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Elastic Aktie: Mit neuer Produktstrategie zu neuen Höhen?

9. Juni 2020

Elastic Aktie neue Produktstrategie - Rakete startet mit viel Dampf in den Sternenhimmel

Als wir im Dezember 2019 zuletzt hier im Blog über die Elastic Aktie berichtet haben, mussten wir einen 30 Prozent Kurssturz nach den Halbjahresergebnissen des im April 2020 beendeten Geschäftsjahres verarbeiten.

Im Zuge des Corona-Crashs war die Elastic Aktie sogar zu Kursen unter 45$ zu haben, bevor sie sich – wie viele andere Softwaretitel auch – in den vergangenen Monaten rasant bis auf aktuell 87$ erholt hat. Das All-Time-High vom Sommer 2019 ist damit in greifbare Nähe gerückt.

Entwicklung der Elastic Aktie vor während und nach der Corona Krise

Die gerade vorgelegten Ergebnisse zum Ende des Fiskaljahres 2020 (FY20) sind eine gute Gelegenheit für ein Update zum Elastic Investment Case, den wir bereits ausführlich vorgestellt hatten.


Die Elastic Geschäftszahlen im FY20

Elastic beendete das FY20 im April mit einer Umsatzsteigerung von +57 Prozent auf $427,6 Millionen. Bereinigt um Währungseffekte hätte das Wachstum gar +60 Prozent betragen.

Im Q4 stieg der Umsatz um 53 Prozent (+57 Prozent ohne Währungseffekte) auf $123,6 Millionen.

Die Q4 Billings, welche die Umsatztendenz in den kommenden Quartalen anzeigen, stiegen um 52 Prozent auf $175,1 Millionen.

Per Ende April stiegen die Deferred Revenues (nicht realisierten Umsätze) in der Bilanz um +52 Prozent auf knapp $260 Millionen. Die RPO (Remaining Performance Obligations) stiegen ebenfalls um 52 Prozent beziehungsweise $535,6 Millionen.

Somit wurden Geschäfte i.H.v. mehr als einem Jahresumsatz von Elastic abgeschlossen, aber noch nicht als Umsatz verbucht! Das ist insbesondere deswegen erstaunlich, da das schnell wachsende “consumption-based” SaaS-Geschäftsmodell bei Elastic keine Deferred revenues oder RPO kennt, da die Kunden ihre Gebühren je nach Konsumierung der Ressourcen zahlen.

Beeindruckend ist die Internationalität für ein Softwareunternehmen dieser Größenordnung: im Q4 wurden 42 Prozent des Umsatzes außerhalb der USA erzielt.

Elastic betreut mittlerweile mehr als 11.300 zahlenden Kunden, davon sind 610 Großkunden, die eine Subskription mit einer Gebühr von mehr als 100k p.a. zahlen. Alleine im Q4 ist die Anzahl der Kunden um 800 gestiegen. Die viel beachtete Net Expansion Rate beträgt weiterhin mehr als 130 Prozent.

Elastic ist kein reinrassiger Cloud-Software-Anbieter. Nach wie vor nutzen sehr viele Kunden die Elastic-Software aus dem eigenen Rechenzentrum heraus (on-premises).

Noch viel schneller als der Gesamtumsatz wächst allerdings der SaaS-Umsatz: im Q4 wurde hier eine Steigerung um über 100 Prozent auf $29 Millionen realisiert. Insgesamt erzielte Elastic im FY20 einen SaaS-Umsatz i.H.v. $92,3 Millionen SaaS-Umsatz, das sind 22 Prozent des Gesamtumsatzes.

Übersicht der Umsatzzahlen von Elastic im Q4 FY2020
Übersicht der Umsatzzahlen von Elastic im Q4 FY2020.

Die Bruttomarge steigt seit einigen Quartalen stetig um etwa 1 Prozentpunkt pro Quartal auf zuletzt 76 Prozent.

Immer noch wird weit überdurchschnittlich viel Geld für die Entwicklung und die Umsetzung der ehrgeizigen Produktstrategie ausgegeben, auf die wir noch im weiteren Verlauf dieses Beitrags zu sprechen kommen werden. 33 Prozent des Umsatzes im Gesamtjahr 2020 werden damit direkt in den organischen Ausbau des geistigen Eigentums investiert.

Trotz aller Investitionen kommt die Entwicklung der Profitabilität endlich voran. Im Q4 betrug die operative Marge -10 Prozent. Im Gesamtjahr FY 20 betrug die negative operative Marge noch -18 Prozent.

Diesen Fortschritt erkennt man auch beim Cashflow: im Q4 betrug der Cashburn noch -$6,8 Millionen bei einer negativen Free Cashflow Marge von -5,5 Prozent. Im Gesamtjahr betrug die FCF-Marge -8 Prozent gegenüber -10 Prozent im Vorjahr. Die Verbesserung wäre ohne die Akquisition von Endgame sicherlich noch viel deutlicher ausgefallen.

