign profitiert davon, dass seine Lösungen quer über alle Branchen hinweg nachgefragt werden. Denn der Trend zu elektronischen Unterschriften macht nicht vor einzelnen Sektoren halt. Auch der öffentliche Dienst und die Banken entdecken zumindest in USA die DocuSign-Vorteile in der Corona-Krise für sich. So werden mit DocuSign in einigen US-Bundesstaaten die Zahlung von  Arbeitslosengeld quittiert. Bei einer Bank konnten in der Krise 500.000 Darlehensanträge innerhalb einer Woche bearbeitet werden, 75 Prozent davon waren innerhalb 24 Stunden unterzeichnet.

Wenn man in der Corona-Krise einen Vertrag unterschreiben wollte, dann kam man ja mangels Möglichkeit zum persönlichen Treffen um eine elektronische Signatur kaum herum. DocuSign bietet seinen Anwendern seit Jahren die Möglichkeit, alle Arten von Verträgen und Vereinbarungen aus der Ferne zu initiieren, zu verhandeln und zu unterschreiben. Das sind seit jeher die Basisfunktionalitäten der DocuSign Plattform.

Diese haben sich in den letzten Jahren seit dem IPO funktional jedoch wesentlich weiterentwickelt. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt die Akquisition von SpringCM und der Launch der Document Agreement Cloud. Mittlerweile wird in Zusammenarbeit mit Payment-Plattformen wie Stripe auch die Bezahlung über DocuSign Payments mit angeboten.

Wie nachhaltig ist dieses durch die Corona-Krise beschleunigte Wachstum?

Wir sind überzeugt davon, dass der Trend zur digitalen Unterschrift unumkehrbar ist. Diesen Trend gab es im Zuge der Digitalisierung schon seit Jahren, er wurde durch den Corona-Digitalisierungssprung aber nun wesentlich beschleunigt. Auch wenn die Corona-Krise hoffentlich in den kommenden Jahren beherrschbar sein wird, werden die Menschen nicht zur papierbasierten Unterschrift zurückkehren. Warum sollten Sie? Wer einmal die Vorteile kennengelernt hat, der wird nicht mehr auf die Geschwindigkeit und Transparenz der digitalen Prozesse verzichten wollen.

Wettbewerbssituation von Docusign

Bleibt die Frage nach der Position von DocuSign im Wettbewerb. Mit Adobe steht ein übermächtig erscheinender Gegner im Mittelpunkt der Wettbewerbsanalyse. Und mittlerweile hat man auch bei Adobe erkannt, dass e-Signatur ein durchaus lohnenswertes Geschäftsfeld ist.

Der klare Marktführer ist mit seinen 661.000 zahlenden Kunden aber DocuSign. Mehrere hundert Millionen Menschen haben inzwischen eine Vereinbarung „docusignt“ –  das Unternehmen hat damit einen echten defakto-Industriestandard durchgesetzt.

Ob das technisch gerechtfertigt ist oder ob nicht etwa Adobe mit seinem Konkurrenzprodukt ebenbürtig ist, sei dahingestellt. Nach Zahlen von Sensor Tower wurden die DocuSign-App seit Jahresbeginn 2020 2,4 Millionen mal heruntergeladen, Adobe Sign lediglich knapp 150.000 mal. Die Kunden haben sich also schon längst entschieden.

Bewertung der DocuSign Aktie

Nach soviel positiven Fakten ist es Zeit, auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Als wir vor 9 Monaten zuletzt über DocuSign geschrieben hatte, da lag das EV/Sales Verhältnis auf Basis der Zahlen zum FY20 bei circa 10. Wir hatten das damals als fair eingeschätzt.

Nun hat  das Unternehmen für das FY21 ein EV/Sales Verhältnis von circa 20. Das ist ein Premium-Preis für ein Premium-Unternehmen – um es vorsichtig auszudrücken.

Entwicklung von EV/Sales Verhältnis von DocuSign

Es gibt gute Gründe für die höhere Bewertung: mittlerweile ist für die Unternehmensentwicklung ein Best-Case Szenario auch dank des Rückenwinds durch das Corona-Virus eingetreten. Das Neukundenwachstum ist auf einem unglaublich hohen Niveau. DocuSign ist ein phantastisch geführtes Unternehmen mit einer großartigen Zukunft.

Dennoch ist der Preis der DocuSign Aktie zu hoch und verlangt nach einer Konsolidierung. Die aktuelle Bewertung macht die DocuSign Aktie daher nur zu einem guten Investment für extrem langfristig orientierte Investoren.

Wir halten nun  eine relativ kleine Position im Portfolio von The Digital Leaders Fund und werden geduldig auf bessere Einstiegspreise warten, um unseren Anteil bei entsprechender Gelegenheit zu vergrößern.


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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von DocuSign. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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4 Antworten

  1. Saleforces hat jetzt S-docs entwickelt. In der Fa. meiner Frau haben die früher mit docusign gearbeitet, jetzt nicht mehr. Angeblich ist s-docs besser und einfacher zu bedienen. Darf ich eine Meinung dazu fragen?

    1. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um die Integration der DocuSign-Funktionalität direkt in die SalesForce-UX (also OEM). Salesforce ist aufgrund solcher Integrationen – wie z.B. auch SAP – ein wichtiger Vertriebspartner für DocuSign.

  2. Zu DocuSign: Die verdienen doch noch keinen Cent: ganz im Gegenteil. Auch die sind doch auch nur mit Positivmeldungen nach oben gepusht worden. Die ereilt das gleiche Schicksal wie Wirecard, wobei Weihercard bereits gut verdient hat. Falsche Fünfziger in einem Unternehmen mit einen solchen Geschäftsmodell wie Wirecard gibt es immer. Leider kommt dadurch das ganze Unternehmen in Misskredit. Und die Investoren zahlen die Zeche.

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