Twilio mit $2 Milliarden Übernahme: Größenwahn oder genialer Schachzug?

17. Oktober 2018

Twilio SendGrid Fusion der Cloud Unternehmen

Eines der erfolgreichsten Investments im Portfolio des DLF ist die Kommunikationsplattform Twilio. Über die Twilio Investment Story und die Twilio Aktie haben wir auf dem DLF Blog bereits berichtet.

Nun hat Twilio bekanntgegeben, dass man für $2 Milliarden SendGrid übernehmen will.

Beide Unternehmen arbeiten bereits partnerschaftlich zusammen bei zahlreichen Kunden.

SendGrid betreibt ebenfalls eine digitale Kommunikationsplattform.

Es handelt sich um einen weltweit führenden Cloud-Service für die Einbettung von E-Mail-Funktionalität in beliebige Applikationen – pro Monat werden etwa 50 Milliarden E-Mails über die SendGrid-Plattform versendet.

 

Twilio und SendGrid sind sich sehr ähnlich

Das Geschäftsmodell von SendGrid ist fast identisch wie das von Twilio.

Einziger Unterschied ist, dass SendGrid mit seinen Services nicht die Kommunikation via Voice, SMS, etc. wie Twilio im Blick hat, sondern sich auf die E-Mail-Funktionalität fokussiert.

Beide Unternehmen verbindet viel:

  • Die Go-To-Market-Strategie ist ganz auf die Zielgruppe der Softwareentwickler ausgelegt. Das heißt man verkauft seine Cloud-Services an die IT-Abteilungen.
  • Die Cloud-Services werden nutzungsabhängig bepreist und gehören zu den eher teuren Premium-Produkten.
  • Der Technologie-Stack auf dem die Produkte aufbauen ist sehr ähnlich.
  • Die Firmenkulturen sind vergleichbar, es handelt sich um von Entwicklern dominierte Organisationen.

Angesichts dieser Gemeinsamkeiten sollte die Integration beider Unternehmen wesentlich weniger Probleme bereiten als üblich bei Fusionen.

Da wächst wirklich zusammen was zusammen gehört.

Twilio SendGrid Fusion
Das spricht für die Fusion von Twilio und SendGrid: Beide Unternhemen sind sich sehr ähnlich. (Bild: Twilio)

 

Aktientausch relativiert den Preis

Eine Übernahme zum Wert von $2 Milliarden hört sich zunächst abenteuerlich an für Twilio, das in 2018 circa $600 Millionen umsetzen wird.

Und der Preis klingt astronomisch, angesichts ca. $150 Millionen Umsatz für SendGrid in 2018.

Aber all diese Zahlen relativieren sich, da die Transaktion als reiner Aktientausch strukturiert wird.

Die SendGrid-Aktionäre bekommen konkret 0,485 Twilio-Aktien für eine SendGrid Aktie. Bargeld fließt keines.

 

Die Make-or-Buy-Entscheidung

Dennoch ist die Verwässerung für Twilio-Aktionäre enorm, und man kann sich schon fragen, ob es nicht für Twilio möglich gewesen wäre, die entsprechende E-Mail-Funktionalität von SendGrid einfach selbst zu bauen – und zwar für viel weniger Geld.

Aber auch wenn man als Software-Architekt diese Frage sicherlich bejahen würden, so kann diese Fusion dennoch sinnvoll sein.

Denn Twilio bekommt nicht nur die SendGrid-Technologie, sondern Zugang zu 74.000 SendGrid-Kunden, denen man jetzt die Twilio-Produkte verkaufen kann.

 

Fusion von Twilio und SendGrid - SendGrid Anzahl der Kunden
Twilio SendGrid Fusion: Twilio kann über 74.000 SendGrid Kunden nun die eigenen Produkte verkaufen. (Bild: SendGrid)

 

Noch wichtiger als dieses Cross-Selling-Potential ist die Tatsache, dass man die führende Position als allumfassende Kommunikationsplattform in der Cloud festigt und damit wohl nicht weniger als die Weltmarktführerschaft in einem schnell wachsenden Markt der Cloud-basierten Kommunikationsplattformen ernsthaft für sich beanspruchen kann.

Diese Position hätte man aus eigener Kraft – wenn überhaupt – nur einige Jahre später erreichen können.

 

Twilio und SendGrid Fusion: Fazit

Für mich macht dieser Schritt strategisch viel Sinn – auch wenn ich mir als Twilio-Aktionär ein etwas besseres Umtauschverhältnis gewünscht hätte.

Aber wahrscheinlich war das der strategische Preis, den man dem Junior-Partner SendGrid auch angesichts seiner im Vergleich zu Twilio höheren Bruttomarge bieten musste, um ihn für einen Aktientausch zu begeistern.

Ich bin sehr gespannt, wie sich das gemeinsame Unternehmen nach diesem Schachzug in den kommenden Jahren weiterentwickelt.

Wir planen Twilio weiterhin langfristig im Portfolio des DLF zu halten.

Das kurzfristige Potential in der Aktie ist allerdings begrenzt nach den dreistelligen Kursgewinnen im laufenden Jahr.

Über weitere Entwicklungen im spannenden Markt der Cloud-basierten Kommunikationsplattformen berichten wir natürlich in unserem wöchentlichen Newsletter (hier abonnieren).

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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