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Facebook trotzt Boykotten und Pandemie

31. Juli 2020

Facebook trotzt Boykotten und Pandemie

Facebook hat gestern Abend nachbörslich beeindruckende Zahlen für das zweite Quartal 2020 präsentiert. Die Umsätze konnten inmitten der Pandemie um 11 Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar gesteigert werden. Der operative Gewinn legte um 19 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar zu. Die operative Marge lag im zweiten Quartal bei 32 Prozent.

Die Anzahl der täglich aktiven Nutzer stieg 12 Prozent auf 1,79 Milliarden Menschen. Die Anzahl der monatlich aktiven Kunden stieg ebenfalls 12 Prozent auf nun 2,7 Milliarden.

Facebook Monthly Active Users
Entwicklung der Anzahl an monatlich aktiven Nutzern (Quelle: Facebook)

Zusammen mit den Messengerdiensten hat Facebook nun 3,14 Milliarden monatlich aktive Kunden (family monthly active people). Das ist eine Steigerung von 14 Prozent gegenüber Vorjahr. Das Kundenwachstum und -Engagement ist natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass viele Menschen zum Homeoffice verdonnert waren. Für das dritte Quartal erwartet Facebook keine weitere Steigerung bei den Nutzerzahlen.

Der Umsatz pro Kunde (ARPU) steig auf 7,05 Dollar. Erwartet waren 6,63 Dollar.

Facebook Umsatz pro Kunde (ARPU)
ARPU Entwicklung: Umsatz pro Kunde (Quelle: Facebook)

Der Cashbestand lag Ende Juni bei 58 Milliarden Dollar. Davon sind 5,8 Milliarden Dollar Anfang Juli in Jio Platform Limited investiert worden.

Facebook wird die Investitionsausgaben, insbesondere die Modernisierung der Rechenzentren noch dieses Jahr stärker vorantreiben. Die Investitionsausgaben werden daher eher am oberen Ende der Prognose, nämlich 16 Milliarden Dollar liegen. In Q2 hat Facebook zudem die Zahl der Mitarbeiter um 4.200 bzw. 32 Prozent auf nun 52.500 Personen gesteigert. In den nächsten 5-10 Jahren sollen etwa 50 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause arbeiten. So würde Facebook weltweit Zugang zu mehr Talenten haben.

Auch der Ausblick auf das dritte Quartal fiel positiv aus. Facebook erwartet nach den Zahlen der ersten Wochen im Juli für das dritte Quartal eine Umsatzsteigerung von 10 Prozent gegenüber Vorjahr.


Zahl der Werbetreibenden steigt auf 9 Millionen.

Vor der Veröffentlichung der Zahlen gab es viel Lärm darüber, dass internationale Konzerne Facebook boykottieren. U.a. Coca-Cola, Starbucks, Unilever und auch deutsche Unternehmen wie Adidas und VW haben sich entschieden, die Werbung auf der Social Media-Plattform zu pausieren.

Die Liste der Unternehmen liest sich zwar beeindruckend, doch viele dieser Namen sind für das Geschäft von Facebook nahezu irrelevant. Das Unternehmen hat ca. 9 Millionen Werbekunden. Die Anzahl der Werbetreibenden hat in der Pandemie noch mal deutlich zugenommen, vorher waren es ca. 8 Millionen Kunden.

Die größten 100 Werbetreibenden waren im Q2 gerade mal für 16 Prozent der Werbeeinnahmen verantwortlich. Viele mittelgroße und kleine Werbekunden können auf Facebook und Instagram gar nicht verzichtet, denn auf diesen Plattformen gewinnen sie Kunden, generieren Umsatz und wachsen.

Diese aufzufordern, ihre Werbung zu pausieren, heißt, mitten in der Pandemie und Rezession auf Umsatz zu verzichten. Mittlerweile gibt es 180 Millionen Unternehmen auf der Facebook-Plattform. Die Pandemie treibt sie zu digitalen Geschäftsmodellen. Die Zahl der Werbetreibenden sollte in den nächsten Quartalen weiter massiv wachsen. Bald werden also schon mehr als 10 Millionen Unternehmen und Selbständige ihre Geschäfte auf Facebook vorantreiben. Die Zahl der Nutzer von WhatsApp Business ist mittlerweile auf 50 Millionen angestiegen.

Unternehmen wie VW, Unilever, Adidas und Co., die in erster Linie Markenkampagnen über die Facebook fahren, hätten wahrscheinlich aufgrund der Pandemie ihre Werbeausgaben ohnehin zurückgefahren. Wenn sich dann die Gelegenheit bietet, eine solche Kürzung als einen Beitrag für soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu verkaufen, dann nimmt man das gerne mit.

Ich habe mir die Forderungen der Initiatoren der Kampagne #StopHateforProfit angesehen. Mich überzeugen weder diese Vorwürfe, noch die generischen Presseverlautbarungen von Unilever, Adidas und Co.

Was wird Facebook eigentlich vorgeworfen?

Facebook würde Aufrufe zur Gewalt erlauben. Das klingt zunächst plausibel und auch viele meiner Freunde machen Facebook diesen Vorwurf. Damit machen es sich die Facebook-Kritiker aber zu einfach. Facebook hat Standards für die Kommunikation auf ihrer Plattform definiert, die kontinuierlich angepasst werden.

Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile über 15.000 Menschen, die die Einhaltung dieser Standards prüfen. Es hat darunter Einheiten wie das 350-köpfige Dangerous Organizations Team aus Antiterrorexperten. Jetzt gibt es sogar ein Facebook „Oversight Board“, zusammengesetzt aus Ex-Politikern, Nobelpreisträgern und Journalisten, die im Zweifel fundamentale Entscheidungen hinsichtlich der Regeln fällen sollen.

