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Peloton wird zu einem Kulturphänomen

26. Juni 2020

Peloton Kulturphaenomen - Frau auf Spinning Rad mit Bildschirm in Wohnung

Es ist gerade drei Monate her, seitdem wir hier im Blog die Peloton Aktie und das Unternehmen vorgestellt haben. Seit unserem Kauf im April hat die Peloton-Aktie circa 130 Prozent zugelegt. Damit befindet sich Peloton in guter Gesellschaft mit den SaaS-, Cybersecurity- und E-Commerce-Unternehmen, die mit der Pandemie-Erfahrung spektakulär zulegen konnten.

Das Ausmaß dieser Euphorie ist schon verrückt genug. Bei Peloton kommt hinzu, dass aktuell ein Großteil der Umsätze aus dem Verkauf von Fitnessgeräten und nicht aus Subskriptionen erwirtschaftet wird. Hat die Börse im Fall von Peloton jeglichen Bezug zur Realität verloren?

In diesem Update gehen wir genau dieser Frage nach.

Entwicklung der Peloton Aktie als Chart
Entwicklung der Peloton Aktie.

Beeindruckende Quartalszahlen

Peloton hat beeindruckende Zahlen für das Q3 2020 (Januar-März 2020) geliefert. Die Zahl der Abonnenten mit Fitnessgerät (Connected Fitness Subscribers) stieg um 93 Prozent auf mittlerweile 886.000 Personen. Der Umsatz stieg um 66 Prozent und damit knapp 7 Prozent mehr als im Schnitt von Analysten erwartet.

Peloton Quartalszahlen Q3 2020 im Überblick
Peloton Quartalszahlen zum Q3 2020 im Überblick.

Peloton war nicht ganz unbeeinträchtigt vom weltweiten Lockdown. Die Showrooms mussten ab Mitte März schließen, die Lieferung des Laufbands wurde ab dem 19. März ganz unterbrochen, im April konnten für eine kurze Zeit auch keine Livekurse angeboten werden.

Vor diesem Hintergrund ist das Umsatzwachstum bemerkenswert. Das Ausmaß des Runs auf das Angebot von Peloton zeigen aber noch besser die Metriken des Kundenengagements: Im Q3 wurden über 44 Millionen Workouts von Kunden absolviert, eine Steigerung von 145 Prozent gegenüber Vorjahr. Im Schnitt haben Peloton-Kunden 17,7 Trainingseinheiten pro Monat durchgeführt, ein Jahr zuvor lag der Wert bei 13,9.

Das ist eine starke Demonstration, wie sehr Kunden das Angebot lieben, wenn auch der Zwang zu Homeoffice hier geholfen hat. Ein weiterer Beleg für die Ausnahmestellung ist die niedrige Stornorate. Die „Average Net Monthly Connected Fitness Churn” lag bei 0,46 Prozent. Auch hier hat Corona sicher geholfen, doch auch vorher hat Peloton beispiellos niedrige Stornowerte vorweisen können.

Peloton wird zur etablierten Marke

Die Subscriptions-Umsätze stiegen um 92 Prozent und machen nun 19 Prozent der Umsätze aus. Die Zahl der Kunden, die ausschließlich die App nutzen und dafür zahlen stieg 64 Prozent auf 176,600 Ende März. Peloton hat den Preis für die App im Q1 auf 12,99 Dollar gesenkt und während der Pandemiezeit die kostenfreie Nutzung der App von einem Monat auf drei Monate erhöht.

Wir hatten über die Explosion der Downloadzahlen in unserem vergangenen Unternehmens-Porträt berichtet. 1,1 Millionen Nutzer haben bis Ende April die App kostenfrei genutzt. Bei einer Conversion-Rate von 20 Prozent würde das Unternehmen die Zahl der paying Digital Subscriber innerhalb eines Monats mehr als verdoppeln.

Aber auch hier gilt: Die Pandemie ist der wesentliche Treiber gewesen. Die entscheidende Frage lautet daher, wie dauerhaft das Wachstum sein wird. Die Download-Zahlen zeigen, dass der Hype sich in den USA etwas legt, aber Peloton neue Märkte wie UK schnell erobert.

Peloton App Downloads USA als Chart
Peloton App Downloads in den USA.

Peloton macht weiter große Schritte in Richtung Profitabilität. Der Rohertrag stieg 104 Prozent auf 245 Millionen Dollar. Das entspricht einer Bruttomarge von nun 46,8 Prozent. Die Bruttomarge im Subscriptions-Geschäft lag im Q3 bei 57,8 Prozent, das ist eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr und ein Beleg dafür, wie skalierbar das Geschäft ist und wie niedrig die Content- und Streamingkosten des Unternehmens sind.

