Garmin Aktie: Viel mehr als nur Hardware

30. Juni 2021

Garmin Aktie

Seit einiger Zeit schon haben wir das Portfolio von The Digital Leaders Fund defensiver aufgestellt und in diesem Zusammenhang die unserer Meinung nach zu sehr gehypten High-Growth SaaS-Aktien, die in aller Munde sind, untergewichtet. Aber ohne Technologie ist ein Themenfonds zur Digitalisierung undenkbar und daher haben wir im Gegenzug unseren Anteil an solchen Technologietiteln erhöht, die aufgrund weniger spektakulären Wachtsumsraten unter dem Radar vieler Investoren fliegen.

Zu dieser Kategorie von Aktien gehört die Garmin Aktie als Weltmarktführer für GPS-Devices. In unserem initialen Beitrag zur Garmin Aktie hatten wir im Januar 2021 den Investment Case und das breite Produktportfolio des US-Unternehmens mit Zentrale in der Schweiz vorgestellt.

Seitdem hat sich die Garmin Aktie sehr solide weiterentwickelt und hat sogar die alten Höchststände aus dem Jahr 2007 deutlich übertroffen.

Garmin Aktie (in USD). Stand 29.6.2021
Garmin Aktie (in USD). Stand 29.6.2021. Quelle: YCharts

Ob dieses neue Kursniveau – im Gegensatz zum früheren Hype um die Garmin Aktie aus dem Jahr 2007 – heute fundamental gerechtfertigt ist, das wollen wir mit dem vorliegenden Update prüfen.

Garmin – Aktuelle Geschäftszahlen

Garmin ist gut durch die Corona-Krise gekommen. In 2020 hat man im fünften Jahr hintereinander neue Rekordwerte bei Umsatz und operativem Gewinn erzielt. Der Umsatz stieg um elf Prozent auf  4,19 Milliarden Dollar. Bei einer operativen Marge von über 25 Prozent wurde ein operatives Einkommen von 1,05 Milliarden Dollar ausgewiesen. Das ist beeindruckend – zumal der Geschäftsbereich Luftfahrt (Aviation) corona-bedingt einen Umsatzeinbruch um fast ein Fünftel hinnehmen musste. Das konnte jedoch mehr als ausgeglichen werden durch die Zuwächse in den Segmenten Outdoor (+40 Prozent), Marine (+48 Prozent) und Fitness (+26 Prozent), die zu den Corona-Gewinnern zählten.

Im ersten Quartal 2021 hat sich die Wachstumsdynamik bei Garmin weiter beschleunigt. Der Umsatz stieg um 25 Prozent auf 1,07 Milliarden Dollar und hat die Erwartungen der Analysten damit weit übertroffen. Die Bruttomargen stiegen auf knapp 60 Prozent, das ist außergewöhnlich gut für ein Unternehmen, das beim Blick auf das Produktportfolio zunächst als Hardwarehersteller wahrgenommen wird. Zum Vergleich: Apple operiert wie auch Peloton mit Bruttomargen von 40 Prozent, Sonos kommt auf sehr gute 47 Prozent.

Die operative Marge von Garmin stieg im saisonal eigentlich schwachen ersten Quartal auf 23,3 Prozent. Dadurch bedingt kam das operative Einkommen sogar um 41 Prozent auf  250 Millionen Dollar voran. Der Gewinn pro Aktie von 1,14 Dollar lag im ersten Quartal 30 Prozent über den durchschnittlichen Analystenschätzungen, die eine Stagnation beim Gewinn erwartet hatten.

Der Free Cashflow betrug im ersten Quartal sogar 331 Millionen Dollar. Das bedeutet eine Marge von 31 Prozent. Der Rule-of-40 Score beträgt damit auf Basis der Zahlen aus dem ersten Quartal 56 Prozent. Diese Kennzahl deutet auf ein außergewöhnlich effizientes Wachstum hin; ein weiterer Hinweis darauf, dass Garmin viel mehr ist als nur ein Hardwarehersteller.

Garmin ist ein echter Global Player

Durch den anhaltenden Boom im Fitness- und Outdoor-Segment mit Zuwächsen von 38 Prozent bzw. 46 Prozent im ersten Quartal  sind die problematischen Geschäftsbereiche Aviation sowie das Auto-Geschäft in der Bedeutung für das Garmin Zahlenwerk weniger wichtig geworden.

Das Garmin Geschäft ist durch diese gute Diversifikation nun wesentlich robuster als noch vor einigen Jahren.

