Porsche Aktie: Mit gestärkter Bilanz durch die Corona-Krise

1. April 2020

Porsche Aktie - Porsche 911 fährt ins Licht am Ende eines Tunnels

Schon seit dem Start von The Digital Leaders Funds vor gut zwei Jahren sind wir über die Porsche Aktie indirekt im VW Konzern investiert. Immer wieder werden wir darauf angesprochen, warum wir uns denn nicht stattdessen an Tesla beteiligt haben. Wir weisen dann darauf hin, dass wir Tesla zwar für ein tolles Unternehmen halten, aber die Tesla Aktie aufgrund der Bilanzsituation und der hohen Bewertung meiden. Nicht jedes digital führende Unternehmen ist auch ein gutes Investment für langfristig ausgerichtete Anleger.

Stattdessen haben wir uns über die Aktie der Porsche Holding am VW-Konzern beteiligt, der in der breiten Öffentlichkeit immer noch als schlafender Riese aus der Old Economy wahrgenommen wird. Ich hatte im August 2018 nach dem Amtsantritt des CEO Herbert Diess bei VW eine Aufbruchstimmung im Vokswagen-Konzern ausgemacht und im Juli 2019 5 Gründe genannt, warum wir trotz Auto-Krise in den VW Konzern investieren.

Nach einem aktuellen Update unserer Analyse sind wir aktuell in Zeiten der Corona-Pandemie mehr denn je davon überzeugt, dass sich unsere Beteiligung an VW mittel- bis langfristig auszahlen wird. Heute möchte ich die Gründe dafür liefern, warum wir die Ausverkaufspreise im Corona-Crash genutzt haben, um unsere Position der Porsche Aktie aufzustocken. Bevor ich versuchen werden, die aktuell schwierige Lage des VW-Konzerns im Krisenjahr 2020 einzuordnen, möchte ich noch einen kurzen Blick zurückwerfen auf das abgelaufene Geschäftsjahr.

Porsche Aktie – VW Geschäftszahlen 2019

In der allgemeinen Berichterstattung ist aufgrund der Corona-Panik fast untergegangen, dass VW für 2019 überraschend starke Geschäftszahlen präsentieren konnte, die eine hervorragende wirtschaftliche Basis geschaffen haben, um mit der aktuellen Kurzarbeit gut und voraussichtlich ohne weitere staatliche Hilfen durch das Krisenjahr 2020 zu navigieren.

Denn der Volkswagen Konzern hat es  2019 wie schon 2018 geschafft, sich vom negativen Trend der Auto-Branche zu lösen. Im wichtigsten Markt in China, dessen Automarkt in 2019 eingebrochen war, hat VW seine Verkaufszahlen sogar leicht steigern und damit deutlich Marktanteile hinzugewinnen können.

Der Umsatz wurde insgesamt um 7 Prozent auf $252 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis (inkl. Sondereinflüssen aus der Dieselthematik) ist um 22 Prozent auf knapp €17 Milliarden gestiegen. Das entspricht einer operativen Marge (exklusive Belastungen aus den Diesel-Altlasten) von 7,6 Prozent, die damit oberhalb der Erwartungen lag.

Nicht schlecht für ein durchaus herausforderndes Jahr in der Automobilbranche, in dem Presse und Analysten lange Zeit auch von VW eine Gewinnwarnung erwartet hatten. Das Nachsteuerergebnis lag bei €14 Milliarden und damit mehr als 15 Prozent über dem Ergebnis aus 2018.

Die Dividende für 2019 soll nach den bisherigen Planungen um 35 Prozent erhöht werden auf 6,50€ pro VW-Stammaktie. Davon profitiert natürlich neben allen unabhängigen VW-Aktionären auch die Porsche Holding als Mehrheitsaktionär und damit neben den Eigentümerfamilien Porsche und Piech auch alle unabhängigen Aktionäre der Porsche Holding wie The Digital Leaders Fund.

