Upstart Aktie: Die Gründe für die Kursexplosion

26. August 2021

Upstart Aktie Kursexplosion

Vor etwa drei Monaten haben wir hier im Blog die Upstart Aktie vorgestellt. Seither glänzt die Aktie mit einer spektakulären Volatilität und einer noch spektakuläreren Performance. Nach Vorlage der Quartalszahlen hat sich der Aktienkurs nahezu verdoppelt. Heute möchte ich kurz auf die wichtigsten Treiber der Kursexplosion eingehen.

Upstart Aktie Kurs Chart Kursexplosion
Upstart Aktie Kurs Chart

Quartalszahlen deutlich über Erwartungen

Upstart hat überragende Zahlen für das zweite Quartal 2021 vorgelegt.

  • GAAP EPS: 0,39 Dollar, 0,27 über Erwartungen
  • Umsatz: 193,95 Millionen Dollar, 36,2 Millionen über Erwartungen und 60 Prozent über dem ersten Quartal
  • Umsatzerwartung für das 2021 ca. 750 Millionen Dollar (bisher 600 Millionen) 
  • Erwartungen für die adjustierte EBITDA Marge für 2021 ca. 17 Prozent (bisher zehn Prozent)

Upstart hat ca. 297.000 unbesicherte Konsumentenkredite abgewickelt, das ist eine Steigerung um 70 Prozent gegenüber dem ersten Quartal! Der Contribution Profit, also der Umsatz abzüglich der Kosten für Kundenakquise, ist gegenüber Vorjahr über 2000 Prozent auf nun 96 Millionen Dollar gestiegen. Das ist eine Contribution Marge von 52 Prozent gegenüber 48 Prozent im ersten Quartal und 32 Prozent im Vorjahr.

Somit kann Upstart die Gesamt-Take-Rate stabil halten (Goldman Sachs schätzt ca. sechs Prozent (!) pro Kredit) und die Kundenakquisekosten weiter reduzieren (Goldman schätzt 2,5 Prozent; somit kostet ein Kunde weniger als 300 Dollar).

Kein Wunder also, dass diverse Investmentbanken wie Barclays, Citi und Goldman Sachs ihre Kursziele für Upstart Aktie deutlich anhoben.

Die wundersame Kreditplattform

Investoren erkennen nun klarer die Plattformeffekte des Upstart Geschäftsmodells. Neben der Explosion der Kundenzahl, gewinnt Upstart immer mehr Banken und institutionelle Anleger als Kunden. Waren es im ersten Quartal noch 18 Partnerbanken, die Upstarts Credit Decision Engine nutzen, sind es nun 25 geworden. Jason Schmidt, Investor Relations Head von Upstart, sagte uns im Gespräch letzte Woche, dass aktuell zwei Banken pro Monat dazu kommen, Tendenz steigend. Upstart braucht die Banken nicht, um Kunden zu akquirieren, nur etwa 10 Prozent der Kunden kommen nach Unternehmensangaben über die Banken selbst. Vielmehr braucht man für die Kreditvergabe die Bilanzen der Banken. 97 Prozent der Umsätze erwirtschaftet Upstart als Kreditvermittler, somit ohne selbst das Kreditrisiko aufs eigene Buch zu nehmen.

Oft wird in Analysen bemängelt, dass über 50 Prozent der Kredite nur von einer Bank, emittiert werden, nämlich der Cross River Bank. Doch diese Bank behält ganze drei Tage die Risiken selbst im Buch. Die Kredite werden anschließend von Upstart verbrieft und verpackt und an institutionelle Anleger wie Hedgefonds weitergereicht. Offensichtlich sind diese Anlageinstrumente so attraktiv, dass nun 150 institutionelle Anleger Abnehmer von Krediten von der Upstart-Plattform sind. Im ersten Quartal waren es noch weniger als 100 Institutionen.

Alle gewinnen: Der Kunde bekommt einen attraktiveren Zins, Upstart verdient eine sehr hohe Vermittlungsfee, da man auch die Bonitätsanalyse des Kunden übernimmt, die Banken stellen ihre Bilanz zur Verfügung und verdienen mit, die institutionellen Anleger bekommen in Zeiten magerer Zinsen ein attraktives Anlageprodukt. Klingt fast schon zu gut, um wahr zu sein. Wo ist also der Haken?