Der Cashbestand belief sich Ende April 2020 auf $297 Millionen. Damit ist das Unternehmen auskömmlich finanziert. Die immer wieder mal von Analysten geäußerten Bedenken, Elastic wäre von einer Anschlussfinanzierung abhängig, kann ich nicht nachvollziehen. Dennoch ist es natürlich nicht unwahrscheinlich, dass sich das Unternehmen zu den mittlerweile wieder interessanten Kursen zusätzliches Geld (wahrscheinlich in Form einer Wandelanleihe) besorgt.

Elastic Guidance für das FY21

Im Gegensatz zu vielen anderen Softwarefirmen hat sich das Elastic Management auch in der laufenden Corona-Krise eine Guidance für das im Mai gestartete FY21 zugetraut.

Ein mutiger Schritt? Hier die Planzahlen:

  • Der Umsatz soll im Q1 um +34 Prozent auf circa $121 Millionen steigen, die operative Marge bei -11 Prozent landen.
  • Im Gesamtjahr FY21 soll der Umsatz nur noch um +25 Prozent auf $535 Millionen steigen, die geplante operative Marge wird mit -14 Prozent angegeben.

Diese Guidance, insbesondere für das Gesamtjahr, ist enttäuschend und würde bedeuten, dass der für uns so wichtige Rule-of-40 Score, der derzeit im Q4 FY20 noch über 50 Prozent betragen hatte, im FY21 ziemlich plötzlich auf einen Wert von unter 30 Prozent fallen würde. Damit wäre die Elastic Aktie dann wohl ein Verkaufskandidat.

Bleibt die Frage, wie diese schwache Guidance zustande kommt?

  • Liegt es an einem enttäuschenden Pipeline-Aufbau im Q4? Diese konkrete Frage wurde im Analystencall vom Elastic Management verneint.
  • Ist das etwa das im Vertrieb so beliebte “Sandbagging”, um die Erwartungen der Analysten gering zu halten und die Basis für eine Serie von Beat+Raise Quartalen im FY21 zu schaffen?
  • Hat man Angst, dass in der Corona-bedingten Rezession IT-Budgets zusammengestrichen werden  und die Sales-Zyklen sich verlängern?
  • Oder ist das Elastic Management von seiner Grundhaltung her einfach nur super vorsichtig?

Wahrscheinlich enthält die Antwort von all dem etwas. Sicherlich hatte Elastic im Mai nur schwache Geschäftsabschlüsse zu verzeichnen. Aber jeder, der schon mal Enterprise Software verkauft hat, kennt das: im ersten Monat eines neuen Geschäftsjahres geht erstmal nix, das war auch schon vor Corona so und ist zumindest für mich weder eine Überraschung noch eine nennenswerte Erkenntnis und schon gar keine Tendenz.

Keine zufriedenstellende Erklärung gab es auch auf Nachfrage vom CFO Janesh Moorjani:

“In terms of how that factors into the guidance, as I said, we looked at various different scenarios in terms of where those headwinds might arise. It can come from a number of different areas; we will have to just monitor that as the overall economic environment unfolds.“

Janesh Moorjani, CFO Elastic

Die gegebene Guidance überrascht auch, da das Management auf Sparmaßnahmen verzichten will. Dennoch soll sich die operative Marge auch im FY21 weiter in Richtung Break-Even verbessern. Wenn es tatsächlich einen Einbruch beim Wachstum geben würde, dann müsste man beim Kostenmanagement anders agieren, um dieses Ziel zu erreichen.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich wäre sehr überrascht, wenn das Umsatzwachstum bei Elastic am Ende des FY21 weniger als 30 Prozent beträgt.

Die neue Elastic Produktstrategie

Elastic arbeitet derzeit mit aller Macht daran, sich vom ehemaligen One-Trick-Pony (Enterprise-Search-Engine) zu einem Lösungsanbieter mit einem umfangreichen Produktportfolio weiterzuentwickeln.

Die Produktstrategie sieht vor, drei unterschiedliche  Lösungen aus ehemals getrennten Softwaresegmenten erstmals auf einem einzigen Software-Stack anzubieten. Weitere Alleinstellungsmerkmale soll die Flexibilität beim Deployment sowie das einfache und einheitliche ressourcen-basierte Pricing sein.

Ein flexibles Deployment bedeutet, dass die Elastic-Lösungen sowohl von Elastic in der Public Cloud als auch vom Kunden selbst im eigenen Rechenzentrum betrieben werden können. Konkret ist die Elastic Cloud mittlerweile verfügbar auf Amazons AWS, Microsoft Azure, der Google Cloud Plattform (GCP), Tencent Cloud und Alibaba.

Neue Produktstrategie von Elastic - 3 Angebote Enterprise Search Observability und Security in der Übersicht
Neue Produktstrategie von Elastic: Die 3 Angebote “Enterprise Search”, “Observability” und “Security”; Quelle: Elastic.