Porsche Aktie - Kursentwicklung Porsche und VW Aktie in 2019
Entwicklung der Porsche Aktie und der VW Aktie im Vergleich zum EURO STOXX 50 in 2019.

Ob es zu dieser erhöhten Dividendenzahlung inmitten der Corona-Krise wirklich kommt, ist allerdings fraglich. Die für den 7. Mai geplante Hauptversammlung, welche über die Dividendenausschüttung beschliesst, wurde wegen des Corona-Virus verschoben.

Viel wichtiger als eine Dividendenzahlung für 2019 ist uns in Krisenzeiten ohnehin die wirtschaftliche Stabilität unserer Portfoliounternehmen. Und die ist bei VW so stark wie schon lange nicht mehr: Der Free-Cashflow aus dem Auto-Bereich betrug für 2019 fast €11 Milliarden, die Nettoliquidität belief sich zum 31.12.2019 auf €21 Milliarden, dazu kommen Kreditlinien in Höhe von €20 Milliarden.

Volkswagen in der Corona-Krise

Die guten Zahlen aus der jüngeren Vergangenheit interessieren die Investoren derzeit nur noch am Rande. Denn aktuell erlebt auch der VW Konzern aufgrund der Corona-Pandemie eine seiner schwersten Bewährungsproben seit dem 2. Weltkrieg. Aktuell ist die Produktion sowohl in Europa als auch in Nordamerika aufgrund der Corona-Krise gestoppt, die Verkaufszahlen dürften im März z.B. in Europa um mehr als 80 Prozent eingebrochen sein.

Die aktuellen Meldungen deuten auf einen Super-GAU in der Automobilindustrie hin. Zu der ohnehin schwer zu bewältigenden Transformation hin zur E-Mobilität kommt jetzt noch der Corona-Virus mit der Unterbrechung vieler wichtiger Lieferketten. Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich auch die VW und Porsche Aktie dem Corona-Crash an den Börsen nicht entziehen konnten.

In diesem Umfeld ist es hilfreich, nicht in Panik zu verfallen, sondern den Zustand des Konzerns einmal aus der Vogelperspektive zu betrachten: VW ist krisenerprobt wie kaum ein anderer Konzern. Dank Kurzarbeit hat man schon die Rezession nach der Finanzkrise 2008/2009 gut gemeistert. Auch den existenzbedrohenden Dieselskandal hat man trotz jahrelanger milliardenschwerer Belastungen operativ erstaunlich gut bewältigt. Sogar das Wiederanlaufen der Fahrzeugproduktion in Zeiten der Corona-Pandemie hat man seit einigen Wochen in China schon „üben“ können. Denn dort laufen die Fabriken unter geänderten Bedingungen und unter Beachtung von Schutzmaßnahmen inzwischen wieder.

Porsche und VW Aktie - VW Golf Modell - Fabriken in China laufen nach Corona-Krise wieder
Die Fabriken von VW in China laufen inzwischen wieder.

Herbert Diess gab sich daher in diesen Tagen im Podcast-Interview mit Gabor Steingart recht optimistisch und meinte, man habe in China durch Corona nur einen Monat verloren. Man könne durchaus nochmals mit einem blauen Auge davonkommen wie er sagt – unter der Voraussetzung, dass der Produktionsstillstand auch in Europa und Amerika auf circa 6 Wochen begrenzt werden kann. Allerdings weist Diess daraufhin, dass das Wiederanlaufen der Produktion in Deutschland erst dann möglich ist, wenn auch die Zuliefererwerke in Südeuropa gleichzeitig wieder in Gang kommen.

Da gibt es also noch zahlreiche Unwägbarkeiten und mögliche böse Überraschungen. Dennoch ist VW insgesamt als echter global Player robuster aufgestellt als viele anderen Konzerne. In China laufen offenbar auch die Verkäufe schon wieder gut an. Das ist für das Krisenjahr 2020 besonders wichtig, denn der chinesische Markt steht immerhin für 40 Prozent aller Verkäufe von Volkswagen, man hat dort inzwischen einen Marktanteil von 18 Prozent.