Unter Führung der weltweit geschätzten AI-Forscher Yann LeCun und Léon Bottou gilt Facebook als führend in der Anwendung von Machine Learning. Mit diesen Anstrengungen kann Facebook nach eigenen Angaben 89 Prozent von Regelbrüchen identifizieren, bevor sie von Mitgliedern gemeldet werden. Bei über 3 Milliarden Nutzern und ca. 5 Milliarden Kommentaren im Monat kommt da einiges zusammen. 11 Prozent der Verstöße werden von Mitgliedern gemeldet. Es werden täglich unzählige Kommentare und jährliche mehrere Milliarden Fakeaccounts entfernt.

Zu behaupten, dass Facebook Aufrufe zur Gewalt erlaubt, ist schlicht unredlich. Facebook wird Aufrufe zur Gewalt nicht gänzlich unterbinden können. Manchmal wird das Unternehmen zu langsam sein, oft Aussagen anders einordnen als z.B. die Initiatoren der Kampagne. Eine Tatsache ist eine Tatsache, ein Faktencheck ist hier einfach. Eine falsche Tatsachenbehauptung kann schnell überführt werden. Bei einer Meinung geht es aber nicht um Fakten, und die Einordnung einer Meinung ist oft sehr subjektiv.

Was fällt noch unter Meinungsfreiheit und was ist Hassrede und Aufruf zur Gewalt? Facebook ruft daher nach dem Gesetzgeber, hier aktiver mitzumischen, es möchte nicht der Zensor, oder der Schiedsrichter der Wahrheit sein, „the arbiter of truth“, wie Zuckerberg sagt.

Eine weitere Kritik lautet: Facebook erklärt auch Breitbart News zu einer vertrauenswürdigen Nachrichtenquelle und hat sogar The Daily Caller als Faktenchecker eingesetzt. Beides ist nicht gänzlich falsch. Facebook steht allerdings massiv unter Druck, konservative Meinung zu unterdrücken und Gruppierungen rechts vom Mainstream von der Plattform auszuschließen.

Auch wenn viele Entscheidungen per Algorithmus gefällt werden, so entscheidet der Algorithmus nach Regeln, die Facebook definiert hat. In seiner Not, nicht alleine der Hüter der Wahrheit sein zu wollen, arbeitet Mark Zuckerberg mit diversen Organisationen zusammen, die Fakten checken. Viele dieser Organisationen werden politisch links-liberal eingestuft. Facebook hat daher auch das Unternehmen Check Your Fact, eine Tochter von der rechtskonservativen The Daily Caller, als Faktenchecker einberufen. Facebook selbst beruft sich darauf, dass alle Organisationen vom Poynter’s International Fact-Checking Network (IFCN) zertifiziert werden.

Die Vorwürfe hinsichtlich Wählermanipulation sind nachvollziehbar. Aber was Facebook in dieser Hinsicht noch konkret tun muss, wird nicht adressiert. Das wäre wahrscheinlich auch gefährlich. Dann müsste Facebook nur die Punkte erfüllen und schon wäre die Kampagne beendet.

Valide ist hingegen die Forderung nach mehr Datenschutz. Hier hat Facebook in der Vergangenheit besonders versagt und hier ist das Geschäftsmodell von Facebook besonders anfällig.

Facebook trotzt Boykotten und Pandemie – Fazit

Das Problem bei Facebook ist nicht der Mangel an Standards. Facebook ist einfach zu groß, um die jederzeitige Einhaltung dieser Standards zu garantieren. Es kann nicht knapp 2.7 Milliarden monatliche Nutzer, ermuntern, ihre Meinung frei zu äußern und gleichzeitig sicherstellen, dass sie sich an die Regeln halten.

Andererseits sind Kommunikationsunternehmen dann besonders effektiv, wenn nahezu alle die gleiche Plattform nutzen. Daher haben sie immer eine Neigung zum Monopol. Das war auch bei den Telekommunikationsunternehmen früher nicht anders.

Die Anhörung vor dem US-Kongress am Mittwoch-Abend hat gezeigt, dass die Kongressabgeordneten vor allem die schiere Größe von Facebook unter die Lupe nehmen. Als Verbraucher kann ich diese Kritik sehr gut verstehen.

Als Investor sehe ich in einer möglichen Abspaltung von WhatsApp keine Gefahr. Bei Instagram wäre es problematischer. Dennoch würde Facebook in Einzelteile zerlegt nicht weniger wert sein.

Facebook ist aktuell unser Top-Pick im Portfolio von The Digital Leaders Fund. Die Aktie ist mit einem EV/Sales-Multiplikator von knapp 8 und einem KGV (FWD) von 32 kein Schnäppchen, aber immer noch wesentlich solider bewertet als viele SaaS-Anbieter nach der Rallye.

Das deutlich höhere Kundenengagement in Folge der Pandemie und der Digitalisierungsschub in nahezu allen Branchen sollte Facebook dauerhaft begünstigen. Nirgendswo gibt es bessere Nutzerprofile, um relevantes und effektives Performance-Marketing zu betreiben.

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DISCLAIMER
The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Facebook. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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2 Antworten

  1. Hallo Baki Irmak
    wo kann man die komplette Portfolio-Liste einsehen?
    Ich verfolge seit einiger Zeit den Blog sehr interessiert.

    mit freundlichem Gruß
    Uwe Brendler

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