Match Group: Tinder-Hype in Asien

8. Februar 2019

Match Group Hype Asien - Quartalszahlen Q4 2018

Match Group hat in dieser Woche Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2018 präsentiert.

Und diese waren dann doch nicht so schlecht, wie vom Management Anfang November (wir haben damals zu den Q3 Zahlen 2018 der Match Group berichtet) noch angekündigt.

Die Umsätze stiegen gegenüber Vorjahresquartal um 21 Prozent, der operative Gewinn um 18 Prozent.

Hier die Highlights für das vierte Quartal:

  • Gewinn pro Aktie: $0,43 vs. 0,39 erwartet
  • Umsätze: $457,3 Millionen vs. $448,5 Millionen  erwartet
  • Abonnenten: 8,2 Millionen (+17 Prozent vs. Q4’17)
  • ARPU (Average Return Per User): $0,58 (+4 Prozent vs. Q4’17)   

Die Match-Aktie – Nichts für zarte Gemüter

Der negative Effekt der auslaufenden 12- und 6-Monats-Verträge wurde offensichtlich mehr als ausgeglichen durch Vertragsverlängerungen und überraschend hohen Neuverträgen bei Tinder.

Wir sind in unserem November-Artikel zu Match auf das Thema eingegangen und auch auf die hohe Volatilität der Match Group Aktie bei dem geringen Freefloat von unter 20 Prozent.

Das Unternehmen hätte uns also die Achterbahnfahrt des Aktienkurses ersparen können, wenn es schlicht die eigenen Erwartungen nicht kassiert hätte vor drei Monaten.

Nach dem Kurssturz im November hat sich die Match-Aktie kontinuierlich erholt und fast wieder die alten Höchstkurse erreicht.

Die erratische Kursbewegung der Aktie wird aber noch getoppt von den Irrfahrten mancher Analysten.

Am Montag setzte Goldman die Match-Aktie auf Sell, am Tag vor den Zahlen erklärte die Deutsche Bank den Goldrausch bei Tinder für beendet.

Ein paar Stunden später kamen die Q4-Zahlen und die Aktie legte zwischenzeitlich über 12 Prozent zu.

Match Group Hype Asien - Match Group Aktie vs. Nasdaq Index
Match-Aktie vs. Nasdaq-Index seit Auflegung The Digital Leaders Fund.

Tinder dominiert das Geschäft

Bei Match dreht sich aktuell alles um Tinder.

Die Dating-App ist mittlerweile für 50 Prozent der Umsätze des Unternehmens verantwortlich.

Außerdem hat die App nun 4,3 Millionen Abonnenten, allein in Q4 sind netto 233.000 dazu gekommen.

In über 190 Ländern und in 46 Sprachen kann die App genutzt werden und in über 100 Ländern ist sie die am meisten heruntergeladene kommerzielle App (App Annie).

Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde (ARPU) ist bei Tinder nun fast so hoch wie beim Gesamtunternehmen. Gleichzeitig wächst das Unternehmen in den USA derzeit mit knapp über 10 Prozent, im Ausland über 20 Prozent, und in vielen Ländern Asiens deutlich mehr.

In Südkorea haben sich die Downloads bei Tinder im Januar verdreifacht (aktuell laufen TV-Kampagnen) und in Indien 50 Prozent angezogen.

Warum das so bemerkenswert ist, möchte ich am Beispiel von Facebook erklären.

Die Einnahmen bei Tinder sind laufende, monatliche Abo-Gebühren, zudem kommen Erträge „a la carte“ für die Nutzung einzelner Features.

Werbung spielt derzeit nur eine untergeordnete Rolle.

Der Nutzer in Europa, Südkorea, Taiwan etc. zahlt derzeit fast genauso viel wie der Kunde in den USA (siehe ARPU in der folgenden Grafik).

Bei Facebook dreht sich alles um Werbung. Und Werbekunden bei Facebook wollen an die Taschen von US-Bürgern und Europäern.

Der ARPU in USA und Kanada liegt hier bei knapp 35, in Asien-Pazifik bei unter 3 USD.

Somit ist das Wachstum im Ausland bei Tinder ungleich bedeutender für die Erträge.