Sollte die schlimmsten Folgen der Corona-Pandemie weltweit im Laufe des 2. Quartals 2020 überwunden werden, so darf man davon ausgehen, dass einige der nun fehlenden VW Umsätze im 2. Halbjahr nachträglich vereinnahmt werden können. Dennoch dürfte die unausweichlich bevorstehende Rezession in Folge von Corona in jedem Fall für ein schwaches Jahr sorgen. Auch wir gehen davon aus, dass es zu einer Gewinnwarnung bei VW kommen wird. Aber es handelt sich hierbei nicht um eine grundsätzliche strukturelle Krise, daher ist Optimismus für 2021 und 2022 durchaus angebracht.

Strategische Partnerschaften mit Microsoft und Amazon

Ein wichtiger Grund für unseren Optimismus ist die mittlerweile (unter Schmerzen) gereifte Erkenntnis, dass man in Wolfsburg nicht alles selbst machen kann, sondern für die eigene digitale Transformation insbesondere auch auf strategische Partnerschaften mit Microsoft (Volkswagen Automotive Cloud) und Amazon Web Services (Volkswagen Industrial Cloud) setzt.

Die Volkswagen Automotive Cloud auf Basis von Microsoft Azure soll alle künftigen digitalen Dienste und Mobilitätsangebote von Volkswagen umfassen und wird seit 2018 gemeinsam entwickelt. Jährlich sollen die Daten von 5 Millionen neuen vernetzten Fahrzeugen in der Microsoft-Cloud verwaltet werden. Auch für die software-technische Weiterbildung der eigenen Belegschaft setzt VW auf die umfassende Unterstützung von Microsoft.

In der Volkswagen Industrial Cloud werden auf Amazon Web Services (AWS) künftig die Daten aller Maschinen, Anlagen und Systeme aus sämtlichen 122 Fabriken des Volkswagen Konzerns zusammengeführt. Gemeinsam mit AWS legt Volkswagen seine Industrial Cloud als offene Industrie-Plattform an, die mittelfristig auch Zulieferer und Partner aus Industrie, Logistik und Handel nutzen können.

Das „Not-Invented-Here“-Syndrom hat man in Wolfsburg also offenbar überwunden und ist damit schon einen entscheidenden Schritt weiter als manch anderer deutscher Konzern.

The Digital Leaders Fund erhöht Gewichtung der Porsche Aktie

Die Porsche Automobil Holding besitzt nach einer Aufstockung in 2019 mittlerweile 53,1 Prozent und damit die deutliche Mehrheit der VW Stammaktien. Die Porsche Holding wird beherrscht von den Familien Porsche und Piech. An der Börse gehandelt werden ausschließlich die Vorzugsaktien der Porsche Holding. Diese sind im Corona-Crash in der Spitze um über 60 Prozent eingebrochen und waren in den vergangenen Wochen für gut 30€ zu haben.

Mittlerweile hat sich die Porsche Aktie wieder etwas erholt und kostet 38€. Der Dividendenvorschlag für 2019 beträgt 3,11€, das entspricht auch nach der Kurserholung noch immer einer Dividendenrendite von 8 Prozent (falls die Dividende wie geplant gezahlt wird).

Porsche Aktie - Entwicklung im Corona-Crash - Auswirkungen auf VW Aktie
Entwicklung der Porsche Aktie im Zuge der Corona-Krise.

Die Porsche Aktie wird seit langem weit unter ihrem inneren Wert gehandelt. Knapp zwei Porsche Aktien entsprechen einer VW Stammaktie. Angesichts eines aktuellen VW Kurses von 119€ berechnet sich ein Abschlag von über 35 Prozent. Dazu kommt noch der Barbestand und die weiteren im Vergleich allerdings eher unbedeutenden Beteiligungen der Porsche Holding.