Das Ganze funktioniert so lange die Kreditqualität der Portfolios hoch bleibt, bzw. die Zahl der faulen Kredite nicht deutlich zunimmt. Und genau hier kommt die von Upstart auf Grundlage von maschinellem Lernen entwickelte Credit Decision Engine ins Spiel. Die Ausfallrate der Upstart Kredite ist bisher deutlich niedriger als die Kredite der Konkurrenz. Nach Analysen von Kroll Bond Rating Agency (KBRA) haben Upstarts Verbriefungen eine 40-50 Prozent niedrigere Ausfallrate als der Durchschnitt.

Upstart Aktie Cumulative Net Loss Analyse
Upstart Aktie: Cumulative Net Loss Analyse. Quellen: www.kbra.com

Mit der steigenden Anzahl an teilnehmenden Banken erhält Upstart sukzessive aggregierte Bilanzen in Größenordnung einer Großbank. Dass die Nachfrage nach Verbriefungen seitens der institutionellen Investoren abnimmt, erscheint angesichts deren schier unlimitierten Hungers nach auskömmlichen Zinsen derzeit unwahrscheinlich. Trotzdem muss man unweigerlich an die Subprime-Krise denken, als plötzlich der Asset-backed-securities Markt zusammenbrach und Investoren diese Papiere nicht mehr loswurden. Upstart hat dann zwar keine Risiken in den Büchern, aber das in den Kursen implizierte hohe Wachstum wäre dann passé. Dieses Risiko sollten Upstart Anleger nicht aus den Augen verlieren.

Buy-Now-Pay-Later für Kfz-Kredite

Mit der Übernahme von Prodigy ist Upstart seit März 2021 in den Markt für Autokredite eingestiegen. Damit hat das Unternehmen den Total Adressable Market (TAM) vervielfacht. Der Markt für Autokredite ist um den Faktor sieben größer als der Markt für unbesicherte Konsumentenkredite. Prodigy ist eine Verkaufs-Software für Autohändler, eine Art „Shopify for car dealership”, wie es CEO Girouard beschreibt. Über die Plattform von Prodigy sind im zweiten Quartal Verkäufe im Wert von über eine Milliarde Dollar abgewickelt worden, im ersten Quartal waren es 800 Millionen Dollar.

Die Anzahl der Autohändler, die Prodigy nutzt, hat man nach eigenen Angaben verdoppeln können. Das ist natürlich nicht das Kerngeschäft von Upstart. Ziel ist es, künftig die Autokredite zu finanzieren. Über 2000 Refinanzierungen hat Upstart über Partnerbanken schon vermittelt, allerdings noch nicht über den eigenen Algorithmus. Die ersten Autokredite powered by Upstart soll es aber bereits im vierten Quartal geben. Wenn die Integration von Krediten in die Verkaufs-Software gelingt, dann könnte daraus ein extrem attraktives Buy-Now-Pay-Later (BNPL) Modell für KFZ-Kredite werden. Die Ticketgröße dieser Kredite ist deutlich höher, die Marge für Upstart bleibt nach Angaben des Managements gleich. Schon in wenigen Jahren, vielleicht sogar Quartalen, könnten sich der Umsatz in Richtung KFZ-Kredite verlagern.

Fazit zur Upstart Aktie

Nach der Kursrally gehört die Upstart Aktie zu den größten Positionen im Portfolio des The Digital Leaders Fund. Aktuell läuft alles rund für das Unternehmen. Der Kreditmarkt erholt sich deutlich, mehr Banken und mehr institutionelle Kunden wollen mit Upstart kooperieren. Schon bald könnte die erste namhafte Bank als Partner verkündet werden. Der limitierende Faktor ist eher der Kunde mit guter Bonität. Aber auch bei der Kundenakquise gibt es gute Entwicklungen. Upstart hat die relative Abhängigkeit von Credit Karma im zweiten Quartal reduziert. Mehr als 50 Prozent der Leads kommen nun von anderen Aggregatoren bzw. direkt über Onlinemarketing und vor allem über Direkt Mailing, für das Upstart nun zunehmend mehr Geld hat. Zudem werden Investoren m.E. noch viel Spaß mit dem KFZ-Kreditgeschäft von Upstart haben.

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Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Upstart. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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