Garmin Aktie: Umsatzerlöse nach Segmenten
Garmin Aktie: Umsatzerlöse nach Segmenten

Wie gute Garmin als echter Global Player aufgestellt ist, zeigt auch ein Blick auf die regionale Umsatzverteilung im ersten Quartal:

Garmin Aktie: Umsatzerlöse nach Regionen
Garmin Aktie: Umsatzerlöse nach Regionen

Das Gesamtumsatzwachstum von 25 Prozent wurde erreicht, obwohl das Unternehmen im wichtigsten US-Markt “nur” um 18 Prozent wuchs. Dafür sorgt der große Umsatzanteil in EMEA (37 Prozent) und in APAC (16 Prozent), Garmin macht also mehr als die Hälfte seiner Umsätze außerhalb der USA.

Garmin Guidance für 2021

Die Reaktion des Marktes auf die grandiosen Zahlen im ersten Quartal ist wohl nur deswegen so verhalten ausgefallen, weil das Garmin Management sich bisher nicht dazu durchringen konnte, seine Guidance für das Jahr 2021 zu erhöhen. Diese sieht “nur” ein Umsatzwachstum um 10 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar sowie eine Stagnation des Nettogewinns vor.

Die Gründe für den nach wie vor verhaltenen Ausblick liegen in der erhöhten Unsicherheit im Konsumentenverhalten nach der Pandemie-bedingten Ausnahmesituation im letzten Jahr sowie in möglichen Auswirkungen der Engpässe bei Elektronik-Bauteilen, die unter Umständen im weiteren Verlauf des Jahres auch die Lieferfähigkeit von Garmin bei einigen Produkten einschränken könnte.

Wir glauben, dass dieser Guidance mittlerweile doch sehr konservativ ist und erwarten, dass das Unternehmen die doch relativ niedrigen Erwartungen für 2021 deutlich übertreffen wird.

Technologie-Akquisitionen vergrößern den Burggraben

Am Ende des ersten Quartals verfügte Garmin über einen Cashbestand von über  3,2 Milliarden Dollar, der noch nie in der Unternehmensgeschichte derart hoch war. Das Unternehmen schüttet eine stetig wachsende Dividende aus (aktuelle Dividendenrendite 1,7 Prozent) und nutzt seine Reserven auch immer wieder mal zum gezielten Zukauf von Softwaretechnologien. Wobei man sich gerne in Schweigen hüllt was die Details dieser Übernahmen angeht.

Im Juni 2020 akquirierte man mit Firstbeat Analytics aus Finnland einen Software-Provider, der wichtige  Algorithmen für die Garmin Fitness- und Outdoor Devices – und deren Wettbewerber – via Lizenz bereitgestellt hatte. Seitdem rätselt die Fitness Gemeinde, ob Garmin die fortgeschrittenen Fitness-Features seinen Wettbewerbern auch zukünftig zur Verfügung stellen wird.

Im Januar 2021 schloss Garmin die Akquisition von GEOS Worldwide ab. Das Unternehmen ist führender Anbieter von Notfallüberwachungsdiensten und betreibt das Zentrum für SOS-Rettungsmaßnahmen, die unter anderem durch die persönlichen Satellitenkommunikatoren inReach von Garmin ausgelöst werden können. GEOS kann seine Hilfe auch bei Notfällen in Gegenden ohne Funknetz zu Land und auf dem Wasser anbieten und hat seit 2007 mehr als 83.000 Notfälle aus über 200 Ländern rund um den Globus bearbeitet.

Garmin übernimmt das Softwareunternehmen AeroData

Zuletzt hat Garmin mit AeroData ein Softwareunternehmen erworben, das in seiner Nische führend in der Luftfahrtindustrie ist und 135 Fluglinien mit Daten zur Performance ihrer Flugzeuge versorgt. In Nordamerika hat AeroData mit seinen Lösungen zum Beispiel zur Planung von Beladung und Landeanflug einen Marktanteil von 70 Prozent. Die finanziellen Bedingungen dieser Akquisition wurden nicht veröffentlicht. Man darf aber davon ausgehen, dass Garmin mit ihrem Übernahmeangebot hier antizyklisch in der krisengeplagten Luftfahrtindustrie zu einem attraktiven Preis zum Zuge kam.