Für 2019 betrug das ausgewiesene Netto-Ergebnis je Porsche Aktie 14,39€. Das KGV beträgt auf dieser Basis also weniger als 3. Auch die seit Jahren anhängigen Anlegerklagen mit einem Streitwert von insgesamt circa € 6,5 Milliarden können diese niedrige Bewertung nicht vollständig erklären. Die Unterbewertung ist vielmehr ein klares Zeichen dafür, dass viele Investoren fest davon ausgehen, dass der VW Konzern und damit auch die Porsche Holding ab 2020 deutliche Gewinneinbrüche erleiden werden.

Porsche Aktie – Fazit

Wir glauben, dass der Konzern aufgrund seiner finanziellen Stärke gut für die Krise gewappnet ist und in den gegenwärtigen Kursen schon sehr viele schlechte Nachrichten enthalten sind. Selbst wenn 2020 ein Katastrophenjahr werden sollte, an dessen Ende ein Verlust ausgewiesen werden muss, so gibt es keinen Grund zur Panik.

VW hat seit dem Amtsantritt von Herbert Diess vor 2 Jahren seine Hausaufgaben gemacht und umfangreiche strukturelle Veränderungen auf den Weg gebracht. Wir glauben, dass dieser Kurswechsel gerade noch rechtzeitig eingeleitet wurde. Der Konzern ist mittlerweile in einer recht guten Ausgangsposition, um eine führende Rolle auch im Zeitalter der Elektromobilität und der digitalen Vernetzung zu spielen.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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6 Antworten

  1. Hallo,

    ein (wenn auch kleiner) Artikel darüber, wann und warum ihr zu 100% ausgestiegen seid, wäre nett. Auch ob und wann ihr wieder einsteigen würdet. Euch schien der Kurs ja nur eher zu heiß gelaufen zu sein, wenn ihr im April noch voll überzeugt wart von VW.

    Lieben Dank und LG

    1. Hallo Marc, wir haben Porsche bei 34 Euro nachgekauft und bei 55 Euro verkauft. Die Argumente für Porsche haben sich nicht geändert. Wir sind allerdings sehr konzentriert investiert und verabschieden uns von Werten, wenn wir eine bessere Alternative für unser Portfolio haben. Was uns allerdings bei Porsche schockiert hat, sind die Führungsdiskussionen. Herbert Diess ist faktisch entmachtet. Er hat nicht die Rückendeckung und die Beinfreiheit, die radikalen Pläne für VV umzusetzen. Ohne die Rückendeckung von IG-Metall kann man VV offensichtlich nicht managen.

  2. Lieber Stefan,
    wie siehst Du die Verschuldung? Kurzfristig wahrscheinlich kein Problem, aber Du operierst normalerweise ja gerne mit dem Enterprise Value. Je nachdem, wie man den definiert, kommt man auf eine Netto-Verschuldung zwischen 100 und 150 Mrd (kurzfristige Verbindlichkeiten + langfristige Finanzschulden – kurzfristige Vermögenswerte = 100 Mrd; Gesamtschulden – Cash = 150 Mrd).
    Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 50 Mrd. Der Enterprise Value liegt also bei mindestens 150 bis 200 Mrd. Das KGV mag bei 3 liegen, aber wenn man die Gewinne auf den Enterprise Value bezieht, liegt es bei 9 bis 12. Das sieht dann nicht mehr so günstig aus. Mit anderen Worten: In den aktuellen Kurs muss man mit einrechnen, dass man sich das 3 bis 4 fache an Schulden mit dazukauft.
    Wie sollte man als Anleger damit umgehen? Die Schulden ignorieren? Wie wäre es dann, wenn VW 1000 Mrd Schulden hätte? Immer noch egal, solange das Unternehmen gute Gewinne macht und die Zinsen so niedrig sind?

    1. Der Enterprise Value bei VW hat nur bedingt Aussagekraft. Wie fast jeder Hersteller hat VW eine Leasingtochter, die wie eine Bank operiert und daher eine ordentliche Bilanzsumme hat. Das sollte man trennen.
      Nur auf den Autobereich bezogen, ist die Bilanz stark. Das ist den „Digital Leaders“ sicher aufgefallen, haben es aber nicht erwähnt.

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