Die drei von Elastic angebotenen Lösungen sind:

Der klassische Elastic Use-Case rund um die weltweit führende Enterprise Search-Engine beinhaltet jetzt unter dem Namen “Elastic Workplace Search“ die Suche in zahlreichen Produktivitätstools wie Microsoft Office 365, G-Suite, Slack, Salesforce, GitHub u.a.

D.h. Kunden sind mit Elastic damit jetzt in der Lage, recht einfach eine umfassende Suche über ihren gesamten Arbeitsplatz ihrer Mitarbeiter hinweg zu ermöglichen. Google arbeitet dabei besonders eng mit Elastic zusammen. Das neue Workplace Search Produkt kann sogar direkt über den Google Cloud Marketplace als Ergänzung der G-Suite Subskription von Google gekauft werden.

Observability

Das Segment der Observability Software ist noch relativ jung und ist eine Weiterentwicklung früherer Monitoring-Systeme für das Zeitalter der verteilten Systeme. Der aktuelle Marktführer ist Splunk.

Die Elastic Suche wird bereits heute von einer Vielzahl von Kunden dazu eingesetzt, um in Logfiles und/oder APM-Daten (Application Performance Management) nach Auffälligkeiten zu suchen. Kunden können damit Systeme überwachen, Auffälligkeiten erkennen und schnell auf Ereignisse reagieren.

Security

In einem früheren Beitrag hatten wir schon erläutert, wie Elastic durch die Akquisition von Endgame am boomenden Security Markt partizipieren möchte. Bereits verfügbar ist die Elastic SIEM-Lösung für Security Information and Event Management (SIEM), um Angriffe zu entdecken (Threat Hunting). Noch in der Entwicklung sind die auf der Endgame-Technologie basierenden Komponenten für Endpoint Security. Damit wird Elastic dann auch im boomenden Endpoint-Secuity-Markt aktiv, in dem derzeit CrowdStrike für Furore und reichlich Disruption sorgt.

Elastic bietet auf Basis dieser Produktstrategie erstmals in der Softwareindustrie Lösungen für Enterprise Search, Logfile/APM Monitoring und Security zusammen auf einer einzigen Plattform an.

Das ist ungewohnt für Kunden, denn in Großunternehmen sind oftmals unterschiedliche Leute für die verschiedenen Lösungen zuständig. Das macht den Vertrieb natürlich nicht einfacher. Aber Elastic bietet seinen Kunden damit in Zukunft eine attraktive und kostensparende Möglichkeit, verschiedene Softwarelieferanten  zu konsolidieren.

Die zentrale Frage wird sein, ob die Elastic Lösungen für Observability und Security gut genug sein werden, um die hochspezialisierten Lösungen der etablierten Hersteller zu ersetzen.

Ein großes Argument für Elastic werden im direkten Vergleich zukünftig wohl die Kosten sein. Denn die Spezialisten für APM und Logfile-Monitoring waren genauso wie die Endpoint-Security-Spezialisten sehr kreativ darin, sich „gut skalierende“ Preismodelle auszudenken, die beim Kunden in immer größere Rechnungen resultieren.

Aber Elastic hingegen bepreist seine Lösungen grundsätzlich nach den vom Kunden verbrauchten Ressourcen wie Speicher oder Computer-Power.

Elastic neue Produktstrategie - Pricing der 3 Angebote

Elastic mit neuer Produktstrategie – Fazit

Elastic steht unserer Meinung nach immer noch am Anfang der Unternehmensentwicklung. Es gibt im Unternehmen eine große Vision, nicht zuletzt aufgrund eines innovativen Preismodells gleich mehrere Softwaresegmente zu disrupten.

Ob dies letztendlich erfolgreich umgesetzt werden kann, ist noch unsicher. Aber eine gute Basis ist mit einer einheitlichen Architektur geschaffen. Die nach wie vor extrem hohen Investments in Forschung und Entwicklung sind ein Beleg dafür, wie hoch die Ambitionen des Managements sind, eine wirklich homogene Plattform zu schaffen.

Elastic hat mit Shay Banon nach wie vor einen visionären Gründer als CEO, der laut Glassdoor-Ratings die Unterstützung von mehr als 90 Prozent seiner Mitarbeiter hat. Eine so hohe Mitarbeiterzufriedenheit ist für ein Softwareunternehmen in dieser schwierigen Phase seiner Entwicklung in den ersten Jahren nach dem IPO ein extrem guter Wert.

Entwicklung EV:Sales Verhältnis Elastic

Die Elastic Aktie wird aktuell zu einem EV/Sales Verhältnis von 12-13 (auf Basis der erwarteten Umsätze des laufenden FY21) gehandelt. Das ist nach der fast 100 Prozent Kursrallye in den letzten Monaten kein Schnäppchen mehr. Aber dieser Preis ist auch nicht völlig überteuert wie bei vielen anderen Cloud-Aktien. Die Elastic-Aktie bleibt daher weiterhin einer der Digital Enabler im Portfolio von The Digital Leaders Fund.

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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Elastic. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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