Garmin hat damit sein Lösungsportfolio für die Luftfahrt in der Krise weiter verstärkt. Bisher schon verfügte das Unternehmen über herausragende Softwaretechnologien für Kleinflugzeuge. Die Garmin Autoland Softwarelösung ist in der Lage, Flugzeuge bei Ausfall des Piloten vollautomatisch zu landen und wurde 2020 für drei sehr unterschiedliche Flugzeugtypen von der kleinen Propellermaschine bis zum  Privatjet zertifiziert.

Unserer Meinung nach verfügt Garmin in vielen seiner Geschäftsfelder über einen durchaus bedeutsamen Burggraben, der sich aus einer Vielzahl von führenden Nischentechnologien zusammensetzt, die nur sehr aufwendig von Wettbewerbern nach entwickelt werden können.

Allerdings besteht generell eine große Abhängigkeit der meisten Garmin-Produkte von dem ursprünglich für militärische Zwecke vom US Verteidigungsministerium erstellten GPS-Netzwerk. Das befindet sich nach wie vor im Staatseigentum der USA und darf seit den 80er Jahren von Garmin oder anderen kostenlos für die zivile Nutzung genutzt werden.

Das Starlink Projekt von SpaceX (dem von Elon Musk gegründeten Raumfahrtunternehmen) ist dabei, ein eigenes Satellitennetzwerk im Orbit zu positionieren. Die Starlink-Satelliten sollen nicht nur schnelles Internet in abgelegenen Gegenden der Erde bereitstellen, sondern sie werden auch einen GPS-Empfänger mit viel höherer Genauigkeit und geringerem Energiebedarf als das aktuelle GPS-Netzwerk enthalten und könnten sich zu einer überlegenen Alternative entwickeln.

Das Problem für Garmin: Man wird keinen freien Zugang zu diesem System haben und läuft Gefahr, Produkte für ein veraltetes Satellitennetzwerk zu bauen.

Ich denke, es ist wichtig die Entwicklungen rund um Starlink im Auge zu behalten. Aber es dürfte angesichts der Langfristigkeit  der Starlink-Implementierung für Garmin genügend Zeit bleiben, sich in der eigenen Produktstrategie auf diese neue Situation einzustellen. Derzeit sehen wir keine Disruption der Garmin Produktpalette durch Starlink. Es könnte sich vielmehr eher eine interessante Partnerschaft für eine neue Generation von Produkten entwickeln.

Fazit zur Garmin Aktie

Die Garmin Aktie hat 14 Jahre nach dem Hype um das eigene KFZ-Navigationssystem nun endlich neue Höchstkurse von über 140 Dollar erreicht. Im Gegensatz zu damals haben wir es heute mit einem gut diversifizierten Technologiekonzern zu tun, der durchaus krisenresistent aufgestellt ist – sofern man das bei einem Tech-Unternehmen angesichts der Kurzlebigkeit von Hard- und Software überhaupt sagen kann. 

Garmin wird mit einem Enterprise Value von 26 Milliarden Dollar bezahlt. Das entspricht einem EV/Sales-Verhältnis zwischen 5 und 6. Das KGV beträgt ca. 25. Uns erscheint das fair angesichts von Bruttomargen von annähernd 60 Prozent und einem wieder deutlich zweistelligen Umsatzwachstum. Die Garmin Aktie ist aktuell unter den Top 10 der am höchsten gewichteten Aktien im Portfolio von The Digital Leaders Fund  zu finden. 
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Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Garmin. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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Eine Antwort

  1. Ist die Frage ob ein Kursniveau gerechtfertig ist gerade im Technologiebereich nicht reichlich naiv? Letztlich hat der Markt immer recht. Da es speziell bei Technologiewerten desöfteren zu Hypes kommt muß man über Strategien verfügen nur in Zeiten des Kursanstiegs investiert zu sein. Oder platt ausgedrückt die heiße Kartoffel rechtzeitig loszuwerden bzw. bei der Reise nach Jerusalem nicht der Letzte zu sein. Das ist quasi eine Form des Risikomanagements die in Eurem Investitionsgebiet essentiell ist.

    Wie sieht es hier bei Euren Fonds aus?

    Eine andere Frage ist die ob ein solches Risikomanagement selbst wenn es funktioniert angesichts der Marktverhältnisse noch wirken kann wenn ein Fonds hohe Anteile an einzelnen Unternehmen besitzt wie einst Kurt Ochner beim Julius Bär Multistock Special German Stock Fund oder aktuell Cathie Wood beim Ark Innovation ETF.

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