Vergleich des ARPU von Match und Facebook:

Match Group Hype Asien - ARPU von Match
ARPU von Match
Match Group Hype Asien - ARPU von Facebook
ARPU von Facebook

Marktsättigung noch lange nicht erreicht

In diesem Zusammenhang ist eine Analyse von Match aufschlussreich, die die Durchdringung von Dating-Apps bei Singles untersucht hat, die online sind.

Hier die Zahlen für die USA und ausgewählter Länder in Asien:

Match Group Hype Asien - Nutzung von Tinder in USA
Nutzung von Dating-Apps in USA
Match Group Hype Asien - Nutzung von Tinder in Asien
Nutzung von Dating-Apps in Asien

Das Unternehmen möchte natürlich darauf hinweisen, dass eine Marktsättigung noch lange nicht erreicht worden ist.

Inzwischen hat sich auch die Rhetorik zu Facebook geändert.

In den wenigen Ländern, in denen Facebook Dating-Services anbietet wie Kolumbien, Kanada und Thailand hätte man keine Auswirkung auf Match feststellen können.

Vielmehr erhoffe man, dass Facebook dabei hilft, den Gesamtmarkt für Online-Dating-Services zu erschließen.

Mit Hinge gegen Bumble

Bei der Frage nach dem größten Risiko für Tinder und somit Match ist die Antwort eindeutig: Bumble.

Nicht nur weil zwischen Bumble und Match diverse Klagen laufen, sondern auch, weil die von der ehemaligen Mitgründerin von Tinder entwickelte App sich vor allem bei Frauen großer Beliebtheit erfreut und bei den Download-Rankings weltweit an den Fersen von Tinder hängt.

Das zeigt auch das Kategorie-Ranking “Lifestyle” von SensorTower in den USA:

Match Group Hype Asien - Beliebtesten Apps USA Tinder, Bumble, Hinge

Match Group hat offensichtlich mit Hinge ein Angebot, das noch schneller wächst als Bumble.

Die für „Millennials mit ernsthaften Absichten“ entwickelte App hat in den USA 2018 etwa 40 Prozent der Downdloadzahlen von Bumble erreicht.

Hinge könnten sich somit neben Tinder zu einer ernsthaften Einnahmequelle für Match Group entwickeln.

Match Group Hype Asien - Meiste Downloads Apps USA Bumble, Hinge
Viele Downloads von Bumble auch im Q4 2018

Fazit

Die Match Group hat sich dank Tinder zu einem profitablen und margenstarken Unternehmen entwickelt.

Die Einführung von Tinder Gold hat die Erträge in 2018 nach oben katapultiert.

Das wird sich in 2019 so nicht wiederholen lassen, auch wenn in 2019 noch mal 1 Millionen Abonnenten bei Tinder dazu kommen.

Das Unternehmen ist für Q1 2019 und das Gesamtjahr etwas konservativer geworden.

Insgesamt erwartet das Management ein Umsatzwachstum in 2019 von etwa 15 Prozent, bei der EBITDA-Marge allerdings einen Wert von über 38 Prozent.

Mit einem EV/Sales von über 7 und einem KGV von über 30 auf Basis der Schätzungen für 2019 ist das Unternehmen mittlerweile sportlich bewertet.

Das internationale Wachstum überzeugt, macht die Erträge aber auch riskanter bei Währungsschwankungen.

Zwei Dinge könnten positiv überraschen: In der zweiten Jahreshälfte können die Einnahmen bei Marken wie Hinge positiver ausfallen.

Zudem gibt es Bewegung bei den „take rates“ von Apple und Google.

Der Druck auf die „digitale Wegelagerei“ wird größer. Von den etwa 800 Mio. USD Umsätzen bei Tinder, müssen ca. 30 Prozent an Apple und Google abgegeben werden.

Einer der größten Profiteure von einer Senkung der Gebühren wäre somit Match Group. Das alles ist allerdings nicht in den Planzahlen enthalten.

Im Portfolio des Digital Leaders Funds werden wir weiterhin in Match Group investiert bleiben, aber perspektivisch die Gewichtung etwas runterfahren.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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