Peloton App Downloads UK als Chart
Peloton App Downloads in UK.

Der Anteil der operativen Kosten am Umsatz ist bei Peloton rückläufig (im Q3 sind nicht wiederkehrende Rechtskosten enthalten). Kosten für Sales und Marketing machen nun 30 statt 32 Prozent aus. Peloton entwickelt sich zu einer starken Marke, so dass die Kundenakquisitionskosten sukzessive sinken. Nach Unternehmensangaben kommen im Geschäftsjahr 2020 mittlerweile 49 Prozent der Kunden über den „Word-of-Mouth-Channel“, gegenüber 23 Prozent 2017.

Der Nettoverlust stieg zwar aufgrund hoher einmaliger Rechtskosten, doch immerhin konnte das Unternehmen erstmalig ein positives adjustiertes EBITDA in Höhe von 23 Millionen Dollar präsentieren.

Guidance deutlich angehoben

Peloton ist aufgrund der Verwerfungen durch die Pandemie mit einem großen Auftragsrückstand in das vierte Quartal gestartet. Die Nachfrage nach den Fitnessgeräten war und ist deutlich höher als die Produktions- und Lieferkapazität des Unternehmens.

Die Räder werden in Taiwan hergestellt, so dass die Produktion nur kurzfristig unterbrochen war. Peloton hatte den Hersteller bereits im Herbst 2019 übernommen, dennoch war man nicht gewappnet für diesen Ansturm. „We do not expect to materially improve order-to-delivery windows before the end of Q4. Our guidance assumes we do not resume Tread sales prior to the end of fiscal year 2020.”

Trotzdem hat man die Guidance für Q4 und somit auch für das Gesamtjahr deutlich nach oben genommen: Im Q4 soll der Umsatz um circa 128 Prozent auf etwa 510 Millionen Dollar steigen. Für das FY 2020 läge der Gesamtumsatz dann bei 1,73 Milliarden Dollar. Auch für das Gesamtjahr rechnet man jetzt mit einem positiven adjustierten EBITDA. Die Zahl der Connected Fitness Subscriber soll auf 104-105 Millionen steigen. Doch bereits am 12. Mai hat man die Schwelle von 1 Millionen Kunden genommen, so dass die Zahlen wahrscheinlich noch besser ausfallen als die nach oben korrigierten Prognosen.

Peloton als Kulturphänomen – Fazit

Pelotons Marktkapitalisierung ist nun auf 15 Milliarden Dollar hochgeschossen. Das Unternehmen weist aktuell ein EV/Sales(FWD)-Verhältnis von 8,4 auf. Für ein Unternehmen, das aktuell nur 20 Prozent der Umsätze aus Subskriptionen erwirtschaftet und eine Bruttomarge unter 50 Prozent vorlegt, ist die Aktie sehr teuer, trotz einem Umsatzwachstum von über 60 Prozent.

Man braucht schon sehr viel Phantasie, um diese Bewertung zu rechtfertigen. Hier ein paar Prognosen und Thesen: Peloton wird voraussichtlich den Anteil des Subskriptionsgeschäftes steigern und früher profitabel werden – echter Gewinn und nicht nur adjustierte Zahlen – als wie ursprünglich angekündigt im Jahr 2023. Vieles deutet darauf hin, dass es Peloton gelingt, ein kulturelles Phänomen zu werden, somit höhere Preise im Markt durchzusetzen (siehe Apple), die Marketingausgaben sukzessive zu reduzieren (siehe Tesla) und damit ein hochmargiges Business zu betreiben.

Zugleich kann Peloton weit über die aktuellen Zielmärkte USA, UK und Deutschland hinauswachsen und somit den adressierbaren Markt deutlich vergrößern. Peloton erhöht mit vielen neuen Software-Features die soziale Interaktion der Nutzer und könnte in ferner Zukunft auch eine Art Soziales Netzwerk unter Sportlern werden. Peloton könnte auch zu einem führenden Anbieter im E-Health-Markt aufsteigen meinen Analysten der UBS.

Das ist alles möglich, allerdings kann auf dem Weg zur Welteroberung auch einiges schieflaufen. Wir haben die Peloton-Aktie in unserem Portfolio schon deutlich reduziert und halten nur noch eine kleine Gewichtung in der Aktie. Ganz aufgeben wollen wir die Investition nicht, denn ein tolles Produkt ist immer für Überraschungen gut.

Wenn Du die Peloton-Aktie künftig gemeinsam mit uns beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

DISCLAIMER
The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Peloton. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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